Cherryh, C. J. – Brüder der Erde

_Actionreich: Feindliche Brüder retten die Welt_

„Brothers of Earth“ von 1976 ist Cherryhs erster, einzeln stehender SF-Roman. Vorher hatte sie nur den Fantasy-Roman „Das Tor von Ivrel“ veröffentlicht. Diesem Abenteuer folgte die Fortsetzung „Weltenjäger“, der 1977, also im Jahr darauf, erschien. Beide Romane wurde in dem Sammelband „The Hanan Rebellion“ zusammengefasst.

_Die Autorin_

Caroline Janice Cherryh, geboren 1942 in St. Louis, ist von Haus aus Historikerin und lebt in Washington. Sie erhielt schon 1980 ihren ersten Science-Fiction-Preis für ihre umwerfende Novelle „Kassandra“. 1983 folgte der erste |HUGO Award| für „Pells Stern“, später ein weiterer für „Cyteen“. Beide Romane gehören zu ihrem Allianz-Union- bzw. PELL-Zyklus, der eine Future History darstellt, wie sie schon von anderen Größen des Science-Fiction-Feldes geschaffen wurde, darunter Robert A. Heinlein oder Isaac Asimov.

C. J. Cherryh auf |Buchwurm.info|:

[„Kauffahrers Glück“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1195
[„Der Baum der Schwerter und Juwelen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1540
[„Das Tor von Ivrel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3407
[„Pells Stern“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4887

_Handlung_

Als einziger Überlebender eines Raumschiffs erreicht Lieutenant Kurt Morgan in einer Rettungskapsel einen erdähnlichen Planeten. Beim Kampf gegen ein feindliches Raumschiff der menschlichen Hanan wurde sein eigenes Schiff, die |Endymion|, vernichtend getroffen. Bevor es explodierte, konnte er mit seiner Rettungskapsel entkommen. Doch bevor es zu diesem Kampf kommen konnte, vernichtete die |Endymion| den Hanan-Planeten Aeolus. Das wird schwere Folgen für Kurt haben.

Er wird von den eingeborenen Nemet gefangen genommen und so vor den wilden Tamurlin bewahrt, die ihn sicherlich qualvoll zu Tode gefoltert hätten. Also kann er froh sein, dass der Nemet-Kapitän Kta ihn gerettet hat und ihn in seine Heimatstadt Nephane bringt. Kta hat sich für Kurts friedliches Verhalten persönlich verbürgt und seine Ehre aufs Spiel gesetzt. Das behält Kurt im Hinterkopf, als er zu seinem Entsetzen in der Festung von Nephane einer Hanan-Kriegerin begegnet. Djan könnte ihn jeden Moment mit ihrer Pistole töten, weiß er. Schließlich hat sie wegen der Vernichtung von Aeolus genügend Grund, ihn zu hassen. Sie gibt ihm eine Frist von zwei Wochen des Wohlverhaltens, sonst gibt’s Zoff.

Ktas Familie nimmt Kurt in ihrem Heim auf, doch Mim, die Tochter des Dieners Hef, scheint Kurt zu hassen. Kurt bemüht sich, alles richtig zu machen und keinem auf den Schlips zu treten. Er muss seinen Stolz hinunterschlucken und sämtliche Tabus, Gesetze und Sitten der Elas-Familie, die ihn aufgenommen hat, beachten. Am Ende der 14-tägigen Frist, die ihm die Methi gewährt hat, muss er Abschied nehmen. Mim verzeiht ihm, dass er ein Mensch ist. Als Menschen hat sie bislang nur die wilden Tamurlin kennengelernt, die sie gefangen hielten, doch Kurt scheint nichts von deren ungehobelter Wildheit an sich zu haben. Kurt hat das Gefühl, dass er Mim lieben könnte, und sie ihn, doch der Anstand sieht anderes vor.

Die Methi beansprucht Kurt für sich und lädt ihn ein (was einem Befehl gleichkommt), in ihrer Festung zu wohnen. Sie verrät ihm, dass der Planet Aeolus, den er zu zerstören half, die größte Anlage der Han zur Produktion von geklonten Soldaten beherbergte (dies ist also ein Vorläufer von Cyteen!). Glücklicherweise ist sie selbst kein Klon, vielmehr lädt sie ihn ein, ihr Gefährte zu werden. Ohne es zu ahnen, würde sich damit Kurt den Ex-Lover Djans, Shan t’Tetur, zum Todfeind machen. Ohne sich festzulegen, benutzt Kurt lediglich ihre Maschinen, um die einheimische Sprache zu erlernen.

