Eberle, Henrik – verlorene Symbol, Das. Der Schlüssel zu Dan Browns Bestseller

_Ein Schlüssel, aber mehr als genug Fundstücke_

Ein mystischer Tempel im Herzen Washingtons, eine geheime Kammer tief unter dem Kapitol, eine unvollendete Pyramide, ein goldener Deckstein, die Hand der Mysterien – dies sind nur einige der rätselhaften Bauten, Symbole und Herausforderungen, mit denen Dan Brown seinen Helden Robert Langdon und die Fans in [„Das verlorene Symbol“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5946 bekannt macht. Was hat es mit ihnen auf sich? Was ist Fakt, was Fiktion?

Eberles Buch legt die Hintergründe zu Browns Roman offen und erklärt, was der Autor nur andeutet: Ist der US-Präsident wirklich ein Freimaurer und Washington die Hauptstadt des Ordens? (abgewandelte Verlagsinfo)

_Der Autor_

Henrik Eberle, geboren 1970, ist promovierter Historiker und lehrt Zeitgeschichte an der Martin-Luther-Universität in Halle. 2005 veröffentlichte er mit Mathias Uhl „Das Buch Hitler“, 2007 und 2009 folgten mit „Briefe an Hitler“ und „War Hitler krank?“ (zusammen mit Hans-Joachim Neumann) weitere Werke zum Nationalsozialismus. Durch seine Beiträge auf [www.dan-brown.de]http://www.dan-brown.de hat Eberle sich auch bei den Fans Dan Browns einen Namen gemacht. (Verlagsinfo)

_Inhalte_

Das Buch hat vier große Kapitel, die wiederum in mehrere Unterkapitel aufgeteilt sind.

|1) Tour de force durch Washington|

Dieses Kapitel führt uns auf dem gleichen Weg durch die amerikanische Hauptstadt, dem auch der Held Robert Langdon folgt. Dadurch weckt dieser erste Teil die meisten Erinnerungen und muss die meisten Fragen beantworten, so etwa jene: „Wie konnte es Robert Langdon gelingen, in einem mit Wasser gefüllten Sarg nicht zu ertrinken, sondern zu überleben?“

Außerdem werden sehr viele nützliche Informationen zu den zahlreichen Örtlichkeiten eingestreut, die Langdon und Katherine Solomon in Washington besuchen – oder besser: durchhasten. Dabei zeigt sich, dass Dan Brown an etlichen Stellen hinzuerfunden hat, um sein spannendes Garn zu spinnen. So ist etwa die Spitze des Washington Monuments, also des größten Obelisken der Welt, nicht aus Gold, wie er uns weismachen will, sondern schon immer aus Aluminium gewesen – es ist einfach viel haltbarer.

|Geometrie|

Dieser wichtigste Teil ist durch zahlreiche Illustrationen anschaulich gemacht. Und zu diesen gehört unbedingt auch die alte Stadtkarte aus dem Jahr 1845. Sie zeigt, wie geometrisch die Straßen angelegt wurden – und dass sich hinter dieser Geometrie freimaurerische Symbolik verbirgt, so etwa ein Pentagramm, ein rechter Winkel (= Winkelmaß) und ein spitzer Winkel (= Zirkel). Das Pentagramm wurde als satanistisches Symbol kritisiert, doch diese Kritik beruhe auf Unwissenheit. Der Autor belehrt uns eines Besseren.

Das vierte Unterkapitel erklärt, warum und wozu es überhaupt verborgene Symbole gibt. Na, weil die meisten Erkenntnisse den Machthabern und ihren Unterstützern nicht in den Kram passten. Deshalb wurden nicht nur Symbole, sondern auch Codes entwickelt.

|2) „Sagt es niemand, nur den Weisen“ (Goethe) – Die helle Seite|

In diesem rund 80 Seiten langen Kapitel stellt uns der Autor kenntnisreich, umfassend und kritisch die Freimaurerei sowie ihre angeblichen Ursprünge bei den Bauhütten (= Logen) und den (erfundenen) Rosenkreutzern vor. Die Kenntnis dieses Kapitel ist die Voraussetzung für das Verstehen der nachfolgenden Kapitel, obwohl dieser Teil relativ wenig mit dem Roman zu tun hat: Es ist die geschichtliche Kulisse, vor der sich die Gegenwart abspielt.

