Hamilton, Laurell K. – Jägerin des Zwielichts (Anita Blake 11)

_|Anita Blake|:_

01 [„Bittersüße Tode“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1009
02 [„Blutroter Mond“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1027
03 [„Zirkus der Verdammten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2165
04 [„Gierige Schatten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4258
05 [„Bleiche Stille]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4348
06 [„Tanz der Toten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3679
07 [„Dunkle Glut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5990
08 [„Ruf des Blutes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6006
09 [„Göttin der Dunkelheit“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7021
10 [„Herrscher der Finsternis“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7022
11 _“Jägerin des Zwielichts“_
12 „Nacht der Schatten“
13 „Incubus Dreams“ (noch ohne dt. Titel)
14 „Micah“ (noch ohne dt. Titel)
15 „Danse Macabre“ (noch ohne dt. Titel)
16 „The Harlequin“ (noch ohne dt. Titel)
17 „Blood Noir“ (noch ohne dt. Titel)
18 „Skin Trade“ (noch ohne dt. Titel)
19 „Flirt“ (noch ohne dt. Titel)
20 „Bullet“ (noch ohne dt. Titel)
21 „Hit List“
22 „Kiss the Dead“ (5. Juni 2012, noch ohne dt. Titel)

Es war einmal eine Autorin namens Laurell K. Hamilton, die dachte sich ein toughe Heldin in einer Welt voller böser Monster aus. Diese Heldin hieß Anita Blake und ihre Arbeit als Totenbeschwörer und Vampirhenker brachte sie mit allerlei finstren Gestalten zusammen. Doch mochten die Bösewichte auch noch so mächtig sein: Anita Blake hatte immer einen flotten Spruch auf den Lippen und eine geladene Knarre in der Hand. Und auch wenn sie viel einstecken musste, blieb sie am Ende trotzdem immer siegreich.

Bei der Lektüre von „Jägerin des Zwielichts“ muss man sich allerdings fragen, wo Hamilton ihre Anita Blake versteckt hat. Denn was dieser Roman als Plot und Charakterentwicklung präsentiert, hat absolut nichts mehr mit dem zu tun, was die „Anita Blake“-Reihe in ihren Anfängen so beliebt gemacht hat. Alles beginnt damit, dass Anita einen Anruf bekommt, in dem man ihr mitteilt, dass einer ihrer Leoparden in einem S/M Club gefangen gehalten wird. Natürlich macht sich Anita sofort auf, um dem ein Ende zu bereiten, doch bei dem sich entspinnenden Kampf wird sie schwer verwundet – und vermutlich mit Lykantropie infiziert. Bis zum nächsten Vollmond weiß das aber keiner so genau.

Richard, der außer sich ist vor Wut, hält den verantwortlichen Leoparden gefangen und droht ihn zu töten. Das kann Anita, die weiß, dass die Verwundung eine Verkettung unglücklicher Umstände – also ein Unfall – war, natürlich nicht so stehen lassen und rüstet sich, um auf Richards Lupanar ihren Leoparden zurückzugewinnen. Ihr zur Seite stehen nicht nur ihre eigenen Leoparden, sondern auch die mit ihr verbündeten Werratten und die Schwäne (von denen hatte sie eher zufällig bei dem S/M Club-Disaster auch ein paar gerettet). Doch bevor es zum Lupanar geht, ist der Roman auch schon zu Ende – denn ja, dieser dünne Handlungsfaden ist alles, was Laurell K. Hamilton in „Jägerin des Zwielichts“ ihren Lesern auftischt.

