Fallon, Jennifer – Palast der verlorenen Träume, Der (Gezeitenstern-Saga 3)

Band 1: [„Der unsterbliche Prinz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4899
Band 2: [„Die Götter von Amyrantha“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5305

_Arkady hätte es schlechter_ treffen können. Es ist ihr gelungen, mit dem Arzt des Sklavenschiffes, das sie nach Senestra bringt, einen Handel abzuschließen. Das reduziert die Anzahl der Männer, die sie über sich ergehen lassen muss, auf einen. Leider hat es aber, wie sich nur allzu bald herausstellt, auch eine unangenehme Nebenwirkung …

Declan Hawkes hat sich von Stellan Desean dazu überreden lassen, sich auf die Suche nach Arkady zu machen und sie in Sicherheit zu bringen. Keine einfache Aufgabe für jemanden, der eigentlich tot sein sollte und deshalb nur einen Bruchteil seiner Kontakte nutzen kann.

Stellans Aufgabe ist allerdings auch nicht einfacher. Er hat sich bereit erklärt, Prinzessin Nyah von Caelum nach Hause zu bringen. Damit allein ist es aber nicht getan, schließlich hat er es jetzt nicht mehr nur mit zwei Gezeitenfürsten zu tun, sondern gleich mit derer sechs! Und als wäre das alles noch nicht genug, bittet der Canide Warlock, der als Spion der Bruderschaft ebenfalls in Caelum weilt, Stellan um Hilfe: Er will seine Gefährtin und seine Kinder zurück nach Glaeba schaffen …

Cayal hat inzwischen gemerkt, dass Brynden ihm eins ausgewischt hat. Als er jedoch feststellen muss, dass Arkady nicht mehr in Torlenien ist, beschließt er, dass Sterben wichtiger sei und macht sich auf zu Lukys. Der wiederum schickt ihn aus, um weitere Unsterbliche dazu zu überreden, ihnen zu helfen.

_Auch diesmal hat die Autorin_ die Riege der Personen um einige erweitert, hauptsächlich Unsterbliche:

Arryl tauchte zum ersten Mal im ersten Band auf, in Cayals Erzählungen. Jetzt erscheint sie auch persönlich und sie ist mit Abstand die sympathischste Person in diesem ganzen Haufen. Sie ist weniger eigennützig, weniger wankelmütig und weniger gelangweilt. Vielleicht liegt es daran, dass sie und ihre beiden Freundinnen Medwen und Ambria als einzige von allen Unsterblichen etwas Nützliches tun: Sie beschützen die geheime Kolonie der Chamäliden-Arks in den Urwäldern Senestras.

Lyna dagegen ist genauso egoistisch, gelangweilt und gleichgültig wie die meisten anderen Unsterblichen. Die Geliebte Kontravyons hat keine Lust, die Gezeitenflut allein zu verbringen. Da sie Kontravyon immer noch im Eis eingeschlossen glaubt und auf die unsterbliche Sippschaft in Caelum keine Lust hat, ist sie nach Glaeba gekommen.

Bei den Sterblichen wäre eigentlich nur Cedne, der Arzt, zu erwähnen. Der Mann hat ein ernstes Problem mit Frauen, er kann einfach nicht mit ihnen umgehen, ist gehemmt und übernervös. Fast könnte er einem Leid tun, wäre er nicht ein so hochnäsiger und ignoranter Esel!

Insgesamt bleibt die Charakterzeichnung der Neuzugänge diesmal etwas blass. Cedne ist ganz gut getroffen, aber letztlich nur eine Nebenfigur. Arryl ist zwar ganz sympathisch, es fehlt ihr aber noch ein wenig an Tiefe. Vielleicht wird das ja noch … Lyna dagegen ist als Person nur eine weitere in diesem Haufen lästiger Schmeißfliegen, die Caelum und Glaeba bereits besetzt haben, ihr Auftauchen scheint eher dem Handlungsverlauf zu dienen als der Erweiterung des Figurenensembles um einen neuen, unverbrauchten Charakter.

Allerdings scheint sich Lynas Auftauchen hauptsächlich im nächsten Band aus zu wirken. Der vorliegende Band wirkt eher wie eine Atempause, genutzt, um ein paar Inhalte neu aufzustellen. Dazu gehört die Entstehung von Unsterblichen. Die Ewige Flamme ist vor langer Zeit erloschen, trotzdem ist Declan Hawkes ein frisch gebackener Gezeitenfürst, was ohne die Ewige Flamme eigentlich nicht möglich sein sollte. Zwangsläufig machen sich einige Leute vermehrt Gedanken darüber, wie es dazu kommen konnte.
Auch ein zusätzlicher neuer Aspekt der Magie taucht auf, der bisher völlig unerwähnt geblieben, unter einigen Unsterblichen aber offenbar schon seit langer Zeit ein wichtiges Thema ist: der Kristall des Chaos. Elyssa scheint nach diesem Ding zu suchen, sie fragt Warlock danach, stöbert ständig in alten Dokumenten herum und dergleichen mehr. Und Elyssa ist offenbar nicht die einzige, die sich dafür interessiert.

