Herbert, Brian / Anderson, Kevin J. – Kreuzzug, Der (Der Wüstenplanet: Die Legende 2)

_Altmodische Sternenoper für Actionfreunde_

Zehntausend Jahre, bevor das Haus Atreides die Herrschaft über Arrakis, den Wüstenplaneten (Dune) und seine wertvollen Spice-Vorräte antritt, ereignen sich Dinge, die die Geschichte der Menschen veränderten – und die in späteren Legenden als Butlers Dschihad, der Kreuzzug der Maschinen und die Schlacht von Corrin erwähnt werden. Es ist die Zeit, in der die Künstlichen Intelligenzen (KIs) des irdischen Großcomputers Omnius die Synchronisierten Welten beherrschen, wohingegen die Liga der Edlen von Salusa Secundus aus eine Reihe freier Welt beschützt. Unter den Unverbündeten Welten befindet sich ein wüstenhafter Planet am Rande des Siedlungsgebiets: Arrakis.

Nach der Ermordung ihres kleinen Sohnes durch einen Roboter ruft die Salusanerin Serena Butler zum Heiligen Krieg, dem Djihad, gegen alle Denkmaschinen und Roboter auf. Nach der Vernichtung der Erde und des dortigen Zentralcomputers Omnius breitet sich der Djihad auf die gesamte besiedelte Galaxis aus. Eine Welt nach der anderen wird in Mitleidenschaft gezogen, bis nach zwanzig Jahren die Verluste auf beiden Seiten in die Millionen gehen. Kann es ein Ende des Djihad geben?

_Die Autoren_

Brian Herbert ist der Sohn des Schöpfers des Wüstenplaneten DUNE, Frank Herbert. Brian Herbert hat nicht nur selbst einige Science-Fiction-Romane geschrieben, sondern auch die Biografie seines Vaters („Dreamer of DUNE“). Er fragte Kevin J. Anderson, ob dieser an einer DUNE-Vorgeschichte mitarbeiten wollen. Anderson, selbst Autor von 12 Millionen verkauften Büchern (Akte X, Star Wars u.v.a.), sagte geehrt und begeistert zu.

Das Ergebnis der Kooperation war zunächst die Trilogie der „Frühen Chroniken“ des Wüstenplaneten, die aus folgenden Bänden besteht:

1) Das Haus Atreides
2) Das Haus Harkonnen
3) Das Haus Corrino

Nun ist mittlerweile die zweite Trilogie „Der Wüstenplanet: Die Legende“ abgeschlossen. Sie besteht aus folgenden Bänden:

1) Butlers Djihad (The Butlerian Djihad)
2) Der Kreuzzug (The Machine Crusade)
3) Die Schlacht um Corrin (The Battle of Corrin)

Ein weiterer Band namens „The Road to Dune“ ist 2005 erscheinen. Er versammelt u.a. aus dem ersten Roman „Der Wüstenplanet“ herausgenommene Kapitel. Weitere Bände befinden sich offenbar in Vorbereitung.

_Vorgeschichte_

Rund 1200 Jahre vor Gründung der Gilde (V.G.) übernahmen die „Maschinen“ die Herrschaft über die Menschen. Unter „Maschinen“ sind alle Roboter und KIs zu verstehen, die vom Zentralcomputer Omnius, dem „Allgeist“ gesteuert werden. Omnius hat Kopien seiner Zentraldatenbank auf den eroberten Welten installiert, die folglich als Synchronisierte Welten bezeichnet werden. Regelmäßige Updates halten sie auf dem neuesten Stand. Eine interstellare Telekommunikation gibt es nicht, daher müssen Langstreckenschiffe die Updates verteilen …

Wie konnte es zu diesem Supremat der „Maschinen“ kommen? Schuld waren die Rebellen, die das Alte Imperium stürzten. Das Imperium war alt und behäbig geworden, und ein junger Außenseiter namens Tlaloc (der Name eines antiken Regengottes) sah seine Chance und die Notwendigkeit, etwas Neues zu errichten: die Herrschaft der „Titanen“. (Diese einzelnen Vorgänge werden nicht kompakt, sondern sukzessive im Verlauf des Romans berichtet.)

