Child, Lee – Trouble (Jack Reacher 11)

_|Jack Reacher|:_

Band 1: „Größenwahn“
Band 2: [„Ausgeliefert“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=905
Band 3: [„Sein wahres Gesicht“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2984
Band 4: [„Zeit der Rache“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=906
Band 5: [„In letzter Sekunde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=830
Band 6: „Tödliche Absicht“
Band 7: [„Der Janusmann“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3496
Band 8: [„Die Abschussliste“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4692
Band 9: [„Sniper“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5420
Band 10: „Way Out“
Band 11: _“Trouble“_
Band 12: „Nothing to Lose“ (2008; noch kein dt. Titel)
Band 13: „Gone Tomorrow“ (2009; noch kein dt. Titel)
Band 14: „61 Hours“ (2010; noch kein dt. Titel)
Band 15: „Worth Dying For“ (2010; noch kein dt. Titel)

Mit der Figur des eisenharten Jack Reacher hat Lee Child einen Charakter geboren, der an Härte und Gewalt seinesgleichen sucht. Jeder Psychologe würde bei dem geistigen Status des ehemaligen Elitepolizisten zweifelsfrei die Diagnose „Soziopath“ stellen, dazu noch erweitert um ein hohes Maß an ausgeprägter Gewaltbereitschaft. Um es auf den Punkt zu bringen: Jack Reacher ist ein hochgefährlicher Mann, der aufgrund seiner Persönlichkeit und seiner militärischen Ausbildung zu einer tödlichen Waffe werden kann.

Man ist also besser dran, wenn man diesen Einzelgänger nicht zum Feind hat, sonst steigt die Wahrscheinlichkeit, eines gewaltsamen Todes zu sterben, in exorbitante Höhen.

Lee Child involviert seinen (Anti-)Helden Jack Reacher in seinem neuesten Roman „Trouble“ diesmal viel persönlicher als in seinen letzten Auftritten.

_Inhalt_

Jack Reacher ist ruhe- und rastlos. Persönliches Eigentum oder Statussymbole sind ihm fremd und bedeuten ihm wenig. Weder hat er einen festen Wohnsitz, noch eine Familie, an die er sich bindet. Auf sich alleine gestellt, dabei aber auch nicht unglücklich, lässt er sich durch die Städte treiben, ohne wirklich ein Ziel vor Augen zu haben.

Er lebt von seinen Ersparnissen, die aber langsam zur Neige gehen, und er weiß, dass er bald irgendeinen Job annehmen muss. Jedenfalls ist dies allzu ersichtlich, wenn er seinen aktuellen Kontostand betrachtet. Doch als er eines Tages in Portland, Oregon, auf seinen Kontoauszug blickt, staunt er nicht schlecht, denn sein Kontostand ist durch die Gutschrift einer Bareinzahlung um 1030 $ angestiegen. Nach kurzer Überlegung ist ihm klar, dass es sich hier nicht um einen Irrtum oder einen Fehler der Bank handeln kann. Die Zahl 1030 ist eine persönliche und dadurch direkte Botschaft, die ihn nun erreicht hat. Der ehemalige Offizier einer militärischen Sondereinheit wird mit diesem Notrufcode konfrontiert, den er seit Jahren nicht mehr vernommen hat.

Als Reacher seine frühere Kollegin Frances Neagley kontaktiert und aufsucht, offenbart sich ihm eine verstörende und beängstigende Erklärung: Einer seiner Kollegen und ebenfalls Mitglied der Sondereinheit, die Reacher geleitet hat, ist tot. Calvin Franz wurde gefoltert, seine Beine mit brutalen Schlägen gebrochen, und wenig später wurde er über der Wüste Nevadas aus einem Helikopter in den sicheren Tod gestürzt.

Eiskalte Wut überkommt Jack Reacher. Niemand wirft einen seiner besten Freunde und Kollegen aus großer Höhe kaltblütig aus einem Helikopter. Für Reacher sind die Mörder wandelnde Tote, sie wissen es nur noch nicht. Zusammen mit Frances Neagley ruft er die überlebenden Mitglieder seiner alten Einheit zusammen, doch auch hier, so erfahren sie wenig später, sind nicht mehr alle am Leben. Es gibt Vermisste, die sich trotz aller Anstrengungen nicht mehr auffinden lassen.

Für Jack Reacher und die überlebenden Mitglieder seiner alten Einheit wird es nun persönlich, und getrieben von Wut rüsten sie sich zu einem vernichtenden Rachefeldzug. Egal, wer der Gegner auch sein mag – Reacher wird zum Todesengel …

_Kritik_

Wer schon einige Romane der „Jack Reacher“-Serie aus der Feder des Autors Lee Child gelesen hat, weiß, dass der Sonderermittler nicht zimperlich ist mit seinen Mitteln und Methoden, um gegebenenfalls Gerechtigkeit walten zu lassen.

Doch in „Trouble“ ist der Titel durchaus ernst gemeint und ein Fingerzeig für die Handlung des Romans. Für Jack Reacher wird es nun persönlich, und da versteht der recht zynische und ohnehin humorlose Mann keinen Spaß.

