Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter / Sieper, Marc – Sex and Crime (Offenbarung 23, Folge 25)

_Sex and Politics: eine explosive Mischung_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätsel wird gelöst.

Am 1. November 1957 wird in Frankfurt/Main die 24-jährige Edelhure Rosemarie Nitribitt tot in ihrer Wohnung aufgefunden – ermordet. Schnell geraten Personen aus Großindustrie und Politik in den Verdacht, für den Tod der Prostituierten verantwortlich zu sein. Doch eindeutig identifiziert werden konnte ihr Mörder bis heute nicht. Kann der Berliner Hacker und Student Georg Brand fast 50 Jahre nach dem Verbrechen – man schreibt das Jahr 2004 – noch Licht in den mysteriösen Mordfall bringen?

_Der Autor und die Macher_

Jan Gaspard ist ein Pseudonym. Der reale Mensch hat immerhin eine Mailadresse – das ist doch schon mal was. Laut Verlag soll der Rechercheur für Unternehmer wie Axel Springer, Ross Perot, Rupert Murdoch und sogar Dick Cheney gearbeitet haben. Wer’s glaubt, sollte ihn engagieren. Er zeichnet für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren in der Titelmelodie – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen. Die Aufnahmeleitung oblag Anno Storbeck.

|1. Staffel von „Offenbarung 23“:|
1) [„Wer erschoss Tupac?“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1934
2) [„Tupacs Geheimnis“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2012
4) [„Die Krebs-Macher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2472

|2. Staffel:|
5) [„Das Handy-Komplott“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2576
6) [„Der Fußball-Gott“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2577
7) [„Stonehenge“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2590
8) [„Macht!“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2591

|3. Staffel:|
9) [„Gier!“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3104
10) [„Die traurige Prinzessin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3113
11) [„Die Hindenburg“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3131
12) [„Der Piratenschatz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3136

|4. Staffel:|
13) [Das Wissen der Menschheit]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3885
14) [Das Bernsteinzimmer]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3887
15) [Durst!]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3900
16) [Krauts und Rüben ]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3934

|5. Staffel:|
17) [Die Waterkant-Affäre]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4340
18) [Menschenopfer]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4362
19) [Angst!]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4537
20) [Die Pyramiden-Saga]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4554

Einschub: 21) [Jack the Ripper]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4875 (Live-Lesung)

|6. Staffel:|
22) [Der Fluch des Tutanchamun]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5040
23) [Der Jungbrunnen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5171
24) [Ausgespäht und Ausgetrickst]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5229
25) Sex and Crime

Mehr Infos: http://www.offenbarung-23.de sowie http://wiki.jan-gaspard.net/ und http://www.vertraue-niemandem.net.

_Die Sprecher_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt:

„Stimme der Wahrheit“: Friedrich Schoenfelder (David Niven, Peter Cushing, Vincent Price)
Ian G.: Till Hagen (Kevin Spacey, Billy Bob Thornton)
Georg Brand alias T-Rex: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Nitribitt: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst, Kate Beckinsale)
Nat Mickler: Helmut Krauss (Marlon Brando, James Earl Jones)
Kai Sickmann: Detelf Bierstedt (George Clooney)
Archivarin: Maria Koschny (Lindsay Lohan)
Boris F. alias Tron: Jaron Löwenberg (Adrien Brody in „King Kong“)
Nachrichtensprecherin: Ulrike Hübschmann
Mörder: Rainer Fritzsche
Kellnerin: Suzanne Vogdt
Intro: Benjamin Völz (Keanu Reeves, James Spader) & Jaron Löwenberg

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“ und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen.

_Handlung_

Sie geht an die Tür und fragt den Besucher freundlich nach seinem Begehr. Doch er flüstert nur die ganze Zeit – wohl wegen ihres Tonbandgeräts Sie soll es sofort ausmachen. Und er fragt sie auch noch so seltsam nach ihrer Identität: Sind Sie Rosemarie Nitribitt, geboren 1933 in Düsseldorf? Natürlich ist sie das. Das weiß doch jeder ihrer Kunden … Da wird der Mann rabiat, und während Rosemaries Hund bellt, hören wir ihre Schreie und schließlich ein unheilvolles Poltern …

Die Nachrichten verkünden: Am 1. November 1957 wurde das Mannequin (!) Rosemarie Nitribitt ermordet in seiner Wohnung in der Frankfurter Stiftstraße 36 aufgefunden. Die Frau wurde erwürgt, und ihr Mercedes werde vermisst. – Offenbar sollen nur Eingeweihte wissen, dass die Nitribitt eine der teuersten Prostituierten in der Finanzmetropole am Main war.