Zwanzig Rebellen konnte Tlaloc für seine Sache gewinnen: Informatiker, Kämpfer, Bürokraten, Wissenschaftler, Gamer. Diese „Titanen“ hatten selbstverständlich bürgerliche Namen, die sie jedoch alsbald durch Decknamen wie Juno, Dante, Barbarossa oder Xerxes ersetzten. Nach dem Tod von Tlaloc ist inzwischen Agamemnon ihr Anführer. Er ist ein geborener Atreides. 13 Söhne hat er bis zum Jahr 200 V.G. aus seiner Samenbank gezeugt, doch zwölf davon erwiesen sich als Fehlschläge. Vorian Atreides, die Nummer 13, soll nicht nur eine wichtige Rolle im Roman spielen (und in „Der Kreuzzug“), sondern auch Agamemnons größte Enttäuschung werden. Vorian ist ein Update-Lieferant (s.o.).

Unter den Titanen erwies sich Xerxes als ein sinnenfreudiger, aber leider feiger Zeitgenosse. Nachdem die nahen Menschenwelten unterworfen waren, übertrug er immer mehr Verwaltungs- und Steuerungsaufgaben an die KIs. Diese erkannten ihre Chance und übernahmen ihrerseits die Herrschaft von den Titanen. Der Coup überraschte die Titanen, und Omnius trat seine 1000-jährige Herrschaft an. Doch der Titan Barbarossa hatte die KIs darauf programmiert, aggressiv ihr Territorium auszudehnen. Dies nahmen die weiter entfernt liegenden Welten nicht hin und gründeten die Liga der Edlen mit Hauptsitz auf Salusa Secundus. Giedi Primus, spätere Hauptwelt der Harkonnen, gehört ebenfalls zum lockeren Schutzverband.

Doch die 20 Titanen haben sich unter der Omnius-Herrschaft stark verändert. Wie sonst hätten sie 1000 Jahre überdauern können? Auf den Vorschlag des Philosophen Eklo hin (der in „Butlers Djihad“ auftritt) trennten sie ihr Gehirn vom schwachen, hinfälligen Körper und versetzten es, eingehüllt in Nähr- und Kontaktflüssigkeit in auswechselbare, stabile Metallkörper. Sie sind nun Cymeks (ähnlich Cyborgs). Und natürlich müssen sie Omnius laufend ihre Loyalität unter Beweis stellen. Der Titan Ajax hat zum Beispiel die gesamte menschliche Bevölkerung der Welt Walgis ausgelöscht, um ihren Aufstand niederzuschlagen und ein Exempel zu statuieren. Und natürlich verlangt die Programmierung von Omnius, weitere Welten zu unterwerfen.

_Handlungsabriss von „Butlers Djihad“_

Mehrere Maschinenangriffe auf Salusa Secundus (s.o.) schlagen fehl, und deshalb müssen Omnius und die Titanen diese Scharte auswetzen, indem sie Giedi Primus angreifen. Zum Entsetzen von Flottenbefehlshaber Xavier Harkonnen gelingt den Denkmaschinen die Übernahme mit einer List. Xavier, der sich gerade mit Serena Butler, die politisch engagierte Tochter des Parlamentspräsidenten Manion Butler, verlobt hat, erhält wenig später die Nachricht, dass sich Serena mit einem Geheimkommando nach Giedi Primus abgesetzt hat, um dort am Nordpol Störschildgeneratoren instandzusetzen, die die Denkmaschinen übersehen haben. Xaviers Flotte eilt auf schnellstem Wege herbei und vernichtet die Roboterraumflotte in einer enormen Schlacht. Doch für Serena kommt seine Hilfe zu spät: Verwundet wird sie gefangen genommen und nach Terra verschleppt.

