Dart-Thornton, Cecilia – Kampf des Rabenprinzen, Der (Die Feenland-Chroniken 3)

Band 1: [„Im Bann der Sturmreiter“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1521
Band 2: [„Das Geheimnis der schönen Fremden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1836

_Imrhien, das Findelkind_, hat seine Erinnerungen wiedergefunden. Und aufgrund dieser Erinnerungen fasst es einen Beschluss, der weitreichende Folgen hat: Es will durch das letzte offene Tor ins Feenreich zurückkehren und von dort aus auch alle anderen Tore wieder öffnen.

Die dort lebenden Faenan sollen ihren schlafenden König und mit ihm alle anderen Exilanten zurück ins Feenreich holen. Selbst die endgültige Schließung aller Tore zwischen den Welten nimmt das Mädchen in Kauf, trotz der krankhaften Sehnsucht nach dem Feenreich, an der es leidet. Denn es will, dass die Faeran vollständig und für immer aus Erith verschwinden. Also macht es sich auf den mühevollen und gefährlichen Weg Richtung Norden. Doch es wird längst verfolgt …

_Mit „Der Kampf des Rabenprinzen“_ hat Cecilia Dart-Thornton den Abschluss ihrer |Feenland-Chroniken| vorgelegt. Und der Leser tut sich nicht gerade leicht damit. Das liegt vor allem natürlich daran, dass die Vorgängerbände bereits 2005 auf Deutsch erschienen. Wer nicht in weiser Voraussicht diese beiden Bände in seinem Regal stehen gelassen hat, um sie vor der Lektüre des dritten Teils nochmals durchzulesen, hat massive Schwierigkeiten, den Anschluss wiederzufinden. Zwar enthält das Buch eine Zusammenfassung der Vorgeschichte, alle Einzelheiten kann diese Zusammenfassung jedoch nicht abdecken. So bekommt der Leser zwar nochmals einen groben Überblick über den Verlauf der langen Reise, welche die Heldin bis zum Beginn des dritten Bandes zurückgelegt hat, es bleiben aber trotzdem Lücken zurück, die teilweise wirklich störend wirkten. So fehlte mir zum Beispiel jegliche Information darüber, warum die Autorin ihre Protagonistin nach der Rückkehr durch das „Tor des Vergessenskusses“ ausgerechnet zum Jägerkessel schickt, gerade dahin, wo ihre größten Gegner hausen.

Zum anderen liegt es daran, dass der eigentliche rote Faden so extrem verwickelt ist. Aus der Geschichte eines armen Findelkindes auf der Suche nach seiner Identität wird zunächst eine junge Adlige, dann die Braut des Hochkönigs und am Ende die Angehörige eines lange vergessenen Volkes, die außerdem noch in Verwicklungen mit den Faeran verstrickt und über tausend Jahre alt ist. Jede dieser Facetten hat auch noch einen eigenen Namen bekommen – Imrhien, Rohain, Ashalind, Tahquil -, so dass man sich manchmal fragt, wer diese Person, mit der man es zu tun hat, eigentlich wirklich ist. Und die Heldin ist nicht die einzige Figur, bei der sich Identitäten überschneiden. Dazu kommen die häufigen Ortswechsel in Erith, eine zusätzliche Welt und mehrere Zeitebenen.

Nun wäre das alles ja noch durchaus zu meistern, wäre der rote Faden nicht so oft durch die Märchen und Sagen aus der Anderwelt überlagert, welche die Autorin mit so großem Eifer in ihre Geschichte eingebaut hat. Einige davon werden nur als Ausschmückung erzählt, was mich besonders im zweiten Band störte, da sie für mein Empfinden den Fortlauf der Handlung zu sehr ausbremsen. Andere dagegen sind als Teil der Handlung direkt in den Kontext eingebaut, meist als Vergangenheit, was nicht nur ein zusätzliches Zeitfenster öffnet, sondern auch noch dazu führt, dass die Heldin nicht die einzige Sterbliche ist, die bereits über tausend Jahre alt ist!

Wer den roten Faden trotz all dem jetzt noch immer nicht verloren hat, der muss noch eine letzte Hürde meistern: den Erzählstil der Autorin. Zugegeben, ihre Beschreibungen von Stimmungen und Orten sind meist ausgesprochen poetisch und atmosphärisch, allerdings auch ziemlich umfangreich. Stellenweise übersteigt die Ausführlichkeit der Beschreibung bei weitem die der Handlungsführung. Cecilia Dart-Thornton wird regelrecht weitschweifig, und selbst bei ihrem unbestrittenen Einfallsreichtum fängt sie irgendwann an, sich zu wiederholen. Manchmal hat man den Eindruck, die kurz eingestreuten Passagen über zurückgelegte Reiseetappen dienten nur dazu, die Zeit fortzubewegen, damit sich für die Autorin die Gelegenheit ergibt, erneut über einen Sonnenuntergang, den Sternenhimmel oder Ähnliches ins Schwärmen zu geraten. Gegen Ende wirkt die Erwähnung der unzähligen Edelsteine, Farben und Lichterscheinungen einfach nur noch übertrieben und ermüdend.

