Eschbach, Andreas (Autor) / Rotermund, Sascha (Sprecher) – Solarstation (Lesung)

_Einfühlsame Lesung: Der Putzmeister als Detektiv_

2015: Kostbar sind die Sonnensegel der japanischen Solarstation NIPPON. Von ihnen aus wird die Erde mit Energie versorgt. Als die Energieübertragung versagt, denken Leonard Carr und die Mannschaft der Station zuerst an eine technische Panne. Doch dann geschieht ein Mord, und ein fremdes Raumschiff dockt an.

Entsetzt erkennt die Besatzung, dass sie Spielball in einem Plan ist, der die Station zu einer nie dagewesenen Bedrohung werden lässt. Leonard hat nur eine Chance: Er kennt alle Geheimnisse der Solarstation und weiß beim Kampf, die Gesetze der Schwerelosigkeit für sich zu nutzen … (Verlagsinfo)

„Solarstation“ war nach [„Die Haarteppichknüpfer“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1556 der zweite Roman Eschbachs. 1997 wurde er mit dem Kurd-Laßwitz-Preis der deutschen SF-Kritiker als bester deutscher SF-Roman 1996 ausgezeichnet.

_Der Autor_

Andreas Eschbach, geboren 1959, studierte Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete zunächst als Softwareentwickler, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Er lebt als freier Schriftsteller mit seiner Frau an der französischen Atlantikküste. (Verlagsinfo)

_Der Sprecher_

Sascha Rotermund, geboren 1974 in Arnsberg/Westfalen, studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover Schauspiel. Er trat auf den Bühnen in Bremen, Magdeburg, Lübeck und Hannover auf und hat sich auch als Synchronsprecher leiht er seine Stimme u. a. Jesse Spencer in „Dr House“ und Lee Pace in „Pushing Daisies“. (Verlagsinfo)

Regie führte Jochen Simmendinger im Hörspielstudio |XBerg|. Die Musik steuerte Andy Matern bei. Die Produktion gestaltete die |Audible GmbH|, was bedeutet, dass es eine ungekürzte Version der Lesung auf [www.audible.de]ttp://www.audible.de gibt.

_Handlung_

Im Jahr 2015 umkreist die japanische Solarstation NIPPON die Erde, um die mit Hilfe gigantischer Sonnensegel gesammelte Solarenergie zur Erde zu transferieren – einer Erde, der das Öl ausgegangen ist und deren wichtigste ölverbrauchende Staaten wie etwa die USA, Kanada und Europa bereits im Niedergang begriffen sind. Dafür geht es den pazifischen Anrainerstaaten unter der Hegemonie Japans umso besser. Japan hat alle US-Shuttles gekauft und die Rolle der aufgelösten US-Raumfahrtbehörde NASA übernommen. Es betreibt die Forschungs- und Produktionseinrichtungen an Bord der NIPPON.

Leonard Carr, ein früherer „Desert Storm“-Kampfflieger (aus dem Golfkrieg von 1992), ist unser Mann an Bord. Als Hausmeister und Sicherheitsbeauftragter kann er sich überall unauffällig umsehen und kennt sich aus. Seit zwei Monaten klappt keine der Energieübertragungen mehr, und zwei Monate sind auch seit dem letzten Schichtwechsel vergangen. Vom Kommandanten über dessen Verdacht der Sabotage an Bord unterrichtet, betätigt er sich als unfreiwilliger Freizeitdetektiv. Der Kommandant hat drei Neuankömmlinge im Verdacht, Saboteure zu sein, darunter auch Leonards Geliebte Yoshiko, eine 26-jährige Astronomin.

Nach einem Mord überschlagen sich auf der NIPPON die Ereignisse: Fanatische islamistische Glaubenskrieger kapern mit einem ausgetüftelten Trick die Station und übernehmen das Kommando. Nur ganz langsam wird das Geheimnis um ihr wahres Ziel gelüftet: Sie wollen Mekka, die Heilige Stadt des Islam, mit dem energiereichen Mikrowellenstrahl der NIPPON vernichten, damit die Muslim-Armee, die bereits die Stadt belagert, durch dieses „Wunder Gottes“ unüberwindbar erscheint und die Welt erobern kann – der Anfang vom Ende der freien Welt. Eine verquere Logik, die einen furchtbaren Sinn ergäbe, würde sie umgesetzt werden.

Doch die Dschihadis, wie sich die Terroristen nennen, haben die Rechnung ohne Leonard Carr gemacht …

_Mein Eindruck_

Selten habe ich die Schilderung einer zukünftigen Station so verständlich und detailliert gelesen, herübergebracht mit einem trockenen, manchmal sogar schwarzen Humor, so dass ich als Hörer weiß: Dieser Erzähler weiß, wovon er redet, und man kann sich ihm unbedenklich anvertrauen, wohin auch immer die Reise gehen mag. Der Autor absolvierte schließlich in Stuttgart ein Studium der Raum- und Luftfahrttechnik, ehe er in die Software-Entwicklung einstieg.

Dieser Thriller ist aus einem Guss, sprachlich und thematisch vielseitiger als der Erstling „Die Haarteppichknüpfer“, mitreißend und überzeugend erzählt und in seiner Menschlichkeit sympathisch. Denn Leonard Carr hat seine eigene Lebensgeschichte, die recht ungewöhnlich ist: Der Kampfpilot heiratete eine Araberin und hatte mit ihr einen Sohn, den er nach Neil Armstrong, dem ersten Menschen auf dem Mond, benannte.

