Bishop, Anne – Zwielicht (Die Schwarzen Juwelen 4)

Band 1: [„Dunkelheit“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3375
Band 2: [„Dämmerung“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3437
Band 3: [„Schatten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3446

Jaenelle erholt sich allmählich von der tödlichen Erschöpfung, die ihr Schlag gegen die degenerierten Angehörigen des Blutes zur Folge hatte. Doch obwohl Dorothea, Hekatah und ihre Anhänger ausgelöscht sind, hört der Ärger nicht auf. Lektra, eine Junge Hexe in Dhemlans Hauptstadt Amdarh, hat es sich in den Kopf gesetzt, Daemon Sadi für sich zu erobern. Um dieses Ziel zu erreichen, greift sie zu höchst unsauberen Methoden. Unterstützung erhält sie von Roxie, jener Hexe, die einst Lucivar nachstellte und sich nun für dessen Zurückweisung rächen will. Beiden ist allerdings nicht klar, was es bedeutet, mit dem Sadisten zu tanzen …

Obwohl Roxie und Lektra in ihren Intrigen hinter Dorothea und Hekatah kaum zurückstehen, haben sie dennoch nicht deren Format als Bösewichtinnen. Lektra ist einfach nur eine dumme Gans, die in ihrem Hochmut und ihrem Egoismus nicht mal auf den Gedanken kommt, Daemon könnte aus ganz anderen als machtpolitischen Gründen Jaenelles Gefährte sein! Und Roxie ist im Grunde genau das gleiche selbstbezogene und rücksichtslose Stück. Keine von beiden kann über ihre eigene Hutschnur hinaussehen. Und Daemon und Jaenelle kennen sich inzwischen so gut und habe so viel miteinander durchgestanden, dass es schon einiger größerer Anstrengungen bedarf, die beiden auseinander zu bringen.

Allerdings war ein komplexerer Aufbau des Plots auch nicht möglich. Denn er stellt nur die eine Hälfte des Buches. Die andere befasst sich damit zu erzählen, wie Marian und Lucivar zusammenfanden. Diese Episode hat die Autorin zunächst aus gutem Grund weggelassen, denn obwohl es nett zu lesen ist, wie der etwas ungehobelte Lucivar sich erst gegen eine Frau im Hause sträubt, dann aber versucht, das verhuschte Hexchen, das Jaenelle ihm bringt, zu einer selbstbewussten Hexe zu machen, bietet auch dieser Teil des Buches keine größeren Herausforderungen. Luthvians und Roxies Bemühungen, die sich anbahnende Verbindung der beiden zu hintertreiben, sind ebenfalls eher schlicht und direkt als wirklich durchtrieben, und es hat – mit Ausnahme von Roxies Verbannung – keinerlei Auswirkungen auf den Rest des Zyklus.

Da die beiden Hälften des Buches zeitlich um einiges auseinander liegen – die eine spielt zwischen dem zweiten und dritten Band, die andere nach dem dritten -, bildet Roxie tatsächlich die einzige dünne Verbindung zwischen den beiden. Um diesem vierten Band des Zyklus einen durchgehenden Spannungsaufbau oder auch nur einen roten Faden zu ermöglichen, reicht dieser lose Zusammenhang aber nicht aus. Im Gegenteil steht zwischen beiden noch eine dritte, sehr kurze Episode aus einer Zeit vor Daemons und Lucivars Geburt, in der Saetan sich mit seiner Frau Hekatah herumärgern muss. Für keinen der beiden Hauptteile des Buches ist diese Episode wirklich von tragender Bedeutung, sie ermöglicht der Autorin lediglich, sich später mit Anspielungen auf diese Episode zu begnügen, als es darum geht zu beurteilen, wie gefährlich Daemon ist.

Die Erotik kommt hier noch einmal deutlicher zum Zuge als im unmittelbaren Vorgänger, allerdings nicht im selben Umfang wie im ersten Band. Und auch der trockene Humor, der die ursprüngliche Trilogie auszeichnet, hat sich hier abgeschwächt. Er taucht zwar noch auf in dem Gerangel um Lucivars und Marians entstehendes Interesse aneinander, erreicht aber bei weitem nicht die ursprüngliche Intensität. Die vielen interessanten Charaktere aus den ersten drei Bänden kommen nicht mehr vor, wurden aber auch nicht durch gleichwertige neue ersetzt. Dazu kommt noch, dass Jaenelles Machtumfang deutlich kleiner ist als früher. Nicht, dass ich es ihr nicht gönne, sie war ja nie besonders glücklich damit. Aber die knisternde Anspannung, die massive Bedrohung, die ihr entfachter Zorn darstellte, fällt dadurch vollständig weg.

_Am Ende_ bleibt daher ein Gefühl von Stückwerk und Farblosigkeit zurück: Jaenelles Machtverlust, der Wegfall ernst zu nehmender Antagonisten sowie vieler anderer interessanter Charaktere – Titian, Tersa, die meisten der verwandten Wesen – haben eine Menge Flair gekostet. Was übrig blieb, ließ Intensität vermissen. Der vierte Band wirkt im Vergleich zu seinen Vorgängern wässrig und ein wenig unmotiviert. Der erste Teil um Lucivar und Marian erweckt den Eindruck, als wäre ein Loch gestopft worden, das eigentlich niemanden gestört hat, und der zweite Teil war im Grunde ebenfalls nicht wirklich notwendig.

Es ist deutlich spürbar, dass der Zyklus ursprünglich als Trilogie angelegt war, was ja weiter nicht schlimm gewesen wäre. Schade finde ich nur, dass die Autorin offenbar nicht die Energie aufgebracht hat, sich eine Fortsetzung auszudenken, die auf dem ursprünglichen Zyklus wirklich neu aufgesetzt hätte, mit dem alten Schwung, aber neuen Ideen. Statt etwas neues Großes aufzubauen, hat sie – wahrscheinlich, weil die Esser ihren Kuchen so gelobt haben – irgendwo noch ein paar übrig gebliebene lose Krümel zusammengekratzt und serviert. Da wäre es sicher besser gewesen, sie hätte es bei den ursprünglichen drei Bänden belassen.

_Fazit:_ Ganz nett zu lesen, reicht aber nicht an die ersten drei Bände heran. Auch vom inhaltlichen Zusammenhang her muss man diesen Band nicht unbedingt gelesen haben, da der fünfte Band offenbar als Prequel zum ersten Band gedacht ist. Bleibt abzuwarten, ob die Autorin damit das Ruder noch einmal herumreißen konnte.

_Anne Bishop_ lebt in New York, liebt Gärtnern und Musik, und hatte bereits einige Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht, ehe ihr mit dem Zyklus der |Schwarzen Juwelen| der internationale Durchbruch gelang. Der fünfte Band aus diesem Zyklus, für den sie den |Crawford Fantasy Award| erhielt, ist seit Mitte März auf Deutsch erhältlich. Außerdem stammen aus ihrer Feder die Trilogie |Tir Alainn|, die auf Deutsch bisher anscheinend nicht erschienen ist, sowie |Ephemera|, dessen zwei Bände den Zyklus der Schwarzen Juwelen weiterführen sollen. „Sebastian“ ist bereits seit letztem Jahr auf Englisch erhältlich, „Belladonna“ ab März dieses Jahres. Die deutsche Ausgabe des ersten Bandes erscheint im Juni 2007 bei |Heyne|.

http://www.annebishop.com
http://www.heyne.de

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