Darbro, Jon / Dawson, Alain H. – Chez Geek 1 – Die Freak-WG

_Freitag Nacht in der WG_

Fernsehen, Bier, Schäferstündchen. In der WG von „Chez Geek“ werden die verpöntesten Tabus zum Leben erweckt und auch noch belohnt. Je fauler und lässiger die Grundeinstellung, umso besser, denn schließlich will man ja selber unter seinen Wohnungsgenossen den Titel des Slackerkönigs einheimsen. Slacker? Nun, hier geht es um den typischen, faul abhängenden Klischeestudenten, der sich hier möglicherweise sogar selber spielt. Und damit man in der WG auch zum besten Slacker wird, muss man erst einmal ein individuelles Slackziel haben. Wie viel Slack braucht man, um sein Leben genüsslich bestreiten zu können – und bei „Chez Geek“ als Gewinner hervorzugehen? Diese Frage wird in diesem erfolgreichen Kartenspiel, welches mittlerweile sogar schon ein zweites Mal aufgelegt wurde, geklärt. Und gelacht werden darf natürlich auch …

_Spielmaterial_

• 112 Spielkarten
• 1 sechsseitiger Würfel
• 1 Spielanleitung

Das Spielmaterial von „Chez Geek“ fällt sofort wegen seiner witzigen Aufmachung auf. Die Spielkarten warten nicht nur mit lustigen Illustrationen, sondern auch mit herrlich abgedrehten Kartentexten und seltsamen Dialogen auf. Im Prinzip eigentlich genau das, was man von |Pegasus| gewöhnt ist. Nur noch einmal eine Spur freakiger …

_Die Karten_

In „Chez Geek“ unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Kartenarten, nämlich Job- und Lebenskarten. Elementar ist hierbei die erste Kategorie, da sie quasi das Charakterprofil eines Spielers dokumentiert. Die Jobkarte gibt an, wie viel Einkommen man hat, welches man beim Shopping verprassen oder für Aktivitäten ausgeben kann. Außerdem ist dort ein Freizeitwert abgebildet, der angibt, wie viele Freizeitaktivitäten man während eines Spielzugs durchführen kann. Beide Werte können zweigeteilt sein, so dass man erst auswürfeln muss, welchen Wert man für die jeweilige Spielrunde verwenden muss. Der letzte Zahlenwert ist das Slackziel, das Informationen darüber gibt, welche Slackpunktzahl man erreichen muss, um das Spiel zu gewinnen. Die letzte Eigenschaft der Jobkarte ist entweder ein Vor- oder ein Nachteil und beschreibt spezielle Eigenheiten, die der Job mit sich bringt.

Die Lebenskarten sind die eigentlichen aktiven Spielkarten. Man unterscheidet zwischen Personen, Dingen, Aktivitäten und Jederzeit-Karten, deren Wert und Handlungsmöglichkeiten individuell aufgeführt sind. Wie man diese Karten ausspielt, ergibt sich im Laufe des Spiels wie von selbst.

_Spielvorbereitung_

„Chez Geek“ ist in der Grundausstattung für bis zu fünf Spieler konzipiert, wobei das Spiel erst richtig interessant wird, wenn mindestens drei Leute beteiligt sind. Für das Spiel zu zweit empfiehlt die Spielanleitung dabei eine spezielle Anordnung der Jobkarten. In der sonstigen Variante werden zu Beginn einer Partie die Jobkarten und die Lebenskarten separat gemischt und bilden jeweils einen verdeckten Stapel. Ein vorher bestimmter Geber verteilt an jeden Spieler eine Jobkarte und sechs Lebenskarten. Während Letztere auf der Hand gehalten und als aktives Spielmaterial genutzt werden, wird die Jobkarte offen vor einem abgelegt und offenbart nun für jeden ersichtlich die Voraussetzungen für einen jeden Spielzug.

