Heinberg, Allan / Pfeifer, Will – Wonder Woman – Wer ist Wonder Woman? (100% DC Bd. 12)

_Story_

Nach einjähriger Abstinenz sind die Rachegedanken Wonder Woman gegenüber immer noch nicht abgerissen. Obwohl Donna Troy inzwischen mehr oder weniger erfolglos versucht hat, diesen Part auszufüllen, geben sich weder die Bevölkerung noch die zahlreichen Gegenspieler, die den Mord an Maxwell Lord sühnen wollen, mit dem einstigen Wonder Girl zufrieden.

Als die Situation zu eskalieren droht und ihre beiden Amazonen-Schwestern Donna und Cassie selbst in die Schusslinie geraten, kann Diana von Themyscira ihre Isolation nicht mehr länger aufrechterhalten. Doch ihr Auftritt gegen Herkules und Circe macht ihr immer wieder bewusst, dass sie sich in ihrem Heldenkostüm und in ihrer zweiten Rolle nicht mehr wohlfühlt. In der Tarnung der Spezialagentin Diana Prince erfährt sie zudem von der mangelnden Akzeptanz, die man Wonder Woman nach der Mordanklage entgegenbringt. Soll sie nun endgültig den Schritt wagen und zum Menschsein übergehen? Oder ist Diana auf Lebenszeit und darüber hinaus gezwungen, sich ihrer ewigen Berufung zu stellen?

_Persönlicher Eindruck_

Jahrelang fristete Wonder Woman, einst eines der Zugpferde des |DC|-Universums, in mehreren Crossover-Serien ein Mauerblümchendasein und kam als unabhängige Superheldin nur noch sehr selten so recht zum Zuge. Einige Hauptrollen wie etwa diejenigen in den beiden „Crisis“-Reihen wurden ihr gegönnt, hier und dort gab es Gastauftritte, doch die unverständlicherweise verschwundene, nach ihr benannte Heftreihe wurde über die Jahre nicht wieder mit einem Comeback versehen. Und dabei hat die Background-Geschichte um |DC|s liebste Amazone doch insgeheim mehr Potenzial als das Gros der vielen Team-Serien, mit denen sich der Verlag in letzter Zeit wieder häufiger ans Publikum wagt.

Im Rahmen der „100% DC“-Reihe folgt nun aber doch noch die heiß ersehnte Wiederauferstehung von Diana von Themyscira, allerdings in einem eher merkwürdigen, insgesamt leider auch unwürdigen Rahmen. Das Autorenteam Heinberg/Pfeifer knüpft in der ersten Mini-Serie der jüngst in Amerika neu aufgelegten Heftreihe genau dort an, wo auch schon die neuen Episoden von „Batman“ und „Superman“ zuletzt erneut Anker warfen. Ein Jahr nach der „Infinite Crisis“ – die Parallelen sind sicher nicht zufällig – kehrt Diana nun also zurück und ist sich ebenso wie ihre Kollegen nicht ganz über ihr weiteres Dasein als Superheldin im Klaren. Klischeehaft, wie es sich in diesem Rahmen nun fast schon von selbst versteht, bedarf es einer bevorstehenden Krise, die das Eingreifen der Protagonistin erfordert, damit diese sich bei ihrer Sinnorientierung wieder fangen kann. Und natürlich betrifft der anstehende Konflikt ihre direkte persönliche Umgebung, nämlich Cassie und Donna, die sich um die legitime Nachfolge der Titelheldin bewerben, als solche aber nicht anerkannt werden.

So viel zu den Rahmenbedingungen, die an dieser Stelle ein wenig ironisch dargestellt sind, um einfach noch einmal bewusst zu machen, wie sehr sich die Motive des zurückgekehrten „Infinite Crisis“-Triumvirats doch gleichen. Nur eben setzt man bei Wonder Womans Quasi-Comeback doch recht deutlich auf altbekannte Klischees, bezieht sich ein weiters Mal auf die Herkunftsgeschichte der Amazone, versucht gleichzeitig mit der Sinnfrage ihres Superheldendaseins philosophische Inhalte in den Plot zu tragen und übergeht damit die eigentliche Handlung immer wieder. Ein fokussierter Spannungsaufbau ist solchermaßen kaum möglich, da die fragmentierte Aneinanderreihung von lose zusammenhängenden Kapiteln dies gar nicht zulässt. Einige interessante Ideen werden angeschnitten, keine jedoch zielgerichtet verfolgt, so dass am Ende genau das geschieht, was insgeheim doch alle erwartet haben. Da können auch die Jagd auf Circe oder das plötzliche Gefecht mit Herakles kaum für Abwechslung sorgen und den Fortschritt des Plots nur wenig beeinflussen. Es fehlt einfach an magischen Momenten und präziser entwickelten Charakteren und Szenarien, und darüber kann auch die stetig bemühte Action nicht hinwegtäuschen. So graziös wie erwartet ist das Comeback von „Wonder Woman“ nämlich absolut nicht.

Tja, da ringt die |DC|-Amazone seit Jahren um eine neue eigene Serie, hat hierfür in den vergangenen Crossover-Reihen auch schon einiges an Überzeugungsarbeit geleistet und bekommt nun eine vergleichsweise schwache Erzählung aufgebrummt, die den ersten Sammelband mit den US-Ausgaben eins bis fünf zu einer derben Enttäuschung machen. Der Esprit, der Charme, ja selbst die zeichnerische Eleganz sind in „Wer ist Wonder Woman?“ nur angedeutet, nicht jedoch auf gewohntem Niveau vorzufinden. Und nimmt man die im Untertitel gestellte Frage einmal wörtlich, ist man sich selber schon nicht mehr sicher, wie die Antwort nun aussehen könnte. Bleibt zu hoffen, dass die nächsten Ausgaben diesbezüglich etwas mehr Aufschluss geben, vor allem aber diesen schwachen Auftakt schnell wieder vergessen machen!

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