Das Haus Elas nimmt ihn bei seiner Rückkehr wie einen eigenen Sohn auf, doch Mim geht ihm aus dem Weg. Verzweifelt fragt er sich nach dem Grund und stellt sie eines Nachts zu Rede. Sie hält sich nicht für würdig, seine Frau zu sein. Sie ist gar nicht Hefs Tochter, sondern war drei Jahre lang Sexsklavin unter den wilden Tamurlin, das ist die erste Erniedrigung. Kta rettete sie, als er die Tamurlin-Piraten bekämpfte, und nahm sie auf, obwohl herauskam, dass sie eine Indras ist, also keine Tamurlin. Nicht nur das: Sie ist eine Indras aus dem verfeindeten Indresul jenseits des Binnenmeeeres. Es ist Kurts schwerer Fehler, nicht nach ihrem Vater zu fragen. Er bittet sie um ihre Hand, und sie sagt nicht nein.

Er bittet bei Kta und Hef um Mims Hand und nach verschiedenen Vereinbarungen, die Nachkommen betreffend – sie ist kein Mensch –, kann die Verlobung öffentlich stattfinden. In diesem Moment treffen die Wachen der Methi ein: Die Verlobung sei verboten. Zu spät! Kurt lässt sich zur Methi bringen, die ihm erneut die Gefährtenschaft anbietet, die er nicht annimmt. Sie erklärt ihm die politische Lage mit Indresul, den Nemet, den Tamurlin – sie waren einst die Beherrscher Nehanes, bevor Nemet sie vertrieben – und einer mächtigen Volksgruppe namens Sufaki, der Djans Exlover Shan angehört. Kurt sieht seine Lage immer komplexer werden, doch er will bloß zurück zu Mim.

Der Botschafter Indresul besucht die Methi in der Festung, um seine Forderungen im Namen der Methi Indresuls zu überbringen. Kurt und Kta erfahren, dass Indresul den Krieg gegen seine ehemalige, abtrünnige Kolonie vorbereitet. Ungerührt jedoch gelingt es ihm, im Haus Elas seine Vermählung mit Mim über die Bühne zu bringen. Es ist eine große Ehrung für ihn, folglich fühlt er sich verpflichtet, die Ehre des Hauses, das ihn aufgenommen hat, zu schützen. Dazu gibt es bald einen traurigen Anlass.

Nur zwei Wochen nach der Hochzeit warnt Ktas Schwager Ben t’Osanef das Haus Elas vor einem Aufstand der Sufaki, denen Ben selbst angehört. Dieser Aufstand gegen die Indras-Nemets vollzieht sich zunächst still und leise in Gestalt von Spionen vor dem Haus, doch als die Sufaki-Feiertage kommen, ist es mit der Ruhe vorbei. Niemand von den Indras traut sich vors Haus, doch die Vorräte gehen zu Ende, und Mim besteht darauf, auf dem Markt Nachschub zu kaufen. Kurt insistiert, sie zu begleiten, um sie zu schützen.

Auf dem Markt wird Kurt unvermittelt von Angehörigen der Sufaki abgedrängt. Als er in eine Gasse am Rande des Platzes eilt, gerät er in einen Hinterhalt, in dem er unterliegt und gefesselt wird. In der nächsten Nacht wollen ihn drei der Kerle ins Hafenbecken werfen, doch er trickst sie aus und schlägt sie nieder, bevor es ihm gelingt zu entkommen und seine Fesseln abzuwerfen. Seine einzige Sorge gilt Mim – wo ist sie? Lebt sie noch?

_Mein Eindruck_

Diese Szene bereitet den Höhepunkt des ersten Drittels des Romans vor und zugleich einen Wendepunkt der Dramaturgie. Denn was Mim angetan wird und was sie danach selbst tut, verändert nicht nur das Schicksal von Kurt Morgan und Kta t’Elas, sondern auch das ihrer Welt. Die Folgen reichen bis zur letzten Szene, als Kurt den Tempel von Nephane stürmt, um die Methi Djan gefangen zu nehmen. Doch Blutrache vereitelt dieses Vorhaben: Ein ferner Verwandter Mims lässt die Methi für ihre Taten büßen, denn sie ließ die Tat der Sufaki zu, die Mim letztlich in den Selbstmord trieb.

Doch wie konnte es dazu kommen, dass Mim in dieser Tat den einzigen Ausweg sah? Liegt es an ihrer Nemet-Kultur, die der japanischen Samurai-Kultur ähnelt, oder steckt mehr dahinter?

