Canavan, Trudi – Götter (Das Zeitalter der Fünf 3)

Band 1: [„Priester“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4275
Band 2: [„Magier“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4456

In „Götter“ gibt es ein vermutlich letztes Wiedersehen mit Auraya, die sich im zweiten Band „Magier“ von den Weißen losgesagt hat. Nachdem die Götter von ihr verlangt hatten, Mirar umzubringen, und Auraya diesen Befehl nicht ausführen konnte, hatte sie die Wahl zwischen einem verlängerten „Hausarrest“ und ihrem Abschied als Weiße.

Doch noch viele Fragen sind im zweiten Band unbeantwortet geblieben, sodass die Spannung groß war, als ich den abschließenden Band des „Zeitalters der Fünf“ aufschlug. Und auch hier wurde ich nicht enttäuscht …

_Unsterblich_

Auraya ist inzwischen einfache Priesterin, die sich wieder frei bewegen darf. Natürlich führt ihr Weg sie wieder zu den Siyee, mit denen sie bereits im ersten Teil Freundschaft geschlossen hat. Doch dieses Mal gilt es dort keine gefährliche Seuche zu bekämpfen, sondern sie trifft auf die unsterbliche Emerahl, die sich Auraya als Jade vorstellt. Wie von Mirar gewünscht, trifft Emerahl sich mit Auraya, um die ehemalige Weiße zu unterrichten. Auraya soll lernen, ihre Gedanken vor den Göttern abzuschirmen, außerdem möchte Emerahl herausfinden, ob Auraya tatsächlich das Potenzial hat, selbst eine Unsterbliche zu werden, wie Mirar es vermutet.

Tatsächlich stellt Emerahl schnell fest, dass Auraya ihre Macht nicht eingebüßt hat – ganz im Gegenteil, in mancher Hinsicht ist sie stärker als zuvor. Schnell lernt sie, ihre Gedanken abzuschirmen. Doch zunächst weigert sich Auraya zu lernen, wie sie selbst die Unsterblichkeit erlangen kann. So erzählt Emerahl ihr zwar, wie sie sich selbst unsterblich machen kann, doch erwartet sie nicht, dass Auraya dieses Wissen tatsächlich anwenden wird. Aber wieder einmal sorgt Auraya für Überraschungen, denn schnell wendet sie ihr neues Wissen an und wird damit zu der sechsten Unsterblichen. Auch ihre Fähigkeit zu fliegen hat Auraya nicht verlernt, doch offenbart sie weitere erstaunliche Fähigkeiten; so kann sie weiterhin, obwohl sie keine Weiße mehr ist, die Gedanken anderer Wesen lesen, außerdem spürt sie die Anwesenheit der Götter und kann auch ihren Gesprächen lauschen.

In einer anderen Geschichte treffen wir Danjin wieder, der immer noch seiner ehemaligen Herrin Auraya hinterhertrauert, der sich aber nun an eine andere Weiße gewöhnen muss, nämlich an Ellareen, die zu Aurayas Nachfolgerin erkoren wurde. Da Ella Danjins Gedanken lesen kann, verfolgt ihn permanent ein schlechtes Gewissen, wenn er Auraya nachtrauert. Als ihm Ella schließlich aber die wahren Gründe für Aurayas Weggang nennt, wankt auch Danjins Vertrauen. Aber seine Verbindung zu Auraya ist dennoch nicht vollkommen abgebrochen, verfügt er doch immer noch über den Ring, mit welchem die beiden in gedanklichem Kontakt stehen.

Während Emerahl und Auraya sich kennen lernen und Emerahl ihre Vorurteile der ehemaligen Weißen gegenüber abbaut, reist Mirar nach Süd-Ithanien, wo die Traumweber in Eintracht mit den Pentadrianern leben. Dort gibt es keine Verfolgung, die Traumweber dürfen die Menschen heilen und werden nicht wegen ihres Glaubens unterdrückt. Mirar wird nachdenklich, ob die Pentadrianer nicht doch ein besseres Volk sind als die Bewohner von Nord-Ithanien. Nekaun, die oberste Stimme der Pentadrianer, beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit Reivan, doch im Mittelpunkt steht die schwelende Konkurrenz zwischen Nekaun und der zweiten Stimme Imenja, die Nekaun nicht vollkommen vertrauen kann.

So richtig Fahrt kommt aber erst auf, als die Siyee einen Auftrag ihrer Göttin Huan erhalten und sich nach Süd-Ithanien begeben. Auraya begleitet die Abordnung der Siyee, allerdings haben die Götter ihr verboten, sich in den Auftrag einzumischen und zu kämpfen. Als die Siyee schnurstracks in eine Falle tappen und in Gefangenschaft geraten, befindet sich Auraya erneut in einer Zwickmühle, denn sie darf die Siyee nicht befreien, ohne gegen die Pentadrianer zu kämpfen und sich damit erneut gegen den Willen der Götter zu stellen. Als sie schließlich die Bekanntschaft Nekauns macht, gerät ihr Leben in große Gefahr …

_Auftakt zum Schluss(t)akt_

Zunächst lässt sich Trudi Canavan in gewohnter Manier viel Zeit. Sie begleitet Auraya und Mirar bei ihren Reisen, erzählt ausführlich von den Unterrichtsstunden, die Emerahl der zunächst verhassten Auraya gibt, doch erst einmal geschieht über lange Strecken nicht viel. Die beiden verfeindeten Völker leben ihr Leben vollkommen unbeeinflusst voneinander.