_Eine Spielrunde_

Ein Spielzug besteht aus insgesamt fünf Spielphasen, die in einer bestimmten Reihenfolge durchgeführt werden. Konkret sieht dies wie folgt aus:

|1.) Ziehen|

Zu Beginn seines Zuges stehen dem Spieler sechs Handkarten zu. Dies ist auch gleichzeitig die Begrenzung des Handkontingents; mehr Karten sind nicht erlaubt. In diesem ersten Zug füllt man nun seine Kartenhand so weit auf, bis dieses Limit erreicht ist. In der ersten Runde entfällt dieser Zug natürlich.

|2.) Würfeln|

Manche Jobkarten verzeichnen variable Werte für Einkommen und Freizeit, die in dieser Phase dann ausgewürfelt werden. Bei einer Würfelsumme von 1-3 wählt man den niedrigeren Wert, für ein Resultat zwischen 4-6 Augen darf man mit der höheren Zahl spielen.

|3.) Personen anrufen|

Alleine in der WG ist es oft langweilig. Also bietet sich in dieser Phase die Möglichkeit, verschiedene kuriose Gestalten anzurufen, die einem das Leben in der Wohngemeinschaft versüßen – oder aber zur Hölle machen. In dieser Aktionsphase darf man ausschließlich Personenkarten ausspielen, davon aber so viele, wie man möchte. Unterschieden wird indes zwischen eingeladenen und unerwünschten Personen, deren Slackwert dementsprechend positiv oder negativ ist. Allerdings ist es nicht verpflichtend, Leute in die WG zu bitten; schließlich will man sich ja nicht mit Taugenichtsen und Kleingaunern umgeben.

Sollte man sich jedoch dafür entscheiden, eine Person einzuladen (dies geschieht natürlich auch nur, wenn man einen Nutzen davon hat), kündigt man den Besuch dieser Figur an und bestimmt dabei auch sofort, ob sie in das eigene Zimmer oder in das eines Mitbewohners kommt. Nun wird aber noch entschieden, ob der Person überhaupt Zutritt gewährt wird. Hierzu werden erneut die Würfel verwendet. Die Regeln sind jedoch etwas gemäßigter als beim Auswürfeln variabler Freizeit- und Einkommenswerte. Alle Würfelergebnisse im Wert von 3-6 ermöglichen einer Person, die WG zu betreten. In diesem Fall werden die Spezialfähigkeiten dieser Person ausgespielt und die daraus resultierenden Auswirkungen treten umgehend ein. Bekommt eine Person keine Einwanderungsgenehmigung in die WG, wird sie auf dem Ablagestapel abgelegt.

Unerwünschte Personen kann man später im Spiel auch wieder loswerden und ggf. einem anderen Mitspieler unterjubeln. Eine Sonderregelung besteht bei den Katzenkarten, die ebenfalls zur Kategorie Personen zählen. Diese müssen nicht extra angekündigt werden, sondern dürfen sofort offen ausgelegt werden.

|4.) Freizeit|

In der Phase Freizeit darf man nun verschiedene Aktivitäten durchführen bzw. sein Einkommen gegen Dinge oder als Bezahlung für besondere Aktivitäten eintauschen. Man darf allerdings nur so viele Freizeitaktivitäten durchführen, wie es die Jobkarte vorgibt. Für das Shopping gilt hierbei, dass auch die Anschaffung mehrerer Dinge zu einem einzigen Einkaufsbummel zählt und daher auch nur einmal abgerechnet wird. Natürlich darf man dabei aber nicht das Einkommenslimit überschreiten. Unter solche Dinge fallen vor allem typische Laster wie Zigaretten, Alkohol oder weitere Rauchwaren.

Aktivitäten müssen indes ähnlich wie Personen angekündigt werden. Gegebenenfalls muss man hierfür auch zahlen oder sogar einen variablen Slackwert auswürfeln. Egal welches Ergebnis dabei herumkommt (möglich sind auch Werte von null und tiefer), es wird auf jeden Fall eine der zur Verfügung stehenden Freizeiten verbraucht. Zu Aktivitäten gehören unter anderem Beschäftigungen wie Schäferstündchen, Schlafen oder im Netz surfen.

|5.) Ablegen und Sonstiges|

Wenn man am Ende eines Zuges immer noch mehr als fünf Handkarten hat, muss man Karten ablegen, bis man nur noch fünf Karten besitzt. Es ist dabei erlaubt, bis auf eine Handkarte alle abzulegen und sie im nächsten Spielzug in der ersten Aktionsphase wieder bis auf sechs Karten aufzufüllen.