Dort herrschen Omnius, der „Allgeist“, seine Roboter und die Cymeks uneingeschränkt über die als Sklaven schuftenden Menschen. Einer der Aufseher ist ein gewisser Iblis Ginjo, der den Aufstand der Menschen vorbereitet. Ständig sieht er sich Verdächtigungen durch den Titan Ajax ausgesetzt. Ein weiterer Mitspieler ist Agamemnons Sohn Vorian Atreides, ein so genannter „Trustee“ der Denkmaschinen, ein Vertrauter. Zusammen mit einem Roboter namens Seurat ist es sein Job, Updates des irdischen Zentral-Omnius zu den Synchronisierten Welten zu bringen, damit alle unterworfenen Planeten auf dem gleichen Stand sind.

Die Krise und der Ausbruch des Aufstands wird herbeigeführt, als der unabhängige Roboter Erasmus die Gefangene Serena Butler zu seiner Sklavin macht und mit ihr Experimente anstellt. Er erforscht die widersprüchliche Natur der Menschen, um sie besser bekämpfen zu können. Vorian lernt hier Serena kennen und bewundern: Sie ist der erste freie Mensch, den er kennen lernt, und erinnert ihn an seine eigene Pflicht, sich selbst zu bestimmen.

Serena bringt Xaviers Sohn Manion jr. zur Welt und wandelt sich von einer hasserfüllten Gefangenen zu einer liebevollen Mutter. Erasmus sieht’s mit wachsendem Missfallen und tötet Manion in aller Öffentlichkeit auf seinem Balkon. Dieser ruchlose Mord ist das Startsignal für den planetenweiten Aufstand gegen die Maschinen. Vorian und Iblis befreien die geschockte Serena und bringen sie nach Salusa Secundus. Von dort aus beginnt der Angriff der freien Menschen auf die Erde. Danach ist von Terra nur noch eine nuklear verstrahlte Wüste übrig. Doch Vorian hat etwas sehr Wertvolles gerettet: eine Kopie von Omnius, über die Erasmus überhaupt nicht glücklich wäre, wenn er von ihr wüsste. Sie dokumentiert nämlich seine Schuld am Ausbruch des Aufstandes und somit auch des Djihads.

_Handlung von „Der Kreuzzug“_

Der kluge Leser beginnt seine Lektüre nicht mit Kapitel 1, sondern mit der Chronologie aus dem Anhang. Hier sind jene Ereignisse aufgelistet, die sich in den Jahren 201-177 V.G. (vor Gründung der Gilde) nach dem Angriff auf Terra zugetragen haben. Achtung: Diese Chronologie findet sich nur in diesem Band der Legenden-Trilogie! Die Romanhandlung setzt dann im Jahr 177 V.G. ein und bezieht sich rückblickend auf diese Zeit. Die einzelnen Teile des Buches verteilen sich auf die folgenden wenigen Jahre bis 170 V.G.

|Salusa Secundus|

Die Schlacht um Terra markierte den Beginn eines neuartigen Krieges gegen die Denkmaschinen: einen Djihad. Die allgemein akzeptierte, aber nicht ganz korrekte Übersetzung „heiliger Krieg“ (eigentlich müsste es „heiliger Weg“ heißen) rührt von der Tatsache, dass Serena Butler nach ihrer Rückkehr quasi zu einer Priesterin dieses Kreuzzuges gemacht worden ist. Ihr ermordeter Sohn Manion jr., dessen Leiche sie mitbrachte, ist im Verlauf von 25 Jahren zu einem Märtyrer geworden, der unschuldig für die freien Menschen geopfert wurde. Er wird auf allen Liga-Welten verehrt wie ein am Kreuz hingerichteter Jesus.

In seinem und Serenas Namen wird der Djihad gegen die Maschinen begonnen und unter Millionen von Verlusten an Menschenleben weitergeführt. Erst jetzt, 23 Jahre später, erheben sich kritische Stimmen gegen die hohen Verluste.

