Jeschke, Wolfgang (Hrsg.) – Ikarus 2001. Best of Science Fiction

_Best of Classic SF, mit seltsamen Lücken_

Wolfgang Jeschke, der ehemalige Herausgeber der SF- & Fantasy-Reihe im Heyne-Verlag, hat als seine letzten Herausgebertaten drei Bände mit den besten SF-Erzählungen veröffentlicht:

1) Ikarus 2001
2) Ikarus 2002
3) Fernes Licht

Die Beiträge in diesen drei Auswahlbänden stammen von den besten und bekanntesten AutorInnen in Science-Fiction und Phantastik. In diesem ersten Band sind Beiträge aus den Jahren 1955 bis 1987 vertreten.

_Der Herausgeber_

Wolfgang Jeschke, geboren 1936 in Tetschen, Tschechei, wuchs in Asperg bei Ludwigsburg auf und studierte Anglistik, Germanistik sowie Philosophie in München. Nach Verlagsredaktionsjobs wurde er 1969-1971 Herausgeber der Reihe „Science Fiction für Kenner“ im Lichtenberg Verlag, ab 1973 Mitherausgeber und ab 1977 alleiniger Herausgeber der bis 2001 einflussreichsten deutschen Science-Fiction-Reihe Deutschlands beim Heyne Verlag, München. Von 1977 bis 2001/02 gab er regelmäßig Anthologien – insgesamt über 400 – heraus, darunter die Einzigen mit gesamteuropäischen Autoren.

Seit 1955 veröffentlicht er eigene Arbeiten, die in ganz Europa übersetzt und z. T. für den Rundfunk bearbeitet wurden. Er schrieb mehrere Hörspiele, darunter „Sibyllen im Herkules oder Instant Biester“ (1986). Seine erster Roman ist „Der letzte Tag der Schöpfung“ (1981) befasst sich wie viele seiner Erzählungen mit Zeitreise und der Möglichkeit eines alternativen Geschichtsverlaufs. Sehr empfehlenswert ist auch die Novelle „Osiris Land“ (1982 und 1986). Eine seiner Storysammlungen trägt den Titel „Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan“.

_Die Erzählungen_

_1) Walter M. Miller: Der Darfsteller (The Darfsteller, 1955)_

In der nahen Zukunft hat das von programmierbaren Schaufensterpuppen ausgeführte „Autodrama“ das traditionelle Theaterschauspiel abgelöst – und mit ihm auch die menschlichen Darsteller. Thornier, der einst große Mime, hat dadurch seine Berufung verloren, doch er arbeitet immer noch im Theatergebäude: als Reinigungskraft. Dass er sich erniedrigt fühlt, versteht sich von selbst. Sein Kumpel Rick erklärt, wie das Autodrama im einzelnen funktioniert, und ein tollkühner Plan.

Als das neue Stück namens „Der Anarchist“ seine Premiere hat, will er die Puppe der Hauptfigur ausfallen lassen und für sie einspringen. Soweit klappt sein Plan auch hervorragend, denn die Koproduzentin spielt mit, ist sie doch eine alte Bekannte von Thornier. Doch dann taucht auch seine frühere Geliebte Mela auf, die ebenfalls in diesem Stück durch eine Puppe verkörpert wird. Und an diesem Punkt beginnen die Dinge schiefzugehen …

|Mein Eindruck|

In jeder Zeile verrät der Autor seine genaue Kenntnis des Theaters, und zwar nicht nur von dessen äußerer Mechanik und Verwaltung, sondern auch vom Innenleben der Schauspieler – wie sie „ticken“, was sie motiviert, was sie zum Versagen und zum Weitermachen bringen kann. Diese Psychologie erfüllt den Charakter der Hauptfigur der Geschichte auf glaubwürdige Weise und bringt den Leser dazu, mit ihm zu fühlen: sich zu freuen, mit ihm zu bangen.

Der Autor verschließt auch nicht die Augen vor der Notwendigkeit der Veränderung durch neue Technik: Rechner, Fernsehen, Schreibmaschine, was auch immer – nun ist es eben Autodrama. Doch er sagt auch, dass jede unabwendbar erscheinende Veränderung nicht immer zum Besten ausschlagen muss. Die Hauptsache ist doch meist, dass sie Geld einbringt. Wenn dadurch einige tausend Leute ihren Job verlieren – nun ja, dann müssen sie eben umsatteln. Leichter gesagt als getan.

