Blavatsky, Helena P. & Troemel, Hank (Hrsg.) – Geheimlehre, Die. Die Synthese von Wissenschaft, Religion und Philosophie

_Pathetische Worte, aber historischer Wert_

Der zeitgenössische Anthropologe Gregory Tillet beschrieb das Okkulte als verborgenes Potenzial des Menschen. Carl Kiesewetter siedelte den Okkultismus, die Disziplin des Okkulten, sogar in der Anthropologie an. Helena Petrovna Blavatsky, ihres Zeichen Begründerin der Theosophischen Gesellschaft, dagegen beschrieb das Okkulte und den Okkultismus weitaus blumiger. „Die Geheimlehre“ macht dies auf nahezu jeder Seite deutlich. Ihre prophetischen Worte scheinen jedoch heute nicht mehr so recht in reflektierte Okkultismusdebatten zu passen. Wenn sie aber meint, dass doch der Okkultismus „das Eine Sein“ zusammenfasse, was die so genannten Geheimlehren und Religionen der Welt als das „Göttliche“ bezeichneten, so könnten doch noch andere außer Okkultisten aufmerksam werden. Dieses okkulte Göttliche wiederum, wie Blavatsky erklärt, sei gekennzeichnet durch ein „verborgenes, lebendiges und bewegtes Feuer“.

Derart nähert sie sich mittels vergleichbarer Metaphorik nicht nur den Beschreibungen, die auch tiefenpsychologische und anthropologische Ansätze mit ihr teilen, sondern lässt ihr umfassendes Werk auch im Lichte eines Kunstwerks erscheinen. Denn obgleich Blavatsky um die Verbreitung östlicher Esoterik in der westlichen Hemisphäre bemüht war, sprechen Poesie und Pathos gleichsam aus der „Geheimlehre“.

Aufs erste Lesen mag das Werk Blavatskys etwas obsolet erscheinen, es birgt aber meines Erachtens einen historischen Wert: Zum einen gibt es immer wieder Anlass zur Zitation, da mit der Geheimlehre ein lebensweltlicher Versuch (kein wissenschaftlicher) unternommen wurde, all die geheimen Lehren und Praktiken in einem Standardwerk zusammenzufassen, zum anderen offenbarte sie aber auch einem breiten Publikum das „dubiose Okkulte“ und lüftete den Jahrtausende alten Schleier der elitären Esoterik. Ein weiterer Schritt im „geistigen Klassenkampf“. Dies mag buchstäblich eine Basis sein, die jedem, der sich intensiv mit der Strömung des Okkultismus auseinander setzt, begegnen muss. An der Geheimlehre kommt man nicht vorbei, wenn man sich „über den reinen Aberglauben hinaus – mit dem [befasst], was aus dem Menschen werden kann.“ (Gregory Tillet)

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