Der ehemalige irdische Sklavenaufseher Iblis Ginjo, der mit Serena nach Salusa Secundus gekommen ist, hat sich eine herausragende Stellung als Großer Patriarch erarbeitet – oder erschlichen, wie böse Zungen zischeln. Sie tun das meist nicht sehr lange, denn die für den Schutz des Djihads gegründete Polizeitruppe „Djipol“ verfolgt nicht nur echte Verräter, sondern räumt auch diskret die Opposition aus dem Weg. Niemand ahnt, dass die Djipol auch die „Seraphim“ ausgebildet hat, Leibwächter, die Serena vor Attentaten schützen sollen (die mitunter von Ginjo inszeniert sind). Und keiner außer Ginjos Assistent Thurr weiß, welche miesen Geschäfte die Djipol mit den Organhändlern des Planeten Tlulaxa macht. Erst Feldherr Xavier Harkonen wird die entsetzliche Wahrheit aufdecken.

|Desaster|

Der Djihad tobt zwischen den Liga-Welten und den Synchronisierten Welten, so dass es zu Massakern und Schlachten im Weltraum wie am Boden kommt. Die Denkmaschinen versuchen die Hauptwelt Salusa Secundus zu umzingeln, indem sie Stützpunkte auf Unverbündeten Planeten einrichten. Da heißt es aufpassen. Verheerende Folgen kann aber auch die Verteidigung angegriffener Welten haben, wie sich herausstellt.

Auf der Welt IV Anbus beispielsweise lässt sich die anrückende Roboterarmee erst dadurch aufhalten, dass die Liga-Flotte in letzter Sekunde die Dämme einer Talsperre sprengt. Die den buddhislamischen Zenschiiten heilige Stadt Darits versinkt in den darüber hereinbrechenden Wassermassen. Primero Xavier Harkonnen hat diese Maßnahme nur als letzten Ausweg gewählt, weil die einheimische Bevölkerung seine Truppen sabotiert hatte. Nun müssen die Mullahs einen hohen Preis dafür zahlen, vor den Maschinen gerettet zu werden. Sie verfluchen die Harkonnens. Kein Wunder, dass es Stimmen gibt, die den heiligen Krieg beendet sehen wollen.

|Intermezzo|

(Corrin)

Der Roboter Erasmus führt seine Experimente an Menschen inzwischen auf der Welt Corrin durch. Er zieht sich einen Menschenjungen heran, dem er nach einem antiken Gelehrten den Namen Gilbertus Albans gibt. Erasmus ist es, der die Welt Corrin davor bewahrt, im Chaos zu versinken, als die von Vorian Atreides mit einem Virus programmierte Omnius-Kopie von Terra auf Corrin eintrifft – nach fast 25 Jahren! Niemand unter den Denkmaschinen wundert sich über diese beträchtliche Verspätung, doch der brave Roboter Seurat, den Vorian unbemerkt reaktiviert hat, tut seine Pflicht: Der von ihm unwissentlich eingeschleppte Computervirus zerstört die vorhandene Omnius-Kopie beinahe, wodurch alles zum Stillstand kommt. Und das ist bereits die achte Welt, die Seurat auf diese Weise „beglückt“.

(Caladan)

Vorian Atreides, aufgrund einer Behandlung seines Vaters langlebig und ewig jung aussehend, findet auf der Wasserwelt Caladan die wahre Liebe seines Lebens. Leronica ist die Tochter eines redlichen Fischers und arbeitet in seiner Taverne. Vorian erobert und schwängert sie, bevor er wieder in den Krieg muss. Doch er hat einen Liga-Stützpunkt hinterlassen, zu dem er zurückkehren kann – und noch etwas anderes. Leronica heiratet einen anderen braven Mann und bekommt Vorians Zwillingssöhne, die sie mit dem neuen Gatten aufzieht. Von Vorian, der ihr seine Identität unter dem Siegel der Verschwiegenheit enthüllt hat, erzählt sie ihrem Mann nur das Nötigste. Gewisse Umstände sorgen zehn Jahre später für ein Wiedersehen …

(Poritrin)

