Cook, Dawn – letzte Wahrheit, Die (Truth 4)

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Truth 3: [„Die verlorene Wahrheit“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5595

_Nach all dem_, was Alissa in der Vergangenheit erlebt hat, steht sie nun zwischen zwei Männern. Das ist vor allem deshalb unangenehm für sie, weil Nutzlos auf einem Arrangement bestanden hat, das Alissa daran hindert, sich um eine Entscheidung zu drücken. Abgesehen davon hat sie in letzter Zeit verstärkt Träume von einer jungen Frau namens Silla. Aber erst, als Nutzlos davon erfährt, stellt sich die wahre Tragweite dieser Träume heraus: Silla ist eine junge Meisterin! Und Keribdis ist ihre Lehrerin!

Nutzlos ist zunächst begeistert. Er hofft, die anderen Meister, die vor zwanzig Jahren die Feste verlassen haben, über Alissa und Silla zur Rückkehr bewegen zu können. Doch Silla gerät angesichts Alissas Eröffnungen in schiere Panik. Es scheint, als bliebe nichts anderes übrig, als die weiter Reise übers Meer anzutreten …

_Das Zusammentreffen mit den Meistern der Feste_ hat noch einmal einige neue Charaktere zur Folge: Silla ist jung und freundlich, aber schrecklich unsicher. Wie Alissa hat sie massive Schwierigkeiten zu fliegen, doch während Alissa das Fliegen Bestie überlässt, ist Silla dazu nicht in der Lage. Außerdem wird sie von ihrer Lehrmeisterin Keribdis dermaßen straff an der Kandare gehalten, dass ihr keinerlei Möglichkeit bleibt, sich selbst zu entwickeln.

Keribdis ist eine beeindruckende Persönlichkeit, gleichzeitig ist sie aber leider auch eine herrschsüchtige, arrogante, rücksichtslose Hexe. Sie hält die Rasse der Rakus für den Menschen weit überlegen und betrachtet deshalb die Menschen nicht nur mit Geringschätzung, sondern hält sich auch für berechtigt, mit ihnen nach Gutdünken zu verfahren. Ihre Manipulationen erreichen problemlos den Grad der Menschenverachtung. Sogar über die anderen Meistern glaubt sie sich erhaben, allerdings geht sie hier wenigstens ein wenig subtiler vor, um ihre Absichten durchzusetzen. Schließlich ist ihre Meinung die einzig richtige.

Die anderen Meister lassen sich diesbezüglich erstaunlich leicht lenken. Selbst die wenigen, die nicht mit Keribdis übereinstimmen, können sich offenbar nicht dazu aufraffen, ihr Kontra zu bieten. Alle miteinander sind sie ein erbärmlicher Haufen träger, verweichlichter Masse.

Die wichtigste neue Figur ist dabei auch die gelungenste. Die Schilderung von Keribdis, die ganz selbstverständlich sämtliche Regeln beugt oder bricht, wenn sie sich davon einen Vorteil verspricht, und Alissa mit geradezu fanatischem Haß verfolgt, nur weil sie sich von Keribdis nicht kontrollieren lassen will, ist der Autorin hervorragend gelungen.

_Auch der Handlung_ hat diese Figur gut getan. Zwar hat der Konflikt zwischen Keribdis und Alissa nicht so viel nervöse Spannung erzeugt wie das Versteckspiel mit Bailic, dafür ist Keribdis zu direkt. Dennoch kann sie mit ihrer ihrer Bereitschaft, alle Regeln zu brechen und sämtliche Grenzen zu überschreiten, problemlos mit Bailics grausamer Bosheit mithalten. Der Handlungsverlauf gewann dadurch im Vergleich zum dritten Band wieder stark an Dynamik.

Den Ortswechsel empfand ich ebenfalls als angenehm. Nahezu drei komplette Bände spielten sich fast ausschließlich in der Feste ab, auch wenn der dritte Band durch den Zeitsprung eine ungewöhnliche Variante darstellte. Da boten die Küste, das Schiff und die Inseln eine willkommene Abwechslung, obwohl die Autorin diesbezüglich bei weitem nicht so ins Detail gegangen ist wie im Hinblick auf Hoch- und Tiefland.

Dafür hat sie im Laufe der Geschichte allmählich sämtliche losen Fäden und Andeutungen ordentlich zusammengeführt, sodass das Gesamtbild am Ende wirklich eine runde Sache ergab, die durch den sorgfältigen Aufbau zu keiner Zeit gezwungen oder übertrieben zufällig wirkte. Die Dreiecksgeschichte hat sie geschickt entwirrt, ohne logische Brüche und frei von jeglichem Kitsch. Und auch die Balance zwischen den einzelnen Bestandteilen stimmte, keiner erschien vernachlässigt oder übergewichtet.

Nur zwei Kleinigkeiten sind mir aufgefallen:
So fragte ich mich zum Beispiel, warum Connen-Neute am Ende seiner Verwilderung kein Deut älter ist als zu Beginn derselben. Sein Bewusstsein mag durch den Zeitsprung jung geblieben sein, seine Rakuhälfte aber hat die vollen dreihundert Jahre mitgemacht. Ich hätte deshalb durchaus erwartet, dass er zumindest äußerlich gealtert ist.

Und dann die Sache mit dem Nachwuchs: Bei einer genetischen Wahrscheinlichkeit von eins zu eins, ob ein Kind Meister oder Septhama wird, wunderte ich mich schon, warum sich die schwangere Meisterin während der Schwangerschaft für die menschliche Gestalt entscheiden sollte. In der Gestalt eines Raku würde sie schließlich mit Sicherheit ebenfalls einen jungen Raku, also einen Meister, zur Welt bringen. Oder können Rakus Menschen gebären?

_Bei der Gesamtbetrachtung_ fallen diese beiden Punkte im Vergleich zum Rest jedoch nicht weiter ins Gewicht. Alles in allem also ein Zyklus, den man getrost als gelungen betrachten darf.

Ein Lob auch dem Lektorat, das auf knapp zweitausend Seiten nahezu völlig fehlerfrei war. Die Karte im Umschlag war |nice to have|, aber nicht unbedingt notwendig.

_Dawn Cook_ lebt in den USA und hat nach ihrem Studium in unterschiedlichen Berufen gearbeitet. Seit dem Debüt ihrer |Truth Series| lebt sie als Schriftstellerin. Die Bände ihres ersten Zyklus sind bereits alle auf Deutsch erhältlich. Die Autorin schreibt derweil an ihrem zweiten Zyklus |Princess Series|, von dem bisher zwei Bände auf Englisch erschienen sind.

|Originaltitel: Lost Truth
Deutsch von Katharina Volk
474 Seiten Klappenbroschur
ISBN-13: 978-3-442-26579-4|
http://www.blanvalet-verlag.de
http://www.dawncook.com

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