Chapman, Linda; Weatherly, Lee – Wald der tausend Augen, Der (Schattenwald-Geheimnisse 1)

_|Schattenwald-Geheimnisse|:_

01 _“Wald der tausend Augen“_
02 „Der vergessene Ort“
03 „The Spider Shadows“ (noch ohne dt. Titel)
04 „The Fog Boggarts“ (noch ohne dt. Titel)
05 „The Icicle Imps“ (noch ohne dt. Titel)
06 „The Bat Sprites“ (noch ohne dt. Titel)

_Die Spiderwicks lassen grüßen: Das Tor zur Anderwelt_

An ihrem zehnten Geburtstag erfährt Sophie von ihrem Großvater ein unglaubliches Geheimnis: Im Wald hinter ihrem Haus liegt die magische Pforte in die Schattenwelt verborgen. Und sie ist die neue Wächterin dieses geheimen Portals, das die gefährlichen Schattenwesen – die Tintenkappenkobolde, Sumpfschrecke und Fledermauselfen – davon abhält, in ihre Welt einzudringen und Unheil über die Menschen zu bringen. Doch wird sie dieser schwierigen Aufgabe gewachsen sein?

Der magische Schlüssel, der das geheime Portal in die Schattenwelt verschließt, wurde gestohlen! Nun ist es Sophies Aufgabe, ihn zurückzuerobern. (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt die Reihe ab 8 Jahren.

_Die Autorinnen_

Linda Chapman, geb. 1969, war früher Lehrerin und schreibt seit einigen Jahren hauptberuflich. Ihre „Sternenschweif“-Serie ist laut Verlag hierzulande sehr bekannt. Mit ihren beiden Kindern und zwei Hunden lebt sie in Leicestershire/England. Ihr großes Hobby ist das Reiten.

Lee Weatherly wurde in Little Rock, Arkansas, geboren und lebt seit 1995 in England. Sie arbeitete in vielen verschiedenen Jobs, bevor sie sich ihren Traum erfüllte und begann, Kinderbücher zu schreiben. Lee Weatherly lebt heute mit ihrem Mann, ihrem getigerten Kater Bernard und vielen tausend Büchern in Hampshire.

_Handlung_

Sophie Smith spielt mit ihrem Zwillingsbruder Anthony ein Findespiel. Wer den im nahen Wald versteckten Schlüssel schneller findet als der andere, hat gewonnen. Gemessen wird mit einer Stoppuhr. Deshalb saust die sportliche Sophie wie ein Wirbelwind über den Zaun des Grundstücks ihres Großvaters und in den nahen Wald. Da glaubt sie, eine Bewegung zu sehen und ein Rascheln zu hören. Aber sie sieht nichts. Für den zweiten Durchgang versteckt sie den Schlüssel, den Anthony suchen soll, dennoch sorgfältiger unter den Wurzeln des nächsten Baumes.

Sobald Sophie die Stoppuhr gestartet hat, saust Anthony los. Er tut immer, als wäre er besser und schlauer als sie, aber sie kann jetzt schon sehen, dass er nicht so schnell sein wird wie sie beim ersten Durchgang. Und er sucht diesmal vergeblich. Aber auch Sophie findet nichts. Der Schlüssel ist weg. Auweia! Es war Opas schönster Schlüssel. Und sie traut sich gar nicht, ihm oder Mrs. Benton, der Haushälterin, davon zu erzählen.

Am nächsten Tag feiern Sophie und Anthony ihren zehnten Geburtstag, doch sie steht mit einem Schwindelgefühl auf und fühlt sich schwummrig, als sie sich an den Frühstückstisch setzt. Während Anthony Geschenke auspackt und sie auch eines – pinkfarben natürlich, weil sie ja ein Mädchen ist – bekommt, schaut Opa sie ganz genau an und fragt sie, wie sich fühlt. Als sie es ihm erzählt, meint er bloß: „Du bist es also, hm.“ Dann bringt er sie zu Bett.

Er eröffnet ihr, dass sich im Schattenwald, der das Grundstück hier in der Grafschaft Warwickshire umgibt, Schattenwesen wie Gnome und Wichte herumtreiben. Und diese Schattenwesen verursachen bei gewissen Leuten Schwindelgefühle und ein Prickeln auf der Haut. An solche Märchenfiguren glaubt sie zwar seit fünf Jahren nicht mehr, aber Großvater besteht sehr ernst darauf, dass es sie gibt. Und sie, Sophie, sei heute an ihrem Geburtstag zur neuen Wächterin des Portals bestimmt worden.