~ Der erste Tempel ~

Allerdings wundert sich der Roman-Leser vielleicht, warum in Washington so viele Tempel und Säulen rumstehen. Sie sind alle Echos der Symbolik, die die Freimaurer—Erbauer der Hauptstadt Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts benutzten: Die Tempel gehen alle auf den ersten Tempel in Jerusalem zurück, den König Salomo ca. 988 v. Chr. errichten ließ – natürlich von einem weisen Baumeister, einem gewissen Hiram Abif. Doch dieser erste Wissende der Logen, der König Salomo in nichts nachstand (höchstens in puncto Weisheit), fiel den Dolchen seiner drei Gesellen zum Opfer, die alle das Meisterwort begehrten, um seine Macht zu erlangen. Das war der erste Sündenfall der Freimaurer, und ein zweiter um 1822 hätte fast zu ihrer Vernichtung in den USA geführt.

~ Die Hierarchie ~

Wie auch immer: Alle geheiligten Räume der Bruderschaft sind Nachbildungen jenes ersten Tempels Salomos. Es gibt im Innern immer drei Säulen, die Weisheit, Schönheit und Stärke symbolisieren. Der Meister vom Stuhl sitzt unter der Säule der Weisheit. Hier finden die Rituale statt, die nach dem Schottischen Ritus 33 Grade voneinander scheiden. Theoretisch sind alle 200 Millionen Brüder und Schwestern (es gibt über zwei Millionen weibliche Mitglieder in der „Eastern Star“-Loge) gleichwertig und die Grade besagen lediglich, welchen Grad der Weisheit und Erkenntnis ein Mitglied erlangt hat. Doch der amerikanische Großmeister Albert Pike füllte diese Hierarchie der 33 Grade mit Machtzuwachs. Natürlich war er der Mächtigste. Dabei wurde er als armer Schlucker irgendwo in Arkansas geboren.

~ Das Ritual ~

In einem relativ interessanten Abschnitt erfahren wir von einem dieser Aufnahme- und Prüfrituale. Diese Informationen wurden erst 2008 publik, und zwar durch einen Ungarn. Die Symbolik beim Ritual ist durchdringend und für Leute ohne Interesse einfach zu viel des Guten. Immerhin gibt es noch eine Übersicht, welche der amerikanischen Präsidenten den Freimaurern angehörten und angehören. Darunter befinden sich zwei Bushs und auch Barack Obama. Interessanterweise erreichten Nicht-Freimaurer wie Nixon manchmal mehr als Ordensmitglieder.

~ Hass auf die Freimaurer ~

Das letzte Unterkapitel befasst sich mit dem Hass auf die Freimaurer, die vor allem in Deutschland nachhaltig verfolgt wurden, und bildet so einen Übergang zum dritten Kapitel, das sich mit der dunklen Seite dieser Glaubensgemeinschaft befasst – und mit dem Treiben des Schurken.

|3) „Unser Missverständnis beruht auf Worten.“ (Montaigne) – Die dunkle Seite|

Achtung, Spoiler!

Zachary Solomon hat sich mehrmals in seinem Leben verwandelt, vom Sohn Peter Solomons zu einem Junkie, zu einem Häftling, einem Lebemann und zu einem vom Hass auf den Vater und dessen Orden getriebenen Mörder (es gibt fünf Opfer im Roman). Ziel seiner Zerstörungswut ist die gesamte Bruderschaft der Freimaurer. Die allerletzte Verwandlung, die Zachary alias Christopher Abbadon anstrebt, ist die in einen Dämon. Dessen Namen hat er sich bereits gegeben: Mal’akh bedeutet nichts anderes als „Moloch“, der verschlingenden Gott der alten Karthager. (Man lese dazu auch Flauberts Roman „Salammbô“.)

Wie jeder Leser weiß, hat sich Zachary von Kopf bis Fuß tätowiert, und zwar mit Symbolen der Mystik. Diese erklärt der Autor ausgiebig, ebenso wie die weiteren Hilfsmittel des Mörders, so etwa das Akedah-Messer und das Abramelin-Öl. Außerdem widmet er einen ausführlichen Exkurs dem Thema der Kastration und deren Bedeutung innerhalb der Geistes- und Religionsgeschichte.