Es dauert allerdings eine Weile, bis dieser Aspekt etwas mehr in den Vordergrund rückt. Zunächst liegt das Hauptaugenmerk auf Arkady und ihrer Reise nach Senestra sowie den Ereignissen dort. Alle anderen Handlungsstränge bleiben vorerst nur Randerscheinungen, bis zu dem Punkt, an dem einige von ihnen sich treffen. Und auch dann dreht sich weiterhin der größte Teil der Handlung um die Ereignisse in Senestra.
Das finde ich ein wenig schade. Denn die Ereignisse in Senestra umfassen eine Menge Nebensächlichkeiten. Zwar basiert ein Großteil des Flairs im ersten Band ebenfalls auf dem, was sich zwischen den Beteilgten abspielt, der dritte Teil des Zyklus‘ kann damit jedoch nicht mithalten, weil es dafür den Charakteren an Intensität fehlt. Arkadys Gekabbel mit Cedne ist stellenweise ganz nett zu lesen, das Beziehungskuddelmuddel zwischen Arkady und Declan oder Arkady und Cayal finde ich jedoch allmählich etwas lästig. Es wäre nett, wenn die Beteiligten sich endlich mal entscheiden könnten. Dass außerdem auch noch eine kleine Liebesgeschichte zwischen Tiji und einem Chamäliden aus dem Dschungel einflochten ist, rückt die fortlaufenden Ereignisse, die eigentlich auch den Spannungsbogen tragen sollten, zu weit in den Hintergrund.

Der eigentlich kniffligere Teil des Geschehens spielt sich noch immer in Glaeba und Caelum ab, wo Warlock Angst um seine Familie hat, Stellan versucht, Nyah zu beschützen, Jaxyn sich auf einen Krieg vorbereitet und Elyssa nach einem Objekt sucht, das höchstwahrscheinlich für die Welt eine immense Gefahr bedeutet. Da diese Details jedoch alle in den Nebensträngen verpackt sind, bleibt die Spannung ebenfalls eher eine Nebensache.

Ein Lichtblick sind Declans Schwierigkeiten mit der Tatsache, dass er jetzt ein Gezeitenfürst ist. Die Versuchung, die das Eintauchen in die Gezeiten bedeutet, ist sehr gut herausgearbeitet, ebenso die Probleme, die das Auftauchen mit sich bringen. Drollig finde ich auch die Szene mit dem Versuch des Priesters, einen Exorzismus durchzuführen. So ganz raus reißen können diese Aspekte es aber auch nicht mehr. Alles in allem ist der dritte Teil des |Gezeitenstern-Zyklus| eine eher durchwachsene Angelegenheit.

_Immerhin verspricht_ die Tatsache, dass Elyssa nicht als einzige nach dem geheimnisvollen Kristall sucht, wieder mehr Turbulenzen für den nächsten Band. Und immerhin hat Cayal sich endlich mal gefragt, warum Lukys eigentlich so extreme Anstrengungen auf sich nimmt, nur um ihm beim Sterben zu helfen! Auch werde ich irgendwie das Gefühl nicht los, dass mit diesem Agenten der Bruderschaft, dem Warlock berichtet, etwas nicht stimmt. Und dass Lukys Declan nicht so ganz die Wahrheit gesagt hat.

_Jennifer Fallon_ stammt aus einer großen Familie mit zwölf Geschwistern. Sie hat in den verschiedensten Jobs gearbeitet, unter Anderem als Kaufhausdetektivin, Sporttrainerin und in der Jugendarbeit. Letzteres scheint ihr immer noch nach zu hängen: Unter ihrem Dach leben außer drei eigenen Kindern einige obdachlose Jugendliche als Pflegekinder. Schreiben tut sie nebenher. Ihre erste Veröffentlichung war die |Dämonenkind|-Trilogie. Außerdem stammen die Trilogie |Second Sons| sowie |Die Chroniken von Hythria| aus ihrer Feder. Der vierte Band der |Gezeitenstern-Saga| ist in Australien bereits unter dem Titel „The Chaos Crystal“ erhältlich, ein Erscheinungstermin für die deutsche Übersetzung steht noch nicht fest. Die Autorin schreibt derweil an ihrem nächsten Zyklus |Rift Runners|.

|Broschiert: 574 Seiten
ISBN-13: 978-3802582448|
Originaltitel: |The Palace of impossible Dreams|
Deutsch von Katrin Kremmler, René Satzer
http://www.jenniferfallon.com/
http://www.egmont-lyx.de/

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