Was die Geschichte inzwischen antiquiert erscheinen lässt (anno 1982 wohl nicht so sehr als jetzt, 2007), sind natürlich die technischen Details. Die Programmierung der „Mannequins“, die wie frühere Stars aussehen, erfolgt noch mit Lochstreifenbändern wie anno dazumal und noch nicht mit magnetischen (Festplatte) oder optischen Medien (mit Laserabtastung) wie heute. Auch das ein paar verwirrende Druckfehler den Leser stören, gehört zu den Schwächen dieses Textes. Auf Seite 388 muss es z.B. statt „mit einem … Federhütchen und dem Kopf“ natürlich „auf dem Kopf“ heißen.

_2) David J. Masson: Ablösung (Traveller’s Rest, 1965)_

Der Soldat H kämpft in vorderster Front einen Grenzkrieg, von dem er nicht weiß, wer der Feind ist und wer ihn angefangen hat. Endlich wird er abgelöst und darf zurück in die Heimat. Erst den Berg hinab, weiter unter Beschuss, dann ins Teil, wo er seinen Kampfschutzanzug loswird und Zivilkleidung bekommt. Er kann sich jetzt an seinen Namen erinnern: Hadol oder Hadolaris, richtig? Der Zeitgradient scheint auch seine Erinnerung zu beeinflussen.

Ganz oben an der Bergfront ist die Zeit aufgrund der Konzeleration am dichtesten: Sie vergeht kaum. Je weiter er ins Tal und dann in die Ebene gelangt, desto mehr Zeit vergeht für ihn subjektiv. Deshalb versucht er auch, so weit wie möglich von der Front wegzukommen, um eben mehr Zeit für sein Leben zu haben. Nicht jeder wird abgelöst, das muss er ausnutzen. An der Südostküste findet er einen Job in einer Firma und steigt dort im Laufe der Jahre auf, die nun vergehen. Er gründet eine Familie und zieht drei Kinder groß, für deren Zukunft er mit seiner Frau Mihanya schon Pläne schmiedet.

Doch nach 20 Jahren holen sie ihn wieder: drei Soldaten, die ihm seinen Einberufungsbefehl zeigen. Er muss sofort mitkommen, ohne seine Familie zu benachrichtigen. Alles verläuft wieder umgekehrt. Die Konzeleration schlägt wieder zu: Im Bunker an der Front sind seit seiner Ablösung lediglich 22 Minuten vergangen, rechnet er nach. Jetzt ist er nur noch Had, dann bloß noch H, als er lossprintet, um seine Stellung zu erreichen.

|Mein Eindruck|

Die Parallelwelt, in der Hadolarison lebt, hat einige Ähnlichkeit mit den Vereinigten Staaten, doch es gibt einen gravierenden Unterschied: die Zeitgradienten zwischen der Grenze in den Bergen und dem Hinterland. Dadurch vergeht die Zeit unterschiedlich schnell und sehr relativ. Das betrifft sogar den Aufenthalt im Nordosten im Gegensatz zum Südosten.

Merkwürdig kommt es Hadolaris vor, dass an der Grenze der Gradient praktisch gegen unendlich geht, so dass dort fast keine Zeit vergeht. Es ist, als wäre die Grenze ein Spiegel. Und wenn das stimmt, dann wären die Geschosse, die der Feind abfeuert, im Grunde die eigenen. Als er diesen ketzerischen Gedanken äußert, wird ihm gesagt, er solle sich nicht lächerlich machen.

Besonders interessant fand ich, dass zusammen mit der Zeitdehnung auch der Name des Soldaten immer länger wird: von H zu Had zu Hadol zu Hadolaris zu Hadolarisón und so weiter. In umgekehrter Richtung verkürzt sich der Name bis hin zum Einzelbuchstaben H. Hadols Bezeichnung allerdings lautet XN2. Die Entpersönlichung, die hier angedeutet wird, ist ein typisches Merkmal militärischer Strukturen, wie sie etwa in Kubricks „Full Metal Jacket“ erschreckend dargestellt wurden. Der Mensch darf nicht als Individuum existieren, sondern muss als Rädchen im Getriebe funktionieren, und das geht nur, wenn er austauschbar ist: eine Nummer.

