Handeland, Lori – Asche (Die Phoenix-Chroniken 1)

_Inhalt_

Elizabeth Phoenix weiß schon als junges Waisenkind, dass sie anders ist als andere: Sie braucht einen Gegenstand nur zu berühren, und schon sieht sie vor ihrem inneren Auge Dinge, die den Besitzer betreffen. Sie stellt ihre Fähigkeiten der Polizei zur Verfügung, scheidet jedoch aus dem Dienst wieder aus, als sie den Tod ihres Partners nicht hat kommen sehen.

Eher schlecht als recht schlägt sie sich als Kellnerin durch, stets darauf bedacht, nicht aufzufallen. Sie hält sich für einen Freak, ein Monster. Dann kommt jedoch der Tag, an dem ein dringliches Gefühl sie zu Ruthie, ihrer Pflegemutter, treibt. Sie findet die alte Frau schrecklich zugerichtet in ihrem Haus vor. Sterbend murmelt Ruthie, dass jetzt die letzte Schlacht begänne – und dann ist nichts mehr wie zuvor.

Viel zu schnell und zu harsch erfährt Elizabeth, dass ihre ewig unterdrückte Gabe ein Segen ist und kein Fluch: Sie soll die Kräfte des Lichts in die letzte Schlacht führen, als neue Seherin und als Anführerin. Leider ist sie überhaupt nicht vorbereitet. Und auf dem Weg zur möglichst eiligen Erweckung aller noch schlummernder Talente begleiten sie Gestalten, mit denen sie nie wieder zu tun haben wollte: Jimmy, die Liebe ihres Lebens, außerdem dreckiger Verräter und Fremdgänger, und Sawyer, ein Navajo-Mystiker, bei dem sie einige Sommer verbrachte und der sie immer mit Angst erfüllt hatte. Sie erfährt über die beiden Männer Dinge, die sie nie hatte wissen wollen und die für sie die Frage aufwerfen, wem sie – verdammt noch mal! – denn überhaupt noch vertrauen kann.

Es ist eine wilde, unbekannte, blutrünstige Welt, in die Elizabeth geworfen wird, und sie ist so gut wie gar nicht gewappnet. Das Böse allerdings wartet nicht höflich, bis der Gegenspieler ausgelernt und die Rüstung angelegt hat: Es springt sie aus dem Dunkeln an, und Elizabeth muss wohl oder übel zeigen, was in ihr steckt.

_Kritik_

„Ich wollte seinen Tot“, „Am liebsten hätte ich sie ihr einen nach dem anderen herausgerissen. Die Nägel nicht die Finger“ – Das sind nur zwei der unzähligen Stilblüten, die vor meinen ungläubigen Augen aus dem Roman in die Höhe wuchsen. Okay, das sind Übersetzungsfehler, aber man glaube mir: Der Rest tut auch weh. Lori Handeland ist ein Phänomen: Ganz offensichtlich benutzt sie Sprache ausschließlich als Gerüst für Dinge, die sie sagen möchte. Sie schreibt, wie andere Leute sprechen. Und damit meine ich nicht, dass sie das kunstvoll tut, so wie etwa Alice Walker in „Die Farbe Lila“, damit meine ich, dass sie offenbar keine Zeit verloren hat: Sie hat zu Papier gebracht, was sie erzählen wollte, so hart und rau und krumpelig, wie es eben kam, und das war’s dann. Wenn da an irgendeiner Stelle nachgebessert wurde, dann will ich nicht wissen, wie das Ganze vorher ausgesehen hat. Der Roman hat keinen Hauch von Seele, keine Atmosphäre, kein Leben, und meiner Sprachwissenschaftlerseite hat er mehrfach schmerzhaft ins Gesicht geschlagen.

Mal kurz zusammengefasst: Übersinnliche Kräfte, Blut, Erektion, Schlägerei, Erektion, Sex, Blut, übersinnliche Kräfte, Fluchen, Prügeln, ErektionBlutSexsklavinTodTodBlutStänder. Herzlichen Dank dafür. Hier hat jemand die dürftige Umhüllung vom Ende aller Tage genommen, sie mit ein paar Werwölfen und Vampiren beworfen und sie bis zum Rand mit unappetitlichen Sexszenen gefüllt. Ich habe gegen Sexszenen nicht das Geringste einzuwenden, aber doch bitte mit einem Hauch von Geschmack, ja? Abgesehen davon häufen sich hier blöde Fehler, die beim zweiten Drübergucken sofort ins Auge gefallen wären, etwa, was Beschreibungen der Protagonistin angeht oder zeitliche Abläufe betrifft.

_Fazit_

Wenn Sie billiger Vampirpornographie nachjagen, dann ist Ihre Suche hier am Ende. Dann können Sie sich auch auf die Fortsetzungen freuen, denn „Asche“ ist der erste Teil der „Phoenix-Chroniken“. Sollten Sie jedoch auch an Fantasyromane irgendeine Form von Anspruch stellen, dann gehen Sie weiter, denn dann gibt es hier nichts zu sehen. „Asche“ war inhaltlich fade und hat mich stilistisch entrüstet. Der Zeitverlust macht mich regelrecht wütend. Arrrrr!
Ich wasche mir jetzt die Augen, und dann lese ich ein gutes Buch.

|Broschiert: 331 Seiten
ISBN-13: 978-3802582349
Originaltitel: Phoenix Chronicles Any given Doomsday
Aus dem Englischen von Petra Knese|
http://www.egmont-lyx.de
http://www.lorihandeland.com

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