Bendis, Brian Michael – Double Trouble (Der ultimative Spider-Man 3)

Die dritte Ausgabe der Sammelbände aus der Reihe „Der ultimative Spider-Man“ hält eine ganze Menge Highlights bereit. Unter anderem findet hier der erste Auftritt der ultimativen Gwen Stacy statt. Außerdem kehrt eine Legende aus der Welt von Spider-Man zurück: der wahnsinnige Doktor Octopus, vielen sicherlich auch bekannt aus dem zweiten Kinofilm um den mutierten Spinnenmenschen. Und als wäre dies nicht schon genug, taucht auch Kraven der Jäger in diesem schicken, 180 Seiten starken Paperback zum ersten Mal auf.

_Story_

Peter Parker scheint entlarvt – zumindest glaubt das ein Mitschüler, der einen ernsthaften Verdacht hat, wer genau hinter dem mysteriösen, in der Presse als Bösewicht verschrienen Spider-Man steckt. Im Zuge eines Wettbewerbs, bei dem sich die Schüler als Superhelden verkleiden sollen, ist die Stimmung innerhalb der Klasse von Peter eh schon ziemlich angeheizt, da nichts anderes mehr zum Thema gemacht wird.

Peter hingegen hat ganz andere Sorgen: Durch ein gescheitertes Projekt sind dem Versuchskaninchen Otto gleich mehrere Tentakel angewachsen. Der schroffe Mutant ist darüber gar nicht erfreut und trachtet bereits nach Rache, während sein Schöpfer sich anderweitig mit intriganten Machenschaften beschäftigt. Allerdings schreckt der als Doktor Octopus zu neuem Leben erwachte Otto auch nicht davor zurück, seine Opfer zu töten, was wiederum Spider-Man als Retter eines jeden Menschenlebens auf den Plan ruft. Doch dieser kann nicht so frei wie gewünscht agieren. Zum einen liegt ihm seine störrische Tante May mit belehrenden Vorwürfen im Rücken und gestattet ihm dabei kaum Freiheiten; zum anderen hat sich unlängst der gescheiterte Fernsehstar Kraven wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, als er in einer neuen Show seine Jagd auf Spider-Man angekündigt hat. Harte Zeiten für einen Superhelden, der nebenbei auch noch die Beziehung mit seiner eifersüchtigen Freundin Mary-Jane und seinen Job beim Bugle-Magazin auf die Reihe bekommen muss …

_Meine Meinung:_

Den dritten Sammelband dieser Reihe muss ganz klar diffenrenziert betrachten, soll heißen, Story und Übersetzung sind getrennt zu bewerten. Leider ist es nämlich so, dass die deutsche Fassung dieses Heftes wirklich schwach übersetzt wurde und so viele moderne, zweideutige Witze enthält, dass dem erfahrenen Leser manchmal sogar richtig übel werden kann. Gerade Spider-Man lässt einige Sprüche vom Stapel, bei denen man sicherlich nicht begeistert schmunzeln, sondern eher verärgert mit dem Kopf schütteln wird. Ein Beispiel ist eine Szene aus dem finalen Kampf mit Doktor Octopus, in dem er den Gegner fragt, ob er gewisse Utensilien aus dem Otto-Katalog bestellt hat. Fast noch schlimmer ist ein Ausschnitt ganz zum Anfang der Geschichte, in dem sogar die Pop-Band |No Angels| mit einem herablassenden Kommentar gewürdigt wird. Ich kann mir dabei jedenfalls nicht vorstellen, dass Autor Brian Michael Bendis nach solchen pseudo-humorvollen Texten in der hiesigen Version getrachtet hat, und dementsprechend groß ist schließlich auch die Enttäuschung af diesem Gebiet.

Hinsichtlich der Story ist dieser dritte Band allerdings alles andere als enttäuschend, sondern im Großen und Ganzen ziemlich genial. Angefangen bei der Auferstehung des verrückten Doktors über die Grabenkämpfe zwischen FBI und der Polizei bis hin zu den vielen rasanten Showdowns entwickelt sich hier eine temporeiche Action-Handlung, bei der lediglich das überschüssige Pathos stellenweise etwas zu dick aufgetragen wurde. Doch daran sollte man sich letztendlich weniger stören als an der biederen Übersetzung. Dazu ist noch zu sagen, dass Brian Michael Bendis immer in den Momenten, in denen er abzuwschweifen droht, geschickt die Kurve bekommt. So glaubt man zum Beispiel kurz vor dem letzten Auftritt Spider-Mans, dass sich der Autor zu sehr auf die Beziehung zwischen Peter Parker und Mary Jane einlässt; an anderer Stelle liegt die Befürchtung nahe, der Streit zwischen den ausübenden Gewalten des Gesetzes würde überhand nehmen. Und wieder andernorts droht der Konflikt zwischen Doktor Octopus und seinem Gegenspieler Justin Hammer zu früh zu eskalieren. Doch all das passiert nicht, weil Bendis seiner Linie treu bleibt und diese mittels der gradlinigen Erzählung auch sehr strikt und konsequent weiterspinnt – bis zum sehr gelungenen, aber eben sehr pathetischen Ende.

Band 3, Untertitel „Double Trouble“, hat auf jeden Fall seine Schwächen, die aber keinesfalls am Original festzumachen sind. Story und auch die sehr bunten und überaus gelungenen Zeichnungen von Mark Bagley sind durchweg überzeugend; nur die Sprache mitsamt ihrer überzogen modernen Inhalte und der etwas zu sehr heroische Unterton erweisen sich zwischenzeitlich als Störfaktoren, die man aber trotzdem noch verschmerzen kann. Ultimativ ist „Double Trouble“ daher sicher nicht, lesenswert aber immer noch allemal.

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