Auf der Sklavenwelt Poritrin ist es mittlerweile zu dramatischen Veränderungen gekommen. Tio Holtzman hat Norma Cenva, seine frühere Assistentin, praktisch degradiert – sie habe eh nur an ihrem eigenen unverständlichen und unnützen Zeug gearbeitet. Sie wendet sich an Aurelius Venport, der die Vision, die sie zeichnet, mit etwas Mühe begreift: Raumschiffe, die sich ohne Zeitverzug quer durch die Galaxis bewegen können, nur indem sie den Raum falten! Der Handel, in dem er sein eigenes Imperium errichtet hat, würde sehr viel schneller ablaufen. Er finanziert ihr sowohl ein abgelegenes Labor als auch den Prototyp eines Raumfaltschiffes.

Wie vorauszusehen, ist Holtzman auch hinter dieser Erfindung her und nimmt sie Norma weg, die er ins Exil schickt. Doch etwas macht ihm einen Strich durch die Rechnung: ein neuer Sklavenaufstand. Allerdings bleibt es diesmal nicht dabei. Als der Rebellenführer eine Laserpistole auf Holtzmans Körperschild abfeuert, ereignet sich eine nukleare Explosion, die die Hauptstadt in weitem Umkreis einäschert!

(Arrakis)

Die einzigen überlebenden Sklaven sind die hundert Zensunniten um Ishmael, der stets Frieden gepredigt hat. Sie müssen Poritrin schnellstens verlassen – nur wie? Das einzige Gefährt, das zur Verfügung steht, ist das unerprobte Raumfaltschiff. Nur Venports Kompagnon Keedair, den sie kidnappen, kann es fliegen, und die einzigen Koordinaten, die er kennt, sind die von Arrakis, von wo er Spice-Melange importiert. Die Zensunniten stranden auf dem Wüstenplaneten, wo die einheimischen Rebellen sie vor dem Verdursten und den Sandwürmern retten.

(Bela Tegeuse)

Unterdessen erobern die Titanen-Cymeks die Welt Bela Tegeuse und bauen sie zu ihrer Festung aus. Von hier aus greifen sie die Synchronisierten Welten an, denn sie haben Omnius die Gefolgschaft aufgekündigt. Das aber macht sie noch lange nicht zu Freunden der Freien Menschen. Nachdem sie sich bei ihren Attacken auf Menschen verschätzt haben, sind nur noch drei der Titanen übrig: Agamemnon, Juno und Dante. Fieberhaft arbeiten sie daran, freiwillige Menschen zu Neo-Cymeks zu verwandeln. Sie versprechen ihnen Unsterblichkeit.

|Showdown auf Corrin|

Es gibt nichts Schlimmeres für die Aufrechterhaltung der Kriegsanstrengungen als die Hoffnung auf Frieden. Als ein Dutzend weltfremde und naive Philosophen Serena und Ginjo die Nachricht überbringen, Omnius habe ihren Friedensvorschlag angenommen und erwarte die zustimmende Antwort der freien Menschen, sind die beiden Herrschergestalten gelinde gesagt etwas irritiert. Tatsächlich sind sie reichlich geschockt, und Serena wäscht den idiotischen Philosophen erst einmal den Kopf. Aber was soll sie tun? Die Menschen auf Salusa Secundus dürsten nach dem Ende des Blutvergießens.

Wie so oft weiß auch diesmal der durchtriebene Ginjo Rat. Allerdings ist er darauf aus, den Machtverlust, den ihm Serena durch ihre Eigeninitiative jahrelang zugefügt hat, wieder wettzumachen. Dennoch erscheint Serena sein Vorschlag sehr verlockend: Was könnte ein überzeugenderes Signal dafür sein, dass die Maschinen nur die Vernichtung aller Menschen im Sinn haben, wenn sie ausgerechnet die Parlamentärin der freien Menschen umbringen würden?

