Fink, Torsten – Gefährtin, Die (Die Tochter des Magiers 2)

Band 1: [„Die Diebin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5775

_Tasil und Maru_ sind aus Serkesch entkommen und das mit einer nicht zu verachtenden Beute, die Tasil schließlich irgendwo versteckt. Und schon sind sie auf dem Weg zum nächsten Coup: In den Sümpfen von Awi soll eine gewaltige Seeschlange einen goldenen Tempel bewachen. Es dauert jedoch nicht lange, da werden Tasil und Maru von den Ereignissen in Serkesch eingeholt …

_Der Ortswechsel bringt_ eine Menge neuer Charaktere mit sich.

Die Ältesten Taiwe und Skeda sind, wie man es von Ältesten erwartet, alte Männer. Der örtliche Priester Hana jedoch ist ein junger Mann mit wenig Charakter, der unter der Fuchtel seiner Frau steht und vor allem Taiwe nicht leiden kann. Taiwe ist jemand, der stets versucht, die Wurzel eines Problems zu ergründen und es so möglichst ganz auszureißen. Hana dagegen neigt dazu immer den einfachsten Weg zu gehen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass ihn das langfristig in noch größere Schwierigkeiten bringen könnte; schon allein deshalb gerät er mit Taiwe ständig aneinander. Da er meistens den Kürzeren zieht, kommt auch noch eine gehörige Portion Trotz dazu.

Dann wäre da noch die Kräuterfrau Wika, eine scharfsinnige Alte, die sofort erkennt, dass Maru Magierblut in den Adern hat, und generell so ziemlich die einzige zu sein scheint, die die Wahrheit hinter dem Vordergründigen sieht. Schade nur, dass keiner auf sie hört. Aber immerhin gibt sie Maru eine Menge zum Nachdenken.

Abgesehen von den Dorfbewohnern, Tasil und Maru finden sich in diesem Sumpfloch auch noch ein bunter Haufen Söldner, die von dem Krieg zwischen dem neuen Fürsten von Serkesch und dem Khaidan, dem obersten Herrscher, gehört haben und nun überlegen, wem sie ihre Dienste anbieten sollen.

_Insgesamt finde ich_ die Charakterzeichnung nicht ganz so gelungen wie im ersten Band. Obwohl mir Wika ziemlich sympathisch ist, ist sie doch ein wenig im Klischee der alten weisen Frau verhaftet, was auch für die Söldner gilt, in deren Trupp vom schweigsamen Hinterwäldler über das Großmaul und den leichtsinnigen Jungspund bis hin zum durchtriebenen Schurken alles vorhanden ist. Das Umkippen der Stimmung zwischen den Männern, als diese sich dem Schatz nähern, ist jedoch gut gemacht, auch wenn ich als Frau sie am liebsten alle der Reihe nach geohrfeigt hätte! Und Taiwe und Hana sind ebenfalls gut, wenn auch nicht mit echter Tiefe gezeichnet.

Die Landschaft ist ein echtes Kontrastprogramm zur Wüste um Serkesch:

Nicht nur von unten ist es es nass, sondern auch von oben. Es regnet quasi ununterbrochen mehr oder weniger stark. Alles tropft, alles trieft, nichts als Matsch und Schlamm überall, selbst auf den Inseln. Dementsprechend skurril verläuft auch das Duell auf dem Dorfplatz, bei dem die Kontrahenten mehr aneinander vorbei schlittern als gegeneinander zu kämpfen. Dazu kommt noch ein einziger Urwald aus Schilf und Wasserpflanzen, in dem es keinen einzigen direkten Weg irgendwohin gibt, und das schwarze Wasser eines Stromes, das man nicht trinken kann.