Die Autorin sagte dazu in einem Interview für das „Das Heyne Science Fiction Jahr 1987“ (|Heyne| 1987): „Für Kim und Mim ergeben sich Probleme, weil er sich nicht vorstellen kann, was sie alles durchgemacht hat. Hier haben wir diese zierliche kleine Person, dieses chinesische [oder Porzellan-]Püppchen, eine Frau, die ihm äußerst zerbrechlich erscheint. Sie aber hat eine Menge furchtbarer Dinge hinter sich, die sie durch SCHWEIGEN bewältigt. [Sie war die Sklavin der Tamurlin.] Und das ist es eigentlich, was ihre Tragödie heraufbeschwört; die Tatsache, dass sie beide einander nicht verstehen können …

ER wusste nicht, was sie tun würde, wenn sie einmal in Schwierigkeiten geriete; IHRE Art war es nicht, es ihm zu sagen … die Falle wurde aus ihren beiden verschiedenen Persönlichkeiten gebaut. Sie war kein Element eines abstrakten, planbaren Handlungsablaufes. Der Punkt wurde erreicht, wo für sie, und zwar auf Grund dessen, was sie war, nur noch Selbstmord übrig blieb; sie beging Selbstmord nicht deswegen, weil der Autor entschied, dass das geschehen solle – sie hätte weglaufen können, sie hätte zehntausend verschiedene Dinge tun können -, sondern weil sie Mim war, eine Frau aus einem Adelshaus, die all das durchgemacht hat, was sie durchgemacht hat.

Erst als ich diese Figur wirklich gut kennen gelernt hatte, konnte ich sehen, dass SIE in dieser Situation keine andere Wahl als Selbstmord hatte, dass das für sie der einzig vernünftige und richtige Weg war; und einfach aufgrund dessen, was sie ist, wird sie dann zum ursächlichen Element eines Krieges, was sie auch wiederum nicht vollständig voraussehen konnte. Aber sie kannte sich ziemlich gut aus mit Politik und wusste immerhin, dass ihr Selbstmord weitreichende Folgen haben würde. Als bloßes Handlungsmoment hätte ich das gar nicht planen können, das ergab sich aus der intimen Kenntnis ihrer Psychologie.“ (S. 32/33).

Wie man sieht, bedarf es, um Mims Situation zu verstehen, der Schilderung einer detailliert erfundenen Kultur. Sie darf nicht so fremdartig sein, dass wir sie nicht verstehen können, aber komplex und ungewöhnlich genug, um als Alien-Zivilisation glaubwürdig sein zu können. Um es kurz zu machen: Die Kultur der Nemet ist in Nephane wie in der kolonialen Mutterstadt Indresul eine Kombination aus mehrere antiken Kulturen. Der Ehrenkodex ist extrem streng und erinnert an Japans Mittelalter.

Die Nemet-Religion verfügt über ihre eigene Mythologie und entsprechende Göttersagen, dass sie als griechische Götterwelt durchgehen kann, allerdings erweitert um heiliges Herdfeuer und Ahnenverehrung. Die Gottkaiserin, Indresuls Methi, ist die Stellvertreterin des Sonnengottes auf Erden. Der Stand der Technik entspricht ebenfalls dem antiken Griechenland. Es gibt große Kriegsschiffe mit drei Ruderdecks, sogenannte Triremen. Sie sind extrem schnell und wendig, so dass ein Rammstoß meist verheerende Folgen hat.

|Was heißt hier „fremdartig“?|

Die Aufgabe der Autorin besteht nun darin, die Reaktion der Nemets auf das Erscheinen eines Menschen wie Kurt Morgan zu erklären. Die Reaktion in Nephane unterscheidet sich deutlich von der in Indresul. In Nephane lebt das aus Nemets und Sufakis gemischte Multi-Kulti-Volk unter der Herrschaft einer Menschenfrau, die über gewaltige Waffen verfügt. Nur sehr wenige Nemets, wenn überhaupt jemand, wissen, dass die Hanan-Frau Djan nicht von ihrer Welt stammt, sondern von der Welt Aeolus. Dieses Geheimnis verrät Djan außer Kurt nur sehr wenigen.

Im Gegensatz zu Nephane ist Indresul weitaus konservativer. Die Existenz eines Menschen ist bereits ein Affront, denn er hat nur auf der Stufe der Tiere einen Platz. Man glaubt, er besitze keine Seele. Umso schlimmer ist daher Kurts Behauptung, er komme von einer Welt, die um eine andere Sonne kreise. Das ist nun wirklich Gotteslästerung und Ketzerei! Wäre die Methi Ylith nicht so fasziniert von Kurts offensichtlich intelligenten Aussagen über die Theologie der Nemet, würde sie ihn sofort aburteilen und töten lassen. Aber Kurt ist nicht alleine: Kta, sein Sippenbruder, weigert sich, ihn zu verraten, sondern unterstützt ihn, selbst wenn er dadurch sein Leben aufs Spiel setzt.

