Gertsäcker, Friedrich – Flusspiraten des Mississippi, Die (Europa-Originale 45)

_Besetzung_

Sprecher – Lutz Mackensy
Edgeworth – F.J. Steffens
Tom Barnwell – Andreas von der Meden
Bill, der Steuermann – Peter Kirchberger
Patrick O’Toole – VolrBrandt
Narbengesicht – Werner Cartano
Blacko– Heinz Trixner
Smart, der Kneipenwirt – Richard Lauffen
Richter Daton – Helmo Kindermann
Mrs. Adele Dayton – Ursula Vogel
Georgine – Pamela Punti
Mestizenjunge Olyo – Gernot Endemann
Bolivar – Rolf Mamero

_Story_

Auf dem Mississippi sind in den letzten Monaten gleich mehrere Boote spurlos verschwunden. Weder genauere Anzeichen noch überhaupt eine Vorstellung vom Verbleib der Besatzung und der Ladung sind den Behörden bekannt, was die kritischen Beobachter immer skeptischer macht. Ist hier vielleicht doch etwas faul?

Der irische Einwanderer O’Toole traut dem Braten nicht länger und erforscht die Gegend nach Spuren und Indizien. Auch der Händler Edgeworth wird immer nervöser; niemand in Helena will ihm seine Waren abkaufen, bis plötzlich das überraschend gute Angebot des berüchtigten Black Foot eintrifft. Der alte Kaufmann lässt sich jedoch auf den Handel ein und vereinbart mit seinem Geschäftspartner einen Deal auf den Gewässern des Flusses. Erst hier wird ihm klar, dass der Mississippi von einer hinterhältigen Piratenbande bedroht wird, deren Anführer im wahren Leben alles andere als illegale Geschäfte vertritt. Doch gleichzeitig steuert sein Kutter mitten auf das Piratennest zu …

_Persönlicher Eindruck_

„Die Flusspiraten des Mississipp“ ist ein weiterer, kaum geschliffener Rohdiamant aus dem unerschöpflichen Fundus der |Europa|-Hörspiele, blieb jedoch nach seiner Erstveröffentlichung im Jahre 1977 beinahe drei volle Dekaden unter Verschluss. Einmal mehr graben nun die „Europa-Originale“ einen potenziellen Klassiker aus der verlagseigenen Schatzkiste und präsentieren in der fünften Staffel nun einen Titel, der trotz seiner immens kurzen Spieldauer zu den definitiven Highlights der Serie gehört.

Die Geschichte, die im Original aus der Feder Friedrich Gerstäckers stammt, wurde bereits im mittleren 19. Jahrhundert, genauer im Jahre 1848 veröffentlicht und gilt als das prägende Werk des einstigen norddeutschen Bestseller-Autoren. Es ist eine Erzählung, die in erster Linie das Flair der Südstaaten in einer brisanten politischen Zeit widerspiegelt, darüber hinaus jedoch auch mit der Einbeziehung überzeugend inszenierter fiktiver Inhalte für reichlich Spannung sorgt. Die Geschichte um die Flusspiraten und ihren zwielichtigen Obermotz auf der einen und die rechtschaffenen Bürger der Stadt Helena auf der anderen Seite wird zudem enorm temporeich erzählt, wirkt aber inmitten des kompakten äußeren Rahmens zu keiner Zeit oberflächlich. Die Charaktere werden intensiv vorgestellt, die Beziehungsgeflechte schnell, aber ausführlich aufgearbeitet und die Situation ziemlich direkt und stringent offengelegt.

So entwickelt sich bereits nach wenigen Minuten ein rasantes Hin und Her, begonnen mit einer aufreibenden Szene in der Kneipe des sympathischen Wirten Smart über den Geschäftsabschluss zwischen Black Foot und Edgeworth bis hin zum Showdown auf dem Schiff und im Piratennest, welcher auch in der reinen Audio-Fassung spektakulär und spannungsgeladen aufgebaut ist. Und auch an schnellen Wendungen und Überraschungen mangelt es dem Plot nicht, gerade in den Schlusssequenzen, die mit einigen erstaunlichen Selbsterkenntnissen mehrerer Handelnder ausgestattet sind. Hinsichtlich des Plots und dessen Status als ungekröntes Meisterwerk ist „Die Flusspiraten des Mississippi“ demnach auch ganz klar ein echtes Kultstück.

Die Aufarbeitung unter der Regie von Heikedine Körting steht dem allerdings auch in nichts nach; bestens aufgelegte Sprecher, darunter auch wieder einige vermeintlich Unbekannte, sowie eine lebhafte, berauschende Inszenierung beschließen das überaus positive Resümee und machen „Die Flusspiraten des Mississippi“ zu einem Pflichtwerk für jede ansprechend sortierte Hörspiel-Sammlung. Unter den zeitlich knapper bemessenen Werken der „Europa-Originale“ hat dieses Stück jedenfalls bis dato die Nase vorn!

http://www.natuerlichvoneuropa.de

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