Gruppe, Marc – Sherlock Holmes – Der Engel von Hampstead (Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs 4) (Hörspiel)

_|Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs|:_

Folge 1: [„Im Schatten des Rippers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7494
Folge 2: [„Spuk im Pfarrhaus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7519
Folge 3: [„Das entwendete Fallbeil“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7519
Folge 4: [„Der Engel von Hampstead“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8036
Folge 5: [„Die Affenfrau“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8035

_Serienmord per Mäusebutter_

London im Jahr 1889. Eine offenbar nicht abreißende Reihe ungeklärter Todesfälle erschüttert den beschaulichen Londoner Nobel-Stadtteil Hampstead. Auf Bitten seiner treuen Haushälterin Mrs. Hudson nimmt sich der Meisterdetektiv des Falles an und findet Erstaunliches heraus … (Verlagsinfo)

Diese Fälle dieser neuen Holmes-Reihe wurden nicht von Sir Arthur Conan Doyle geschrieben, sondern alle von Marc Gruppe. Sie basieren natürlich auf den originalen Figuren, die mittlerweile Allgemeingut geworden sind.

_Der Autor_

Marc Gruppe ist der Autor, Produzent und Regisseur der erfolgreichen Hörspielreihe GRUSELKABINETT, die von Titania Medien produziert und von Lübbe Audio vertrieben wird. Genau wird dort erscheinen auch „Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs“ meist im Doppelpack.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher|

Sherlock Holmes: Joachim Tennstedt (dt. Stimme von John Malkovich)
Dr. John H. Watson: Detlef Bierstedt (dt. Stimme von George Clooney u. a.)
Mrs. Hudson: Regina Lemnitz (dt. Stimme von Kathy Bates)
Sibyl Price: Anja Kruse
Colin Foster: Marcel Collé
Pfarrer: Uli Krohm
Margery Mapleton: Philine Peters-Arnolds

Regie führten die Produzenten Marc Gruppe und Stephan Bosenius. Die Aufnahmen fanden in den Planet Earth Studios statt. Alle Illustrationen – im Booklet, auf der CD – trug Firuz Askin bei.

_Handlung_

Obwohl es der Wonnemonat Mai im Jahre des Herrn 1889 ist und die Vögelein aus voller Brust ihre Lieder schmettern, herrscht an einem bestimmten Ort Londons nahezu Stille: auf dem Friedhof von Hampstead. Viele Leute haben sich an einem frischen Grab versammelt, um einem Erdenbürger das letzte Geleit zu geben. Mrs Martha Hudson und ihre Schwester Marjorie Mapleton tuscheln um die Wette ob des traurigen Skandals: Mutter und Tochter hat der Tod binnen zwei Tagen dahingerafft – welch grausamer Zufall.

|Der Engel|

Ihre Freundin Sibyl Price kommt zu ihnen, in Trauer, denn sie war es, die die beiden Verblichenen zuletzt pflegte. Es ist offensichtlich, warum man sie den „Engel von Hampstead“ nennt, finden die beiden Hudsons und trösten sie. Die ältere der Verstorbenen war lange Jahre ihre Dienerin und Freundin gewesen.

Die Hudsons wundern sich, woher all die Toten in Sibyls Umgebung kommen, denn die beiden Frauen sind keineswegs die einzigen Todesfälle, die man in Hampstead in letzter Zeit zu beklagen hatte. Marjorie Mapleton findet, dass sich Marthas Mieter Sherlock Holmes das mal ansehen sollte. Immerhin soll er ja ein guter Detektiv sein, oder? Und weil die Hudsons so um Sibyls Leben fürchten, willigt diese gerührt ein.

|Der Auftrag|

Es war ein köstliches Abendessen, findet Dr. Watson. Zu köstlich, meint Holmes hintersinnig. Er fordert seine Vermieterin auf: „Raus mit der Sprache, was steckt dahinter!“ Mrs Hudson rückt nur widerwillig mit dem Grund für das opulente Abendessen heraus, das sie den beiden Herren kredenzt hat: Sie bittet um einen Gefallen für ihre Freundin Sibyl Price. Sie holt sie, und eine zierliche Dame Anfang 40 mit blauen Augen erscheint. „Hören Sie auf, sie so anzustarren, Watson!“, braust Holmes auf.