_3) Roger Zelazny: Der Former (He Who Shapes, 1965)_

Bedeutende Forschungen auf dem Gebiet der Psychiatrie haben zur Einführung einer neuen Technik, der Neuro-Partizipations-Therapie, geführt. Mit ihrer Hilfe kann der Therapeut direkt in das Unterbewusstsein des Patienten eindringen, von dort aus den Heilungsprozess beginnen und den Patienten langsam umformen. Ein solcher „Former“ ist Charles Render. Er spielt Gott, indem er realistische Traumwelten in der Psyche seiner Patienten modelliert, die, richtig angewendet, zur allmählichen Gesundung führen sollen. Bis eines Tages …

Dr. Eileen Shallot, eine blinde Psychiaterin, bittet Charles Render, ihr über den Umweg der Geistesverbindung das Sehen zu ermöglichen, ein lang gehegter Wunsch der Blinden. Trotz der Gefahren, welche die Therapie bei willensstarken Personen mit sich bringt – die von Geburt an blinde Eileen verfügt über ein Realitätsempfinden, das stark von der tatsächlichen Realität abweicht – ist Render bereit, die Therapie zu beginnen. Um Eileens geistige Gesundheit zu erhalten, muss er ihre ‚idyllische‘ Weltsicht durch das Aufzeigen realer Dinge korrigieren. Aber sie erweist sich als stärker als er und zieht ihn in ihre Traumwelt hinein, bis es für Render kein Entkommen mehr gibt. Der Psychiater endet im Wahn. Aber in einem schönen.

|Mein Eindruck|

Ist dies nun eine Drogenstory, die sich auf einen Trip begibt, wie ihn Timothy Leary mit Hilfe von LSD verwirklichen wollte und anpries? Oder geht es doch „nur“ um den inner space, also die Bewusstseinswelt, die ähnlich bizarr ausfallen kann wie eine fremde Welt? Darin folgt Zelazny der britischen New Wave und ihrem wichtigsten Autor J. G. Ballard.

Der Autor zieht C.G. Jungs Psychologie heran, um den Leser durch eine Galerie mythischer Elemente zu führen, die teils aus der Artussage, teils aus der nordischen Götterdämmerung stammen. Es ist ein ganz schön bunter Trip, voll faszinierender Erlebnisse, und manchmal wünschte ich mir, auch so einen Former zu kennen, der mal mein eigenes Unterbewusstsein aufräumen würde. Zelazny hat die Novelle zu einem Roman ausgebaut: „The Dream Master“ erschien 1966.

_4) Alfred Bester: Die Mörder Mohammeds (The Men Who Murdered Mohammed, 1967)_

Henry Hassel, Professor am Psychotic Center der Unknown University irgendwo im Mittelwesten, ist eifersüchtig: Er hat seine Frau Greta in den Armen eines Fremden entdeckt. Doch statt sie beide über den Haufen zu schießen, fällt ihm als verrücktes Genie etwas viel Besseres ein: eine Reise in die Zeit, um Gretas Vorfahrinnen zu töten. Die Zeitmaschine ist rasch erfunden und Großvater sowie Großmutter getötet. Der Effekt? Gleich null. Greta und der Fremde liegen sich weiterhin in den Armen.

Nach einem Anruf bei der Künstlichen Intelligenz Sam ändert Henry seine Methode: Er setzt auf Masseneffekte. Daher erschießt er als nächsten George Washington im Jahr 1775. Die Wirkung? Absolut null. Ebenso auch bei Napoleon, Mohammed, Caesar und Christoph Kolumbus. Woran kann es nur liegen, fragt er sich frustriert.

Ein Anruf bei der Bibliotheks-KI bringt ihn auf die Spur eines weiteren Zeitreise-Genies: Israel Lennox, Astrophysiker, der 1975 verschwand. Zudem erfährt er, dass auch der Liebhaber seiner Frau ein Zeitspezialist ist, William Murphy. Könnte er ihn ausgetrickst haben? Lennox belehrt Henry eines Besseren: Henry Problem liegt nicht an seiner Methode, sondern an der Natur der Zeit: Sie ist stets individuell. Eine Veränderung betrifft stets nur den Zeitreisenden selbst, nicht aber die anderen Zielpersonen. Und weil jeder „Mord“ den Zeitreisenden weiter von seinen Mitmenschen entfernt, ist Henry Hassel jetzt ebenso wie Israel Lennox ein Geist …

|Mein Eindruck|

Die Story ist zwar völlig verrückt, aber eminent lesbar, wie so häufig bei Alfred Bester. Neu ist hier das Konzept, dass Zeit völlig individuell sein soll. Jedem Menschen ist wie einer Spaghettinudel im Kochtop seine eigene Zeit zugewiesen (von wem, fragt man sich). Das macht die Einwirkung auf andere Zeit-Besitzer, quasi also auf andere Nudeln im Topf, unmöglich. Noch irrsinniger ist die Vorstellung, dass all die Versuche, auf andere einzuwirken, zum Verschwinden des „Mörders“ führen könnten. Aufgrund welcher Gesetzmäßigkeit? Hat es etwas mit Entropie zu tun? Der Autor erklärt mal wieder nichts, obwohl er mit Formeln um sich wirft, was den Spaß nur halb so groß werden lässt.

