Edwards, Blake / Rohrbeck, Oliver – Richard Diamond, Privatdetektiv: Fall 11 & 12

_Zwischen Action und Verführung_

Die amerikanische Radio-Krimiserie der 1950er Jahre aus der Feder von Blake Edwards („Der rosarote Panther“) wird von der |Lauscherlounge| wieder zum Leben erweckt und mit bekannten Stimmen als Hörspiel vertont – den Stimmen von George Clooney, Ben Stiller und Reese Witherspoon.

Der smarte Privatdetektiv Richard Diamond gerät in seinen abenteuerlichen Fällen an fiese Verbrecher, mysteriöse Mörder und trifft verführerische Frauen. Aber er kehrt immer wieder zu seiner geliebten Helen zurück.

Fall 11: Der Nachtclub-Fall

Ein Fotostudio, das schon lange geschlossen ist; die Tochter des Fotografen, die trotzdem noch immer Geld von ihm bekommt, und schließlich der verschwundene Fotograf selbst – ein verzwickter neuer Fall für Rick, der eine überraschende Wendung nimmt.

Fall 12: Mr. Walkers Problem

Rick wird einem gewissen Mr. Walker angeheuert, um „eigenartige Vorfälle“ zu untersuchen. Bevor der Klient das jedoch genauer erklären kann, wird er von Unbekannten umgebracht. Die Spur führt den Detektiv in eine Bank. Wer hätte wohl Interesse, einen Tunnel zu ihrem Tresorraum zu graben?

1. Staffel:

Fall 1: Die schwarze Puppe
Fall 2: Der braune Umschlag
Fall 3: Der Fall Ed Lloyd
Fall 4: Der Mordauftrag
Fall 5: Der Mord am Barbier
Fall 6: Der Gibson-Fall

2. Staffel:

Fall 7: Die rote Rose
Fall 8: Der Karussell-Fall
Fall 9: Der graue Mann
Fall 10: Gute Nacht, Nocturne
Fall 11: Der Nachtclub-Fall
Fall 12: Mr. Walkers Problem

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher|

Richard Diamond: Tobias Kluckert (dt. Stimme von Tyrese Gibson, Adam Baldwin in „Firefly“)
Helen Asher: Ranja Bonalana (dt. Stimme von Julia Stiles, Renée Zellweger, Reese Witherspoon)
Lt. Walt Levinson: Detlef Bierstedt (dt. Stimme von George Clooney, Bill Pullman, Robert ‚Freddy Krueger‘ Englund)
Sgt. Frazer: Oliver Rohrbeck (dt. Stimme von Ben Stiller, Michael Rapaport)

Sowie mit Britta Steffenhagen, Margot Rothweiler, Thomas Petruo, Rainer Fritzsche und Gerald Paradies. In Folge zwölf kommen folgende Sprecher hinzu: Gerald Schaale, Almut Zydra, Joachim Kaps, Axel Lutter und Peter Lontzek.

Regie führte Oliver Rohrbeck, die Musik komponierte Dirk Wilhelm, für Sounds/Mischung/Mastering war Tommi Schneefuß zuständig, die Aufnahme erfolgte im Hörspielstudio |Xberg|.

_Der Fall 11: Der Nachtclub-Fall_

Diesmal wird Ricks trautes Schäkern mit Helen am Telefon von einer Dame gestört, die in sein Büro tritt. Sie stellt sich als Nancy Churchman vor und suche ihren Vater. Er stecke möglicherweise in großen Schwierigkeiten. Nach dem Tod ihrer Mutter zog Nancy vor vier Jahren nach Kalifornien, doch ihr Daddy blieb in New York City, wo er sein Fotostudio weiter betreiben wollte. Er schickte ihr ja auch immer Geld. Doch jetzt ist Nancy in die Stadt gekommen und fand sein Studio seit drei Monaten geschlossen. Wie konnte er ihr dann Geld schicken? Und wo ist er selbst?