Dazwischen gibt es ganz viel Sex, Fast-Sex, Magie-Sex und sonstiges nacktes Rumrollen in Satinlaken, denn Anita, Richard und Jean-Claude haben sich endlich zu einem wirklichen Triumvirat vereinigt. Dabei hat Anita leider Jean-Claudes Inkubus abbekommen: Das heißt, sie kann beim Sex Energie tanken. Nun ist das aber keine wirklich freiwillige Geschichte – etwas, das man macht oder auch nicht. Nein, Anita wird von der Ardeur geplagt – einem wirklich unglaublichen Sextrieb, der stets und ständig über sie hereinbrechen kann. Es stellt sich also als unabdingbar heraus, dass sie immer einen willigen Mann in Reichweite hat, über den sie bei Bedarf herfallen kann. Und so pendelt die Handlung von einem Schlafzimmer zum nächsten, von einem Bett zum nächsten – und auch von einem Mann zum nächsten. Hamiltons mittlerweile ziemlich unübersichtliche Ansammlung von Charakteren ist in „Jägerin des Zwielichts“ fast ausschließlich dazu da, sich mit Anita in den Laken zu wälzen oder zumindest nackt und aufreizend durchs Bild zu stolzieren. Und da es im Universum von Anita Blake offensichtlich noch nicht genügend langhaarige, gut ausgestattete und überirdisch schöne Männer gibt, erfindet Hamilton in der Figur des Micah einfach noch einen dazu. Dieser Micah ist Nimir-Raj eines Leopardenrudels und dadurch mit Anita sozusagen schicksalhaft vereint, was dazu führt, dass sie bei ihrer ersten Begegnung hemmungslosen Sex haben, obwohl sie sich weder kennen noch besonders leiden können. Anstatt sich also auf Anitas Beziehungen zu Richard und Jean-Claude zu konzentrieren – die allein schon genügend Konfliktpotenzial mit sich bringen – eröffnet Hamilton lieber eine neue Front.

Damit muss sie scheitern. Denn mittlerweile ist Anita leider nichts weiter als eine peinliche Karikatur ihrer selbst. Sie, die die „Monster“ immer verabscheut hat, ist nun das größte von allen. Nicht nur, dass sie alle ihre Moralvorstellungen über Bord geworfen hat (bis auf diese seltsame amerikanische Prüderie, die sich trotz der ganzen Männergeschichten hartnäckig hält). Nein, sie hat sich auch von jedem Monster, das ihr je über den Weg gelaufen ist, auf die ein oder andere Weise infizieren lassen: Sie ist Totenbeschwörerin und Vampirhenker, sie ist Jean-Claudes menschlicher Diener und Richards Lupa. Sie hat gleichzeitig ihr eigenes Leopardenrudel und einen ihr hörigen Vampir. Sie ist Teil eines Triumvirats, entwickelt sich zum Lykantropen und hat sich einen Inkubus eingefangen. Kein Wunder, dass der schleichende Wahnsinn an ihr nagt. Dieser Problemwust wird von Hamilton allerdings immer nur weiter aufgehäuft, ohne dass je irgendetwas gelöst würde. Und so fühlt sich nicht nur Anita heillos überfordert. Denn letztendlich passiert in „Jägerin des Zwielichts“ fast nichts: Die Zeit innerhalb des Romans vergeht so langsam, dass die Handlung praktisch zum Stillstand kommt. Stattdessen gibt es Sex oder Diskussionen über Sex: Warum man ihn jetzt haben sollte und mit wem. Anitas Ardeur wird dem Leser groß und breit dargelegt – und zwar wiederholt. Auf den vierhundert Seiten des Romans werden bis zum Erbrechen immer dieselben Probleme und Fragen gewälzt, ohne dass das je irgendwohin führen würde. Das ist ungemein ermüdend und erstickt jegliche Handlung im Keim.

Ein großer Teil des anfänglichen Charmes der Reihe erwuchs aus dem Gegensatz unserer bekannten Realität und der Welt der Monster. Mittlerweile haben sich Hamilton und ihre Protagonistin von der Realität komplett verabschiedet. Der Beginn von „Jägerin des Zwielichst“ ist dafür programmatisch: Anita war mit ihrer besten Freundin Ronnie essen und muss sich nun von dieser ins Gewissen reden lassen, was sie nur aus ihrem Leben gemacht hat. Anita blockt ab: „Ronnie gehörte nicht zu diesem Teil meines Lebens,“ sagt Anita und meint damit den von Monstern bevölkerten Teil. Was sie jedoch nicht realisiert ist, dass es keinen anderen Teil mehr gibt. So wie sie Ronnie am Beginn des Romans abserviert, genauso wird auch die uns bekannte Realität ausradiert. Außer den Monstern und ihren Problemen gibt es nichts mehr in Anitas Leben. Damit agieren Hamiltons Figuren in einer Art Luftblase, die sich nur noch auf sich selbst bezieht. Und das macht einfach keinen Spaß.

|Taschenbuch: 398 Seiten
Originaltitel: Narcissus in Chains (Teil 1)
ISBN-13: 978-3-404-16054-9|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de

Schreibe einen Kommentar