_5) J. G. Ballard: Der Garten der Zeit (The Garden of Time, 1967)_

Graf Axel lebt mit seiner klavierspielenden Frau in einer prächtigen Villa, zu der ein See und ein bemerkenswerter Garten gehören: In diesem Garten wachsen die Zeitblumen. Eine Zeitblume speichert in ihrer kristallinen Struktur Zeit und wenn Graf Axel eine Blüte bricht, so dreht er die Zeit ein wenig zurück, mal eine Stunde, mal nur wenige Minuten, je nach der Größe und Reife der Blume.

Diesmal bricht er wieder eine, denn über die Anhöhe des Horizonts drängt eine Lumpenarmee auf die Villa zu, die alles in ihrem Weg zu zertrampeln und zu zerstören droht. Schwupps, ist die Armee wieder auf den Horizont zurückgeschlagen. Aber das nicht ewig so weitergehen. Leider sind nur noch ein halbes Dutzend Zeitblumen im Garten der Zeit verblieben. Seine Frau bittet ihn, die letzte Blüte für sie übrigzulassen …

Als die Lumpenarmee den Garten erobert und die Villa plündert, findet sie nur noch eine Ruine vor, der Garten ist verlassen und verwildert. Nur mit größter Vorsicht umgehen die namenlosen Plünderer ein Dornendickicht, das zwei Steinstatuen umschließt: einen Mann und eine edel gekleidete Frau, die eine Rose in der Hand hält …

|Mein Eindruck|

Das Szenario des Grafen und seiner Gräfin in ihrem Garten aus konservierter Zeit sind eine elegische Metapher auf die gesellschaftliche Überholtheit der adeligen Klasse. Sie huldigt Idealen von Schönheit, die dem „Lumpenproletariat“ – ein begriff von Marx & Engels – völlig fremd sind. Dieses sucht lediglich materielle Werte, zerstört Bilder und Musikinstrumente ebenso wie Bücher, um Heizmaterial zu erhalten. Der Gegensatz ist klar: Bei den Adeligen bestimmt das Bewusstsein das Sein, bei den Proleten ist es umgekehrt: Der Materialismus triumphiert. Die hinfortgespülte Klasse existiert nur noch als Statuen, genau wie heutzutage.

Ein SF-Autor also, der der Revolution das Wort redet? Wohl kaum, denn sonst würde er den zerbrechlichen Zeitblumen solche schönen Worte widmen, die an Poesie nichts zu wünschen übriglassen. Er trauert den vergangenen Idealen nach, doch der Garten macht seine eigene Aussage: Sobald die letzte Blume vergangen ist, bricht die aufgeschobene Zeit mit aller Macht über die Adeligen herein und lässt sie zu Stein erstarren. Wie immer bei Ballard ist dieser abrupte Übergang überhaupt nicht kommentiert oder gar einer Erwähnung wert. Der Leser muss ihn sich dazudenken.

_6) George R. R. Martin: Abschied von Lya (A Song For Lya, 1973)_

Robb und Lyanna sind Talente – er kann Gefühle anderer erspüren, sie deren tiefste Gedanken. Auf Bitten des Planetaren Administrators der erst vor zehn Jahren erschlossenen Welt der Shkeen sollen sie herausfinden, was die menschlichen Siedler in die Arme der Religion der Ureinwohner treibt – und wie man dies verhindern kann. Denn bei dieser Religion geht es darum, sich mit einem Parasiten zu verbunden und nach Ablauf weniger Jahre sich in den Höhlen von Shkeen, einem Riesenparasiten, dem Greeshka, hinzugeben – und absorbiert zu werden.

Nicht auszudenken, wenn sich dieser Kult auf andere Welten der Menschheit ausdehnen würde. Immerhin hat sich Gustaffson, einer der Vorgänger des Administrators, diesem Kult angeschlossen. Und immer mehr Menschen scheinen ihm folgen zu wollen.