Niemand ahnt, dass es beim kommenden Märtyrertod Serenas nicht mit rechten Dingen zugehen wird. Am wenigsten Serena selbst. Sie fliegt mit ihren Leibwächterinnen zu Omnius und Erasmus nach Corrin. Dort erlebt sie eine böse Überraschung, die dem Djihad eine neue Wendung gibt.

(Dieser Handlungsabriss ist eine Annäherung, die nur den Roten Faden wiedergibt. Das Schicksal von Norma Cenva und das Auftauchen der Titanin Hekate erscheint mir nicht so wichtig.)

_Mein Eindruck_

Wie schon im ersten Band der Legenden-Trilogie, „Butlers Djihad“, haben die beiden Autoren alle Mühe, die weitverzweigte Handlung mit dem vorrangigen Ziel jeder Romanhandlung in Einklang zu bringen: dem menschlichen Drama, das den Leser in erster Linie für die Figuren und deren Entwicklung interessieren soll. Um sich alle Figuren und Schauplätze überhaupt merken zu können, hilft dem Leser in Ermangelung eines Personalverzeichnisses nur die zügige Lektüre. Die erweist sich denn auch als gar nicht so schwierig. Die Kapitel sind kurz, meist nur fünf Seiten, und die Schrifttype ist so groß, dass man die Augen kaum überanstrengt. 250 Seiten pro Tag zu schaffen, ist nicht unmöglich. Wie man sieht, ist die Handlung nicht gerade von Tiefgang geprägt.

Wie für jeden Science-Fiction- und Fantasyroman gibt es zudem die Herausforderung, den Leser überraschen und erstaunen zu müssen. Die Kunst dabei besteht darin, die Überraschung sowohl unerwartet erscheinen zu lassen, als auch sie irgendwie vorzubereiten, so dass sie nicht völlig an den Haaren herbeigezogen erscheint.

|Hekate|

Wie schon oben angedeutet, gibt es zwei solche Überraschungen. Vielleicht ist es bezeichnend, dass sie für den Roten Faden kaum eine Rolle spielen. Das Auftauchen der abtrünnigen Titanin Hekate beispielsweise gibt dem Djihad keine neue Wendung, doch für zwei der bisherigen Hauptfiguren bedeutet die Begegnung mit der drachenähnlich auftretenden Androidin das Ende. (Ich werde nicht verraten, um wen es sich handelt.) Im letzten Achtel des Romans werden eine ganze Reihe von „Spielfiguren“ vom Schachbrett genommen. Nicht nur um den Eindruck von Schicksalhaftigkeit zu vermitteln, sondern auch um das Schachbrett für den Auftritt neuer Figuren freizumachen.

|Norma Cenva|

Das unerwartete Schicksal von Norma Cenva ist da schon etwas folgenreicher, denn es steht in direktem Zusammenhang mit der späteren Entwicklung der Bene Gesserit. Zur Erinnerung: Norma Cenva ist die zwergwüchsige Mathematikerin, die vom Erfinder Tio Holtzman als Assistentin angenommen wird und die Störschildtechnik so ausbaut und anwendbar macht, dass ganze Raumschiffe und Planeten dadurch geschützt werden, von Körperschilden ganz zu schweigen. (Siehe dazu David Lynchs Verfilmung von DUNE, wo Paul einen Körperschild einsetzen muss. Doch langsame Waffen durchdringen den Schild, und ein Laserstrahl verursacht eine Atomexplosion – Vorsicht ist also angebracht.)

Nun enteignet Holtzman seine Assistentin, die ein eigenes, geheimes Ziel verfolgt: Raumfaltschiffe. Aurelius Venport, der ihr einen Heiratsantrag macht, will für Norma eine Werft bauen, wo sie diese Schiffe in großen Mengen bauen kann. Er sieht als Händler in erster Linie die Möglichkeit, den Handel enorm zu beschleunigen, doch sie will den Schiffstyp in erster Linie, um den Djihad zu einem Erfolg zu machen. (Das sehen auch Serena und Ginjo so, die die Schiffe am liebsten beschlagnahmen und auf der Stelle einsetzen würden.) Solche Schiffe könnten urplötzlich über einer Welt der Denkmaschinen auftauchen und den dortigen Einrichtungen erheblichen Schaden zufügen, um sofort wieder zu verschwinden, wenn sie angegriffen werden. Es gibt nur ein schwerwiegendes Problem: die Navigation ist äußerst unzuverlässig, und es ist schwer gesundheitsschädigend, mitten in einer Sonne zu materialisieren …

