Isaac Asimov – Meine Freunde, die Roboter

Der künstliche Mensch mit einem Gewissen

In diesem Band liegen sämtliche Roboter-Erzählungen gesammelt vor, die noch heute verfilmt werden, z. B. mit Will Smith in der Hauptrolle. In der fünften Geschichte „Liar!“ formulierte Asimov die ersten drei Gesetze der Robotik, die noch heute die Grundprinzipien des Baus von Robotern darstellen. In Japan werden Roboter inzwischen als Kindermädchen eingesetzt.

Später ergänzte er die drei Gesetze um das nullte Gesetz, das nicht nur Einzelmenschen, sondern auch die Menschheit als Ganzes schützen soll (ob das immer gelingt, steht auf einem anderen Blatt). Asimovs Robotergeschichte sind ein wichtiger Beitrag, den die Sciencefiction zum Thema Künstliche Intelligenz geleistet.

Der Autor

Isaac Asimov, geboren 1920 in Russland, wuchs in New York City auf, studierte Biochemie und machte seinen Doktor. Deshalb nennen seine Fans ihn neckisch den „guten Doktor“. Viel bekannter wurde er jedoch im Bereich der Literatur. Schon früh schloss er sich dem Zirkel der „Futurians“ an, zu denen auch der SF-Autor Frederik Pohl gehörte. Seine erste Story will Asimov, der sehr viel über sich veröffentlicht hat, jedoch an den bekanntesten SF-Herausgeber verkauft haben: an John W. Campbell.

Campbells SF-Magazin „Astounding Stories“, später „Analog“, setzte Maßstäbe in der Qualität und den Honoraren für gute SF-Storys. Unter seiner Ägide schrieb Asimov nicht nur seine bekannten Robotergeschichten, sondern auch seine bekannteste SF-Trilogie: „Foundation“. Neben SF schrieb Asimov, der an die 300 Bücher veröffentlichte, auch jede Menge Sachbücher, wurde Herausgeber eines SF-Magazins und von zahllosen SF-Anthologien.

Isaac Asimov auf Buchwurm.info:

„Die Stahlhöhlen & Die nackte Sonne“
„Der Aufbruch zu den Sternen“
„Das galaktische Imperium“
„Die frühe Foundation-Trilogie“
„Das Foundation-Projekt“
„Die Rückkehr zur Erde“
„Falsch korrigiert“
„Best of Asimov“
„Lucky Starr“
„Das Ende der Ewigkeit“
„Die phantastische Reise“

Inhalte

Dieser Band sammelt die Robotergeschichten, die Isaac Asimov zwischen 1940 und 1976 schrieb und in drei Bänden veröffentlichte: „Ich, Robot“ (1950), „Geliebter Roboter“ (1957) und „Der Zweihundertjährige“ (1976). Die zwei Verfilmungen „Der 200-Jahre-Mann“ (mit Robin Williams) und „I, Robot“ (mit Will Smith) dürften bekannt sein.

Asimovs Roboter sehen menschenähnlich aus, laufen also auf zwei Beinen, haben zwei Arme und einen menschenähnlichen Kopf. Doch zwischen den Ohren muss ein völlig anderes Gehirn stecken. Asimov schreibt, es handle sich um ein „Positronengehirn“. Nur wenn man weiß, dass Positronen – die gibt’s wirklich – positiv geladene Elektronen sind (und dementsprechend rar), wird dem Fachmann klar, was für ein Unsinn das ist. Näheres dazu findet sich in Greg Brears vorzüglichem Vorwort. Aber immerhin gibt es diesen Hinweis auf die Funktionsweise. Dieser fehlte noch der Story „I, Robot“ von Eando Binder aus dem Jahr 1939 (siehe dazu „Die besten Stories von 1939“).2686

Asimovs Roboter unterscheiden sich also bereits im Aussehen und der Funktionsweise grundlegend von Künstlichen Menschen wie Karel Capeks fortpflanzungsfähigen Androiden in dem Theaterstück „R.U.R. – Rossums Universal Robots“2741 aus dem Jahr 1921, aber auch von Kubrick/Clarkes HAL 9000 an Bord der unglücklichen „Discovery“ (1968). Aber auch Kyborgs wie der Terminator sind etwas anderes: Es gibt kein lebendes Gewebe in Asimovs Robots.