Angesichts dieser unschuldigen Schönheit bringt es Rick nicht übers Herz, seinen üblichen Tagessatz von 100 Dollar zu fordern und begnügt sich mit zehn, auch wenn das einen heftigen Hustenanfall auslöst. Nur ihre freundlichen Rückenklapser und tröstenden Worte helfen ihm über seinen schweren Anfall von Wohltätigkeit hinweg.

Er schaut mal wieder bei Lt. Walt Levinson vorbei, doch der ist gerade wegen eines Juwelenraubs schwer gestresst. Man kennt zwar die Täter, alte Bekannte namens Harry und Benny, doch sie können ein Alibi anhand eines datierten Fotos vorweisen. Über einen Frank Churchman findet Rick nichts in den Polizeiakten und schlendert zum Fotostudio Churchmans. Eine Dame steht darin, die sich als Maklerin vorstellt und Rick mütterlich „Söhnchen“ nennt. Sie würde ihn offensichtlich gerne auf der Stelle vernaschen, aber das darf nur Richards Herzensdame.

Immerhin sagt ihm dieses „Halloweengeschenk Gottes“, wo er Churchman findet: im „Blue Belle Club“. Ein Exknacki namens Stan Barker begrüßt ihn: Er sei jetzt der Besitzer des Klubs. Und auch sein Bodyguard Henry stellt sich vor, den Rick sofort auf den Arm nimmt, um ihn aufzuziehen. Das nimmt ihm Henry übel, zumal er Privatschnüffler nicht ausstehen kann. Kaum hat Rick Churchman, den Fotografen des Klubs, entdeckt, expediert Henry den Detektiv durch die Hintertür auf die Gasse, wo er ihm ein paar Veilchen als Andenken verpasst.

Was tun? Nancy bittet ihn weiterhin, ihrem Vater zu helfen. Walt Levinson erzählt ihm, Stan Barkers Klub sei das Alibi von Benny und Harry. Da fällt es Rick wie Schuppen von den Augen: Churchman ist an einer Alibi-Fabrik beteiligt. Jetzt ist Rick erst recht nicht mehr vom Betreten des Clubs abzuhalten, komme, was da wolle.

|Mein Eindruck|

Man weiß nicht, ob dieser Fall jetzt ein Porno wird oder ein Thriller. Die Maklerin Mabel würde den schmucken und jungen Burschen, der ihr da vor die Füße läuft, am liebsten gleich abschleppen. Hoffentlich nicht in eine Absteige. Aber Rick ist Manns genug, das verlockende Angebot abzulehnen, ist er doch schon fast in festen Händen. Abends wird er in Helens Apartment den Weill’schen „Alabama Song“ vortragen (nein, nicht den von Jim Morrison).

Die Alibi-Fabrik des Blue Belle Club will jedoch erst einmal überwältigt und geschlossen sein. Zu diesem Behufe macht seinerseits Rick dem Fotografen ein verlockendes Angebot – falls Churchman auspackt. Das führt zum handfesten Showdown bei Club-Besitzer Barker. Die geniale Idee, auf welche Weise Rick sich und seinem Kronzeugen aus der Patsche hilft, darf hier allerdings nicht verraten werden. Eine feine Episode mit Knalleffekt.

_Der Fall 12: Mr. Walkers Problem_

Gerade liegt Rick seine Angebetete in den Ohren, dass sie am Freitag einen Wochenendausflug unternehmen will, da tritt ein ängstlicher und schüchterner Mann in Ricks Büro. Er stellt sich als Thomas Walker vor. Er wolle nicht zu den örtlichen Behörden gehen, weil man ihn dort auslachen würde. Rick solle für ihn einen Mann beschatten – für immerhin 300 $. Das Objekt der Observation sei laut Walker ein gewisser Joseph Carter und seines Zeichens Kopf eines Verbrecherrings sowie beruflich ein Apotheker. Walker selbst erweist sich als einfacher Klempner.

Unten auf der Straße umfängt Rick sofort eine penetrante Parfümwolke, in deren Mitte sich eine Dame als Sandra Browning vorstellt. Sie nimmt Rick in eine Bar mit, um ihn auszufragen, was er jedoch elegant zu verhindern weiß. Und anderem fragt sie ihn nach einer Bank in der Nähe. Frustriert verzieht sie sich. Auf der Straße vor dem Polizeirevier haut ihn ein Typ an, der ihn nach einer Bushaltestelle fragt, aber ihm offenbar gefolgt ist. Ein Auto rast heran, der Typ springt aufs Trittbrett und rast davon – jedoch nicht ohne zuvor Mr. Walkers Leiche vor Ricks Füße zu werfen. Eine deutliche Warnung!

