Alexander-Burgh, Eberhard – Hui Buh, das Schlossgespenst – Königliche Samtbox (Folge 1) (Hörspiel)

Als Eberhard Alexander-Burgh (1928 – 2004) Anfang der Siebziger mit der Arbeit an seinen HUI-BUH-Hörspielen – zunächst fürs Radio und ab 1969 für die |EUROPA|-Studios – begann, konnte er noch nicht ahnen, dass der Figur dermaßen großer Erfolg beschieden sein wird, dass es die ursprüngliche Serie auf stolze 23 Folgen brachte. Die Neuauflage „Hui Buh – Neue Welt“, welche basierend auf dem Kinofilm von 2006 den Faden moderner weiterspinnt, ist ihr inzwischen auf den Fersen. Just in jenem Jahr war es auch, vermutlich um auf der medialen Welle der Leinwandfassung mit zu schwimmen, dass die allererste Hörspiel-Folge als Sonderedition herausgebracht wurde: als „Königliche Samtbox“.

_Zur Story_

Seit über 400 Jahren geistert HUI BUH, das – einzig behördlich zugelassene – Gespenst von Burgeck durch die Gemäuer des Schlosses. An einem Freitag dem 13. wurde damals aus dem stattlich-fidelen Ritter Balduin das Gespenst mit der rostigen Rasselkette – dazu verdammt in seiner vermoderten Holztruhe hoch oben im Fledermausturm zu wohnen sowie zwischen Zwölf und Eins lautstark zu spuken. Dabei hilft ihm sein Buch „Spuken leicht gemacht für Jedermann“. Auf Burgeck lebt derzeit nur noch der alte Kastellan – was sich allerdings dieser Tage ändern wird: König Julius der 111. schickt sich an sein Erbe anzutreten und in die – zugegeben inzwischen doch etwas marode – Heimstatt seiner Ahnen einzuziehen. Aber ein König mit Sportwagen, dafür aber ohne Purpur, Zepter und Krone?!

Hui Buh ist skeptisch und zudem voller Tatendrang den Eindringling aus Burgeck zu vergraulen. Als „Mumm, der Kopfschmeißer“ pfeffert er seinen Schädel in die Blaubeersuppenschüssel auf der königlichen Tafel. Ausgerechnet daraus jedoch entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen dem König und „seinem“ Schlossgespenst. Egal ob die grässliche Gräfin Etepetete, dreiste Einbrecher oder auch ein spukresistenter Professor: Alle kriegen ihr Fett weg – auch wenn sich der Geist dabei zuweilen etwas tollpatschig anstellt. Die größte Aufgabe jedoch wartet jedoch in Gestalt der lieblichen Prinzessin Konstanzia, dessen Herz Julius erobern möchte. Davor hat das Schicksal aber deren resolute Mutter gesetzt. Dafür muss Hui Buh seinen unlängst verschluderten Geisterschatz wiederfinden. Darin ist nicht nur eine dringend benötigte Königskrone enthalten, sondern auch die mögliche Erlösung von seinem Geisterdasein.

_Eindrücke_

Legendär ist bereits der Eröffnungsdialog („Manche Leute sagen es gibt Gespenster …“), den Erzähler Hans Paetsch und Hans Clarin als vorwitziger Hui Buh führen. Hier in Folge 1 besteht noch etwas mehr Klärungsbedarf, warum und wieso aus Ritter Balduin das Schlossgespenst wurde. Die genaueren Details der Verwünschung erfährt der treue Hörer allerdings erst in späteren Folgen. Die künstlerische Gesamtleitung des Projektes hatte schon damals Prof. Dr. Beurmann. Produktion und Regie oblag in diesem Fall aber noch nicht dessen späterer Frau, Heikedine Körting, sondern Konrad Halver. Der setzt die drei kleinen, amüsanten Episoden, aus welchen diese Folge im Prinzip besteht, aber keinen Deut schlechter um. Im Gegenteil. Für ein Hörspiel von 1969 ist die Produktion bereits sehr fortschrittlich, dank guter Soundeffekte und musikalischer Unterstützung atmosphärisch dicht und bis in die Nebenrollen hinein gut besetzt.

Bei der Sprecherbesetzung ergaben sich im Laufe der Serie einige Änderungen – lediglich die beiden unvergesslichen Hans Clarin und Hans Paetsch bildeten bereits jetzt eine Konstante und sind sicher ganz maßgebliche Faktoren für den großen Erfolg von Hui Buh. Wiewohl einige Sprecher den Part zwischenzeitlich übernahmen, so ist doch Erstbesetzung Claus Wilcke eigentlich DER König Julius schlechthin. Ähnliches gilt für Ingrid Andree, alias Konstanzia. Konrad Mayerhoff als Kastellan wirkt hingegen ein wenig zu kontur- und farblos. Ab Folge 3 übernahm dann auch Andreas von der Meden den Job und verlieh der Figur bis zum Ende der Serie einen würdevollen wie gewichtigeren Auftritt, welcher zum stets herrlich hyperaktiv palavernde Clarin-Gespenst mit passenden Bemerkungen kontrastiert.