Mit dieser ausgesprochen plastischen Darstellung der Örtlichkeit kann die Handlung nicht ganz mithalten. Auch diesmal versucht Tasil aus der Situation Gewinn zu schlagen. Da ihm bewusst ist, dass die Dörfler das Geheimnis um den Goldenen Tempel freiwillig nicht herausrücken werden, macht er sich die Bedrohung durch die Seeschlange zu Nutze. Dabei geht er genauso skrupellos vor wie bereits in Serkesch, versucht, Taiwe zu bestechen, beschwatzt die Söldner, die Seeschlange zu töten und dergleichen mehr.

Allerdings hat Tasil es hier mit weit weniger gefährlichen Männern zu tun als in Serkesch, was vielleicht auch der Grund ist, warum Torsten Fink noch einmal Numur und dessen Berater und obersten Priester Mahas ins Spiel bringt. Tatsächlich verleiht das der Handlung einiges an zusätzlicher Würze, Tasils Jonglieren zwischen den Parteien, die den ersten Band belebten, fallen hier aber weg, da Numur keinen ebenbürtigen Gegner hat, den Tasil ihm entgegensetzen könnte.

Daneben läuft weiterhin der Faden, der sich vorwiegend mit Maru beschäftigt. Allmählich stellt sich heraus, dass sie Dinge tun kann, die eigentlich unmöglich sein sollten, was Tasil zwar bemerkt, dem er aber nur mäßig Beachtung schenkt, schließlich geht es ihm hauptsächlich um das Gold des Tempels. Dafür schenkt der Daimon Utukku Maru weitaus mehr Aufmerksamkeit, als ihr lieb ist. Was der Wassergeist jedoch genau im Schilde führt, das hebt sich der Autor für den nächsten Band auf.

_So ist dieser Teil_ des Zyklus‘ zwar nett zu lesen, bleibt aber doch etwas hinter seinem Vorgänger zurück. Hauptsächlich ist Maru damit beschäftigt, ständig im Dorf herum zu rennen und für Tasil Informationen zu sammeln. Spannung kommt aber kaum auf; der Versuch, durch eine religiöse Zeremonie, die zu einem bestimmten Zeitpunkt statt finden muss, so etwas wie Zeitdruck aufzubauen, scheitert, da er nicht konsequent genug durchgezogen ist. Selbst der Showdown kann nicht wirklich mitreißen, da die Hauptfigur Maru mittendrin bewusstlos wird und das Ende gar nicht selbst mitbekommt.

Auch bleiben einige Handlungsfäden zu lose in der Luft hängen. Zum Beispiel frage ich mich, was Hanas Frau eigentlich antreibt. Ständig tuschelt sie mit ihrem Mann, aber der Leser erfährt weder, was sie ihm zu sagen hat, noch, worum es ihr geht. Letztlich ist sie für die Handlung nicht entscheidend, aber warum wird ihre Rolle dann so betont? Und was um alles in der Welt bewegt Numur dazu, eine riesige Statue seines Vaters mit in die Sümpfe zu schleppen? Biredhs Erklärung empfinde ich da nicht als ausreichend, es sei denn, Numur wäre verrückt geworden, aber so wirkt er eigentlich nicht.

Bleibt also zu hoffen, dass der letzte Band noch einmal ein paar schwerwiegendere Komplikationen zu bieten hat. Zusammen mit den vielversprechenden (weil geheimen) Absichten Utukkus und den Antworten auf die noch offenen Fragen um Maru könnte das Finale der Trilogie dann durchaus noch einmal zur Hochform finden.

_Torsten Fink_ war Journalist und Texter unter Anderem für literarisches Kabarett, ehe er 2008 sein erstes Buch „Die Insel der Dämonen“ veröffentlichte. Er lebt und arbeitet in Mainz. Mit „Die Diebin“ veröffentlichte er den ersten Band seines dreiteiligen Zyklus‘ |Die Tochter des Magiers|, dessen letzter Teil unter dem Titel „Die Erwählte“ ebenfalls bereits erschienen ist.

|Taschenbuch: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3442266326|
http://www.blanvalet-verlag.de

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