Ennis, Garth / Robertson, Darick / Snejbjerg, Peter – The Boys 2 – Der glorreiche Fünfjahresplan

Band 1: [„Spielverderber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4112

_Inhalt_

|“Eingelocht“|

Ein neuer Auftrag führt die Boys in die Schwulen-Szene, in der kürzlich ein junger Kerl auf grausame Weise ums Leben gekommen ist. Billy und der mittlerweile halbwegs integrierte Hughie besuchen diverse Szene-Bars und erfahren vom Comic-Helden Swingwing, der offensichtlich auch unter den Homosexuellen große Resonanz findet. Nachdem sein Verlag auf die gleichgeschlechtlich Liebenden zugetreten ist, wurde der maskierte Superstar immer populärer, wird aber gerade deswegen zum Hauptverdächtigen für den Mordanschlag. Allerdings ist Swingwing gar nicht so leicht aufzuspüren. Der Weg zu ihm führt über den durchgedrehten Tek-Knight, der seit geraumer Zeit nur einer Passion folgt: Sein bestes Stück in jedes Loch zu stecken, das in seine Nähe kommt …

|“Der glorreiche Fünfjahresplan“|

Das Team begibt sich nach Russland, um dort dem alten Verbündeten Wass zu Hilfe zu eilen. Der führt Billy, Hughie und Co. auf die Spuren einer russischen Mafia-Organisation, welche die Superhelden-Sparte zu infiltrieren droht und bereits zwei der maskierten Stars auf dem Gewissen hat. Doch den Boys gelingt es nicht lange, inkognito zu ermitteln. Die Angelegenheit scheint bis in die höchsten Kreise der eigenen Regierung verankert zu sein und bringt das Team mal wieder in größte Lebensgefahr. Ausgerechnet der misstrauische Hughie und der ihm weniger wohl gesonnene Wassily sollen die Jungs vor einer Katastrophe retten …

_Persönlicher Eindruck_

Dreckig, finster, stellenweise auch arg pietätlos: Die beiden neuen Abenteuer der von Garth Ennis erschaffenen skrupellosen Boys sind mal wieder direkt dem gewalttätigen Treiben der Unterwelt entnommen und nicht zuletzt wegen des rauen Umgangstons zwei illustrierte Reisen in ein Land, in dem zarte Gemüter schon mal gar nichts verloren haben. Da wird die vulgärste Sprache dahingerotzt, als sei es der neueste Standard, hier und dort gibt es ordentlich was auf die Zwölf, und was die Coolness der Mafia der guten Seite betrifft, hat der Autor sich in seiner Darstellung auch wieder selber übertroffen. Ganz kurz: Dieses Team hätte selbst in einem Frank-Miller-Setting charismatischer nicht sein können.

Im letzten Sonderband „Der glorreiche Fünfjahresplan“ präsentieren sich die Jungs aber auch wieder von ihrer besten Seite, wobei das Ganze zumindest sprachlich ein wenig bedenklich ist. Hier wird gegen Minderheiten gezetert, die Homosexuellen-Szene aufs Korn genommen, die verschiedenen Neigungen im besten Ghetto-Slang aufgriffen und über den Akt als solchen Sprüche und Dialoge präsentiert, die alles andere als jugendfrei sein dürften. Effekthascherei? Nun, sicher nicht, denn dafür haben die beiden Handlungsstränge definitiv zu viel Potenzial und können davon abgesehen auch von der Story alleine leben.

Allerdings startet die neue Ausgabe recht verworren, da lange Zeit gar nicht so wirklich klar ist, worauf der erste Plot genau zielt. Elemente eines Krimis werden mit Passagen eines düsteren Thrillers gemixt, derweil einige eigenwillige Charakterprofile gezeichnet, eine ganze Szene in der Luft zerrissen und obendrauf noch der weniger geschmackvolle Humor der fünfköpfigen Truppe gepackt. Mit Tek-Knight und Swinwing kommen zudem zwei recht biedere Karikaturen hinzu, die der Ernsthaftigkeit der Geschichte ein Stück weit den Wind aus den Segeln nehmen, aber eben genau das symbolisieren, wofür „The Boys“ als Comic eigentlich steht: Expect the unexpected – genau darum geht’s! Und dass dabei auch schon mal ein paar sinnentleerte Szenen in die Story integriert werden – mancher schmutzige Dialog sei hier als Beispiel erwähnt -, geht dementsprechend ebenfalls in Ordnung.

Dass bei „The Boys“ auch die Action eine wesentliche Rolle spielt, dokumentiert der zweite Abschnitt, nachdem dieser Sonderband auch benannt ist. Beim Sowjet-Abstecher geht es zwar gewissermaßen immer noch darum, wie Hughie ins Team aufgenommen wird und er seine Hemmschwellen überwinden kann, allerdings gilt er nun schon als fester Bestandteil und macht sich nicht mehr – und das im wörtlichen Sinne – in den prekärsten Situationen in die Hosen. Ferner kommt es aber hier zu deutlich mehr explosiven Szenen, einerseits, was das Tempo betrifft, andererseits aber auch im Hinblick auf die vielen kurzen Fights, die das Team auszutragen hat. Und fast noch viel wichtiger in diesem Zusammenhang: Ennis setzt sich, seinen Charakteren und seinen Storys absolut keine Grenzen, wie sich hier in der Schlusssequenz eindeutig zeigt. Alles ist möglich, alles erlaubt, selbst wenn’s zwischenzeitlich hart und brutal ist.

Doch so sind sie, „The Boys“, durch und durch männlich, fies, abschreckend und immer für eine mehr oder weniger angenehme Überraschung gut. In ihrer zweiten deutschen Ausgabe bieten sie obendrein ein weiteres Sahnestück des Ennis’schen Comic-Universums und eine der besten Ausgaben des Action-Comics im Jahr 2008. Zweifel? Ausgeschlossen!

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