Hier gilt es zunächst, Aurayas neue Fähigkeiten zu erkennen und auszuloten, wie mächtig sie nun noch ist, seit sie nicht mehr unter dem Schutz der Götter steht. Als sie schließlich ihre Fähigkeit erlangt, die Götter zu belauschen, erkennt sie, dass Huan zu einer Todfeindin geworden ist, die nur nach einer Gelegenheit sucht, Auraya zu töten. Huan ist auch schließlich der Grund, warum Auraya sich unsterblich macht, da sie erkennt, in welch einer gefährlichen Situation sie lebt. Hin und wieder verirrt sich auch ihr ehemaliger Geliebter Chaia in ihre Gedanken, über den Auraya immer noch nicht hinweggekommen ist. So drehen sich ihre Gedanken permanent um ihre beiden Ex-Geliebten, die sie nicht vergessen kann. In Mirar erkennt sie immer noch einige Eigenschaften Leirards, dennoch überwiegt ihre Abneigung Mirar gegenüber die meiste Zeit, sodass sie eher Chaia nachtrauert, der erfreulicherweise noch eine sehr wichtige Rolle einnehmen wird.

Erst als Auraya mit den Siyee nach Süd-Ithanien kommt und dort die Bekanntschaft der ersten Stimme Nekaun macht, nimmt das Buch richtig Fahrt auf, alles andere bis dahin ist mehr oder weniger Vorgeplänkel und die Vorbereitung auf die finale Schlacht. Denn natürlich wird es am Ende noch einmal zur Konfrontation der beiden verfeindeten Völker kommen, bei der selbstverständlich auch die Götter ein Wörtchen mitreden wollen.

_Unsterbliche Charaktere_

Wieder einmal beleuchtet Trudi Canavan in allen Einzelheiten die agierenden Figuren. Allen voran ist natürlich wieder einmal Auraya zu nennen, die seit dem Beginn des ersten Bandes eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht hat und nun wirklich gar nichts mehr mit Sonea, unserer Heldin aus der „Gilde der Schwarzen Magier“, gemeinsam hat. Auraya ist längst keine Weiße mehr, dennoch hat sie nichts ihrer Macht eingebüßt, ganz im Gegenteil; sie wird stärker und stärker und könnte das Zünglein an der Waage sein, wenn es zur finalen Schlacht der Weißen gegen die Pentadrianer kommt. Doch je mehr sie über Huan erfährt, umso schwieriger fällt Auraya die Wahl der beiden Seiten …

Auraya ist eine faszinierende Persönlichkeit, die immer mehr an Profil gewinnt. Schon im zweiten Band „Magier“ erweist sie sich als eigensinnig, als sie sich gegen die Götter stellt und beschließt, ihre Rolle als Weiße abzutreten. In diesem Band wird sie unsterblich, und dennoch vergisst sie ihre alten Verbündeten, die Siyee, nicht. Und auch ihr kleines Haustier Mischief darf natürlich nicht fehlen. Auraya ist eine zauberhafte Figur, mit der man sich gerne identifiziert.

Auch die anderen Unsterblichen erhalten viel Raum im Buch. Emerahl begibt sich nun endlich auf die Suche nach der mysteriösen Schriftrolle der sechsten Göttin, in der Emerahl die Wahrheit über die Götter vermutet. Die Suche nach dieser Schriftrolle ist gefährlich und birgt viele Rätsel, die Emerahl mithilfe der beiden unsterblichen Zwillinge zu lösen hat. Als sie schließlich das Rätsel um die Götter lösen kann, ist es wie ein Paukenschlag, der schon an dieser Stelle neugierig auf das Ende macht.

Währenddessen outet Mirar sich als der Anführer der Traumweber, da er seinem Volk offen beistehen will. Bei seinem Besuch in Glymma, dem Hauptsitz der Pendarianer, merkt er, dass dieses Volk ganz anders mit den Traumwebern umgeht. Das bringt ihn in einen schwierigen Gewissenskonflikt, da er immer noch Gefühle für Auraya hegt, die nach wie vor zu den Weißen hält. Diese Situation birgt viel Konfliktpotenzial, das Trudi Canavan bis ins Letzte ausreizt.