Sibyl Price erzählt von den 14 Todesfällen, die sich in den letzten 13 Jahren in ihrer Hampsteader Umgebung ereignet haben. Es begann 1875, als ihr Bruder Jonathan Hancock starb, und sie daraufhin mit John Crowley, dem Vater ihrer drei Kinder, verheiratet wurde. Doch auch er starb wie Jonathan unter großen Leibschmerzen, die ihn zum Schreien brachten. Elf weitere Todesfälle folgten, viele davon in ihrer Familie. Inzwischen steht Sybil price in einem Dienstverhältnis zu einem Fuhrunternehmer namens Foster, dessen Frau im letzten Dezember verstarb. Miss Price bittet Holmes, sich der mysteriösen Todesserie anzunehmen. Wie könnten sie angesichts eines so köstlichen Abendessens nein sagen?

|“The game is afoot!“|

Nach dem ersten Tag getrennter Ermittlungen tauschen Holmes und Watson ihre Ergebnisse aus. Ein Dr. Shelby war der Hausarzt von Miss Price und ihren unglückseligen Eltern. Er diagnostizierte kein Arsen in den Leichen. Arsen ist nämlich durch einen Test auch nach dem Eintritt des Todes nachweisbar. Dadurch wird die Todesrursache, die stets die gleichen Symptome aufwies, zu einem Rätsel.

Aber die Untersuchung der biografischen und sozialen Umstände erweist sich als wesentlich ergiebiger. Und Holmes‘ finsterer Verdacht wird zunehmend erhärtet. Doch lange Zeit hat er keinerlei Beweis. Eine Ortsbegehung im Haus von Sibyl Price bringt die Wende …

_Mein Eindruck_

Der gewiefte Krimikenner dürfte sich von der geleckten, rührseligen Fassade, die Sibyl price der Welt präsentiert, keine Sekunde lang täuschen lassen, ebenso wenig wie Sherlock Holmes selbst. Deshalb besteht das Rätsel, das die Spannung liefert, weniger in der Frage nach dem WER, als vielmehr in den Fragen nach dem WIE und WARUM.

Die Mäusebutter, von der im weiteren Verlauf die Rede ist, stellt keinen Witz, sondern tödlichen Ernst dar: Diese Butter aus der Apotheke ist mit Arsen versetzt und soll eigentlich, wie der Name schon sagt, Mäuse töten. Selbstredend findet sich in Sibyl Prices Keller kein einziges Exemplar dieser unerwünschten Spezies, ebenso wenig Rattus norvegicus.

Die Gründe für Sibyl Prices Taten bzw. Untaten sind aufschlussreicher. Sie liegen in erster Linie in sozioökonomischen Zusammenhängen, die für die spätviktorianische Zeit typisch sind. Eine Aufzählugn würde zu weit führen. Andererseits gibt es auch ein interessantes psychologisches Motiv: Sibyl hat inzwischen Vergnügen daran gefunden, unschuldige Leute umzubringen. Sie hat 13 Jahre gebraucht, um zur lustvollen Serienmörderin zu werden. Jeffrey Dahmer und Ed Gein hätten sich quasi noch eine Scheibe von ihr abschneiden können.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Die Hauptfigur ist natürlich der Titelgeber himself. Joachim Tennstedt verleiht Sherlock Holmes eine flexible Janusköpfigkeit. Die erste Seite bekommen wir zu sehen, wenn Holmes recht abweisend zu Mrs. Hudson, der treuen Seele des Haushalts, ist. Das hält sie aber nicht davon ab, die Vorhänge aufzureißen und frische Luft in die Detektivsgruft zu lassen.

Die andere Seite Holmes‘ ist die des energischen Ermittlers, der sich auch verkleidet. Die Dritte ist die des freundlichen Verführers und Gentlemans – sie bekommen wir erst in späteren Folgen zu Gesicht, insbesondere im Tussaud-Fall. Wie bei John Malkovich können wir uns auf einen Facettenreichtum an Darstellungsformen freuen.

|Dr. Watson |

Die Figur des Dr. Watson ist in vielen Verfilmungen missrepräsentiert worden. Neben Basil Rathbone und Peter Cushing musste er den vetrottelten Stichwortgeber mimen. Er war der selbstgefällige Körper neben dem rastlosen, aber kranken Geist des Detektivs. Nicht so in dieser neuen Serie.