Das Jahr 2004, Mittwoch, 9:30 Uhr. Ian G beobachtet Georg Brand, wie er vor Trons Super-Laptop hockt und die neueste Chiffre betrachtet, die Ian ihm zugespielt hat: Nitribitts erotisches Foto, überschrieben mit der Angabe „34,4°“. Wenige Stunden später trifft Georg seinen Freund, den Arzt Nathan Mickler, im Grillrestaurant des Marriott Hotels. Zu dumm, dass Ian Gs Mikrofone hier nichts auffangen können.

Georg hat schon mit dem Reporter Kai Sickmann telefoniert, der ihn über den Mordfall ins Bild gesetzt hat. Das entscheidende Detail, über das sich die Ermittler nicht einig werden konnten, war der Todeszeitpunkt. Und dessen Bestimmung war von der Temperatur abhängig, der der Körper der Toten ausgesetzt war. Die Pathologen damals legten den Todeszeitpunkt auf dem 30. Oktober fest, aber wenn die Raumtemperatur doch 34,4 °C betrug, wie die Chiffre andeutet, dann kann die Nitribitt auch über 24 Stunden später gestorben sein. Und dann sind alle Alibis, die damals angegeben wurden, wieder hinfällig: die Alibis der Sachs-Brüder, besonders aber das von Harald von Bohlen und Halbach, der in Rosemarie verliebt war. Der Fall müsste neu aufgerollt werden. Mickler, selbst Pathologe, bestätigt Georgs Überlegungen.

Nitribitts Tonbandaufnahmen bedeuteten eine große Gefahr für solche Playboys und Wirtschaftskapitäne, doch wo sind die Bänder? Offenbar sind ein paar davon im Polizeimuseum der Stadt, doch sind das auch alle? Mickler bezweifelt es. Ehebruch und Seitensprung waren damals, 1957, strafbare Handlungen, ebenso wie Homosexualität verboten war. Und nun kam eine Frau daher, die schon mit zehn Jahren (1943) von einem Nachbarsjungen vergewaltigt worden war und mit 14 Jahren (ab 1947) eine Professionelle wurde. Die Vergewaltigung wurde in ihrem Eifeldorf stillgeschwiegen, und enttäuscht zog Rosemarie fort, nach einer Abtreibung. Sie erpresste ihre Freier, z. B. den Rennfahrer Huschke von Hanstein, mit ihren Bändern. Aber wer war ihr Mörder?

Am Nachmitttag besucht Georg das Frankfurter Polizeimuseum. Die Archivarin erweist sich als sehr kenntnisreich. 1958 gab es ein Buch über die Nitribitt und eine Verfilmung unter dem Titel „Das Mädchen Rosemarie“. Man versuchte sogar, die Aufführung des Films zu unterdrücken. 1967 gab es eine gefälschte Gedenkbriefmarke zu Ehren der Nitribitt, die von der Post sogar befördert wurde. Das Museum bewahrt den Schädel der Toten immer noch auf, und Georg findet es ganz schön makaber, dass ihr auch noch die Schädeldecke aufgesägt wurde. Standardprozedur, meint die Archivarin. Es müssen mindestens zwei Täter gewesen sein: einer, der Rosemarie festhielt und verprügelte, und einer, der die Bänder suchte.

Am Freitag steht Georg mit Kai Sickmann vor dem Haus in der Stiftstraße. Als der Reporter ihm sagt, dass nur wenige Häuser weiter Harald von Bohlen und Halbach, der milliardenschwere Erbe des Krupp-Konzerns, gewohnt und gearbeitet habe, ist Georg von den Socken. Was, wenn der Konzernerbe eine Hure hätte heiraten wollen und die Chefetage seines Unternehmens diesen Skandal um jeden Preis verhindern wollte?

_Mein Eindruck_

Mit dieser Folge betreten wir das schlüpfrige Terrain von Sex und Politik. Zum Glück präsentieren die Figuren die Prostituierte Rosemarie Nitribitt nicht als falsche Schlange, die es auf die Mächtigen der Welt abgesehen hat, sondern als Opfer – vergewaltigt mit zehn -, das sich seiner Haut nach besten Kräften erwehrt. Und der Angreifer scheint es wahrlich viele zu geben. Die wahren Mörder bleiben allerdings seinerzeit, 1957, im Dunkeln. Selbst Nitribitts Freund Pohlmann, der als einziger Verdächtiger angeklagt wurde, wurde mit einem Persilschein nach Hause geschickt.