Wie auch immer: Die Hardware ist vorhanden, wo bleibt die Software? Die kommt von der U.S. Robot and Mechanical Brain AG, die später in die US Robot Company umbenannt wurde. Ihr Gründer, der sie 1982 eröffnete, war Lawrence Robertson, doch ihr Chef ist mittlerweile Dr. Alfred Lanning. Hier arbeitet die Roboterpsychologin Dr. Susan Calvin, die im Jahr 1982 geboren wurde, im Jahr 2008 Roboter konstruierte und nun schon 75 Jahre alt ist. Man schreibt also das Jahr 2057. Dr. Calvin ist für den Entwurf, den Test und manchmal sogar den Service an Robotern zuständig, hat also nichts mit Vertrieb und Vermarktung zu tun. Sie stellt den Kopf der Forschungs- und Entwicklungsabteilung dar.

Durch diverse Erfahrungen, die in den Robotergeschichten geschildert werden, kommt sie schon früh zu dem Schluss, dass es eine Reihe von strengen Grundregeln geben muss, denen das Verhalten ihrer Produkte folgen soll. Dabei handelt sich um die drei Grundregeln oder Gesetze der Robotik. (Asimovs Herausgeber John W. Campbell schrieb sie auf und gab sie seinem erfolgreichen Autor Asimov zur Beherzigung, schreibt Bear.)

Die drei Grundregeln oder Gesetze der Robotik

Das Nullte Gesetz: Ein Roboter darf der Menschheit keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass der Menschheit Schaden zugefügt wird.

Das Erste Gesetz: Ein Roboter darf einem menschlichen Wesen keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird, es sei denn, dies würde das Nullte Gesetz verletzen.

Das Zweite Gesetz: Ein Roboter muss dem ihm von einem menschlichen Wesen gegebenen Befehl gehorchen, es sei denn, dies würde das Nullte oder das Erste Gesetz der Robotik verletzen.

Das Dritte Gesetz: Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, es sei denn, dies würde das Nullte, das Erste oder das Zweite Gesetz der Robotik verletzen.

Die Umsetzung dieser vier Grundregeln erweist sich zu Dr. Calvins Leidwesen als gar nicht so einfach und ist voller Tücken. Das Nullte Gesetz beispielsweise musste wegen einer globalen Bedrohung der Menschheit nachträglich hinzugefügt werden. Als Beispiel für die Tücken der Thematik möge die folgende Geschichte dienen, in der die drei Gesetze noch nicht formuliert, aber bereits hinterfragt wurden. Die Formulierung erfolgte in „Rundaround“, das im März 1942 in „Astounding Science Fiction“ erschien.

Lügner! (Liar!, 1941)

Die Roboterpsychologin Dr. Susan Calvin ist für die Entwicklung positronischer Roboter verantwortlich. Diesmal wird sie durch die Nachricht des Mathematikers Bogert überrascht, dass der neue Typ RB-34 Gedanken lesen könne! Das findet ihr und Bogerts Boss Alfred Lanning nicht witzig, denn es hat alle möglichen Implikationen. Es gibt nämlich bereits zunehmende Antiroboterpropaganda. Wie sollen sie den Roboterfeinden einen Gedankenleser akzeptabel machen? Man würde ihnen das Werk schließen!

Während Lanning und Bogert die knifflige Problemfindung in Angriff nehmen und sich zerstreiten, beschäftigt sich Susan mit der Psyche des Roboters, den sie Herbie nennt. Sie wundert sich, dass er sich nicht für Wissenschaft, sondern für das menschliche Gefühlsleben interessiert und deshalb vor allem Liebesromane liest. Er weiß genau, dass sie in das Vorstandsmitglied Milton Ashe verliebt ist, und versichert ihr, dass die Kusine, die Ashe eingestellt hat, dem Mann, den Susan anhimmelt, nichts bedeutet. Susan schwebt fortan auf Wolke sieben.

Doch der Absturz ist umso härter, als Ashe ihr – ganz im Vertrauen natürlich – verrät, dass er ein Haus suche, weil er seine Kusine heiraten wolle. Susan weiß nicht, wie ihr geschieht, doch Herbie unterstützt ihren zusammenbrechenden Verstand nach Kräften. Als sie dann auch noch erfährt, dass Herbie auch Bogert und Lanning genau das gesagt hat, was sie jeweils hören wollten, erkennt sie die Natur des Problems, das Herbie darstellt. Es hat mit den drei Robotergesetzen zu tun, was sonst.