Highlight sind natürlich auch immer die teils altdeutsch-anachronistischen Begriffe und Redewendungen, kurzum die markigen Sprüche, welche der tollpatschige Geist auf der Pfanne hat. Eine heute leider fast schon vergessene Syntax, welche eine ganze Generation – zu der auch der Rezensent gehört – sicher nicht unerheblich prägte. Als inzwischen Erwachsener wundert man sich allerdings, eher als damals, dass Eberhard Alexander-Burgh dem umtriebigen Gespenst so manch unlogisch wie widersprüchlich scheinende Eigenschaft mitgegeben hat. Hui Buh kann wie eine ausgewachsene Buffet-Fräse futtern, sich Beulen einfangen und sogar im Burggraben erkälten. Manchmal schwebt er, dann wiederum muss er Laufen. Das macht die Sache aufgrund der Situationskomik witzig, verlangte aber im Prinzip nach plausiblen Erklärungen, warum dies so ist. Nun gut, Kinder als angepeilte Zielgruppe hinterfragen solcherlei Dinge selten.

_Heda! Auf ein Wort! … zur Sonderedition_

Die „Königliche Samtbox“ enthält eine CD in nostalgischer Vinyl-Aufmachung, Poster-Cover und einem Booklet mit bis dato unveröffentlichtem Material. Dabei handelt es sich um die handgeschriebene Kurzgeschichte „Geheimnis im Burgbrunnen“, welche als Folge 4 vertont wurde, mitsamt den originalen Konzeptzeichnungen des Autors. Die CD beinhaltet zudem noch einen mittlerweile fast in Vergessenheit geratenen Song vergangener Tage. Michael Schanze und Hans Clarin setzten darin dem Schlossgespenst ein Sanges-Denkmal – Komponist dieses, heute vielleicht nicht mehr ganz salonfähigen, da doch hart an der Kitschgrenze kratzenden, Stückes war damals niemand anderes als Ralph Siegel. Leider funktioniert die schwarze Spezial-CD offenbar wohl nicht in allen Laufwerken.

_Die Produktion_

Buch und Konzeption: Eberhard Alexander-Burgh
Künstlerische Gesamtleitung: Prof. Dr. Beurmann
Regie und Produktion: Konrad Halver

|Sprecher und Figuren|

Hans Clarin (Hui Buh), Claus Wilcke (König Julius der 111.), Ingrid Andree (Prinzessin/Königin Konstanzia), Konrad Mayerhoff (Kastellan), Gräfin Etepetete (Heike Kintzel), Räuber Mausehaken (Michael Poelchau), Räuber Langfinger (Michael Hinz), Professor Schlaumeier (Hellmut Lange), Gisela Trowe (Mutter von Prinzessin Konstanzia), Hans Paetsch (Erzähler)

_Fazit_

Der Auftakt zur erfolgreichen Serie ist immer noch ein liebenswertes, äußerst hörenswertes Hörspiel, dem der Zahn der Zeit seit 1969 wenig bis gar nichts anhaben konnte. Selbst Noch-Nicht-Kenner der klassischen Hui Buh Folgen dürfte sie sofort in ihren Bann ziehen. Bei Interesse muss sich allerdings sputen noch eine Box zu ergattern, denn die ist – wie inzwischen die komplette Serie – bereits länger Out-of-Production und wird daher nur noch selten (neu) als Restbestand angeboten. Anderenfalls bleibt nur der Weg über den Gebrauchtmarkt oder den Shop von |EUROPA|, wo sämtliche Folgen als kostenpflichtige 320 kB-Downloads bereitliegen. Das 2001er Remaster, auf dem auch die Schmuckbox fußt, ist übrigens sauber in ADD abgemischt. Eigentlich ist aber diese Version ein Sammlerstück und zu schade für den wiederholten Hausgebrauch.

|Audio-CD mit einer Laufzeit von ca. 38 Minuten
EUROPA / Sony Music Entertainment, 1969/2001
EAN: 828768593929|
[www.natuerlichvoneuropa.de]http://www.natuerlichvoneuropa.de

_Hui Buh bei |Buchwurm.info|:_
[„Das Schlossgespenst“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2762
[„Hörspiel zum Film“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2881
[„Hui Buh, das Schlossgespenst“ – Königliche Samtbox (Folge 1) (Hörspiel)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7546
[„Hui Buh … in neuen Abenteuern“ (Folge 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7576
[„Hui Buh … spukt lustig weiter (Folge 3)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7540
[„Neue Welt: Der Geist der Weihnacht“ (Folge 13)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7471
[„Schlotterbox (13-15)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3478

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