Hoffmann, Claas – Nuit. Aleister Crowley\’s Liber AL and the Thoth Tarot. Band 1 / Volume 1

Fürst Claas vom Mars, wie sich der Autor nennt, gibt sich in seinem Arbeitsbuch „Nuit“ mal wieder die Ehre als Schriftsteller. Der Allroundkünstler machte sich bereits in den Sparten Musik, Skulptur, Malerei und Literatur einen Namen.

Das vorliegende Werk ist deshalb ein Arbeitsbuch, weil es meines Erachtens dazu anregt, über die von Hoffmann behandelte Thematik nachzudenken und sie selbst auszuprobieren. Claas Hoffmann nimmt sich Aleister Crowleys Werk als Ganzes vor, versucht Verbindungen aufzuzeigen und mitunter neue, spannende Deutungen zu geben. Seine Herangehensweise ist gerade nicht die vieler anderer Autoren in diesem Genre, die nur das Liber AL oder das Buch Thoth oder das Buch der Lügen kommentieren. Hoffmann geht akribisch vor: Er schürft in Crowleys wichtigsten Werken nach ihren Beziehungen untereinander, um neue, durch seinen kreativen Umgang hervorgebrachte Interpretation vieler thelemitischer Ideen vorzustellen. Hoffmanns Ausführungen zeugen von einer etwas schieferen Sicht auf das Ganze. Ergebnis sind leicht verständliche Einführungstexte zu den 66 Versen des ersten Kapitels des Liber AL und damit korrespondierenden Collagen, bestehend aus den Karten des Thoth-Tarots. Hoffmann verquickt die poetischen Verse mit den Bildern und Symbolen aus dem Tarot und erzeugt eine bisher einmalige Synthese. Er bricht einerseits starre Einzelbedeutungen der Karten auf und bringt durch die Zusammensetzung der symbolischen Fasern zusätzliche Deutungsmöglichkeiten hervor.

Hoffmanns Arbeit erweckt einmal mehr den Eindruck eines notwendig gewordenen, kreativen Umgangs mit Offenbarungen in Crowleys Manier. Er geht dabei als Künstler an das Liber AL heran, was einem vergleichbaren Werk voller Poesie und Allegorie bestimmt gerecht wird. „Nuit“ ist aber nicht zuletzt deshalb auch ein Arbeitsbuch, weil es eine unkonventionelle und erfinderische Handhabung der Thelema-Philosophie begünstigt; als neu-aeonisch ist das durchaus zu bezeichnen, denn Fürst Claas vom Mars zeigt, dass Thelema keine religiös verbrämte Pseudooffenbarung ist, sondern eine kreativ-philosophische Methode, die in einer reflektierten Lebenskunst aufgehen kann.

Das Buch enthält neben den Collagen und den Begleittexten in deutscher und englischer Sprache auch einige Essays zum Thema Thelema und Anthroposophie u.v.m. Auf weitere Bände ist zu hoffen; das Liber AL bietet mit den Kapiteln „Hadit“ und „Ra-Hoor-Khuit“ ja noch genug Möglichkeiten.

http://www.akron.ch
http://de.wikipedia.org/wiki/Liber__AL__vel__Legis
http://de.wikipedia.org/wiki/Thelema
http://de.wikipedia.org/wiki/Aleister__Crowley

Schreibe einen Kommentar