Helten, Volker (Hrsg.) – Zeitsprünge – Die Nibelungen in Dormagen

Seit der Eröffnung des [Nibelungenmuseums]http://www.nibelungenmuseum.de/ 2001 in Worms und den einhergehenden Wormser Festspielen sind die Nibelungen wieder im gesamten deutschen Sprachraum in den kulturellen Mittelpunkt des Bewusstseins gerückt. Allerorts versucht man Bezüge herzuleiten, um von dem damit verbundenen erfolgreichen Marketing etwas mitzuprofitieren. So auch in Dormagen, das bislang noch nie mit den Nibelungen in Verbindung gebracht werden konnte. Dass der Geschichtsverein Dormagen nun doch auf Spurensuche gegangen ist, geht auf Ralf Koneckis (Mythenforscher und Skandivanist) zurück, der aufgrund der Ländernamen in der Thidreksaga fündig wurde und in Dormagen den Ort des Kampfes zwischen Siegfried und dem Drachen vermutet.

Die Forschungen Otto Höflers erweiternd, der Siegfried mit Arminius gleichsetzte, setzt sich nach Koneckis die Siegfried-Gestalt aus drei verschiedenen „Siegfrieden“ zusammen und der Drache entspricht keinem mythologischen Tier, sondern einem spätrömischen Fähnrich mit Drachenstandarte. Auf Dormagen stößt er, da in der Thidreksaga der Ort der Drachentötung mit einer „Gnitaheide“ bezeichnet ist und Dormagen zu deutsch „Kiesfeld“, mittelalterlich „Gnitaheide“ (Geröllebene) lautet und sich dort sowohl ein Fahnenheiligtum (Drachenfahne) wie auch ein Mithraeum (Truppenkasse mit Goldschätzen) befanden. Auch in der Edda wird „Fafnir“ noch als Mann geschildert, der einem spätrömischen „Draco“, einem Fähnrich mit Drachenstandarte, zugeordnet werden kann.

Die Thidrek-Sage (um 1250) entstand entgegen vieler Meinungen erst nach dem Nibelungenlied und wurde im Gegensatz zu dieser als chronikartiges Werk verstanden. Obwohl aus den Kreisen des Geschichtsvereins nun versucht wird, ein Siegfried-Drachendenkmal vor dem Rathaus von Dormagen zu verwirklichen, sind in diesem Heft nicht nur Beiträge für Koneckis These zu finden, sondern auch kritische Gegenstimmen veröffentlicht. Aufwertend für Nibelungen-Interessenten sind allemal die zusätzlichen Beiträge, in welchen die Ursprünge der Nibelungensage von der Edda bis zum mittelalterlichen Nibelungenlied dargestellt sind, eine Übertragung der Nibelungen in das mittelalterliche Wertesystem erfolgt, die höfische Kultur und das Rittertum im Nibelungenlied in Augenschein genommen werden, an historischen Bezügen Hunnen und Burgunder erforscht werden und sich zwei weitere Beiträge der Schatzsuche und den Drachen- und Drachentötermythen widmen. Abgeschlossen wird mit einer knappen, aber dennoch sehr ausführlichen Zusammenfassung des Nibelungenliedes. Auch die vielen – in ihrer Auswahl durchaus als seltener anzusehenden – verwendeten Schwarzweiß-Fotos und Illustrationen sprechen für den Kauf der netten A-4-Broschüre.

http://www.geschichtsverein-dormagen.de/

ISSN: 1611-2245

Schreibe einen Kommentar