Jackson, Steve / Kovalic, John – Super Munchkin

_Marvel oder Munchkin?_

Nach dem durchschlagenden Erfolg der nimmer endenden „Munchkin“-Reihe schien es nur eine Frage der Zeit, bis auch das allseits beliebte und gerne durch den Kakao gezogene Superhelden-Genre von Steve Jackson sein Fett wegbekommen würde. Pünktlich zur letztjährigen Messe war es schließlich soweit: Eine der unzähligen neuen Editionen des Spiels befasste sich mit denjenigen Helden, die vor allem durch das jüngste Comic-Hoch auch hierzulande wieder ein breiteres Publikum erhalten haben – oder vielmehr mit dem, was sich hier am bestem humoristisch verarbeiten ließ. „Super Munchkin“ versammelt all die zweifelhaften Helden, ihre beispiellos freakigen Kontrahenten und all das, was garantiert noch kein Starzeichner und –autor je zu Gesicht bekommen hat. Vorhang auf für Jacksons spielerisches Äquivalent zu Marvel, DC und Co.!

_Superhelden gleich Ideallösung_

Ja, ja, die Philosophien über das wohl beste, möglicherweise perfekte „Munchkin“-Spiel haben schon so manchen Freak einige hitzige Diskussionen beschert. Regelmodifikationen sind diesbezüglich sicher kein gültiger Maßstab mehr, da prinzipiell kaum mehr einbezogen, jedoch auch nach ca. 20 Publikationen der Rollenspiel-Persiflage auch nur noch von den wenigsten erwünscht. In „Munchkin“ geht es darum, wie themenbezogene Ideen zeichnerisch gestaltet und inhaltlich umgesetzt werden, und daher liegt der Fokus auch bei „Super Munchkin“ einzig und allein darauf, inwiefern sich der Spielautor in diesem Zusammenhang mit witzigen Ideen und umwerfend komischen Illustrationen profilieren darf. Und er darf …

Alleine die vielen zweifelhaften Helden, die der Mann in dieser Edition zum Leben erweckt hat, rechtfertigen schon einen genaueren Blick ins Schachtelinnere, orientieren sie sich doch zumeist an schon bestehenden Figuren und Persönlichkeiten, die wiederum in der zeichnerischen Nachahmung kaum mehr ernst genommen werden können. Institutionen wie der F.I.S.K.U.S und die Schleimschleuder messen sich mit pflanzlichen Mutanten wie Ent-setzlich (köstlich, Tolkien wird sich im Grabe umdrehen) oder Doktor Todeshauch, während der Held der ehemaligen Sowjetunion den Kommunismus mit aller Macht propagiert. Die Hilfsmittel sind hingegen größtenteils dem klassischen Superhelden-Repertoire entnommen. Ein Allzweckgürtel sowie die schießenden Stiefel kennt man nicht zuletzt aus Batmans Schatzkiste, der Strahlenring und die Lizenz zum Verwüsten kennt man ebenfalls aus den einschlägigen Waffenkammern der Bösewichte. Fast noch witziger ist die Wahl der Handlanger ausgefallen. Voila, hier kommt der Affe im gleichen Kostüm, vielleicht sogar die gelungenste Darstellung im ganzen Spiel, die den langsam nervigen Trend bekämpft, dass auf einen Original-Helden gleich ein Dutzend verwandte Nachahmer kommen. Und wenn diese Figuren dann auch noch Vorgeschichten wie ‚In mysteriösen Energien gebadet‘ oder ‚Von radioaktivem Chihuahua gebissen‘ erzählen können, kann im Grunde genommen nichts mehr anbrennen.

Ansonsten orientiert sich der Designer der „Munchkin“-Serie fast ausschließlich am Alltagsgeschehen der weltweit bekannten und populären Multiversen. Außergewöhnliche Waffen werden teilweise sogar eins-zu-eins aufgegriffen, um die Trivialität noch deutlich herauszustellen, und diesbezüglich noch einmal mit den üblichen, bissigen Kartentexten untermalt. Dies schien indes auch erforderlich, da eine zu krasse Abgrenzung letztendlich wahrscheinlich das Thema verfehlt hätte und zudem auch der Witz mitunter auf der Strecke geblieben wäre. In diesem Sinne hat Jackson ergo den richtigen Weg eingeschlagen, ihn mithilfe seines ständigen Sidekicks John Kovalic erneut farbenfroh inszeniert und mit begeisternd ulkigen Beispielen ausgemalt. Eben so, wie wir es von Dr. Munchkin kennen und lieben.

_Persönlicher Eindruck_

Ist „Super Munchkin“ nun also die ultimative Lösung? Nun, zumindest für diejenigen Interessenten, bei denen Superman und Co. tagtäglich gastieren, scheint dies definitiv der Fall zu sein. Dabei muss noch einmal betont werden, dass der Autor dieses Mal nicht ganz so frei agieren konnte und fast schon gezwungen war, populäre Charaktere in seine Spielinterpretation mit aufzunehmen. Schließlich wäre die Würze sicherlich abgeflaut, würde man diverse alte Bekannte in „Super Munchkin“ nicht wiedertreffen. Von einer befriedigenden Lösung dieses ‚Problems‘ zu reden, wäre letztendlich jedoch noch stark untertrieben, da es dem Spielentwickler vorzüglich gelungen ist, den Balanceakt zwischen themenbezogener Persiflage und seiner persönlichen künstlerischen Freiheit angemessen zu meistern. Zudem steigt der Humor bereits nach wenigen Minuten wieder gen Siedepunkt. Originelle Klassen (u. a. Techno), feine Anti-Helden und erneut einfallsreiche Begleiterscheinungen und Hilfsmittel bereichern das Spielprinzip um einen weiteren, herrlichen Kartenschatz und die Reihe um einen neuen erfrischenden Titel. Eine Fortsetzung ist mittlerweile auch schon auf dem Markt, bei der durchgehenden Klasse aber auch mehr als verständlich. „Super Munchkin“ gehört ganz klar zu den besten Beiträgen in der endlosen Kartenspiel-Reihe!

http://www.pegasus.de/

|Siehe ergänzend dazu:|

[„Munchkin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3628
[„Munchkin Impossible“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3644
[„Star Munchkin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3827
[„Munchkin beißt!“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3828
[„Munchkin Cthulhu“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3884

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