Detlef Bierstedts Stimme ist uns von George Clooney vertraut, daher kann er mit einer gewissen geliehenen Autorität auftreten, ganz besonders in allen medizinischen Belangen. Dennoch kommt er häufig über die Rolle des Stichwortgebers nicht hinaus. Holmes hat stets die Initiative. In Folge 3 wird Watson sogar als Aktenträger missbraucht. Doch auch er verfügt über einen Revolver und die Kenntnisse, diesen zu gebrauchen, besonders aus seiner Militärzeit in Afghanistan, wo er verwundet wurde.

|Mrs. Hudson|

Regina Lemnitz als Mrs. Hudson zeigt sich stets hilfreich, mal energisch, mal als fühlende Seele, etwa bei ihrem Besuch im Wachsfigurenkabinett, bei dem sie unverhofft von Sherlock Holmes überrascht wird – dieses „Experiment“ ist sehr erfolgreich. Außerdem ist sie das moralische Zentrum jeder Folge. Alles, was Holmes & Watson tun, müssen sie nicht nur gegenüber Inspektor Abberline rechtfertigen, sondern vor allem vor ihrer Haushälterin. Sie würde sie sonst hochkant hinauswerfen.

|Sibyl Price|

Ihre angenehme, distinguierte Fassade dient lediglich der Täuschung der Opfer. Doch Sherlock Holmes fällt von Anfang an nicht auf diese Manipulation, wie er es nennt, herein. Anja Kruse spricht die Price genau richtig rührselig, denn nicht zuletzt soll ja auch der Zuhörer getäuscht werden. Erst beim Ortstermin im Keller offenbart die Price ihr wahres Gesicht – für einen Augenblick.

|Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut. Statt der aus dem GRUSELKABINETT vertrauten Andeutungen setzt diese Reihe mitunter auf drastischere Effekte. Allerdings bildet diese Folge eine Ausnahme, denn hier stirbt absolut niemand.

Natürlich gibt es eine Fülle anderer Geräusche, so etwa immer wieder das typisch englische Teetrinken inklusive Tassenklirren und Teegluckern. Leider fehlen diesmal aufrüttelnde Geräusche wie Schüsse, Explosionen oder herabsausende Fallbeile.

|Musik|

Die Musik entspricht der eines Scores für einen klassischen Spielfilm, also nicht zwangsläufig für einen Horrorstreifen. Klassische Instrumente wie Violine, Cello und Kontrabass werden manchmal von elektronisch erzeugten Effekten ergänzt. Schnelle Musik deutet Dynamik und Dringlichkeit an, langsame Musik entspannt und immer wieder endet eine Szene in einem dramatischen Crescendo. Die Haupthandlung beginnt mit idyllisch-heiteren Klängen, endet dann jedoch umso dramatischer.

Musik, Geräusche und Stimmen wurden so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

Im Booklet sind die Titel des GRUSELKABINETTS verzeichnet sowie Werbung für den verstorbenen Künstler Firuz Askin zu finden. Die letzte Seite zählt sämtliche Mitwirkenden auf. Ein zweites Booklet listet sämtliche Titel von Titania Medien auf, und zwar auch alle Neuerscheinungen bis Herbst 2012.

|Hinweise auf die nächsten Hörspiele:|

Nr. 64: Francis Marion Crawford: Der schreiende Schädel (Mai)
Nr. 65: Mary Elizabeth Braddon: Gesellschafterin gesucht (Mai)
Nr. 66 + 67: Lovecraft: Der Schatten über Innsmouth Teil 1+2 (9/12)
Nr. 68: W. Irving: Die Legende von Sleepy Hollow (10/12)
Nr. 69: W.H. Hodgson: Stimme in der Nacht (10/12)
Nr. 70: Robert E. Howard: Schwarze Krallen (11/12)
Nr. 71: M.R. James: Der Eschenbaum (11/12)

_Unterm Strich_

Nachdem die Episode über das entwendete Fallbeil (Nr. 3 der Serie) mit Gusto makabres Entsetzen zu verbreiten wusste, hatte ich mich schon auf die neueste Episode gefreut. Ich wurde nur wenig enttäuscht. Es ist der Spannung allerdings nicht sonderlich zuträglich, wenn man als Krimikenner schon nach einer halben Stunde den Täter kennt. Interessanter wird die Sache nur durch die Suche nach dessen Methode und dem Motiv.

Insbesondere der fehlende Beweis zwingt Holmes zu drastischen Maßnahmen. Dass mittlerweile auch Marjorie Mapleton verdächtige Vergiftungssymptome aufweist, setzt Holmes und Watson unter Zeitdruck: Können sie die nächsten Untaten verhindern? Man sieht also, dass es durchaus zu einem spannenden Finale reicht.

|Audio CD mit 74 Min. Spieldauer
ISBN 978-3-7857-4527-4|
http://www.titania-medien.de

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