Den Trick, einen Fremden als den eigentlich Alien erscheinen zu lassen, wendet Cherryh mehrmals in ihren Werken an, so etwa in den vier CHANUR-Romanen, die ich wirklich empfehlen kann, sowie in „Kuckucksei“, wo ein Menschenjunge unter kriegerischen Monstern aufwächst und dies ganz normal findet. Werte sind eben relativ, demonstriert die Autorin, und nirgendwo so intensiv und mannigfaltig wie in ihrem schon erstaunlich langen ATEVI-Zyklus.

|Brüder|

Ich habe einige Male über den Titel des Romans nachgegrübelt, denn kein einziges Mal taucht die Erde auf, höchstens als Kurts herbeizitierte Heimat. Doch dafür stehen die ganze Zeit die Brüder Kurt und Kta im Vordergrund. Dass sich ein Nemet – alle Nemets sind von Natur aus dunkelhäutig – mit einem Alien wie Kurt verbrüdert, ist alleine schon bemerkenswert. Als aber Kurt in Indresul als Tier abgetan und demnächst entsorgt werden soll, stellt sich Kta eindeutig auf seine Seite und rettet ihm so das Leben.

Aber Kta ist selbst oftmals in Gefahr, nicht, weil er sich nicht gegen Piraten oder Banditen zu wehren wüsste, sondern vielmehr, weil er schwer suizidgefährdet ist. Mehrmals ist Kta in Versuchung, es wie Mim zu machen und sich das Messer in den Bauch zu rammen oder aus dem Fenster zu stürzen. Der Grund dafür liegt in seiner Selbstverachtung. Diese wiederum resultiert wie bei Mim aus einer strengen Moral, die vom Ahnen- und Götterglauben abgeleitet ist. Alle Grundsätze des Moralkodex sind darauf ausgerichtet, die Ahnen stolz machen zu können und den göttlichen Gesetzen zu genügen.

Kein Wunder, dass die Methi von Indresul einer Theokratie vorsteht und auch die Methi von Nephane einen halbgottähnlichen Status genießt. Beide Methis dürfen sich dennoch nicht in die internen Sippengesetze der Häuser einmischen. Und wenn das Große Schwert eines Hauses gezogen wird, darf dies nicht ohne nachfolgendes Blutvergießen erfolgen. Die Ehre des Hauses steht über allem. Dass sich Ktas Vater und Mutter den Freitod gegeben haben, verwundert nicht. Nun ist Kta der letzte Lord seines Hauses, und deshalb zählt seine Ehrenhaftigkeit doppelt so schwer.

|Die Aussage|

Nur die brüderliche Freundschaft des ausgestoßenen Kta und des alienhaften Menschen ist ironischerweise in der Lage, den Nephane-Bürgerkrieg zwischen Nemet und Sufaki zu beenden sowie den Krieg mit Indresul zu verhindern. Der Preis ist zwar hoch, aber dass dies überhaupt gelingt, liegt an der Logik der Ehrengesetze: Beide sind ungebunden und können als Vermittler auftreten, ohne in den Verdacht zu geraten, für sich einen Vorteil herausschlagen zu wollen. Und sie sind das lebende Beispiel dafür, dass es gelingen kann, Frieden zwischen ungleichen Völkern zu schließen. (Von dem Frieden zwischen hellhäutigen Menschen und dunkelhäutigen Nemet ganz zu schweigen.)

|Starke Frauen|

Dass in diesem Roman starke Frauen die Herrschaft innehaben, ist sicher ganz im Sinne der Autorin, aber für die amerikanische Sciencefiction des Jahres 1976 immer noch ziemlich ungewöhnlich. Frauen durften Vermittlerinnen, Diplomatinnen (bei Le Guin), Amazonen (Cherryh), Heilerinnen und Seherinnen – vulgo: gute Hexen (bei Tanith Lee und Vonda McIntyre) – sein, aber Kaiserinnen gab es nur in schlechter Fantasy. Nun treten gleich zwei Herrscherinnen auf, eine davon eine fremdartige, aber menschliche Hanan, die andere eine dunkelhäutige, aber nichtmenschliche Kaiserin wie jene legendäre SIE aus Henry Rider Haggards Afrika-Phantasien.