Mein Eindruck

Mr. Spock von Star Trek würde sagen: Eigentlich ist es ja logisch, dass sich die Anwendung der drei Gesetze der Robotik auch auf Emotionen erstreckt. Das ERSTE GESETZ lautet: Ein Roboter darf keinen Menschen töten oder durch Untätigkeit zulassen, dass der Mensch verletzt wird. Das Ergebnis hätte Susan Calvin also absehen müssen, aber da sie selbst durch Liebe verblendet ist, versäumt sie es, ihre grauen Zellen einzuschalten.

Als sie aus allen Wolken fällt, kehrt zwar ihre Vernunft wieder, um den Kern des Problems herauszufinden, doch was sie dann tut, schockiert denn doch in seiner Brutalität. Wenn Herbie kein mechanisches Konstrukt wäre, müsste man Dr. Susan Calvin wegen Mordes einbuchten. Dass sie ihn obendrein einen Lügner (siehe Titel) nennt, sagt mehr über die Realität der Menschen aus als so mancher langatmige Roman.

Robots & die Future History

Es würde zu weit führen, sämtliche 31 Storys hier vorzustellen, deshalb soll diese Kurzvorstellung dem Demonstrationszweck genügen. Es ist aber wichtig zu erwähnen, dass die Roboter in Asimovs Universum eine durchgehende Existenz und Verbreitung entwickeln. Denn Asimov, nicht faul, hat seine eigene Geschichte der Zukunft nach dem Vorbild seines Kollegen Robert A. Heinlein (siehe dazu „Methusalems Kinder“)4732 geschrieben. Asimovs Future History ist komplett im Heyne-Verlag erschienen.

Der prominenteste Roboter in diesem Universum ist mit weitem Abstand R. (= Robot) Daneel Olivaw. Er ist der Kollege, der dem Polizisten Lije Bailey in den SF-Kriminalromanen „Die Stahlhöhlen“ und „Die nackte Sonne“ helfen soll, knifflige Fälle zu lösen. Dabei legt R. Daneel Olivaw die typischen Robottugenden der Würde, Ehre und des Gewissens an den Tag. Es verwundert daher nicht, dass er das NULLTE GESETZ formuliert und vorschlägt. In späteren Fortsetzungen der Robot-Romane wie etwa von Roger McBride Allen („Die Tiefen der Zeit“, „Der Ozean der Jahre“)3236 treten Roboter auf, die völlig andere Tugenden an den Tag legen, nämlich die von Kriminellen. Sie setzen natürlich die drei Gesetze außer Kraft.

R. Daneel Olivaw entpuppt sich in den späten Romanen der Future History als ein tragisch gestalteter Schicksalslenker für die über die Galaxis verstreute Menschheit. Denn immer wieder kommt es zu rätselhaften Zusammenbrüchen der Zivilisation, denen ganze Sternenimperien zum Opfer fallen. Dies wird in den Romanen der „Foundation“-Serie geschildert. Doch das NULLTE GESETZ lässt die Auslöschung der Menschheit nicht zu, folglich ist R. Daneel Olivaw veranlasst, steuernd einzugreifen. Seine Maßnahmen werden sukzessive selbst noch in der zweiten Foundation-Trilogie geschildert, die von Asimovs Kollegen David Brin („Der Sieg der Foundation“),2603 Gregory Benford und – ja, genau – Greg Bear geschrieben wurde.

Mein Eindruck

Wie schon Benford kritisch anmerkte, ist das Robot-Universum durch mindestens eine Absonderlichkeit gekennzeichnet: Es gibt keine Aliens. (Es gibt noch weitere, aber sie tun nichts zur Sache.) Das liegt an der Ablehnung, die der Herausgeber John W. Campbell allen Aliens entgegenbrachte, die jemals seit H. G. Wells‘ „Krieg der Welten“1475 erdacht wurden. Niemals wieder sollten Aliens die Erde unterjochen, denn, so Campbells Credo, der Mensch ist dafür bestimmt, den Weltraum zu erobern. Elegant umging er so die zuvor so populären wie infantilen Weltraumopern, in denen Aliens massenweise bekriegt wurden. Und wenn doch einmal ein Alien wie in A. E. van Vogts „Schwarzer Zerstörer“ (1939) auftrat, so wurde er schnell durch menschliche Supertechnik ausgetrickst.

