Howe, Katherine – Hexenbuch von Salem, Das

Die Hexenprozesse von Salem sind eine traurige historische Wahrheit. In dem kleinen Ort in Neuengland kam es um 1692 zu einer ganzen Reihe von Anschuldigen, Prozessen und Hinrichtungen. Dies geriet zu einem kleinen Flächenbrand, denn die Anschuldigen breiteten sich über die Stadtgrenzen Salems hinaus aus.

Was waren die Gründe dafür, dass mehr als 200 Personen der Hexerei bezichtigt wurden und unter Folter aussagen mussten? Die Quellen und Historiker erklären, dass es viele recht unterschiedliche Gründe für die Spannungen gab, die schließlich eskalierten. In der kleinen Gemeinde Salem, die immer wieder von Indianerangriffen bedroht wurde, waren die meisten Siedler Puritaner die eine unabhängige Gemeinschaft bilden wollten, andererseits gab es noch verschiedene Interessengruppen, welche die Handelsbeziehungen um Vordergrund sahen, so dass es grundsätzlich zwei Lager mit unterschiedlichen Interessen gab.

Sicherlich spielt der Aberglaube eine ebenso wichtige Rolle. Es könnte sich auch eine Hysterie unter den Einwohnern entwickelt haben, deren Gründe eine schlechte Ernte, Krankheiten oder einfach abnormes Verhalten gewesen sein könnten.

Die junge Autorin Katherine Howe, deren Familie aus der Nähe von Salem stammt, ist verwandt mit zwei Vorfahren, die in der kleinen Stadt in Massachusetts lebten und Opfer dieser traurigen Tragödie wurden. Elisabeth Proctor wurde der Hexerei angeklagt, überlebte aber den Prozess. Elisabeth Howe dagegen wurde als Hexe in Salem gehängt.

_Inhalt_

An der Harvard Universität ist Connie Goodwin eine der besten Doktoranden. Mit Begeisterung stürzt sich in ihre Doktorarbeit, bei der es auch um die Hexenverfolgung in Neuengland gehen soll – um die Verfolgungen und die Prozesse in Salem.

Ein Anruf von Connies Mutter unterbricht die Recherchen und Nachforschungen, denn die angehende Doktorin soll den Haushalt ihrer seit nunmehr 20 Jahren verstorbenen Großmutter auflösen.

Widerwillig fügt sich Connie dem Wunsch und sucht das alte Haus auf, das dem Küstenstädtchen Marblehead angehört, ganz in der Nähe von Salem. Connie eröffnet sich ein völlig heruntergekommenes, verwahrlostest Haus, und so recht weiß die junge Frau nicht, wo sie damit beginnen soll, Ordnung in das Chaos zu bringen. Da Connie ohnehin schon in der Nähe von Salem sein muss, erhofft sie sich, in den dortigen Kirchregistern und Archiven Informationen über die Hexenprozesse zu finden. Stattdessen findet sie eine alte Bibel, in der auf einem Zettel „Deliverance Dane“ steht, sowie einen alten Schlüssel.

Neugierig beginnt sie mit den Nachforschungen über die Vergangenheit ihrer Großmutter und damit ihrer eigenen Familie. Als sie auf ein vergilbtes Pergament stößt und sie das auf die Spur eines sehr alten Buches bringt, welches Formeln und anscheinend Rezepte enthält, informiert sie ihre Mutter Grace, die nicht wirklich überrascht wirkt. Grace wusste von dem alten Folianten, der sich sehr lange im Familienbesitz befindet. Sie warnt ihre junge Tochter vor weiteren Nachforschungen, die zu gefährlich wären …

Als merkwürdige Dinge geschehen, die sich Connie rational nicht erklären kann, befindet sie sich bereits in höchster Gefahr.

_Kritik_

Katherine Howe lässt ihren Roman „Das Hexenbuch von Salem“ in zwei zeitlich unabhängigen Zeitebenen spielen. Primär wird die Handlung durch Connie in der Gegenwart erzählt, aber es kommt auch immer wieder zu Rückblenden in die Vergangenheit, in die Zeit der Hexenverfolgungen und Prozesse in Salem.

Die eigentliche Spannung findet aber in der Vergangenheit statt, hier wirkt sie viel greifbarer und atmosphärisch dichter als in der Gegenwart von Connie Goodwin. „Das Hexenbuch von Salem“ ist eher ein Frauenroman und befasst sich mit der familiären Vergangenheit der Autorin, die sich aber offensichtlich etwas schwergetan hat damit, ihrer Erzählung einen strikten Leitfaden zu geben.

Hier geht es weniger um historische Ereignisse, vielmehr handelt der Roman von okkulten Methoden. Die Autorin konzentrierte sich viel mehr auf magischen Okkultismus, was die Frage aufwirft, ob die Autorin selbst aktiv daran glaubt. Die Hexenprozesse in Salem sind nur der Türöffner für eine fantastische Geschichte, deren historische Motive und Recherchen im Schatten bleiben. Für die Handlung wäre es vorteilhafter gewesen, Connie und ihre Nachforschungen als Einleitung zu benutzen und sich nur auf die Hexenverfolgungen und Prozesse in Salem zu konzentrieren.

_Fazit_

„Das Hexenbuch von Salem“ ist nur bedingt zu empfehlen. Katherine Howe hätte ihre Geschichte lieber völlig zur Zeit der traurigen Ereignisse in Salem spielen lassen sollen. Konzentriert man sich auf diese Episoden im Roman und blendet die Geschehnisse um Connie aus, so wäre dies ein durchaus großartiger Roman geworden. Schade, denn der Roman hält so nicht das, was der Leser sich davon vielleicht verspricht. Die Erwartungshaltung war hoch, das Resultat leider ein wenig ernüchternd.

|Originaltitel: The Physick Book of Deliverance Dane
Originalverlag: Hyperion
Aus dem Amerikanischen von Judith Schwaab
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 512 Seiten
ISBN-13: 978-3-442-20356-7|
http://www.katherinehowe.com
[Verlagsspezial]http://www.randomhouse.de/webarticle/webarticle.jsp?aid=16773

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