Aber Jack Reacher, so kalt, grausam und brutal er auch immer sein mag – hier werden ihm durch die Einberufung des ehemaligen Teams auch sein eigener Charakter und seine sehr individuelle Entwicklung wie ein Spiegel vor Augen geführt. Seine ehemaligen Kollegen haben Fuß fassen können, draußen in der „normalen“ Zivilisation. Sie haben sich durch hochbezahlte Jobs in der Gesellschaft akklimatisiert. Viele sind verheiratet, haben Kinder und dadurch auch einen festen Wohnsitz. Solche Bindungen kann Reacher nur schwerlich nachvollziehen, doch zeigt es sich, dass hinter einer rauen Schale auch ein weicher Kern existieren kann. In einigen Dialogen wird durchaus offensichtlich, dass Jack Reacher neidisch auf seine Kollegen ist, die ihre Nische gefunden haben, natürlich mit allen angenehmen und auch unangenehmen Begleiterscheinungen des täglichen Lebens.

Jack Reacher ist außerordentlich wütend, und nur noch getrieben von Rachegedanken, ist ihm jedes Mittel recht, um die Mörder seiner Freunde zu liquidieren. „Trouble“ ist um einiges härter, als man es ohnehin schon aus den anderen Bänden der Serie kennt. Dass Rache süß sein kann, interessiert Reacher nicht. Für ihn ist Rache ein Gericht, das entweder scharf gewürzt oder aber auch eiskalt serviert wird, ohne sich den Luxus einer Vor- und Nachspeise zu gönnen. Seine Konzentration und Willenskraft scheint übermenschlich zu sein, und, einem zuverlässigen Uhrwerk gleich, ticken Reacher und sein Team wie eine Zeitbombe.

Auch in „Trouble“ hält sich Reacher nicht lang mit Worten auf. In Sekundenbruchteilen spielt er sich als Ankläger, Richter und Henker auf, sodass der eine oder andere Leser durchaus mit Schrecken feststellt, dass Reacher hier zwar der „Good Guy“ ist, aber manchmal durch einen Ausflug in sein „Bad Boy“-Auftreten nicht gerade durch Sympathie punktet. Auf seinem Rachefeldzug hinterlässt er schon einmal „verbranntes Land“, aber so richtig tangiert es ihn nicht, es ist ihm total egal.

Seine Kollegen dagegen zeigen schon mal Verletzlichkeit und Sensibilität, auch wenn sie wie ihr alter und neuer Chef nur auf Rache aus sind. In „Trouble“ wird offensichtlich, welche Führungsfigur Jack Reacher in seinem alten Beruf war, und mit welcher Person ihn mehr als berufliche Interessen verbanden. Aber das sind auch schon die wesentlichen charakteristischen Merkmale Reachers. Sicherlich mehr als in den anderen Romanen, aber ebenso sicher ist „Trouble“ in erster Linie einer der härtesten Thriller dieser Serie.

Seine drei anderen Kollegen überzeugen durch ganz unterschiedliche, aber auch ausgeprägte Eigenschaften, doch sind sie nichts anderes als willkommene Werkzeuge und lassen sich gerne von Jack Reacher an die Hand nehmen. Die Handlung ist erstklassig spannend, manchmal allerdings gibt es kleinere Klippen, die der Autor aber geschickt umschifft, wenn er dem Leser die Dialoge zwischen den Charakteren vor Augen hält und somit einiges aus der Vergangenheit präsentiert.

Explosiv und auch hier im Verhältnis zu den anderen Romanen wie „Sniper“ und „Way Out“ speziell gelagert, konzentriert sich Lee Child nicht nur auf einen abschließenden Showdown. Als Schwachpunkt anzusehen sind diesmal die Gegner Reachers, die bei ihm Nachhilfestunden in Brutalität und Kaltblütigkeit buchen könnten. Etwas blass und hilflos wirken diese manchmal und mit der Situation sichtlich überfordert. Ein „Bösewicht“, der in der gleichen Liga wie Reacher selbst spielt, ist bestimmt schwierig zu konzipieren, doch es wäre auch interessant zu sehen, wie sich Reacher gegen einen gleichwertigen Gegner verhält!

_Fazit_

„Trouble“ lebt von und mit seiner Figur des Jack Reacher. Mit dieser Figur erschuf Lee Child einen Charakter, der wohl in der literarischen Thrillerwelt seinesgleichen suchen muss.

Spannend und abwechslungsreich, überzeugt „Trouble“, ohne ins Klischeehafte abzudriften. Lee Childs Stil überzeugt, doch wohin soll die Reise von Jack Reacher wohl noch gehen? Wann könnte der Gegner kommen und vor allem, wer könnte der Gegner sein, der den Militärpolizisten wirklich herausfordert? In „Trouble“ konnte der Leser schon erleben, wie psychopathisch Reacher sein kann, und hier zeigen sich erschreckende Züge im Charakter. Aber vielleicht ist das genau der Kernaussage des Autors.

„Trouble“ bietet Spannung und Action auf höchstem Niveau. Brutal, eiskalt, unmenschlich – aber ein Garant für Gänsehaut. Hart, härter – Reacher … eine Steigerung, die Programm zu sein scheint.

Prädikat: Lesen Sie „Trouble“ und lernen Sie weitere dunkle Eigenschaften von Jack Reacher kennen. Kristallklar zu empfehlen.

|Hardcover: 448 Seiten
Originaltitel: Bad Luck and Trouble
ISBN-13: 978-3764503550|
[www.randomhouse.de/blanvalet]http://www.randomhouse.de/blanvalet

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