Welches Portals? Na, des Portals, das die Schattenwelt von der Menschenwelt trennt. Denn wenn die Schattenwesen zu uns herüber könnten, würden sie ja nur Chaos verbreiten. Ihr Großvater ist selbst fünfzig Jahre lang der Wächter des Portals gewesen und hat darüber ein dickes Notizbuch angelegt: die „Schatten-Akten“. Und er habe den Schlüssel gehütet, der das Portal verschlossen hält.

Nun ist es aber höchste Zeit, dass Sophie mit der Sprache herausrückt. Ihr Opa ist sehr erstaunt und ein ganz klein wenig ärgerlich. Aber wenigstens kann der Koboldkönig, der das wertvolle Ding bestimmt gestohlen hat, nichts mit dem Schlüssel selbst anfangen. Denn nur wenn man einen von sechs Juwelen in den Griff einfügt, lässt sich der Schlüssel auch drehen, um das Portal zu öffnen. Und er weiß nicht, so diese sechs Juwelen versteckt sind, oder? Von Sophie jedenfalls nicht!

Diskretion ist das halbe Geschäft des Wächters. Ohne Anthony Bescheid zu geben, gehen Opa und Sophie in den Wald zur Pforte. Dort treffen sie, wie nicht anders zu erwarten, den König der Tintenkappenkobolde an, der vergeblich versucht, das Portal zu öffnen. Doch sie soll sich ja vor ihm in Acht nehmen, warnt sie der Opa: Der Tintenkappenkobold sondert nämlich bei Gefahr einen giftigen Schleim ab, der einem so hübschen klugen Mädchen wie Sophie die Haut verätzen würde. Aber keine Angst! Dem Wächter erwachsen in der Nähe von Schattenwesen zusätzliche Kräfte, durch die er – oder sie in diesem Fall – es mit Leichtigkeit mit dem Gelichter aufnehmen kann.

Normalerweise.

Aber Sophie ist ihre neuen Superkräfte noch nicht gewohnt, und als sie mit einem gewaltigen Taekwondo-Sprung auf den Koboldkönig losgeht, segelt sie in hohem Bogen über ihn hinweg in die Büsche. Gut, dass ihr bester Freund Sam in der Nähe ist und ihr beisteht – mit einem Fußball …

_Mein Eindruck_

Ja, die Mädels von heute spielen nicht mehr mit Barbiepuppen in grässlichem Pink. Sie treiben Sport, trainieren die Kampfsportart Taekwondo und fahren Skateboard. Allerdings erhalten sie wenig Gelegenheit, sich mit Kobolden, Wichteln und anderem Fabelgelichter vertraut zu machen. Ein echtes Manko im Schulunterricht, finde ich. Deshalb ist die fabelhafte Sophie anfangs ein wenig unsicher, wie sie auf die unsichtbare Gefahr reagieren soll.

Gut, dass es Leute mit Erfahrung auf dem Gebiet der Fabelwesen gibt. Allerdings zeigt sich in diesem Punkt die nahe Verwandtschaft zu den „Spiderwick-Geheimnissen“. Wie Arthur Spiderwick ist auch Opa Smith ein Experte für das Feenreich (sans Feen). Wie Arthur hat er ein Kompendium angelegt. Anders als Arthur ist er noch sehr real vorhanden, um seiner jungen Enkelin (deren Eltern an einer archäologischen Grabung teilnehmen) beizustehen.

Doch Opa ist entsetzt über Sophies neuartige Methoden. Diese Jugend von heute! Nicht nur, dass sie das oberste Gebot der Diskretion im Handumdrehen bricht, indem sie alles brühwarm ihrem besten Freund Sam verklickert. Sie lässt sich auch noch dabei von ihrem Bruder Anthony belauschen – und der pfuscht ihr natürlich ins Handwerk.