Weil sich Zachary auf den Scharlatan Aleister Crowley bezieht, folgen mehrere Exkurse über Crowley und seine Vorgänger, die Scharlatane St. German und Cagliostro. Der Missbrauch von Logen ist wahrscheinlich so alt wie sie selbst, doch im 19. und 20. Jahrhundert hat es gerade in Italien (sicher auch in den USA) berühmte Logen wie die P2 gegeben, die sich auf einen Staatsstreich vorbereiteten. Auf ihrer Mitgliederliste finden sich illustre Namen, darunter ein gewisser Silvio Berlusconi. Bemerkenswerterweise wurden diese rechtsgerichteten Verschwörer nie des Hochverrats angeklagt oder gar verurteilt. Ihr Kopf Licio Gelli arbeitet heute (friedlich?) als Schriftsteller.

|4) „Ordo ab chao“ (Albert Pike): [Über Noetik, Kabbala und die Weltformel]|

Die von Katherine Solomon vorgestellte Noetische Wissenschaft bzw. Noetik soll Wissenschaft und Glauben vereinen, denn wie sonst könnte man den Befund, dass die Seele eine Masse hat, erklären? „Seele“ ist kein naturwissenschaftlicher, sondern ein theologischer Begriff. Der Autor zeigt anhand von Berechnungen und des Schicksals der real existierenden Noetik, dass dies ein Traum ist und vielleicht bleiben wird.

Schon Albert Einstein und die String-Theoretiker suchten die Weltformel, die „die Welt im Innersten zusammenhält“ (Goethe, „Faust“) und erklärt: die „Grand Unified Theory“ oder GUT. Die Theorie der Superstrings ist dabei noch am weitesten gekommen. Verblüffend ist es zu erfahren, dass man schon Mitte des 17. Jahrhunderts an diesen Punkt gelangt war, und zwar bei Robert Fludd.

Im nächsten Unterkapitel ist jedoch Sitzfleisch gefragt: Hier erläutert der Autor die jüdische Mystiklehre „Kabbala“ (= Überlieferung) und die ihr zugrunde liegende Literatur um das Buch „Zohar“ (= „Glanz“), das wohl ein spanischer Jude im 13. Jahrhundert schrieb und für das Werk eines bekannten Rabbi aus dem 3. Jahrhundert ausgab. So fand der Zohar rasch europaweit Verbreitung unter den verstreuten Juden.

Wenn man bedenkt, dass auch |Madonna| alias Madonna Louise Veronica Ciccone in Sachen Kabbala bewandert ist, wird das Interesse an diesem mystischen Glaubenssystem vielleicht doch geweckt. Allerdings befürchtet der Autor, dass sie und ihresgleichen eher einer Popversion der Kabbala aufgesessen sind: Jeder kann sich zum Kabbala-Guru ernennen und seinen Tempel öffnen, um Eintritt zu kassieren. Wertvoller ist da schon der Hinweis, dass auch ein Renegat wie [Hans Küng]http://de.wikipedia.org/wiki/Hans__K%C3%BCng die neuen Zehn Gebote für ein Welt-Ethos sucht, das alle Religionen unterschreiben können.

|5) Anhänge|

In den Anhänge finden sich ebenso nützliche wie notwendige Angaben. Notwendig sind für ein glaubwürdiges Sachbuch beispielsweise die Quellenangaben. Sie wurden mit Infos über die benutzten Lexika samt Literaturempfehlungen, einem Personenregister und einem Abbildungsnachweis ergänzt. Ein allgemeines Stichwortregister fehlt, aber das macht nichts – anhand des Inhaltsverzeichnisses und des Personenregisters fällt es leicht, die entsprechenden Textstellen zu finden.

