Corder, Zizou – Lionboy: Die Entführung

_Handlung_

Charlie Ashanti lebt in London und ist ein ganz besonderes Kind, denn er spricht die Sprache der Katzen: Katz. Als er eines Tages nach Hause kommt, sind seine Eltern, beide bekannte Wissenschaftler, spurlos verschwunden. Von der Nachbarskatze erfährt er, dass seine Eltern entführt worden sind.

Wie sich herausstellt, wurden sie von einer Organisation entführt, die an einem von ihnen entwickelten Mittel gegen Asthma interessiert ist. Mit Hilfe seiner vierbeinigen Helfer nimmt Charlie die Verfolgung auf. Dabei landet er auf dem Zirkusschiff Circe, welches auf dem Weg nach Paris ist. Der Zirkusdirektor und Kapitän Major Maurice Thibaudet nimmt ihn als Teil der Besatzung auf.

Schon nach kurzer Zeit unter den Akrobaten, Clowns, Seiltänzern und exotischen Tieren wird er zum Assistenten des Löwendompteurs Maccomo. Er ist jetzt der Lionboy. Natürlich weiß keiner, dass sich Charlie mit den Löwen unterhalten kann, und so schmieden Charlie und die Könige des Tierreichs schon bald einen tollkühnen Fluchtplan …

_Der Autor_

Zizou (französisch: weiße Katze) Corder ist ein Synonym für die Schriftstellerin Louisa Young („Sehnsucht nach Kairo“, „Engel in Schwierigkeiten“) und ihre zum Schreibzeitpunkt zehnjährige Tochter Isabel Adomakoh. Die beiden haben die Geschichte von Charlie Ashanti gemeinsam entwickelt und geschrieben. Die beiden leben in London, und „Lionboy: Die Entführung“ ist ihr erstes Kinderbuch und der erste Band einer Trilogie über den Katz sprechenden Charlie Ashanti.

_Mein Eindruck_

„Lionboy: Die Entführung“ ist für mich das beste Kinder/Jugendbuch seit „Harry Potter“. Nicht umsonst hat sich kein Geringerer als Stephen Spielberg die Filmrechte für dieses Buch bereits gesichert.

Aber was macht das Buch so erstklassig? Zuerst einmal ist das sicher die Autorenkombination aus erfahrener Schriftstellerin und ihrer Tochter. Auf jeder Seite kann man die kindliche Phantasie bestaunen und saugt sie förmlich ein. Dabei wird der Plot aber niemals undurchsichtig oder verwirrend, was ganz klar auf die ordnende Hand der Mutter zurückzuführen ist. Genauso ist es mit verschiedenen Erklärungen und Beschreibungen innerhalb des Textes. Man merkt, dass hier ein Kind bei der Entstehung quasi Pate gestanden hat, denn die Erklärungen sind genau richtig gestreut und gut formuliert, so dass auch schon jüngere Leser ihren Spaß an der „Lionboy-Reihe“ haben werden. Dabei sind sie aber keinesfalls in einer lehrerhaften Formulierung gehalten, sondern sehr interessant und liebevoll, damit sie auch die älteren Semester nicht stören.

Die Story an sich spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der die Erdölvorkommen beinahe erschöpft sind, wobei hier natürlich auch der Lerneffekt für die jungen Leser nicht zu übersehen ist. Auch dass Charlie einen Vater aus Afrika und eine Mutter aus Europa hat, vermittelt genau den richtigen Umgang mit der immer wieder aufflackernden Rassismusdebatte, wobei hier sicher auch autobiografische Züge der Autorinnen enthalten sein dürften. Die Geschichte ist sehr bunt und bildhaft erzählt, ohne dabei kitschig oder aufgesetzt zu wirken. Der junge Charlie wird äußerst intelligent und gewitzt dargestellt, was natürlich eine gewisse Identifikation mit dem Protagonisten herstellt.

Den Mittelpunkt des Buches bilden aber sicherlich einmal, dass Charlie Katz spricht, und sein Aufenthalt auf dem Zirkusschiff Circe. Hinter der Gabe steckt nämlich auch noch, dass zu dieser Zeit fast alle Menschen an Asthma und an einer Allergie gegen Katzen leiden, wobei es ja in unserer Zeit wirklich immer mehr asthmakranke und allergische Kinder gibt. Charlies Eltern suchen dafür einen Impfstoff und werden dann von einem Syndikat entführt, um für sie zu arbeiten. Dadurch, dass die Katzen nicht gewohnt sind, dass Menschen sie leiden können, helfen sie natürlich dem kleinen Charlie, auch wenn da sicher noch etwas mehr dahinter steckt.

Charlies Zeit beim Zirkus ist so bunt und unterhaltsam geschildert, dass man sich wirklich in seine Kindertage zurückversetzt fühlt. Bunte Farben, fremde Gerüche und die Faszination Zirkus können wirklich so hautnah miterlebt werden, dass man das Buch gar nicht mehr beiseite legen will. Hierzu tragen auch die vielen sehr gelungenen Illustrationen bei. Überhaupt ist die Gestaltung des Bandes äußerst vorbildlich ausgefallen. Das Cover mit einem Löwenkopf ist passend gewählt, und wenn man das Buch etwas ins Licht hebt, scheinen einen die Augen wirklich anzufunkeln – toll! Ebenso sind die Noten für die verschiedenen Lieder, über die im Buch erzählt wird, enthalten, so dass sie problemlos von etwas musikbegabten Lesern nachgespielt werden können.

Das Finale der Geschichte bildet dann Charlies Flucht mit den Löwen in den Orientexpress, wo sie den König von Bulgarien treffen. Selbstverständlich ist die Handlung teilweise etwas unrealistisch, aber darüber muss man einfach hinwegsehen und sich auf diese schöne Phantasiewelt einlassen. Schließlich ist es ja hauptsächlich ein Kinderbuch, aber ich möchte hier noch einmal betonen, dass auch ältere Leser ihre wahre Freude an „Lionboy: Die Entführung“ haben werden.

_Fazit_

„Lionboy: Die Entführung“ ist eine tolle Geschichte, die wirklich fesselt – für mich das beste Kinder/Jugendbuch seit „Harry Potter“. Wenn die beiden nachfolgenden Bände auch nur annähernd das Niveau des ersten Bandes halten können, haben die Autorinnen damit eine wirklich wundervolle Trilogie geschaffen.

http://www.dtv.de

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