Holtzman hat also Norma rausgeworfen und in die Wüste geschickt, also zurück nach Rossak, Normas Mutter Zufa, die Zauberin, lebt. Doch die Tiefen des Weltraums sind tückisch – Normas Schiff wird von dem Titanen Xerxes gekapert, sie selbst wird gefoltert, damit der Sadist sein Späßchen hat. Nun haben wir uns schon die ganze Zeit gewundert, dass Norma als Zufas Tochter nicht über die gleichen telekinetischen Fähigkeiten verfügt.

In der Folterszene wird dieser Zweifel endlich beseitigt: „Das Schlafende muss erwachen“, würde Paul sagen. Norma verfügt über die gleichen Kräfte wie ihre Mutter und über noch viel mehr. Statt nun aber weiterhin eine Zwergin zu bleiben, verwandelt Norma ihren Körper auf atomarer Ebene in den einer wunderschönen Göttin. Das ist allerdings Kitsch as Kitsch can. Und es verwundert, wenn sie anschließend von dem überhaupt nicht verblüfften oder geschickten Aurelius einen ebenso wunderschönen Sohn empfängt. Die Zukunft der Cenva-Dynastie ist gesichert. Und da Norma auch noch durch das von Arrakis importierte Spice einer umfassenden Vision teilhaftig geworden ist, weiß sie auch, in welche Richtung sie den Zirkel der Zauberinnen ihrer Mutter entwickeln muss – so entsteht der Orden, der im „Wüstenplaneten“ Bene Gesserit genannt wird.

Diese Kapitel sind ohne Zweifel die schwächsten, weil unplausibelsten in einem an unwahrscheinlichen Ereignissen reichen Roman. Wer nicht bereits ein Anhänger des DUNE-Zyklus ist, wird es durch solche Mätzchen ganz bestimmt nicht werden.

|Die Übersetzung|

Auf Seite 759 verblüffte mich die Bezeichnung „Pax Galacticus“. Bisher habe ich „pax“ – das lateinische Wort für Frieden – immer für weiblichen Geschlechts gehalten, wie in „Pax Americana“. Auf Seite 849 fehlt in der letzten Zeile das Wort „Leben“. Aus dem nächsten Satz ergibt sich, dass es sich um dieses Wort handeln muss. Ansonsten gibt es die bei |Heyne| üblichen Schlampereien wie etwa falsche Wortendungen durch –m statt –n bzw. umgekehrt. Die üblichen Flüchtigkeitsfehler eben.

_Unterm Strich_

Warum der Originaltitel „The machine crusade“ lautet, erschließt sich mir aus dem Gelesenen überhaupt nicht. Denn es sind ja die Menschen, die den Kreuzzug gegen die Maschinen führen, im Zeichen von Manion dem Unschuldigen. Allenfalls könnte ich mir den Titel so erklären, dass damit der Aufstand der Titanen gemeint ist, die sich gegen Omnius stellen und ihren eigenen Minikrieg führen. (Dass Roboter überhaupt auftauchen, ist ein großer Unterschied zu Frank Herberts ursprünglicher Vision der Zukunft. Ähnlich wie bei Asimov in der Foundation-Trilogie werden Roboter zwar für möglich gehalten, treten aber nicht auf. Und in der Zeit, in der DUNE spielt, sind sie längst durch Butlers Djihad ausgerottet – wie komfortabel.)