So kommt es, dass Sophie beinahe das Nachsehen hätte, als die Kobolde, informiert durch Anthonys Selbstgespräche, genau am richtigen Ort suchen, wo einer der Juwelen versteckt ist, der in den Schlüsselgriff passt. Es kommt zu einem furiosen Showdown in Mrs. Bentons Keller, der danach nie wieder aussehen wird wie zuvor …

|Die Übersetzung|

Die Übersetzung befleißigt sich der aktuellen Jugendsprache in sehr gemäßigter Weise, so dass man allenfalls über eine Formulierung wie „sie hatte keinen Schimmer“ stutzen könnte. Gravierender finde ich den m. E. fehlerhaften Gebrauch des Wortes „Juwel“. Heißt es DER oder DAS Juwel? Und lautet der Plural „JUWELEN“ oder „JUWELE“? offenbar hat die Übersetzerin ein anderes Wörterbuch als ich. Jedenfalls ist meine Meinung, dass ein Wort wie „Juwele“ gar nicht existiert. Es heißt immer und überall „Juwelen“. Deshalb klingt der Text nicht korrekt, sondern etwas aus dem Lot.

|Der Anhang|

Im Anhang erfahren wir etliches über die Tintenkappenkobolde, v. a. was ihre eklige (igitt), schleimige (uäh!) Giftigkeit anbelangt. Vorsichtsmaßnahmen werden detailliert erläutert. Im Anschluss kann der junge Leser noch Notizen eintragen.

|Die Illustrationen |

Wie Tony Terlizzi bei den „Spiderwicks“, so muss auch hier ein Zeichner seinen grafischen Beitrag leisten, um das Buch optisch aufzuwerten. Wie üblich sind die Figuren und Szenen realistisch dargestellt, und das gilt auch für die Schattenwesen. Hier hätte ich mir etwas mehr Dynamik gewünscht, etwa mit Speedlines. So wirken selbst die actionreichsten Szenen beim Showdown wie erstarrt.

Das Titelbild gibt mir Rätsel auf. Zu sehen sind Sophie und ein Junge. Es handelt sich nicht etwa um Anthony, sondern um Sam. Tabubruch Nr. 1, Miss Portalwächterin! Und nicht sie hält die Schatten-Akten, sondern er. Tabubruch Nr. 2! Die beiden gucken wie Schüler der 1. Klasse von Hogwarts drein, die noch keinen blassen Schimmer haben, dass hinter ihnen finstere Schattenwesen das Dimensionsportal umlauern.

_Unterm Strich_

Das Buch kann ein Erwachsener in einer halben Stunde lesen, aber dafür ist es nicht gedacht. Man sollte es laut vorlesen, um die Sätze zum Leben zu erwecken, und man sollte die Bilder anschauen, beispielsweise das fortlaufende Motiv der großen Eule neben jeder Seitenzahl und die handförmigen Skelettäste der Bäume des Schattenwaldes (siehe auch das Titelbild).

Ich fand die Handlung zwar stark an die der „Spiderwick-Chroniken“ angelehnt, aber dennoch eigenständig genug, um einen jungen Leser ab 8 Jahren zu fesseln und spannend zu unterhalten. Sophie ist mit ihrem Taekwondo genügend unmädchenhaft, um sympathisch zu wirken. Es wirkt plausibel, sie als Wächterin einzusetzen anstelle etwa eines Gossip Girls, das nur an seinem iPhone, iPad und iPod hängt. Wahrscheinlich gibt es im hintersten Warwickshire nicht einmal Netzempfang!

Und dass sie sich mit ihrem Zwillingsbruder kabbelt, versteht sich ja von selbst. Nur Sam erscheint ein wenig zu viel des Guten, als wäre er eine Art Schutzengel und Alleskönner. Sophies Abenteuer könnten genauso gut in einem sozial benachteiligten Viertel stattfinden; dort träfe sie dann Junkies, Schulschwänzer, Taschendiebe und junge Gangbanger. Dann schon lieber der Schattenwald!

Der Weltentwurf des Schattenwaldes ist genügend ausbaufähig, um sechs Bände zu tragen. Warum gerade sechs? Weil das die Anzahl der erwähnten Juwelen (oder „Juwele“?) ist, die der Koboldkönig ergattern könnte, um den Schlüssel für das Portal zu aktivieren. Im 1. Band gelingt es Sophie heroisch, das grüne Juwel zu retten und zu verwahren. Bleiben also noch fünf.

|Gebunden: 128 Seiten
Originaltitel: Info: Sophie and the Shadow Woods 1: The Goblin King (2011)
Aus dem Englischen von Bettina Spangler, illustriert von Timo Grubing
ISBN-13: 978-3570153680|
http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar