Hamilton, Laurell K. – Göttin der Dunkelheit (Anita Blake 9)

_Reihenfolge der Anita-Blake-Romane:_

01 [„Bittersüße Tode“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1009
02 [„Blutroter Mond“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1027
03 [„Zirkus der Verdammten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2165
04 [„Gierige Schatten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4258
05 [„Bleiche Stille]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4348
06 [„Tanz der Toten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3679
07 [„Dunkle Glut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5990
08 [„Ruf des Blutes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6006
09 [„Göttin der Dunkelheit“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7021
10 _“Herrscher der Finsternis“_
11 „Jägerin des Zwielichts“
12 „Cerulean Sins“ (noch ohne dt. Titel)
13 „Incubus Dreams“ (noch ohne dt. Titel)
14 „Micah“ (noch ohne dt. Titel)
15 „Danse Macabre“ (noch ohne dt. Titel)
16 „The Harlequin“ (noch ohne dt. Titel)
17 „Blood Noir“ (noch ohne dt. Titel)
18 „Skin Trade“ (noch ohne dt. Titel)
19 „Flirt“ (noch ohne dt. Titel)
20 „Bullet“ (noch ohne dt. Titel)
21 „Hit List“ (Juni 2011, noch ohne dt. Titel)

Anita Blake hat genug von den zwei Männern in ihrem Leben. Zwischen ihr, Richard und Jean-Claude herrscht Funkstille. Die Verbindung zwischen den Dreien, die Grundlage ihres Triumvirats, scheint gekappt und Anita kann sich auf die wichtigen Dinge im Leben konzentrieren. Das heißt bei ihr in der Regel: Monster umbringen. Wie praktisch also, dass sie einen gewissenlosen Auftragsmörder kennt, der einen Gefallen von ihr einfordert. Seltsam nur, dass sich bald herauszustellen scheint, dass Edward gar nicht so kaltblütig ist, wie Anita immer dachte.

Edward zitiert sie nach Santa Fe, wo seine einzige legale Identität – ein Prämienjäger namens Ted Forrester – ansässig ist. Dort sind Menschen verschwunden, grausam verletzt und getötet worden und die Polizei hat nicht die Spur einer Ahnung, wer der Mörder sein könnte. Edward vermutet etwas Übernatürliches und da ist es nur logisch, Anitas Expertise zu Rate zu ziehen. Diese ist einerseits skeptisch, in was Edward sie da hineinzieht. Andererseits sieht sie die Zusammenarbeit als Chance, endlich mehr über den geheimnisvollen Edward zu erfahren, der aus seinem Privatleben immer ein Mysterium gemacht hat. So er denn überhaupt ein Privatleben hat – Anita ist sich da noch nicht ganz sicher.

Doch schon bei ihrer Ankunft erwartet sie die erste Überraschung. Edward – bzw. Ted – ist mit Donna liiert, einer esoterisch angehauchten Geschäftsfrau, deren Verhalten so sehr „schutzbedürftiges Weibchen“ schreit, dass Anita gar nicht verstehen kann, wie Edward ihre Gegenwart überhaupt erträgt. Dazu kommt noch, dass sie zwei Kinder hat und mit Edward-Ted verlobt ist. Anita kann es nicht fassen! Sie versucht, Edward die ganze Geschichte auszureden, und dieser behauptet auch, Donna nicht zu lieben. Verlassen will er sie aber nicht – der Kinder wegen. Immer wieder versucht Anita, auf Edward einzuwirken und ihn dazu zu bringen, die Lügerei endlich zu beenden und Donna zu verlassen. Doch Edward bleibt standhaft. Und ihr eigenes verkorkstes Liebesleben kann Anita nicht wirklich als glorreiches Beispiel anfügen. Eigentlich hat sie also keine Grundlage, um Edward ins Gewissen zu reden.

Und dann ist da natürlich noch der Fall: Irgendetwas (oder irgendwer) hat mehrere Familien angegriffen. Manche Personen wurden zerrissen, andere wurden bei lebendigem Leibe gehäutet – diese haben wie durch ein Wunder überlebt und liegen nun auf der Intensivstation. Die Häutungen sind scheinbar ohne Einwirkung eines scharfen Gegenstandes (z. B. eines Messers) geschehen und so liegt die Vermutung nahe, dass kein Mensch das getan haben kann. Die Polizei hört das jedoch gar nicht gern, und auch wenn sie Ted Forrester schätzen und ihre Erkenntnisse erstaunlich offen mit ihm teilen, wird die Leichenbeschwörerin Anita Blake recht schnell zur Persona non grata erklärt und aus den Ermittlungen ausgeschlossen. Aber das heißt ja nicht, dass sich Anita von bigotten Polizeibeamten beeindrucken ließe. Und als bei einem neuen Tatort endlich das FBI eingeschaltet wird, ist sie auch ganz schnell wieder mit von der Partie.

_Und dann? Ja, nichts dann._ Mitten in der Tatortbegehung – zwischen zerrissenen Leichenteilen und gehäuteten Überlebenden, die versucht haben, die hinzugerufenen Polizisten zu beißen, endet das Buch überaus plötzlich. Denn Bastei Lübbe hat sich entschieden, den Originalband „Obsidian Butterfly“ in der deutschen Ausgabe in zwei Bücher aufzuteilen: Nämlich den hier vorliegenden Band „Göttin der Dunkelheit“ und den Folgeband „Herrscher der Finsternis“. Schon diese Tatsache dürfte bei vielen Lesern Stirnrunzeln hervorrufen, ist die Vermutung doch naheliegend, dass Lübbe mit diesem Schritt vor allem mehr Geld einfahren will. Dass diese Entscheidung vom Verlag allerdings überhaupt nicht kommuniziert wird, wird die Leserschaft dann vollends verärgern.

Wenn man nämlich nicht zufällig die bibliographischen Angaben zu Verlag und Übersetzung im Innenteil des Buches studiert (und mal ehrlich: Wer macht das schon?) und bei der verwirrenden Formulierung „Titel der amerikanischen Originalausgabe: ‚Obisidian Butterfly‘ (Teil 1)“ stutzig wird, der erkennt tatsächlich erst, nachdem er den letzten Satz gelesen hat, dass er ein halbes Buch gekauft hat. Es gibt ansonsten nämlich nirgends einen Hinweis auf diese ärgerliche Verlagspolitik. Fans der Serie werden sich hauptsächlich ausgenommen und vom Verlag hintergangen fühlen. Nichtsahnende Käufer im Bahnhofsbuchhandel (schließlich ist solide Unterhaltung wie Anita Blake für diese Verkaufsart geradezu prädestiniert) werden das Buch lesen und es für schlecht halten. Denn für sich genommen, so als halber Krüppel, ist es natürlich eine Katastrophe: Handlungsstränge werden nicht zu Ende geführt, die Geschichte zwischen Donna und Edward hängt in der Luft und ein Mörder wird auch nicht gefunden. Es gibt bisher ja noch nicht mal ein verdächtiges Monster! So gesehen hat man die 9,99 € für „Göttin der Dunkelheit“ umsonst ausgegeben, außer, man lässt sich in Sippenhaft nehmen und kauft auch noch den Nachfolger „Herrscher der Finsternis“. Dann hat man für eine Geschichte, die eigentlich ein Taschenbuch sein soll, 20 € ausgegeben, während das amerikanische Original für gerade mal für 5,99 € zu haben ist. Lübbe sollte sich gut überlegen, ob in einer Zeit, in der immer mehr Leser des Englischen mächtig sind und vermehrt zu Originalausgaben greifen, solch eine Verlagspolitik wirklich zukunftsfähig ist.

Wer auf die deutschen Übersetzungen angewiesen ist, sollte sich also auf jeden Fall beide Bände zusammen bestellen. Ansonsten ist Lesefrust vorprogrammiert. Allen anderen sei geraten, auf die amerikanische Originalausgabe zum Schnäppchenpreis zurückzugreifen. Denn wenn möglich, sollte man Verlage nicht auch noch ermuntern, diese neue Masche der plötzlichen Buchteilung auszuweiten. Als Leser hat man ein Recht auf eine vollständige Geschichte – oder zumindest das Recht, über solcherart Verlagsentscheidungen an prominenter Stelle auf dem Buchdeckel hingewiesen zu werden. Zum Beispiel: „Nur hier und heute: Ein halbes Buch zum Preis von einem ganzen!“, oder auch ganz einfach: „Achtung: Bei diesem Buch fehlt das Ende.“

_Und so lässt sich_ zu „Göttin der Dunkelheit“ kaum etwas sagen, da beim Lesen der Eindruck entsteht, 400 Seiten Exposition vor sich zu haben – Probleme werden aufgeworfen und Figuren vorgestellt. Nur leider für das alles eben nirgendwohin.

|Taschenbuch: 400 Seiten
Originaltitel: Obsidian Butterfly
ISBN-13: 978-3404164103|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de

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