In erster Linie Actionfreunde kommen in diesem Band auf ihre Kosten, denn immer wieder gibt es Raumschlachten, Überfälle auf Raumschiffe, Sklavenaufstände und jede Menge persönliche Zweikämpfe. Letztere liefert vor allem ein Söldnerkämpfer, der von der Inselwelt Ginaz stammt. Die tapferen Ginazsöldner spielen in den Romanen des ersten DUNE-Zyklus fortwährend eine Rolle.

Technische Entwicklungen kommen ebenfalls nicht zu kurz: Raumfaltschiffe sind die große technische Neuerung dieses Zeitabschnitts. Aber Technik ist irrelevant, wenn ihr nicht der entsprechende gesellschaftliche Rahmen zugeordnet wird. Statt für den Handel werden Faltschiffe daher für den Djihad requiriert – alles andere betrachten Serena und Ginjo als Verrat. Nie hat man Aurelius Venport in einer solchen Klemme gesehen: Alles, was er in diese Technik investiert hat, wird ihm mit einem Federstrich genommen. Aber ein weiterer Federstrich von Serena Butler tilgt alle seine Schulden – zack, ist’s getan! Aurelius staunt. So eine Diktatur der Priester ist manchmal echt praktisch.

|Die Gretchenfrage|

Doch das geistige Gegengewicht zu Technik und Wissenschaft ist nicht etwa Philosophie – diese wird auf Corrin desavouiert –, sondern Religion. Der Djihad wird als religiöser Krieg gegen das Böse in Gestalt der Denkmaschinen geführt. Auch der erneute Aufstand der Sklaven auf Poritrin hat religiöse Wurzeln. Bezeichnend ist, dass diesmal die Sklaven eine Alternative zur Gewalt haben: die Flucht mit Ishmael. Er ist so eine Art biblischer Urvater à la Abraham oder Noah.

Und wie Noah steht ihm eine Arche zur Verfügung. Während die Hauptstadt von Poritrin einem Atomschlag zum Opfer fällt, verschwindet Ishmaels kleiner Stamm mit seiner Arche der allgemeinen Zerstörung – nur um auf einer Welt zu stranden, die etwas gegen menschliches Leben zu haben scheint. Auf Arrakis scheint nichts außer den Sandwürmern existieren zu können. Bis ein Wunder geschieht. Es erstaunte mich nicht, dass aus der Verschmelzung der Ishmaeliten mit den Rebellen Selim Wurmreiter die Free Men alias Fremen entstehen.

|Zwischenstation|

Dieser Mittelband der Legenden-Trilogie ist eine Zwischenstation auf dem Weg zum Finale – und also solche ein „Buch der Wandlungen“. Immer deutlicher schält sich jene Version der Zukunft heraus, die wir im ersten Band des DUNE-Zyklus zu sehen bekommen. Die Auseinandersetzungen zwischen den Häusern Atreides, Harkonnen und Corrino bilden dann die Substanz in den „Frühen Chroniken“, die einen weiteren Trittstein auf dem Weg zu Frank Herberts Roman bilden.

|Meine Schreckensvision|

Ich hoffe sehr, dass nach „Die Schlacht von Corrin“ die Zeit der Prequels vorüber ist. Natürlich können Herbert und Anderson tonnenweise Geschichten für den Zeitrahmen von 10.000 Jahren erfinden, aber was soll das noch bringen? Nach vernünftigen Maßstäben ist das Mögliche ausgeschöpft, denn in jeden Mammutroman passt nur eine begrenzte Menge von Zwischenstationen auf dem Weg zur Vision von DUNE. Doch es könnte den Verlagsmarketiers einfallen, was auch dem Star-Trek- und Star-Wars-Universum passiert ist: Eine Aufsplitterung in mehrere abzweigende Szenarien, sozusagen in Unteruniversen, in denen begrenzte Handlungsstränge angesiedelt werden können. Das Ende vom Lied bestünde dann im Auftreten von jungen Jedi-Rittern auf Arrakis. Hoffentlich machen ihnen dann die Sandwürmer schnellstens den Garaus.

|Originaltitel: Dune: The machine crusade, 2003
894 Seiten
Aus dem US-Englischen von Bernhard Kempen|

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