_Mein Eindruck_

Der Autor beschränkt sich lobenswerterweise auf jene Bereiche, in denen er sich auskennt oder wo er sich auf halbwegs verlässliche Quellen stützen kann. Es fällt einem Wissenschaftler wie mir aber schon unangenehm auf, wie stark sich Eberle auf die Angaben in der |Wikipedia|, noch dazu in der Übersetzung, verlässt. Da ich weiß, wie stark die Einträge doch eingefärbt (und woanders abgeschrieben) sein können, wäre das für mich keine zuverlässige Informationsquelle. Eberle kritisiert zwar ab und zu tendenziöse Artikel des Online-Lexikons, aber er erwähnt kein einziges Mal die „Encyclopedia Britannica“, die ja bestens recherchiert ist.

|Bitte keine Literaturkritik!|

Eberle versteigt sich wenigstens nicht dazu, die literarischen Qualitäten des Romans zu beurteilen. Das wäre die Aufgabe eines Literaturwissenschaftlers oder Kritikers – und Letztere haben ja bereits ein vernichtendes Urteil gefällt. Da ist es schon besser, sich auf die sachlichen Aussagen des Autors zu konzentrieren. Wie man an den 300 Seiten (bei |Amazon.de| werden derzeit nur 240 angegeben) des Buches ablesen kann, führt auch diese Beschäftigung zu einem reichlichen Ergebnis.

|Spannend – oder nicht|

Spannend sind die Befunde immer dort, wenn sie sich mit Phänomenen des Romans, der als bekannt vorausgesetzt wird, beschäftigen. Das ist besonders im ersten Kapitel von 80 Seiten und im dritten Kapitel der Fall, wo die Details des Schurken (ca. 30 Seiten) und der Noetik (weitere zehn Seiten) vorgestellt werden. Doch was ist mit dem riesigen Rest, der den Großteil des Buches ausmacht?

Manchmal kämpft sich der Autor durch seitenlange Erläuterungen zu den obskuren Aspekten der Kabbala-Mystik oder er versucht, uns das Wesen, die Geschichte und die Fehlentwicklungen in der Freimaurerei nahezubringen. Das erfordert eine gewisse Vorbildung über die Kultur- und Geistesgeschichte, aber auch eine Menge Geduld und die Bereitschaft mitzudenken. Nicht immer lockert eine Grafik die Textwüste auf.

Ich ertappte mich dabei, des Öfteren zu den Anmerkungen zu blättern, von welchen es immerhin 335 Stück gibt, und dort nach Zusatzinfos zu suchen. Weil aber viele dieser Endnoten auf Online-Quellen verweisen, ist es für den Leser, der sich dieses Wissen ebenfalls aneignen möchte, ratsam, einen Rechner neben dem Buch stehen zu haben. Man könnte von einem multimedialen oder Cross-Media-Buch sprechen, wenn der Begriff nicht so abgedroschen wäre.

|Fehler und Zweifelsfälle im Text|

Der Text des Autors ist über weite Strecken fehlerfrei, und wenn Fehler auftauchen, sind sie minimale Vertipper oder Buchstabendrehen. Es gibt aber zwei Zweifelsfälle, die man so nicht unkommentiert stehen lassen kann.

Seite 41: „die Sitz des keltischen Avalon“ statt „der Sitz“
Seite 46: „Perflourcarbon“ ist ein lustiger Buchstabendreher, denn „flour“ bedeutet „Mehl“. Korrekt sollte es „Perfluorcarbon“ lauten.
Seite 68: „über die Geheimnisse und Lehrern der Freimaurer“: Statt „Lehrern“ sollte es „Lehren“ heißen.
Seite 88: „um den Selbstveredelungsprozesses zu vollenden“: Der Akkusativ braucht kein Genitiv-„es“.
Seite 105: „Goose & Giridon“ (also „Gans & Bratrost“): „giridon“ sollte wohl korrekter „gridiron“ (Bratrost) heißen.
Seite 109: „zu Geld zu machen wollte“: ein „zu“ hätte völlig gereicht.

Seite 131: „Die Zahl Pi, die das Verhältnis des Goldenen Schnitts beschreibt“, nämlich 1:1,618. Namhafte Mathematiker und Lexika sind sich jedoch einig, dass die Zahl Pi etwas völlig anderes beschreibt: das Verhältnis des Durchmessers eines Kreises zu dessen Umfang, nämlich 3,14 usw.
Seite 133: „tat nichts, um dies zu verhindert“ statt „verhindern“.