Nachdem er seinen Kumpel Lt. Walt Levinson eingeweiht hat, besucht Rick die Drogerie von Joseph Carter. Der behauptet, er habe Tom Walker nicht wie geplant getroffen. Schau an, dessen Frau ist die noble Sandra Browning. Und angeblich will sie ihren Joseph wegen eines gewissen Dave Johnson verlassen. Etwas stinkt hier zum Himmel, denkt Rick – und es hat mit der Bank gegenüber der Drogerie zu tun.

|Mein Eindruck|

Als gäbe es nicht schon genügend Polizisten, betätigen sich in dieser Episode auch einfache Bürger wie Mr. Walker als Vigilanten. Kein Wunder, dass er das nicht lange überlebt. Doch wovor wollen die Spitzbuben um Joseph Carter und Sandra Browning unseren Helden eigentlich warnen? Offenbar vor etwas zu viel zudringlicher Schnüffelei. Anscheinend wissen sie mehr über ihn als er über sie. Das ist immer ungünstig.

Erst als Rick seinen Freund Walt Levinson in den Fall einschaltet, kommt Licht in die nebulöse Angelegenheit. Als Rick der Sache auf den Grund geht, ist von Explosionen im Untergrund die Rede. Er braucht nur noch zwei und zwei zusammenzuzählen und sich ebendort auf die Lauer zu legen. Schon bald laufen ihm und Levinson die Möchtegernbankräuber vor die Pistole.

Der Abend dieses aufregenden Tages klingt wieder im trauten Heim von Helen Asher aus. Er erobert Helens Herz erneut – mit Singen, Spielen und Küssen. Rick ist eben ein Diamant von einem Kerl.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Es ist schon unterhaltsam, wenn man in einem Serienhörspiel all jene Schauspieler sprechen hört, die man sonst mit bildschirmfüllenden Actionkrachern oder großartigen Romanzen in Verbindung bringt: Reese Witherspoon, Colin Farell und George Clooney. Das hebt die Handlung, die ansonsten leicht etwas trivial hätte wirken können, doch gleich eine Stufe höher, verleiht ihr den Glanz von Hollywood.

Tobias Kluckert, 1972 geboren, ist Schauspieler und Synchronsprecher. Er lieh unter anderem Joaquin Phoenix als Johnny Cash in dem Film „Walk the Line“ seine Stimme, ist aber auch die deutsche Synchronstimme von Colin Farrell in „The New World“, von 50 Cent in „Get rich or die tryin'“ und Brian Krause als Leo in „Charmed“. Kluckert trägt mit seiner Darstellung der Hauptfigur das ganze Hörspiel und macht Diamond zu einem sympathischen Burschen, der tagsüber für Recht und Ordnung sorgt und – meistens, nicht immer – abends zu seiner Herzensdame zurückkehrt. Er will immer cool erscheinen, doch seine Aktionen sprechen eher dafür, dass er seinem Herzen gehorcht, so etwa, als er den Mord an seinem Lieblingsfriseur aufklärt.

Ranja Bonalana, die deutsche Stimme von Reese Witherspoon, spricht Helen Asher und somit zwar eine Nebenfigur, aber eine feste Konstante in der Besetzung. Die Wortgeplänkel, die sich Helen mit Diamond liefert, gehören zum Feinsten, das Blake Edwards je geschrieben hat. Leider sind sie allzu kurz, denn sie gehören nicht zum jeweiligen Fall. Ich habe nie herausbekommen, was Helen Asher tagsüber macht. Wahrscheinlich füttert sie die Katze, denn abends, wenn Rick sein Ständchen spielt, miauen im Hintergrund die Katzen regelmäßig zum Steinerweichen, sozusagen als ironischer Kommentar seitens der Tierwelt (und des Tonregisseurs).

