Hensley, Ken – Blood On The Highway – The Ken Hensley Story

_Eine wahrhaftige Ikone spricht_

Ken Hensley gehört zu der Sparte Musiker, die während ihrer ewig währenden Karriere jeden Nebenzweig des Business kennengelernt, ihn gelebt, gepflegt und letztendlich doch verabscheut, allerdings erst viel zu spät gemerkt haben, dass ihr bisweilen luxuriöses Künstlerleben kein Freifahrtschein in die Zügellosigkeit sein kann. Hensley merkte dies jedoch wie so viele andere Kollegen deutlich zu spät, litt insgeheim unter den Folgen von Ruhm und Ehre und konnte auch mit den finanziellen Gegebenheiten des Starlebens nicht so recht umgehen, was er jedoch letztendlich weniger bereut als die einzelnen Versäumnisse, die aus der Zeit um Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll noch in die heutige Zeit hineinreichen.

All jene Erfahrungen aus den wilden Siebzigern offenbart der Gitarrist und Songwriter in seiner persönlichen Biografie „Blood On The Highway“, die hierzulande jüngst über den |Grosser & Stein|-Verlag veröffentlicht wurde. In diesem recht unterhaltsamen Werk berichtet Hensley über seine Zeit bei URIAH HEEP, so manche Eskapade, aber auch über die zweifelhaften Nebeneffekte des ruhmreichen Musikerlebens, ohne dabei rückblickend mit erhobenem Zeigefinger den Moralapostel zu spielen. Von seinen Anfängen in der Jugend, den ersten Kontakten mit der Musik bis hin zum steilen Aufstieg und anschließenden Absturz in die Kokainabhängigkeit resümiert Hensley hier vor allem die unliebsamen Erlebnisse, die sein Leben bis dato zeitigten, verleiht seiner Berichterstattung aber einen insgesamt überraschend lebendigen Rahmen, der die Story des Musikers zwischenzeitlich fast schon wie ein Akt der Selbstironie verkauft. Bei all der Tragik und Brisanz, die besonders den zweiten Teil seiner aktiven Karriere überschattete, gelingt es dem Autor dennoch, ein insgesamt positives Resümee zu ziehen und sein Leben nicht als die skandalöse Geschichte eines Business-Opfers darzustellen. Man bekommt stattdessen den Eindruck, Hensley verstehe seine gesamte Laufbahn als wechselseitigen Lernprozess, der bis zum heutigen Tage und trotz aller Schicksalsschläge nicht abgeschlossen ist.

Dementsprechend versteht sich der lockere Schreibstil des Altstars (Ken zählt mittlerweile auch schon stolze sechzig Lenze) fast wie von selbst und wirkt erfrischend jugendlich – so wie im Übrigen die kompakte Zusammenfassung seiner persönlichen Autobiografie. Dies hängt mitunter auch damit zusammen, dass der Mann nicht die Band als Leitfaden für die Story verwendet hat, sondern seine eigene Befindlichkeit während all der Jahre in den Mittelpunkt stellt. Natürlich spielt seine Partizipation bei URIAH HEEP für den wesentlichen Teil seiner charakterbezogenen Entwicklung eine immens wichtige Rolle, wird aber nicht als Aufhänger für eine etwaige Sensationspublikation genutzt. Anders als erwartet nutzt Hensley nämlich die sich bietende Gelegenheit ausschließlich, um von den verschiedensten Eindrücken zu erzählen, sowohl in Sachen Musik und Therapie, aber auch hinsichtlich seiner Familie und den gewöhnlichen Hoch- und Tiefpunkten des ganz gewöhnlichen Lebensalltags. Besonders dieser Umstand verabreicht dem Buch sowie auch der Person hinter „Blood On The Highway“ das Fünkchen Menschlichkeit, welches bereits ausreicht, um die erforderlichen Sympathien beim Publikum zu wecken. Ähnlich wie einst bei URIAH HEEP …

Auf den 160 bebilderten, englischsprachigen Seiten gibt’s dennoch eine Sache, die sich ein wenig als störend erweist. Der Autor verpasst der Biografie eine in etwa chronologische Struktur, hält sich in den einzelnen Kapiteln aber kaum an diese Vorgaben. Es wird ständig rezitiert, verglichen und auch vorausgeschaut, was der Entwicklung einer stringenten Historienaufarbeitung manchmal entscheidende Steine in den Weg legt und mitunter auch schon mal ein wenig Verwirrung stiftet. Etwas mehr Gradlinigkeit hätte so manchem Abschnitt gutgetan, gerade in der ersten Hälfte, in der man noch damit beschäftigt ist, den Menschen hinter diesem Buchprojekt genauer kennenzulernen.

Doch derartige Versäumnisse bzw. vergleichsweise geringfügige Unzulänglichkeiten verwässern den angenehmen Charakter des Buchs keinesfalls. Ken Hensley hat zweifelsohne ein bewegtes Leben hinter sich und kann mit mancherlei Anekdote aufwarten, deren Humorgehalt bereits ausreichen würde, um die Anschaffung dieser Biografie zu rechtfertigen. Darüber hinaus wird hier in einer teils recht bewegten Geschichte dargestellt, wie nahe Licht und Schatten im Musik-Business zusammenliegen bzw. wie schnell man als standhafter Mensch aufs moralische Abstellgleis gerät, sobald einem die Zügel entgleiten – und zumindest dies wurde in keinem mir bekannten Buch derart glaubhaft und nüchtern vorgetragen, dass man stellenweise wirklich ergriffen ist.

Insofern ist „Blood On The Highway“ auch samt seiner teils chaotischen Schlenker ein wirklich lesenswerter Titel und im Hardrock-Business ohne jeden Zweifel eine der gelungensten und persönlichsten Autobiografien auf dem Markt. Ganz egal, welche Verbindung man zu diesem Musiker und Menschen hat oder ob eine solche überhaupt besteht: Prinzipiell sollte sich hier jeder vom finsteren Untertitel „When too many Dreams come true“ inspiriert fühlen und Hensley in der Schilderung der Ereignisse seine Aufmerksamkeit schenken. Verdient hat „Blood On The Highway“ dies allemal.

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