Seite 171: Mal’akh nennt sich mal „Christopher Abaddon“, mal „Abbadon“, da ist sich Eberle auf S. 170 und 171 selbst nicht so sicher. Das ist aber nicht das Problem. Vielmehr versucht er die Bedeutung des Nachnamens auf „to abandon“ zurückzuführen, also „verlassen“. Näher läge jedoch die Erklärung, dass Abaddon – nebst Satan, Luzifer, Mephistopheles, Belial und Konsorten – einer der Höllenfürsten ist, der sogenannte „Engel des Abgrunds“ (|Abaddon| kommt von hebräisch |abad| – Untergang, Abgrund über griechisch |abaton| – Grube). Es gibt sogar ein Musikstück mit Abaddons Namen im Titel: „Abaddon’s Bolero“ von Emerson, Lake & Palmer. Das hätte man doch herausfinden können, oder?

Seite 246: „HOD die Herrlichkeit steht am das Ende der linken, ‚weiblichen‘ Säule“. Das Wörtchen „das“ ist hier zu viel des Guten. (Beschrieben wird der Kabbala-Baum mit den zehn Ebenen der menschlichen Existenz, den Sefiroth.)

_Unterm Strich_

Henrik Eberles Kommentar ist ja nicht der einzige Titel, der zu Dan Browns Bestseller auf den deutschen Buchmarkt geworfen wurde. Ein Blick auf die Auswahl bei Amazon.de genügt. Aber mir scheint doch, dass Eberle zu 99,9 Prozent solide Arbeit geleistet hat, die einer genaueren Überprüfung standhält. So gibt er beispielsweise alle seine Quellen an und liefert dem Wissensdurstigen weiterführende Literatur- und Internethinweise. Ein Personenregister ermöglicht das schnelle Auffinden entsprechender historischer Figuren im Text.

Was mich störte, war das Übergewicht, das er der |Wikipedia| zukommen lässt. Sie ist zwar schnell und kostenlos erreichbar, doch ihre Artikel sollten stets |cum grano salis|, also mit Vorsicht genossen werden. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass viele Artikel woanders abgeschrieben wurden – so etwa bei mir. Ich habe dabei keinen einzigen Artikel für das Online-Lexikon verfasst.

Für den Laien, der gar nicht tief einsteigen, sondern nur Dan Browns Rätsel erklärt bekommen will, reichen im Grunde etwa 100 der 200 Seiten Haupttext (50 Seiten entfallen auf den Anhang, weitere mindestens 50 auf Illustrationen). Die restliche Hälfte muss der Leser aber quasi mitkaufen, um die tiefschürfenden Ausführungen über die Geschichte der Freimaurer, die „Alten Mysterien“ und die jüdische Kabbala zu erhalten.

Eberle ist kein humorvoller Märchenonkel, sondern ein ernsthafter Wissenschaftler, der sich durch Berge von obskurem und weniger obskurem Wissen gegraben hat. Er präsentiert das Ergebnis seiner Recherchen auf eine übersichtlich geordnete und in der Argumentation nachvollziehbare Weise, ohne sich in endlose Spekulationen zu verwickeln. Allen Verschwörungstheorien erteilt er eine Absage, stellt manche davon sogar bloß, indem er sie auf ihre Logik abklopft. Auch Dan Browns Geschwurbel selbst bekommt sein Fett weg, dass es dem vernunftbegabten Leser eine Freude ist.

Der Leser, der sich mit den Themen, die Brown in seinem Roman anschneidet, näher befassen will, erhält also mit Eberles Buch eine ernstzunehmende und weit führende Eintrittskarte in das weitverzweigte Reich zwischen Wissenschaft und Glauben, aber keinen Kompass. Denn ein Richtungsweiser wäre schon wieder wertend und nicht mehr wissenschaftlich neutral. Jedem, der uns Deutungen aufschwatzen will, sollte man gehörig misstrauen. Und dazu gehört Eberles Buch lobenswerterweise nicht. Die zweite Auflage sollte von den oben genannten Fehler bereinigt sein.

|301 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-7857-2399-9|
http://www.luebbe.de
http://www.dan-brown.de

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