Fürch, Hardy – Von Mangos und anderen Früchten. Sex, Politik & die Essenz des Lebens

Als ich Houellebecqs „Elementarteilchen“ las, konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich die Welt der Protagonisten Bruno und Michel sympathisch oder abstoßend finden sollte. Der Mix aus libidogesteuerter Abhängigkeit und angepasster Bürgerlichkeit bestätigte mich in dem Gefühl des Unschlüssigseins. Dabei trifft die literarische Beschreibung einer nie wirklich aus der Mode gekommenen menschlichen Sinnsuche, die allen Versuchen zum Trotze nicht in den Projekten einer utopischen Technik aufzugehen scheint, den Geist der Zeit. Hardy Fürchs Roman „Von Mangos und anderen Früchten“ malt ein analoges Bild: Das Thema besitzt eine kollektive Dimension.

In Fürchs Roman leidet der Protagonist Zackowski an chronischer Sexualisierung seines gesamten Lebensumfeldes. Zackowski erschafft sich eine Welt basierend auf den Stereotypen einer von „männlicher Energie“ und „weiblichem Instinkt“ (S. 44) geprägten Vorstellung. Und er hat damit Erfolg – ganz im Gegensatz zu Houellebecqs Bruno. Fürch inszeniert die Handlung als ein Wechselspiel aus spiritueller Sinnsuche, unkontrollierbarer Sexsucht und latenter Abhängigkeit von den Vorzügen der bürgerlich-situierten Lebensstandards. Trotz Zackowskis Streifzügen in die Welt der Spiritualität sind es letztlich die Bastionen des Materialismus – Geld und Technik –, die Zackowski so etwas wie Sinn im Leben erfahren lassen.

Hardy Fürch ist es gelungen, einen eigensinnigen und spannenden Roman über das Leben eines zwiegespaltenen Zeitgenossen zu schreiben. Das Wechselspiel aus Sympathie und Antipathie erzeugt beim Leser eine ambivalente Verbundenheit mit dem Protagonisten. Man mag ihn nicht, aber man liest trotzdem weiter! Vielleicht versteckt sich hinter Zackowskis Leben ein kollektives Dasein, inklusive aller Abhängigkeiten von der postmodernen Welt der Technik und der, im krassen Gegensatz dazu, unterdrückten Triebnatur? Die entscheidenden Stationen auf Zackowskis Sinnsuche bauen fatalistisch aufeinander auf; umso bedauernswerter ist das für meinen Geschmack zu abrupte Ende des Romans.

http://www.phaenomen-verlag.de/

Schreibe einen Kommentar