Georg Brand macht es sich nun, angestachelt ausgerechnet von Ian G, zur Aufgabe, die wahren Mörder und Drahtzieher herauszufinden. Dabei stolpert er über so manches makabere Detail wie aufgesägte Schädel und merkwürdige Zusammenhänge zwischen Politikern und Hundezüchtern. Am einleuchtendsten ist hingegen die heiße Spur zum Klan der – nein, nicht der Sizilianer, sondern derer von Kohlen und Reibach, pardon: Bohlen und Halbach. Es scheint eine der faszinierendsten Familien der neueren Wirtschaftsgeschichte Deutschlands zu sein, sie interessiert mich sehr.

Dass die Heirat eines Sprösslings dieses Geldadelshauses mit einer dahergelaufenen Nutte jemals in den Bereich des Möglichen gerückt ist, scheint kaum zu glauben. Doch zwei Wochen vor Nitribitts Tod (plus/minus ein Tag) starb die Matriarchin des Klans, und Nitribitts Galan Harald von Bohlen und Halbach sah offenbar den Weg zu einer Traumhochzeit frei. Die Konzernführung wusste dies offenbar mit Hilfe ihrer eigenen Sicherheitstruppe zu verhindern. Wer weiß: Die Nutte hätte den ganzen Konzern und damit die Führungsriege der jungen Republik mit Hilfe ihrer Tonbänder erpressen werden. Königin Rosemarie – soweit kommt’s noch! (Kaiserin Sissi war hingegen völlig okay, denn die regierte ja nicht, sondern war bloß Schaufensterdekoration.)

Details wie die Temperatur, die auf einen anderen Todeszeitpunkt hindeutet, sowie das von einem Geheimdienstler geschossene Foto einer Nitribitt am offenen Fenster (wie pikant!), fand ich eher nebensächlich. Was nämlich der Geheimdienst mit den Bohlen und Halbachs zu tun hat, wird nicht gesagt. Und dass der Sicherheitsdienst von Krupp ausgerechnet einen abgehalfterten Gestapochef (Rudolf Diehls) zur Exekution der Halbweltdame vorschickte, wirkt völlig grotesk. Aber die Welt des Jan Gaspard ist ja angefüllt mit Absurditäten.

Unterm Strich bleibt also die These: Um die Tonbänder zurückzubekommen und die Verbindung mit einem der Ihren zu verhindern, wurde die Nitribitt erst gefoltert, dann ermordet. Aber wo sind dann jene Bänder abgeblieben, deren Stenogramm noch einsehbar ist? Hat die Polizei sie weggeschafft? Und wenn ja, auf wessen Anweisung hin? Es gäbe noch viel aufzuklären, aber nach rund 50 Jahren dürfte das schwieriger denn je sein.

_Die Inszenierung_

In dieser Folge wurde die Dramaturgie auf ein Minimum reduziert, um der Fülle an Informationen Platz zu machen. Das Ergebnis ist ein Minimum an Handlung und ein Maximum an Informationsflut. Ich war hinterher völlig erschlagen von den Fakten und Theorien, die der Autor durch sein Sprachrohr Georg Brand übereinander stapelt, bis der ganze Turm einzustürzen droht. Doch am Schluss wird alles nochmals ordentlich zusammengefasst, als wär’s ein Schüleraufsatz für den Deutschunterricht in der 13. Klasse.

|Die Sprecher|

Es ist schon unterhaltsam, wenn man in einem Serienhörspiel all jene Schauspieler sprechen hört, die man sonst mit bildschirmfüllenden Actionkrachern oder großartigen Romanzen in Verbindung bringt. Das hebt die Handlung doch gleich eine Stufe höher, verleiht ihr den Glanz von Hollywood.

Besonders David Nathan als T-Rex hat mir gefallen, denn man hört immer einen leichten ironischen Zungenschlag bei ihm heraus. Zum Glück behält Georg Brand seinen Sinn für Humor, auch wenn dieser ab und zu in Richtung Sarkasmus tendiert. In dieser Folge blitzt der Humor allzu selten durch, denn Georg tritt als Eiferer gegen die Heuchelei der „besseren Kreise“ auf. Es riecht nach Schwefel und Weihrauch.