Außerhalb dieses vorgegebenen Schemas stehen einem auch noch weitere Aktionen zur Verfügung. So kann man zum Beispiel zu jeder Spielphase, also jederzeit, die gleichnamigen Jederzeit-Karten ausspielen, um zum Beispiel einen Spielzug eines Gegners zu kontern oder aber einen eigenen Vorteil zu erlangen.

_Zusatzregeln_

Abseits vom Basisregelwerk gibt es noch eine ganze Reihe an zusätzlichen Regeln und Definitionen, die sich auf individuelle Spielsituationen bzw. auf die Verwendung spezieller Karten beziehen. So gibt es beispielsweise Karten, die eine gerade gespielte Aktion ungültig machen, Karten, die gleich zwei Kategorien abdecken, Karten, die den Slack eines Jobs erhöhen, und Karten, die einem dabei behilflich sind, unerwünschte Personen aus seinem Zimmer zu entfernen. Außerdem gibt es spezielle Regeln für die Personengruppen ‚Fressack‘, ‚Besoffener Tölpel‘ und ‚Superzecke‘, deren Effekt sich in jeder Runde niederschlägt und erst beendet ist, wenn eine bestimmte Kartenkategorie aus der Wohnung entfernt wurde – es sei denn, es gelingt dem Spieler, den ungebetenen Gast früher aus dem Zimmer zu verbannen.

Eine ganz witzige Regel gibt es noch für besonders erfolgreiche Schäferstündchen. Sollte man bei einer Liebelei tatsächlich einen Wert von mehr als fünf Slack erzielen, verlieren die rechten und linken Zimmernachbarn sofort eine Schlafen-Karte.

_Ende des Spiels_

Sobald ein Spieler sein Slackziel erreicht oder überschritten hat, endet das Spiel sofort. Der erfolgreichste Slacker hat das Spiel gewonnen. Für das nächste Spiel gilt nun die Regel, dass der Sieger sich seine Jobkarte aussuchen darf, bevor die Mitspieler eine solche ziehen.

_Meine Meinung_

In den Staaten ist „Chez Geek“ bereits seit 1999 absoluter Kult, weshalb es eigentlich kaum verwunderlich ist, dass ausgerechnet der |Pegasus|-Verlag die deutschsprachige Version herausgebracht und die WG-Freakshow hierzulande bekannt gemacht hat. Das Spiel passt wunderbar ins eigene Verlagsprogramm und zehrt natürlich in erster Linie von den witzigen Darstellungen und den noch witzigeren Spielmöglichkeiten. Punkte fürs Herumgammeln zu sammeln, ist an sich ja schon kultig, doch beim Herumgammeln noch derart erfinderisch zu sein, sich mit den anrüchigsten Waren zu versorgen und das Aktivitätenprogramm mit solch sinnfreien Beschäftigungen wie Schlafen oder Gartenarbeiten nach Mitternacht zu füllen, ist mal wieder die Spitze des Eisbergs und sorgt Runde für Runde für zahlreiche Lacher.

Andererseits lebt „Chez Geek“ aber sicherlich nicht bloß von der effektreichen Aufarbeitung des Spielmaterials. Sicher, der Spielspaß wäre definitiv ein anderer, wenn die ausgeflippten Illustrationen einem nicht sofort ins Auge springen würden, doch was grundlegend zählt, ist die Dynamik, die sich aus den einzelnen Zugmöglichkeiten ergibt und das Spiel zu einem recht vielseitigen und zu einem unerwartet hohen Anteil auch taktischen Vergnügen macht. Dabei kann es manchmal zu einer echten Tüftelei werden, sich für eine Aktivität zu entscheiden bzw. beim Shoppen die richtigen Utensilien anzuschaffen, denn man muss stets damit rechnen, dass die Mitbewohner bereits die passenden Karten auf der Hand haben, um Dinge zu entziehen oder das Freizeitleben zu beeinträchtigen. Die Vielzahl an Varianten und Kombinationen, die sich hieraus ergibt, garantiert letztendlich auch einen langfristigen, immer wieder begeisternden Spielspaß, der sich mittlerweile sogar mit einer Fortsetzung sowie dem von der Grundidee an dieses Original angelehnte „Chez Goth“ erweitern lässt. Für meinen Geschmack ist „Chez Geek“ eines der heitersten, witzigsten und schlussendlich auch besten Kartenspiele, die derzeit auf dem deutschen Markt erhältlich sind.

http://www.pegasus.de

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