Abnett / Lanning / Giffen / Olivetti / Walker – Annihilation 1 (von 4)

_Story_

Am Rande des Universums kommt es zu heftigen Erschütterungen. Ein mächtiges Wesen namens Annihilus beginnt seinen Streifzug durch die gesamte Galaxis und ist zu allem entschlossen. Mit kompromissloser Gewalt lässt es seine mächtigen Waffen zunächst auf Xandar, die Heimat der Nova Corps, niedergehen. Die Spezialeinheit ist zwar auf den Kampf mit dem bislang unbekannten Gegner vorbereitet, bleibt aber chancenlos und wird nach nur wenigen gewaltigen Explosionen komplett aus ihren Fugen gerissen. Lediglich ein einzelner Kämpfer sowie zwei entflohene Sträflinge überleben das Attentat und bleiben in der Schneewüste von Xandar zurück.

Doch für Nova ist nicht alle Hoffnung verloren. Als Letzter seiner Art entdeckt er den tot geglaubten Weltgeist wieder und vereint das Wissen des gesamten Corps in seinem Gehirn. Doch die mächtige Waffe, die der Weltgeist in sich birgt, ist nicht leicht zu kontrollieren. Und Nova droht bei ihrem Einsatz gar völlig wahnsinnig zu werden.

_Persönlicher Eindruck_

Abseits der beiden jahresfüllenden Crossover-Serien der beiden amerikanischen Comic-Giganten |DC| und |Marvel| – „52“ und „Civil War“ – haben Letztere mit „Annihilation“ einen weiteren Gewaltakt aus der Taufe gehoben, der definitiv nicht im Schatten der Mega-Events stehen sollte. Zwar ist die in Deutschland auf vier Sammelbände verteilte Geschichte nicht ganz so komplex und weitreichend aufgebaut und verfügt auch nicht über eine solch riesige Liste großer und bekannter Namen, doch rein auf die Story und ihren Aufbau bezogen, kann das Werk des Autoren-Sechsergespanns Giffen, Olivetti, Kolins, Abnett, Lanning und Walker ganz locker mit den breiter propagierten Serien mithalten.

Dabei ist das Setting in diesem Fall mal wieder ziemlich ungewöhnlich. Nicht etwa, dass groß angelegte Erzählungen aus dem Universum im |Marvel|-Kosmos Seltenheit hätten, doch spielt „Annihilation“ jenseits jeglicher bekannten Welten und präsentiert zudem einige Charaktere, die zumindest hierzulande nur absoluten Insidern bekannt sein dürften. Erfrischende Voraussetzungen also, die im ersten Band auch entsprechend genutzt werden. Hierin enthalten ist zunächst die offizielle Vorgeschichte, die den unfreiwilligen Zerfall Xandars beschreibt. Mittels reichlich verwendeter Explosionen, panisch umherstreunender Nova-Kämpfer und permanentem Geschützfeuer wird hier direkt die bombastische Action eingeführt, die an den entscheidenden Stellen jedes Mal dieses opulente Maß erreicht.

Es geht von Beginn an ordentlich zur Sache, ohne Rücksicht auf Verluste, aber doch kontrolliert und insgesamt leicht überschaubar. Der eigentliche Plot beginnt indes erst nach dieser Welle der Zerstörung. Man lernt den tragenden Charakter Nova kennen, der schwer angeschlagen in einer Winterlandschaft aufwacht und fassungslos beobachtet, was mit seiner Welt geschehen ist. Es dauert nicht lange, bis er realisiert, dass er die Katastrophe als Einziger überlebt hat, was ihn aber dennoch nicht davon abhält, zum Standort der einstigen Nova-Corps-Zentrale zurückzukehren. Und wundersamerweise befindet sich dort tatsächlich noch der Weltgeist, seine letzte Hoffnung und das einzige Vermächtnis des zerstörten Corps.

Während er im ständigen Widerstreit mit jenem Weltgeist steht, der dauernd versucht, Novas Schritte zu kontrollieren, trifft Nova alias Richard Rider auf die beiden entflohenen Verbrecher Drax und Cammi, die sich ihm anschließen wollen. Doch der verbissene Rider will lieber als Einzelkämpfer durchs Land ziehen und verabscheut die beiden anderen. Als dann aber auch noch Quasar auftaucht, muss er einsehen, dass sie nur als Team eine Chance gegen Annihilus haben. Mit Hilfe der Novakraft will Richard versuchen, ein Portal aufzubauen, durch das sie ihrem aggressiven Widersacher vorerst entkommen können. Doch als er gemeinsam mit Quasar die direkte Konfrontation sucht, um dieses Portal zu öffnen, kommt es zu einem weiteren schrecklichen Zwischenfall, der Annihilus sogar eher noch stärkt als schwächt.

Der erste Teil dieser neuen Reihe ist vor allem eines: extrem bildgewaltig. Die einzelnen Charaktere werden sehr gut in Szene gesetzt und bekommen auch einen perfekt darauf zugeschnittenen illustrativen Rahmen, der sowohl in den verhältnismäßig ruhigen Phasen der Handlung als auch in den sich überschlagenden Ereignissen zu Beginn bzw. am Ende der Geschichte ein wahrer Schmaus fürs Auge ist. Aber auch die Charakterzeichnungen sind dem Autorenteam sehr gut gelungen. So mimt Richard Rider zum Beispiel den typischen Rebellen, vergleichbar vielleicht mit einem Han Solo, wobei diese Parallele alleine deswegen sehr schön passt, weil sein weibliches Äquivalent Cammi mit lockeren Sprüchen nicht zurückhält, so dass vor allem vor dem Hintergrund des bombastischen Science-Fiction-Szenarios, das „Annihilation“ nun mal zweifelsohne ist, dieser Vergleich durchaus seine Berechtigung findet. Darüber hinaus ist auch der Entwurf der Bösen der beklemmenden Atmosphäre sehr schön angepasst. Annihilus besteht optisch sowie mental als die wahre Inkarnation der Finsternis, wohingegen seine zahlreichen Gehilfen seine Macht abseits erprobter Klischees sehr prägnant darstellen. Er ist ein würdiger Gegner eines würdigen Heldenteams innerhalb eines ebensolchen Erzählstranges.

Der Anfang ist also schon mal souverän gemeistert und projiziert bereits jetzt die nächsten vielversprechenden Aussichten. Weitere Helden wie Galactus und der Silver Surfer werden noch ins Rennen einsteigen, Richard Rider und sein neues Alter Ego, der in ihm gefesselte Weltgeist, werden sich unter Garantie weitere witzige Wortduelle liefern, während der letzte Überlebende des Nova Corps noch viel lernen muss, um seine neuen Kräfte zu beherrschen. Und dass Annihilus mit seinem Feldzug gegen die bewohnten Planeten der Galaxis gerade erst begonnen hat, ist ebenfalls ein Hinweis darauf, dass noch einige actionreiche Episoden von „Annihilation“ bevorstehen. Ein Lob also an das stark besetzte Autorenteam, dem es hier mit vermeintlich zweitrangigen Charakteren gelungen ist, eine fabelhafte, futuristische Action-Geschichte aufzubauen und somit den durch den „Civil War“ ausgelösten Aufruhr im |Marvel|-Universum noch weiter bestärken. Qualitätsbewusste Superhelden-Ästheten kommen am ersten Teil von „Annihilation“ jedenfalls nicht vorbei.

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