Eine besonders interessante Figur ist allerdings auch die Erste Stimme Nekaun. Während er im ersten Teil aus der Perspektive Reivans als sympathischer Anführer vorgestellt wurde, der die Pentadrianer vernünftig anführen kann, lernen wir nun eine ganz andere Seite von ihm kennen. Nekaun entwickelt sich zu einem rechthaberischen und arroganten Anführer, der bei den anderen Stimmen nicht immer Pluspunkte sammeln kann. Auch Reivan muss eines Nachts erkennen, dass Nekaun nicht der nette Junge ist, als den sie ihn einst kennen gelernt hat. Nekaun entwickelt sich hier erstaunlich schnell weiter – allerdings nicht zu seinem Vorteil …

_Grau statt Schwarzweiß_

Wie schon in „Magier“ angedeutet, so sind die Pentadrianer nicht das böse Volk, als das sie noch im ersten Band „Priester“ erschienen. Auch die Pentadrianer haben fünf Götter, an die sie glauben, und fünf Anführer, die Stimmen. Die Parallelen zwischen den beiden Völkern werden immer deutlicher, doch im Bezug auf die Traumweber offenbaren die Pentadrianer sympathische Züge. Trudi Canavan schafft es hervorragend, die klare Aufteilung in Gut und Böse, wie sie uns zu Beginn der Trilogie erschien, weiter zu differenzieren. Ähnlich wie es auch Sergej Lukianenko in seiner [Wächter-Tetralogie]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3594 macht, so verpasst auch Canavan beiden Völkern Ecken und Kanten; beide Völker spinnen Intrigen, offenbaren aber auch genügend positive Seiten, sodass man sich hin- und hergerissen fühlt und gar nicht weiß, zu wem man halten soll. Und ähnlich geht es sogar Auraya, die ja unter den Weißen aufgewachsen ist, nun aber erkennen muss, dass die Pentadrianer nicht wie erwartet das durchweg Böse sind.

Stattdessen baut Trudi Canavan eine neue „Feindfigur“ auf, die schlussendlich zu einem riesigen Paukenschlag führen wird, wenn die Autorin auf einen Schlag alle offenen Fragen auflöst!

_Überflüssiges_

Leider schafft Trudi Canavan es auch in ihrer zweiten Trilogie nicht, ihren Spannungsbogen konstant aufrechtzuerhalten. Immer wieder baut sie lange Beschreibungen von Szenerien und Völkern ein, die für den Verlauf der Geschichte vollkommen unwichtig sind. Ein Beispiel dafür sind die Elai, die Auraya in Band eins dazu überreden wollte, eine Allianz mit den Weißen einzugehen. Im zweiten Band haben die Elai noch mehr Raum erhalten, weil die Elai-Prinzessin verschleppt wurde und schließlich mithilfe Imenjas gerettet werden konnte. So kam es schließlich zum Bündnis zwischen den Elai und den Pentadrianern, von dem ich dachte, dass es eventuell die Schlacht am Ende entscheiden könnte. Doch weit gefehlt; im abschließenden Band sind die Elai wieder zu einer Fußnote verkommen, da sie praktisch überhaupt keine Rolle spielen. Zwar hat der Elai-König den einen oder anderen Auftritt, aber doch nur als Statist. Diese überflüssigen Handlungsstränge und unnötigen Ausschweifungen trüben im Rückblick ein wenig den Gesamteindruck der Trilogie.

_Überzeugend, aber ausbaufähig_

Insgesamt gefiel mir der abschließende Band der Trilogie sehr gut. Er benötigte zwar etwas Anlauf, bevor wirklich der Spannungsbogen einsetzt, doch Trudi Canavans Auflösung hat es wirklich in sich. Als es endlich zu dem Moment kam, als sich alle Puzzleteilchen zu einem Bild zusammenfügten und die Zusammenhänge klar wurden, hat es mich wie ein Schlag in die Magengrube getroffen, obwohl ich zugeben muss, dass man die Auflösung hätte erahnen können. Aber ich muss auch gestehen, dass Trudi Canavan mich erfolgreich hinters Licht geführt hat – so hatte ich nicht geahnt, wie alles zusammenhängt. Das ist der Autorin wirklich großartig gelungen, was der gesamten Trilogie das gewisse Etwas verleiht. Eine weitere Stärke Canavans ist es, dass sie sich nicht zu schade ist, auch Figuren zu opfern, wie sie es in der |Gilde der Schwarzen Magier| gemacht hat. Mit Happyends hat sie es offensichtlich nicht, aber dennoch überzeugt ihr Ende vollkommen.

„Götter“ schließt die Trilogie überzeugend ab und hinterlässt auch eine gewisse Leere, weil es mir schwergefallen ist, von Auraya Abschied zu nehmen, aber die Leere nach der Gilde war dann doch noch größer. Trotzdem: Wer Trudi Canavans erste Trilogie verschlungen hat, findet hier einen ansprechenden Ersatz, der ein wenig die Zeit überbrückt, bis das nächste Buch aus der Kyralia-Reihe auf den Markt kommt.

http://www.trudicanavan.com/
[Verlagsspezial zur Trilogie]http://www.randomhouse.de/specialskids/zeitalter/

_Trudi Canavan auf |Buchwurm.info|:_
[„Priester“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4275 (Das Zeitalter der Fünf 1)
[„Magier“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4456 ((Das Zeitalter der Fünf 2)
[„Die Rebellin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3041 (Die Gilde der Schwarzen Magier 1)
[„Die Novizin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2989 (Die Gilde der Schwarzen Magier 2)
[„Die Meisterin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3065 (Die Gilde der Schwarzen Magier 3)

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