Britain, Kristen – Pfad der Schatten, Der (Reiter-Zyklus Band 4)

_|Green Rider:|_

Band 1: [„Grüner Reiter“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=174
Band 2: [„Spiegel des Mondes“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=530
Band 3: [„Der schwarze Thron“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5904
Band 4: _“Der Pfad der Schatten“_

_Seit langer Zeit_ hat Karigan wieder einmal Gelegenheit, ihre Familie zu besuchen. Nachdem sie im letzten Band einige gewöhnungsbedürftige Dinge über ihren Vater erfahren hat, findet sie diesmal ein paar überraschende Details über ihre Mutter heraus. Das Wichtigste an ihrem Ritt nach Corsa ist allerdings eine Begegnung, an die sie sich danach nicht mehr erinnert …

Alton sucht immer noch nach einer Möglichkeit, den Wall zu reparieren. Zwar besitzt er nun eine Abschrift des im letzten Band so heiß umkämpften Buches über den Wallbau, es hilft ihm aber nicht wirklich weiter. Bis Karigans Freundin Estral am Wall auftaucht …

Großmutter ist mit ihren Anhängern in den Schwarzschleierwald gezogen, um eine Mission zu erfüllen, die ihr Gott ihr aufgetragen hat. Aber auch die Eleter haben sich auf den Weg ins ehemalige Argenthyne gemacht!

_Neuzugänge unter den Charakteren_ gibt es diesmal kaum, zumindest sind sie nicht nennenswert. Sie sind lediglich Transporteure für die Handlung, entwickeln kaum eigenes Profil, und die meisten von ihnen überleben das Ende des Buches nicht.

Die Handlung lässt sich grob in drei Teile gliedern:

Der Erste spielt sich hauptsächlich in Sacor-Stadt ab und dreht sich vorwiegend um Estora und die Reichspolitik. Dass Intrigen hier eine große Rolle spielen, versteht sich von selbst. Schade nur, dass dem Leser so früh klar ist, wer hier eigentlich der Gegenspieler ist, und was er vorhat.

Der Zweite dreht sich um die Ereignisse am Wall, wo es so aussieht, als käme Alton den gesuchten Antworten mit Estrals Hilfe endlich etwas näher. Doch das bleibt auch dem Feind nicht verborgen.

Im Dritten geht es um die Ereignisse im Schwarzschleierwald, die letztlich auch zum Showdown führen.

Obwohl sie alle mehr oder weniger miteinander in Verbindung stehen, sind diese Verbindungen eher dünn. Großmutter wirft mithilfe ihrer Magie gelegentlich einen Blick auf das, was ihr Verbündeter Birch bei seinem Versuch, eine bewaffnete Streitmacht des zweiten Reiches aufzustellen, bis dahin erreicht hat. Trace, die eine geistige Verbindung mit Connly teilt, sorgt dafür, dass die Nachricht vom Geschehen in Sacor-Stadt an den Wall und andersherum die Erkenntnisse, die Alton im Laufe des Buches gewinnt, in den Palast gelangen. Gravierenden Einfluss auf den Verlauf der jeweiligen Handlungsstränge hat dieser Austausch von Informationen aber vorerst nicht.

Insofern spielen sich hier drei unterschiedliche Geschichten parallel zueinander ab, und schon allein durch die Örtlichkeit und die dort herrschenden Grundbedingungen unterscheiden sie sich so sehr voneinander wie nur denkbar.

Die Ereignisse im Palast stellen dabei den größten Teil der Gesamthandlung. Das liegt unter anderem auch daran, dass sich Karigan in der ersten Hälfte des Buches noch im Palast aufhält. Bis Karigan den Auftrag erhält, sich der Expedition der Eleter anzuschließen, ist bereits ein Drittel der insgesamt knapp neunhundert Seiten gelesen, als sie endlich aufbricht, ist der Leser in der Mitte angekommen. Die Intrige ist zu diesem Zeitpunkt lediglich angedeutet, sie kommt erst nach Karigans Abreise wirklich zum Tragen.
Stellt sich die berechtigte Frage, womit Kristen Britain dann all die Seiten bis dahin gefüllt hat. Hauptsächlich mit Einleitung. Das klingt voll daneben, trifft den Inhalt aber doch am ehesten. Die Begegnung in der Nähe ihrer Heimatstadt dient der Vorbereitung des Showdowns, und auch der Maskenball, dem Karigan vor ihrer Abreise noch wohl oder übel beiwohnt, enthält Elemente, die für die Ereignisse im Schwarzschleierwald wichtig werden. Da der Leser das zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, wirkt die erste Hälfte des Buches ein wenig wie ein ziemlich umfangreiches Sammelsurium bedeutungsloser Kleinigkeiten. Außerdem lässt die Autorin sich Zeit mit diesen Aspekten, manchmal ist die Ausgestaltung vielleicht doch ein wenig zu detailreich. Der Übungskampf zwischen Karigan und Flogger zum Beispiel wird gleich zweimal aus verschiedenen Perspektiven dargestellt. Ein wenig Geduld braucht der Leser also schon, immerhin aber sind die einzelnen Facetten so unterschiedlich, dass es wenn schon nicht spannend, so zumindest auch nicht langweilig wird.

