Croggon, Alison – Krähe, Die (Die Pellinor-Saga 3)

|Der Pellinor-Zyklus:|

Band 1: [„Die Gabe“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4790
Band 2: [„Das Rätsel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5100
Band 3: _“Die Krähe“_
Band 4: [„Das Baumlied“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5736

Während Maerad sich im Norden mit dem Winterkönig Arkan auseinandersetzen muss, geht es ihrem Bruder Hem im Süden im nur vermeintlich sicheren Turbansk nicht gut. Sein jähzorniges Temperament, Sprachschwierigkeiten und seine andere Hautfarbe machen ihn zum Außenseiter. Seine Ausbildung zum Barden bereitet Saliman ebenfalls Sorgen, allerdings erweist sich Hem bald als begabter Heiler. Lange Zeit ist sein einziger Freund neben Saliman eine weiße Krähe, die er vor ihren schwarzen Artgenossen retten kann. Seinem Irc genannten gefiederten Begleiter verdankt er seinen Ehrennamen „Lios Hlaf“ (Weiße Krähe), denn mit seiner Hilfe kann er die einheimischen Vögel dazu bewegen, gegen die mutierten Todeskrähen des Namenlosen zu kämpfen, die Seuchen in Turbansk verbreiten.

Doch Imank, der verschlagene Hexer-Hauptmann des Namenlosen, überrennt die letzten Verteidiger Turbansks mit schierer Masse, schwarzer Magie und einem grausamen Trick: Er schickt Kindersoldaten gegen Turbansk, die er zuvor in den eroberten Gebieten gefangen genommen und konditioniert hat. Die Kindersoldaten erweisen sich als besonders kampfstark und grausam, zusätzlich treiben sie ihre Verwandten in die Verzweiflung.

Hem flieht mit Saliman und der störrischen Zelika, einem auf Rache sinnendem jungen Mädchen, in die unterirdische Stadt Nak-Al-Burat. Dort entschließt er sich zu Salimans Kummer zu einer Ausbildung zum Spion; durch unterirdische Gänge dringen die Spitzel der Barden tief bis nach Dén Raven vor. Bei einer dieser Missionen wird Zelika gefangen genommen; um sie zu retten, schleicht sich Hem in ein Ausbildungslager der Kindersoldaten ein und tarnt sich als einer der Ihren. Während er sich dort deren Ausbildung unterzieht, tobt in Dén Raven ein offener Bürgerkrieg zwischen Imank treu ergebenen Truppenteilen – insbesondere seinen Kindersoldaten – und dem Namenlosen.

_Mehr Handlung, mehr Esprit – der kleine Bruder zeigt es der großen Schwester!_

Im ersten Band war Hem nur der kleine, blasse Bruder Maerads, den sie ganz zufällig vor marodierenden Untoten gerettet hat. Im zweiten Band lag der Fokus erneut ausschließlich auf Maerad, doch nun wendet sich Alison Croggon Hem zu. Im fernen Turbansk zeigt sich Hem als schwieriger Charakter mit Ecken und Kanten, insbesondere diebischen Neigungen. Der ehemalige Waisenjunge ist im Gegensatz zu seiner Schwester nicht Everybody’s Darling; ebenfalls im Gegensatz zu ihr wirkt er glaubhaft, seine geradlinige Art ist ein angenehmer Kontrast zu der übermäßig emotionalen und grüblerischen Maerad.

Mit der positiv überraschenden Hauptfigur entfaltet sich auch eine Handlungsvielfalt, die ich in „Das Rätsel“ schmerzhaft vermisst habe. Die Schilderung des exotischen, arabisch inspirierten Turbansks und seiner Bewohner – kombiniert mit der Schilderung der Kämpfe gegen die Schwarze Armee und ihren überraschenderweise sehr kompetenten Feldherren Imank – hebt diesen Band deutlich über den Vorgänger hinaus, in dem Bösewichte stets nur hirnlose Monster sein durften. Ein verschlagener und hinterhältiger Bösewicht ist eben doch eine größere und faszinierendere Bedrohung als wiederholte Angriffe monströser Nacht- und Seekreaturen, die jeglicher Finesse entbehren. Lobenswert sind auch Nebencharaktere wie Zelika, die sich (wie auch Hem) weiterentwickeln und psychologisch nachvollziehbar motiviert werden.

Die Kindersoldaten Imanks werden durch über die Nahrung verabreichte Drogen und ein wenig Magie in besonders grausame und fanatische Kämpfer gedrillt, was Hem aus nächster Nähe am eigenen Leib erfahren muss: Inkognito muss er um sein tägliches Überleben kämpfen und sich an ihren Gräueltaten beteiligen oder zumindest so tun, um seine überlebenswichtige Tarnung nicht zu gefährden. Als offensichtliche Inspiration dienten Croggon afrikanische Kindersoldaten, deren Schicksal sie schwer erschüttert hat. Im Gegensatz zu den per se und von vorneherein bösen Untoten oder mutierten Tieren Dén Ravens beschreibt sie bei ihnen den Transformationsprozess, der aus normalen Kindern wahre Bestien macht.

_Fazit:_

Eine aufregendere Handlung, überraschenderweise eine neue, viel sympathischere und vielschichtigere Hauptfigur und eine zumindest etwas differenziertere Sichtweise anstelle der platten Schwarz-Weiß-Malerei der ersten Bände zeichnen „Die Krähe“ aus. Auch Hem macht die Entdeckung, dass die „Bösen“ untereinander zerstritten sind; leider erhält auch er nur geradezu nebenbei seinen Teil des verschollenen Baumlieds und die Gesamthandlung tritt leider ebenfalls ziemlich auf der Stelle. Gegenüber dem zweiten Band stellt „Die Krähe“ jedoch eine deutliche Steigerung dar und hat mir bisher von allen drei Bänden am besten gefallen. Es bleibt zu hoffen, dass Croggon diesen positiven Trend auch im abschließenden Band „Das Baumlied“ fortsetzt.

Homepage der Autorin:
http://www.alisoncroggon.com

Verlagshomepage:
http://www.bastei-luebbe.de

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