Überhaupt fand ich den Schluss etwas seltsam. Nach dem Duell der beiden mächtigen Faeran-Brüder könnte die Geschichte eigentlich problemlos enden, zumal es der Autorin gelungen ist, diesen Höhepunkt der Geschichte – wenn auch nur kurz – ein wenig aus dem restlichen Geschehen herauszuheben. Stattdessen kämpft sich der Leser danach noch durch weitere hundert Seiten über die Krönung des neuen Königs und zahllose weitere Kleinigkeiten, die keinerlei Auswirkung auf die eigentliche Handlung haben, ehe es noch einmal zu einer kurzen Verwicklung kommt. Allerdings wirkt das, was die Autorin hier im Nachhinein noch eingeflochten hat, ein wenig bemüht und krampfhaft. Offenbar hat die Legende, die dieser letzten Komplikation zugrunde lag, der Autorin so gut gefallen, dass sie diese unbedingt noch irgendwo unterbringen wollte; und da sie sich sonst nirgendwo einfügen ließ, hat sie sie am Ende angehängt. Der Versuch, durch die Erwähnung einer nebensächlichen Prophezeiung aus einem der Vorgängerbände noch einmal Spannung in diesem Anhängsel aufzubauen, ist nicht geglückt, und auch der damit verbundene Kampf verlief zu vorhersehbar, um wirklich zu fesseln.

Um das Maß voll zu machen, hat sich auch die Charakterzeichnung nicht wirklich vertieft.
Die Protagonistin hat durch ihre Erinnerungen ein wenig an Tiefe hinzugewonnen. Zu ihrem mitfühlenden Wesen gesellt sich noch eine gute Portion Verantwortungsbewusstsein, und ihre Verliebtheit, die im zweiten Band noch so künstlich und unnatürlich wirkte, erhält eine nachvollziehbare Erklärung. Dennoch bleiben ihre Empfindungen und Gedanken irgendwie blass. Die Sehnsucht nach dem Feenreich, die sie zu verzehren droht, die Gefühle für ihren Geliebten, all das wirkt schwächlich, flach und trocken wie Stroh, was angesichts der überschäumenden Darstellungskraft der Autorin im Hinblick auf Landschaften und Stimmungen doch sehr erstaunlich anmutet.

Der Rabenprinz, auf den ich am Ende des zweiten Bandes so große Hoffnungen gesetzt hatte, ist dem leider auch nicht ganz gerecht geworden. Zwar ist es der Autorin gelungen, den vielversprechenden Eindruck aufrechtzuerhalten, vertiefen konnte sie ihn aber nicht. Schließlich taucht er nur etwa einhundertfünfzig Seiten lang als Person auf, was nicht viel ist angesichts der Tatsache, dass – wie im gesamten Zyklus so auch hier – die Ausschmückung von Details so überdurchschnittlich viel Raum einnimmt. Wie die gesamte Handlung, kommt auch der Antagonist viel zu kurz.

_Bleibt zu sagen_, dass die |Feenland-Chroniken| hinter dem vollmundigen Lob des Verlages weit zurückgeblieben sind. Die Geschichte ist mit Nebensächlichkeiten so überfrachtet und von so vielen Sagen und Märchen außerhalb des eigentlichen Zusammenhangs überdeckt, dass man sie kaum wiederfindet. Die eigenen Ideen, die durchaus vorhanden sind, sowie die Charakterzeichnung kommen dabei deutlich zu kurz, echte Spannung sucht der Leser vergeblich. Unter der Diskrepanz zwischen den überschwänglichen Beschreibungen unwichtiger Details und der gleichzeitig so mageren und faden Darstellung der Gefühle der Protagonisten leidet selbst die Romantik. Dabei hätte die Grundidee, die der Erzählung zugrunde lag, durchaus das Zeug zu einem interessanten Buch gehabt. Bei den Prioritäten, welche die Autorin beim Schreiben gesetzt hat, wäre es allerdings besser gewesen, sie hätte einfach eine Sammlung keltischer Sagen herausgegeben.

_Cecilia Dart-Thornton_, selbst ein Findelkind, wuchs in der Nähe von Melbourne auf. Aus ihrer Feder stammt außer den |Feenland-Chroniken| auch der |Crowthistle|-Zyklus, der inzwischen bis Band vier gediehen, auf Deutsch aber noch nicht erhältlich ist. Neben dem Schreiben widmet sich Cecilia Dart-Thornton außerdem der Musik und der Fotografie.

|Originaltitel: The Battle of Evernight
Aus dem australischen Englisch von Birgit Reß-Bohusch
572 Seiten, kartoniert
ISBN-13: 978-3-492-26679-6|
http:/www.piper-verlag.de
http://www.dartthornton.com

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