Diese zwei Herrscherinnen üben eine ungleiche Herrschaft aus. Die der Methi von Nephane führt geradewegs zu Bürgerkrieg und Untergang. Der Grund liegt in ihrer Schwachheit, die Liebe genannt wird. Sie liebt den Sufaki Shan t’Tefur zu sehr, um ihm Einhalt in seinem Aufstand gegen die Nemet zu gebieten. Das Gefühl wird ihr Verderben.

Ganz anders hingegen die Methi Ylith von Indresul. Betrachtet sie anfangs den Menschen-Alien Kurt als Tier, sondern ändert sie schrittweise ihre Meinung, weil sie der Vernunft und der Diplomatie den Vorzug gewährt. Sie lässt nämlich Priester und Adelige ihr Urteil fällen, behält sich aber das letzte Wort vor. Ein Fingerschnippen – Kopf ab, hieße es für Kurt. Aber sie lässt ihn am Leben und bewahrt letzten Endes Nephane vor der Zerstörung. Bezeichnenderweise hat sie keinen Lebensgefährten, der Ylith schwächen würde. Sie muss eine einsame Frau sein. Oder der Verlag hat die Erwähnung von Lovern schamhaft verschwiegen. So wie auch verschwiegen wurde, dass Kurt mit Methi Djan geschlafen hat. Das erfahren wir erst ziemlich spät.

_Die Übersetzung_

Die Übersetzung durch Hans Maeter ist recht gut gelungen. Nur finden sich mehrfach die bei |Heyne| früher üblichen Flüchtigkeitsfehler wieder. Da heißt es mal „apan“ statt „ypan“ (Schwert) sowie „Ypan“ statt „ypai“ (Mehrzahl von Schwerter). Einmal fand ich sogar eine Verwechslung von Kurt mit Kta, aber mit ein wenig Nachdenken kann man den Fehler aufklären.

Sehr schön fand ich die von Erhard Ringer gezeichnete Landkarte der Region um das Trennende Meer zwischen Nephane und Indresul. So wird auch verständlich, dass die degenerierten Tamurlin-Menschen weit im Süden siedeln. Kurt bringt sich beinahe um, als er nach Mims Suizid dort zu seiner Raumkapsel zu gelangen versucht. Aus dem Regen gelangt er jedoch in die Traufe, als er den Tamurlin-Kannibalen in die Hände fällt. Erst Kta haut ihn wieder raus. Der abenteuerreiche Mittelteil des Romans lässt sich anhand der Landkarte viel besser nachvollziehen.

_Unterm Strich_

Ich fand die Lektüre dieses Romans recht kurzweilig und vor allem spannend. Die Spannung ergibt sich aus den Gegensätzen zwischen Menschen und Nemet, zwischen den Kulturen und den Lebensgrundsätzen. Mehr als einmal setzen die ungleichen Brüder Kurt und Kta ihr Leben ein, um nicht nur sich selbst zu retten, sondern vor allem auch ihre Heimatstadt Nephane, die vor der Zerstörung durch Indresul steht. Die haarigen Situationen passen gut in einen Actionroman.

Doch dies ist kein Planetenabenteuer nach dem Zuschnitt von Experte Jack Vance, sondern eindeutig von einer Frau geschrieben. Sie zeigt nicht nur zwei Frauen in der Position der absoluten Herrscherin, sondern, dass Männer nicht immer unbedingt auf Gewalt und Zerstörung aus sein müssen, sondern auch mal konstruktiv zusammenarbeiten können. Leicht macht sie es ihren zwei Hauptfiguren ja nicht gerade. Nicht nur sind sie füreinander „Außerirdische“, sondern auch noch verschiedener Hautfarbe, Religion und Temperaments.

In einer Mischung aus Science-Fiction-Hintergrund und Fantasy-Vordergrund kommt eine klassische Space Opera mit dem speziellen Cherryh-Touch zustande, die man so nur selten wiederfinden dürfte. Die deutsche Ausgabe ist mit einer sehr nützlichen Landkarte versehen, die Erhard Ringer zeichnete und sich besonders im Mittelteil mit seinen langen Reisen als Orientierungshilfe erweist. Der Band selbst in längst vergriffen, wurde aber 1984 erneut in dem |Heyne|-Sammelband „Chroniken der Zukunft 1“ abgedruckt, den es vielfach als preisreduziertes Mängelexemplar gab. Sammler dürften aber das deutsche Original wegen seines wunderbar gelungenen Titelbildes schätzen.

|Originaltitel: Brothers of Earth, 1976
Aus dem US-Englischen übertragen von Hans Maeter
ca. 250 Seiten
Auch in „Chroniken der Zukunft“ erschienen, Heyne SF-TB 06/1001 (1984)|
http://www.cherryh.com
http://www.heyne.de

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