Kai Sickmann darf mal wieder auftreten. Er ist eine Parodie auf den Chefredakteur der |BILD|-Zeitung namens Dieckmann. Detlef Bierstedt spricht ihn mit seiner George-Clooney-Stimme, hat aber nicht viel zu sagen. Ihm kommt zugute, dass Clooney selbst in den letzten Jahren viele regierungskritische Rollen gespielt hat, nicht zuletzt in „Syriana“. Von daher passen die Stimme und das Image Clooneys zu Sickmann.

Nathan Mickler, Georgs neuer Mentor, enthüllt eine weitere Eigenschaft. Nun ist er auch noch Pathologe, beschäftigte sich also mit dem Sezieren von Leichen, etwa um deren Todeszeitpunkt zu bestimmen. Entsprechend hilfreich sind seine Hinweise. Die gute Nolo alias Marie Bierstedt ist diesmal überhaupt nicht von der Partie, wozu auch? Sie hätten den Männern, die über eine Nutte reden, wahrscheinlich eh bloß die Leviten gelesen. Das wäre vorhersehbar und somit langweilig gewesen.

|Geräusche und Musik|

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend. Durch die Handhabung der Lautstärke können zum Beispiel Bauarbeiten in den Hintergrund gerückt werden, während im Vordergrund die Figuren noch miteinander reden. Bauarbeiten sind ja generell nicht so wahnsinnig interessant, wenn man sie nicht sehen kann. Sehr heikel sind jedoch Szenen in Straßenzügen oder in einem Lokal; die Geräuschkulisse ist einerseits detailliert zu halten, um glaubwürdig zu bleiben, muss aber so dezent gehalten werden, dass sie den Dialog nicht stört. Knifflig, aber lösbar. Und in „Offenbarung 23“ fast immer optimal gelöst.

Die wenige Musik, die erklingt, fungiert meist als Pausenfüller: Fetzige Gitarren, für die Markus Wienstroer verantwortlich zeichnet, bestimmen das In- und Outro. Während der Szenen plätschert im Hintergrund hin und wieder etwas lokale Muzak (kommerzielle Musik für Cafés und Kaufhäuser) oder elektronische Musik und Tablas so vor sich hin. Mir gefielen mehr die Gitarren.

_Unterm Strich_

Diese Folge präsentiert eine Frankfurter Prostituierte als Mätresse der Mächtigen und Glamourösen in der frühen Bundesrepublik. Die letzten Kriegsgefangenen wie etwa Harald von Bohlen und Halbach kamen gerade aus russischer Gefangenschaft zurück, und die Bundeswehr war ein Jahr zuvor gegründet worden. Die Altlasten der Nazizeit wurden unter den Teppich gekehrt. Fast jeder bekam seinen „Persilschein“ bei der Entnazifizierung, so auch die Krupps.

Da drohten die Tonbänder der Nitribitt die neuen Machtstrukturen ins Wanken zu bringen. Doch die Theorien, die Georg Brand als Sprachrohr des Autors vorbringt, wollen nur zum Teil überzeugen. Das liegt unter anderem daran, dass er einen „verdienten Spitzenmann des Demokratie“ nicht beim Namen nennt und auch nicht dessen zwei Brüder, die er ins Zwielicht rückt.

Ich fragte mich nach den Gründen. Es kommt eigentlich nur der Schutz der Nachkommen dieses später so verdient gewordenen Mannes in Frage, der dafür sorgte, dass der Ehebruch- und der Homosexuellenparagraph (§175 des Strafgesetzbuches) abgeschafft wurde. Hier kann man sich als Hörer nur dazu aufgefordert fühlen, selbst investigativ tätig zu werden.

Das Hörspiel ist von |Lübbe| und |LPL records| gewohnt sorgfältig produziert worden und ich habe an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der ungewohnt handlungsarmen Inszenierung etwas Filmglamour. Die Story wartet wie zumeist mit Verschwörungstheorien, Kurzinfos, Hacker-Eskapaden und allerlei zwielichtigen Aktionen auf.

Diesmal wird jedoch die ganze Zeit palavert. Das fand ich wenig unterhaltsam. Vielmehr vermute ich, dass ein Essay des Autors mehr schlecht als recht in ein Handlungsgerüst gezwängt wurde. Viele Details müssen dabei zwangsläufig unter den Tisch gefallen sein, und deshalb muten versprengte Details wie der aus der Versenkung geholte Gestapo-Chef wie albernes Kasperletheater an.

|67 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3568-8|
http://www.offenbarung-23.de
http://wikibeta-offenbarung-23.de
http://www.lpl.de
http://www.luebbe-audio.de

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