Menschliche Mutanten waren allerdings okay, und so schrieb Asimov denn auch in „Foundation 2“ über einen Mutanten. (Nicht zuletzt durch diese Konzentration auf den Menschen wurde Campbells Magazin „Astounding Science Fiction“, später „Analog“, zum einflussreichsten SF-Magazin aller Zeiten. Das eigentliche Goldene Zeitalter dauerte von Juli 1939 bis ca. 1946 oder 47, aber natürlich schrieben Asimov & Co. noch bis zu ihrem letzten Schnaufer weiter.)

Die Vier Gesetze der Robotik bilden bis heute die Grundlage für die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Ob man jemals einen Roboter mit freiem Willen ausstatten wird, ist allerdings fraglich. Das würde eine Menge Vertrauen in die Technik voraussetzen, aber in Japan setzt man bereits die ersten Roboter als Kindermädchen in Kitas ein, und das ist ja schon eine ziemlich verantwortungsvolle Aufgabe. Übrigens heißen manche Robots in Japan in Hommage an ihren wichtigen Erfinder „Asimo“.

In literarischer Hinsicht handelt es sich oft um abgewandelte Detektivgeschichten wie auch der Roman „Die Stahlhöhlen“. Die Hauptfigur in Will Smiths Film „I, Robot“ beispielsweise ist ein Polizist. Und hin und wieder tritt ein Reporter auf, so etwa in der Einleitung zu „Ich, der Robot“. Dieser Reporter beginnt Dr. Susan Calvin zu interviewen, und sie erzählt ein wenig aus dem Nähkästchen. So einfach können Storys zu einem Episodenroman geschnürt werden.

Vorwort von Greg Bear

Wie erwähnt, ist Bear selbst vorbelastet: Er hat an Die Zweite Foundation mitgeschrieben, und zwar „Foundation und Chaos“, dem Mittelband der Trilogie. Als Autor mit einem umfassenden Wissen über alle möglichen fortschrittlichen Technologien weiß er auch Asimovs Roboterentwurf fachmännisch zu werten. Mit Kritik hält er sich aber bemerkenswert zurück. Man kann sich vorstellen, wie er diese uralten Ideen von vor knapp 70 Jahren heimlich belächelt.

Er nennt die Vorläufer und Rollenvorbilder der Roboter: den Golem als Beschützer und Retter, der zur Belastung wird; Frankensteins Kreatur, die ihren Schöpfer bis in den Tod verfolgt; von Homer über Capek bis zu Clarke sind ihm alle Geschichten über künstliche Menschen vertraut. Von Franz Fühmanns „Prometheus“ weiß er allerdings nichts. Dafür tischt er eine faszinierende Idee auf: Ein Quantencomputer]http://de.wikipedia.org/wiki/Quantencomputer rechnet in verschiedenen Universen. Die moralische Frage, die es für einen so ausgestatteten Roboter zu lösen gäbe, wäre, zwischen den möglichen Universen dasjenige auszuwählen, welches das „richtige“ wäre. Nur seine Programmierung kann die Auswahl entscheiden. Und könnte für einen Menschen verhängnisvolle Folgen haben, wenn es gilt, die Menschheit gemäß dem NULLTEN GESETZ zu beschützen.

Unterm Strich

Wie man sieht, sind die Gesetze der Robotik eng verwandt mit den Zehn Geboten. Sie behandeln die immer wieder gleichen Fragen der Moral des Handelns und Entscheidens. Deshalb werden sie noch lange aktuell und relevant bleiben. Egal, ob man irgendwann ein Gehirn aus Positronen baut oder aus einem Quantencomputer.

Die vorliegende Sammlung von Robotergeschichten bildet eine ideale Einführung in die Thematik. Viel Spaß dürfte sie ebenfalls bereiten, denn hier sind einige der unterhaltsamsten und verblüffendsten Erzählungen enthalten, die der gute Doktor je geschrieben hat.

Taschenbuch: 720 Seiten
Originaltitel: I, Robot, 1950; Earth is room enough, 1957, The Bicentennial Man and other stories, 1976
Aus dem US-Englischen von Otto Schrag, Walter Brumm, Elisabeth Simon & Jürgen Langowski (Vorwort)
ww.heyne.de
de.wikipedia.org/wiki/IsaacAsimov
www.asimovonline.com
www.krizsan.de/?IsaacAsimovFAQ

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