Ähnliches gilt für die Ereignisse am Wall. Abgesehen von den beiden kurzen Szenen im Erdturm ist dieser Handlungsfaden vollkommen actionfrei. Da auch die Suche nach einem Heilmittel für den Wall nur in winzigen Schritten vorangeht, hat die Autorin diesen Teil mit einer Romanze angereichert, die zu ein paar emotionalen Verwicklungen führt, wobei ich persönlich nicht alle damit verbundenen Reaktionen nachvollziehen konnte. Die Betroffenen benehmen sich hier teilweise ein wenig wie Trottel. Aber gut, Menschen sind verschieden.

Bleibt der dritte Teil des Buches, der um den Schwarzschleierwald. Aber obwohl dieser bedrohliche Ort eine Menge Potenzial für Hindernisse aller Art bietet, und die Autorin dieses Potenzial auch nutzt, will sich selbst hier etwas wie Spannung nicht so recht einstellen. Erst als sowohl Großmutter als auch die Eleter die ehemalige Hauptstadt Argenthynes erreichen, zieht die Schraube an. Letztlich löst sich das Problem aber erstaunlich einfach, die Hindernisse, die Karigan dabei überwinden muss, hätte man durchaus schwieriger gestalten können. Vielleicht hat die Autorin darauf verzichtet, weil das Buch ohnehin schon so dick geworden ist. Ich persönlich hätte es allerdings vorgezogen, wenn sie die erste Hälfte des Buches zugunsten des Showdowns etwas gestrafft hätte. Zumal auch die Intrige in Sacor-Stadt sich ziemlich problemlos auflöst. Der endgültige Schluss wiederum ist eine ziemliche Überraschung.

_Unterm Strich_ bleibt zu sagen, dass das Buch zwar viel Abwechslung bot – ein wenig Romantik, eine wenig Intrige, ein paar Ungeheuer und auch ein wenig Geschichte – , der Sog, der ein Buch zu dem macht, was man gemeinhin als Pageturner bezeichnet, blieb jedoch aus. Zwar waren die Handlungsabläufe und ihre Zusammenhänge untereinander sauber aufgebaut und ausgeführt, ein etwas höheres Erzähltempo hätte allerdings nicht geschadet. Auch neue Ideen, die dem Ganzen ein wenig zusätzliche Würze verliehen hätten, wie es im ersten Band Haus Siebenschlot tat oder im dritten Großmutters Fadenmagie, fehlen hier völlig. So ist es allein der unerwartete Schluss, der Akzente zu setzen vermochte, während der dünne Nebenfaden um die ehemalige Rabenmaske fast völlig losgelöst vom Rest der Ereignisse nebenher läuft. Wahrscheinlich wird er erst im nächsten Band relevant. Denn den wird es ohne Zweifel geben, der vollkommen offene Schluss des Buches lässt gar nichts anderes zu.

_Kristen Britain_ ist hauptberuflich eigentlich Park Rangerin, und das nach einem abgeschlossenen Studium in Filmproduktion. Das Schreiben, mit dem sie bereits im Alter von neun Jahren angefangen hat, hat sich letztlich aber nicht unterkriegen lassen. Außer ihren Romanen über die Grünen Reiter gibt es noch weitere Veröffentlichungen von Kurzgeschichten und Cartoons.

|Taschenbuch, 890 Seiten
ISBN-13: 978-3-453-52936-6
Originaltitel: Blackveil
Deutsch von Michael Nagula|
http://www.heyne.de
http://www.kristenbritain.com

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