Auffällt an Eschbachs Stil, dass er für jeden Durchschnittsleser verständlich ist. Er setzt keine Fachkenntnisse voraus, sondern liefert sie en passant und unterhaltsam mit – ebenso wie das ein guter Kriminalschriftsteller tun würde (bzw. sollte). So erfahren wir in mehreren Szenen, wie hervorragend die Eigenschaften eines im All geschmiedeten Samurai-Schwertes wären; dass Bambus wie wild wächst und dass Vorgänge wie Sex und Nassrasur ganz neue Erfahrungsbereiche eröffnen.

_Der Sprecher_

Sascha Rotermund hat sich bereits in der ersten Szene als Sprecher zu bewähren: Es geht um Sex. Genauer, um Sex im Weltraum. Sich selbst vor einem depperten Dauerkichern zu bewahren, gelingt ihm gut, und so kommen wir in den Genuss eines schmunzelnenden Vortrags dieser Sexszene. Das Amüsement ist geradezu ansteckend.

Als Kontrastprogramm begeben sich Leonard Carr und seine Sparringpartnerin Yoshiko auf die Brücke. Dort ist Stress angesagt: Die Stimmen sind streng, knapp und alles andere als lustig, denn die Station tut nicht, wofür sie für Milliarden gebaut wurde, nämlich die Energieübertragung. Dies ist nicht das „Raumschiff Enterprise“, obwohl die Besatzung schon bald multikulturell zu nennen ist: Japaner, Amerikaner und schließlich Araber.

Alle auf der Brücke, außer Leonard, sind Japaner und haben folglich japanische Namen. Meine Befürchtung war, dass der Sprecher den Fehler so vieler seiner Vorgänger machen würde und die mehrsilbigen Namen nach indogermanischem Muster betonen würde, also auf der vorletzten Silbe. Natürlich sind Japaner keine Indogermanen und folgen einem ganz anderen Betonungsmuster, so etwa in „Moríjama“ oder „Yamámoto“ Glücklicherweise weiß dies auch der Sprecher, und so darf sich der Hörer erst einmal mit diesem neuen Aussprachemuster vertraut machen.

Dem Sprecher gelingt es auch, einzelne Figuren zu charakterisieren. Am deutlichsten ist dies beim Metallurgen an Bord, dessen gewitzte Freundlichkeit in seinem Tonfall zum Ausdruck kommt. Er ist ein sympathischer Bursche, obwohl sein ganzer Stolz in einem neuen Superschwert zu bestehen scheint. Seine Kollegin, die Botanikerin und Köchin, ist ebenfalls sympathisch, aber auch romantisch. Sie ist die Einzige, der Leonard sein Heimweh und seine Einsamkeit gesteht.

|Musik|

Das Intro besteht aus der typischen vom Synthi erzeugten Sphärenmusik, die man landläufig mit dem Weltraum assoziiert. Ein leiser Beat, ein dezenter Chor – fertig ist Andy Materns Beitrag. Das Intro läuft als Hintergrundmusik noch etwa 90 Sekunden weiter und erklingt am Ende jeder CD erneut im Hintergrund.

_Unterm Strich_

Ungefähr in der Manier von Bruce Willis in den „Stirb langsam“-Actionfilmen schafft es die Hauptfigur im Alleingang, in einem packenden doppelten Finale die Terroristen auszuschalten und ihren Anführer ins Nichts des Weltraums zu schicken.

Selten hat man die besonderen Gegebenheiten der Schwerelosigkeit und des Vakuums so effektvoll in Szene gesetzt bekommen wie hier. Dieser ungewöhnliche Lebensraum erwacht auf diese Weise quasi zum Leben, sofern der Hörer in der Lage ist, sich die manchmal technischen Beschreibungen („Knotenmodul“) visuell vorzustellen.

Nur die beiden Showdowns ziehen sich etwas hin, und das kommt in der ungekürzten Version, die es bei Audible zum Download gibt, viel negativer zum Tragen als in der vorliegenden gekürzten CD-Version. Ein paar Längen könnten bei Stellen auftreten, die uns heute – nach immerhin 17 Jahren – durch zahlreiche SF-Werke völlig vertraut und selbstverständlich erscheinen.

Dennoch weist „Solarstation“ viel mehr Realismus auf als so manches Hollywood-Machwerk wie etwa „Star Wars“ oder „Star Trek“ und ihre Ableger. Ich würde gerne mal „Mister Spock“ Leonard Nimoy, inzwischen knackige 81 Jahre alt, schwerelos auf der Brücke herumturnen sehen. Aber da könnten ihm ja die angeklebten Spitzohren abfallen.

Um mal wie eine Fernsehzeitschrift zu werten: Ich vergebe drei Action-Punkte, jeweils zwei für Anspruch und Humor sowie einen süßen, kleinen Erotik-Punkt.

|6 Audio CDs
Spieldauer: 450 Min.
Sprecher: Sascha Rotermund
ISBN-13: 978-3785746028|
http://www.luebbe.de
http://www.andreaseschbach.de

_Andreas Eschbach beim |Buchwurm|:_
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