Claremont, Chris (Autor) / Miller, Frank (Zeichner) – Wolverine

_Wolverine – die beliebteste Figur unter den X-Men_

Egal ob nun in den unzähligen Comics oder doch in den nunmehr drei Hollywood-Verfilmungen der legendären X-Men: Diejenige Persönlichkeit, die stets im Vordergrund steht und auch über den eigenwilligsten Charakter verfügt, ist zweifelsohne Wolverine. Der unbesiegbare, nahezu unsterbliche Logan ist beliebt wie kein anderer Vertreter der X-Men, hat seit einiger Zeit bereits eine eigene Comic-Serie und wird neben Charles Xavier als einzige Person auch sofort mit den X-Men in Verbindung gebracht.

Die Geschichte von Wolverine geht auf das Jahr 1974 zurück, als er seinen ersten großen Auftritt in „The Incredible Hulk“ hatte. Doch seine Zukunft war zunächst ungewiss; man war nicht wirklich überzeugt von Wolverines Durchschlagskraft. Dennoch bekam er seinen Part bei den X-Men, weil sein Erfinder Leo Wein an ihn glaubte. 1982 griff Chris Claremont in Kooperation mit Comic-Ikone Frank Miller (Zeichnungen) und Josef Rubenstein (Farben) erneut die Idee auf, Wolverine ein größeres Forum zu verschaffen. Die drei schufen gemeinsam eine Miniserie und legten somit den Grundstein für den weiteren Erfolg dieses |Marvel|-Charakters: Ein neuer Superheld war geboren, und heute, rund 25 Jahre später, ist er absolut nicht mehr aus dem großen Universum der Mutanten wegzudenken.

Um diesen Meilenstein, den Miller und Claremont damals erschufen, auch Dekaden später noch entsprechend zu würdigen, haben |Panini Comics| diese erste Serie nun neu aufgelegt und ähnlich der letztlich veröffentlichten Anfangsgeschichte Batmans als Sammelband auf den Markt gebracht.

_Story_

Nachdem er erfahren hat, dass seine Geliebte Mariko sich in Japan dem Willen ihres Vaters entsprechend mit einem anderen Mann vermählt hat, reist Wolverine wutentbrannt nach Japan, um sich selber Gewissheit über die Wahrheit zu verschaffen. Tatsächlich hat Mariko unlängst geheiratet, ist jedoch auch schon brutal von ihrer scheinbar nicht sehr glücklichen Ehe gezeichnet. Wolverine will ihr helfen und die Ehe ungeschehen machen, doch Mariko will die Ehre ihres Elternhauses nicht durch eine Schande zerbrechen lassen und bleibt ihrem Vater treu. Als Logan sich damit nicht abfinden will, fordert er Marikos Vater Shingen zum Duell, verliert dieses aber chancenlos. Doch Wolverine überlebt das Gefecht und erholt sich in den finstersten Vierteln Tokios von seiner Niederlage. Dort wird er von Yukio heimgesucht, einer Verbündeten Shingens, die endgültig das Todesurteil vollstrecken soll. Auch sie verliebt sich sofort in Logan und kann dem Willen ihres Meisters nicht nachgeben. Wolverine ahnt nichts von diesen Intrigen und rennt schier blind ins Verderben. Erst als er merkt, wer tatsächlich hinter Yukio steckt und wie hilflos er dagegen ankämpft, Mariko zur Besinnung zu bringen und sie vor ihrem unglücklichen Schicksal zu bewahren, kocht seine grenzenlose Wut so richtig auf. Nun ist der richtige Zeitpunkt gekommen, Shingen erneut gegenüberzutreten…

_Meine Meinung_

Obwohl ich eigentlich nicht viel von oberflächlichen Floskeln halte, stelle ich mir in jeder Kritik zu einem ‚Produkt‘ von Frank Miller die Frage, ob man überhaupt noch viel zu diesem genialen Zeichner sagen muss. Natürlich hängt viel davon ab, wie die ihm vorgelegten Storys beschaffen sind bzw. inwieweit Miller den Vorlagen seine eigene Note zufügen kann, doch obwohl sich seine Werke teils gravierend voneinander unterscheiden, entwickelt sich im Laufe der Geschichte immer ein einzigartiges, unbeschreibliches Charakteristikum, das einen unwiderruflich in seinen Bann zieht. In „Wolverine“, dem Re-Release des besagten 82er-Originalwerks, zeichnet den Mann zunächst einmal sein simpler, doch unheimlich effektiver Stil aus. Es handelt sich hierbei um einen typischen Comic dieser Zeit, sehr wechselhaft und bunt gezeichnet, Miller-getreu auf einige wenige prägnante Farben ausgerichtet und mit dem Schwerpunkt auf den einzelnen Figuren und Gesichtern, nicht jedoch auf die Hintergrundzeichnungen, die partiell wie Beiwerk erscheinen.

Miller hat aber hier auch das Glück, dass sein Partner Claremont eine fabelhafte, spannende (und für Wolverine-Verhältnisse sehr emotionale) Story erschaffen hat, die dem Zeichner zwar genügend Freiräume lässt, der Geschichte seinen Stempel aufzudrücken, andererseits aber sehr zielstrebig und temporeich verfasst wurde, so dass die umfassende Action – hier wird fast auf jeder Seite gekämpft – auch sehr deutlich zur Geltung kommt. „Wolverine“ lebt in erster Linie von den ständigen Gefechten und Auseinandersetzungen des Titelhelden, sei es nun im Kampf gegen eine Gang von Samurais oder aber doch im genial aufgearbeitet Finale, das Wolverine im erneuten Duell mit Shingen bestreitet – sicherlich ein Highlight in der Laufbahn des jungen Miller! Gleichsam wird Wolverine aber auch sehr emotional dargestellt; cool nach außen, fast immer undurchdringlich, aber dennoch unerwartet unsicher, vom Schicksal seiner Geliebten erschüttert und insgeheim auch traurig, dass seine Gunst in diesem Fall nicht alles zählt.

Das Umfeld der Handlung passt daher auch sehr gut zur Story; es geht um Ehre und Traditionen, um Disziplin und Durchsetzungskraft, aber auch um Liebe und damit verbundene Ängste. Einige dieser Elemente kann man sich in einer heutigen Geschichte Logans kaum noch als Mittel zum Zweck vorstellen, hier jedoch stellen sie das Fundament der mitreißenden Handlung. Und genauso begeistern sie auch den von Nostalgiegefühlen berauschten Leser, der sich schnell bewusst sein wird, mit diesem neu veröffentlichten Sammelband einen echten Klassiker der Comic-Geschichte in den Händen zu halten; einen Ruf, den „Wolverine“ mit Fug und Recht innehat. Oder mit anderen Worten: ein typischer, echter Frank Miller, unterstützt von einem brillant aufgelegten Chris Claremont, mit dem sich der Zeichner hier gekonnt die Bälle zuspielt. MUSS man als begeisterter „X-Men“-Anhänger gelesesen haben!

http://www.paninicomics.de

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