|Geräusche|

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend. Wir hören also sowohl Straßenverkehr und Hintergrundstimmen als auch altmodisches Telefonklingeln und Nebelhörner usw. In den diversen Wohnungen sind Standuhren, miauende Katzen (bei Helen) und natürlich Türen zu hören.

|Musik|

Die Musik von Dirk Wilhelm fungiert meist als Pausenfüller, um so die Szenen voneinander zu trennen, aber auch um die Stimmung der nächsten Szene einzuleiten. Der Musikstil erinnert an nichts so sehr wie an die Filmmusik von „L.A. Confidential“. Zu hören sind also gedämpfte Trompeten oder Posaunen, ein gedämpftes Klavier und sehr dezente Streicher. Von Jazz kann also keine Rede sein, vielleicht sollte man einfach nur von „Cool“ sprechen.

Die Ausnahme von dieser Regel sind Ricks selbst vorgetragene Stücke, die er am Klavier für seine Helen spielt. Und man staunt, wie gut Tobias Kluckert singen kann.

_Unterm Strich_

Nach dem Erfolg von „L.A. Confidential“ und [„Die schwarze Dahlie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3353 sind Nostalgie-Krimis wieder angesagt. Verschiedene Hörbuchverlage haben dies mit diversen Serien – Lester Powells Damen-Krimis, Stahlnetz, Tatort, Derrick, Dr. Mabuse, Francis Durbridge u. v. a. – vorexerziert. Höchste Zeit war’s also, dass auch |Lübbe Audio| etwas Entsprechendes in sein Angebot aufnimmt.

Auch dies scheinen mir zwei schwächere Folgen zu sein. Folge elf hat ein handfestes Gewerbe namens Alibi-Fabrikation zum Thema, kann aber immer mit zwei Action-Szenen aufwarten. Folge zwölf ist noch schwächer, doch wenigstens entsteht ein wenig Spannung durch das Interesse an der Lösung des Rätsels um anscheinend unverbundene Ereignisse. Das dauert aber eine ganze Weile, bis es soweit ist. Schade, dass Mr. Walker die Verhaftung der Tunnelgräber nicht mehr erleben kann.

Den Ausgleich zu diesen schwächeren Episoden bieten die romantischen Nebenszenen. Rick und Helen ist Standard-Romantik, aber auch Rick und die Maklerin bzw. Sandra Browning tragen ihr Scherflein zur erotischen Spannung bei. Die Maklerin will ihn gleich abschleppen, und Mrs. Browning scheint vom horizontalen Gewerbe zu sein – warum sonst hätte sie so viel Parfüm aufgetragen? Als Privatschnüffler muss man eben in allen (auch horizontalen) Lebenslagen seinen Mann stehen.

|Das Hörspiel|

Das Hörspiel ist von Rohrbecks |Lauscherlounge| sorgfältig produziert worden und ich habe an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der gewohnt abwechslungsreichen Handlung etwas Filmglamour. Da [„L.A. Confidential“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1187 einer meiner Lieblingsfilme ist, konnte ich mich im Ambiente von Rick Diamond sofort zurechtfinden und die Produzenten brauchten keinerlei Erklärungen zum kulturellen Hintergrund mehr zu liefern.

Mag sein, dass die Figuren in ihren männlichen und weiblichen Geschlechterrollen recht überholt sind, aber herrje, das sind die Karl-May-Geschichten schließlich auch, und doch werden sie weiterhin von Millionen Lesern und Zuschauern verschlungen. Helen Asher ist keineswegs das häusliche Heimchen am Herd, sondern sie weiß ihren Rick durchaus zu nötigen, ihr zu Gefallen zu sein. Die Katze im Hintergrund ist nicht umsonst ihr Haustier, denn es heißt, Katzen seien unabhängig. Diese Rollenbilder sind also weit entfernt von der moralischen Korruption, die in den Noir-Filmen der dreißiger und vierziger Jahre gespiegelt wurde.

|Aus dem Englischen übersetzt von Andrea Wilhelm
64 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3616-6|
http://www.lauscherlounge.de
http://www.luebbe-audio.de

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