Husmann, Ralf – Nicht mein Tag

Ralf Husmanns berufliche Vita liest sich wie eine Garantie für feinsten Unterhaltungsgenuss: Chefredakteur und Produzent für die |Harald Schmidt Show|, für |ANKE| und |Rent a Pocher| und obendrein Autor von |Stromberg| und |Dr. Psycho|. Wenn ein Mann wie Ralf Husmann dann einen Roman schreibt, kann das doch eigentlich nur gut werden. Wenn ein Mann wie Christoph Maria Herbst dann auch noch das Hörbuch liest, erst recht.

„Nicht mein Tag“ erzählt die Geschichte von Till Reiners, Bankangestellter, Seitenscheitelträger mit beigen Leinenhosen und nicht minder beigem Leben – absolut mittelmäßig und langweilig. Till lebt mit Frau und Sohn in Osthofen |ein Leben wie eine „Tatort“-Folge: ziemlich deutsch, mäßig spannend, mit wenig Sex, und man ahnt nach der Hälfte, wie es aus geht.|

Doch das alles ändert sich auf einen Schlag, als plötzlich Nappo in Tills Leben tritt. Als Nappo bei einem Überfall auf die Dresdner-Bank-Filiale, in der Till arbeitet, die Nerven verliert, nimmt er erst einmal Till als Geisel und dessen Subaru mit Sonnendach als Fluchtwagen. Doch Nappo ist halt nicht sehr routiniert im Umgang mit Geiseln, genauso wie Till noch etwas unbedarft im Umgang mit geiselnehmenden Bankräubern ist, und so entwickelt die Geschichte ein recht sonderbares Eigenleben …

„Nicht mein Tag“ weckt gleich auf den ersten Blick Erinnerungen an die Romane von Tommy Jaud. Ein ähnlicher Humor, ein Autor mit einem ähnlichen Hintergrund – da darf man zu Recht darauf hoffen, seine Lachmuskeln zu strapazieren. Till Reiners könnte auch einem Tommy-Jaud-Roman entsprungen sein. Auf den ersten Blick würde er sich wunderbar einreihen, neben Tommy Jauds Protagonisten Simon Peters und Pitschi Greulich.

Mit viel Wortwitz bugsiert Ralf Husmann seinen Helden durch seinen langweiligen Alltag und sorgt damit für so manchen Schmunzler. Till Reiners ist der klassische Typ, der im Restaurant immer von der Kellnerin übersehen wird: unscheinbar und uncool. Ein Typ, der in der Masse verschwindet und bislang gerade auch über seine Durchschnittlichkeit ganz glücklich war – bis sein Abenteuer mit Nappo beginnt. Till entwickelt seine ganz spezielle Art von Stockholm-Syndrom, und auch seine medienfixierte Kollegin Jessica heizt die Verwirrung rund um Tills Rolle als Geisel noch weiter an.

Als Nappo und Till dann im Fluchtwagen auf dem Weg aus der Stadt sind, fragt man sich, was eigentlich noch drei weitere CDs lang passieren soll, denn schließlich ist klar, dass Nappo früher oder später erwischt wird. Doch bis dahin passiert noch eine ganze Menge, das auch Till sich im Nachhinein nicht so ganz erklären kann.

Kennt man schon die Tommy-Jaud-Romane, so läuft man Gefahr, etwas zu hohe Erwartungen in „Nicht mein Tag“ zu stecken, denn die Ausgangssituation ist nun mal ähnlich: ähnlicher Humor, ähnliche Geschichte und obendrein noch der gleiche Sprecher wie bei der Vertonung der Tommy-Jaud-Bücher.

Schon bei Tommy Jaud hat die kongeniale Vortragsweise von Christoph Maria Herbst so manchen schmerzhaften Lachanfall verursacht. Er versteht es auf besondere Art, die komische Seite der Figuren herauszukehren, verpasst jeder von ihnen ihre eigene charakteristische Stimme und lässt die Hörbücher zu einem rundum unterhaltsamen Spaß werden. Das ist auch bei „Nicht mein Tag“ der Fall; auch hier ist es wieder im Speziellen Christoph Maria Herbst, der den besonderen Hörgenuss ausmacht.

Als Buch hätte „Nicht mein Tag“ mir vermutlich längst nicht so gut gefallen wie als Lesung. Dafür driftet der Humor hier und da dann doch zu sehr in Richtung Klamauk ab (ich erinnere hier mal nur an das ständige Gefurze von Till Reiners Bankkollegen Herrn Walter). Und auch die Entwicklung des Protagonisten gelingt Husmann nicht ganz so rund und glaubwürdig, wie es – um bei dem Vergleich zu bleiben – einem Tommy Jaud mit seiner „Resturlaub“-Figur Pitschi Greulich geglückt ist. Sicherlich wäre „Nicht mein Tag“ auch noch etwas witziger gewesen, wenn die Geschichte etwas straffer und komprimierter erzählt worden wäre. So fragt man sich zwischendurch halt doch immer mal wieder, was denn da eigentlich noch alles passieren soll. Natürlich läuft so ein Plot auch nicht ganz ohne klischeebehaftete Figuren ab, aber das gehört zur Comedy im Prinzip ja auch dazu.

Dass „Nicht mein Tag“ dennoch ein kurzweiliges Hörvergnügen ist, haben wir also in erster Linie Christoph Maria Herbst zu verdanken. Er trifft wieder einmal den richtigen Ton, lässt den völlig überforderten Till Reiners eingeschüchtert herumstammeln und Nappo schön prollig daherfluchen. Die großen Lachanfälle, wie ich sie noch bei den Tommy-Jaud-Romanen hatte (vor allem bei „Resturlaub“), bleiben bei „Nicht mein Tag“ zwar größtenteils aus, aber Husmann beweist dennoch einen feinsinnigen Wortwitz und ein unterhaltsames, ironisches Understatement.

Alles in allem liegt hier also ein Hörbuch vor, das man in erster Linie wirklich explizit als Lesung weiterempfehlen möchte. Der Humor ist ähnlich gelagert wie bei Tommy Jaud, wenngleich selbiger unerreicht bleibt. Christoph Maria Herbst unterstreicht erneut seine Qualitäten als kongenialer Sprecher des humorbetonten Hörbuchs und sorgt dafür, dass „Nicht mein Tag“ trotz einzelner Schwächen doch noch zu einem sehr unterhaltsamen Hörgenuss wird.

http://www.argon-verlag.de

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