Robb findet einige Dinge an dieser Welt bemerkenswert. Die Zivilisation existiert hier bereits 14.000 Jahre, ist also weitaus älter als die menschliche, doch sie befindet sich auf dem Niveau unserer Bronzezeit. Zudem glauben die Shkeen weder an ein Jenseits noch an einen Gott, sondern lediglich an das Glück der Verbundenheit mit dem Greeshka und an die abschließende Vereinigung. Aber was haben sie davon? Und warum sind die „Verbundenen“ so glücklich?

Als sich Robb und Lyanna mit dem Seelenleben der Verbundenen befassen und sogar auf Gustaffson selbst stoßen, müssen sie sich mit einem grundlegenden Problem aller denkenden und fühlenden Lebewesen auseinandersetzen: dass das fortwährende Alleinsein nur durch die Liebe oder den Tod überwunden werden kann. Was aber, wenn Liebe und Tod ein und dasselbe sind?

|Mein Eindruck|

Dieser detailliert geschilderte Kurzroman ist wunderbar zu lesen, denn der Autor befasst sich sehr eingehend mit dem Gefühlsleben des zentralen Liebespaares und dem Dilemma, in dem es sich plötzlich wiederfindet. Denn Lya hat im Geist der Verbundenen von dem Glück gekostet, das die Vereinigung mit dem Greeshka spendet.

Dieses Glück besteht offenbar nicht nur in der grenzenlosen Liebe der Vereinigung, die über die Liebe zu Robb hinausgeht, sondern auch in der Überwindung des Todes und der irdischen Begrenztheit. Kurzum: Sie ist mit einem Gott vereint, wenn sie den Übergang wagt. Aber dafür muss sie Robb verlassen, falls er ihr nicht folgt. Wie wird er sich entscheiden?

Die zunehmend elegische Stimmung ist charakteristisch für die tiefschürfenden Erzählungen des frühen George R. R. Martin. Sie brachten ihm zahlreiche Auszeichnungen und wirtschaftlichen Erfolg ein – bis er dann Drehbuchautor wurde. Aus dieser Erfahrung wiederum erwuchs ihm die Routine, um das gewaltige Epos von Winterfell zu erschaffen, das in der deutschen Ausgabe etwa zehn Bände umfasst – und offenbar immer noch nicht abgeschlossen ist.

_7) Ursula K. Le Guin: Das Tagebuch der Rose (The Diary of the Rose, 1976)_

Dr. Rose Sobel ist medizinische Psychoskopin und hat die Aufgabe, das Bewusstsein von Patienten ihrer Vorgesetzten Dr. Nades zu untersuchen, d. h. sowohl die bewusste als auch die unbewusste Ebene. Die neuesten Patienten sind die depressive Bäckerin Ana Jest, 46, und der paranoide Ingenieur Flores Sorde, 36, ein angeblich psychopathischer Gewalttäter.

Ana Jest bietet keinerlei Überraschungen, was man von F. Sorde nicht behaupten kann. Nicht nur ist er ein überaus verständiger, friedlicher und intelligenter Mann, sondern bietet Dr. Sobel auch ein besonderes Erlebnis: Aus seinem Bewusstsein generiert er das perfekte Abbild einer großen roten Rose, wie sie Dr. Sobel noch nie gesehen hat. Was hat das zu bedeuten? Doch das weitere Vordringen verhindert Sordes deutliche Blockade: „ZUTRITT VERBOTEN!“

Sobel beschwert sich über dieses Ausgeschlossenwerden und Sorde muss ihr erklären, wovor er Angst hat: vor dem Eingesperrtsein, vor Gewalt, vor Unfreiheit und vor allem vor dem Vergessen, das die Elektroschocktherapie bringen wird. Sie dementiert, dass es eine ETC geben werde, doch er lächelt nur über ihre Naivität. Sie mag ja eine Diagnose stellen, aber die Entscheidung über die Behandlung treffen andere, so etwa Dr. Nades. Oder die TRTU, was wohl die Geheime Staatspolizei ist. Durch Einblicke in seine Kindheit erkennt sie, wonach er sich sehnt: nach einem Beschützer, der ihm alle Angst nimmt. Seine Idee von Demokratie demonstriert er mit dem letzten Satz von Beethovens neunter Sinfonie: Brüderlichkeit, Freiheit usw. Au weia, denkt, Rose, er ist also doch ein gefährlicher Liberaler.

Dennoch schafft sie es, ihn aus der Abteilung für Gewalttäter in die normale Station für Männer verlegen zu lassen. Dort lernt er Prof. Dr. Arca kennen, den Autor des Buches „Über die Idee der Freiheit im 20. Jahrhundert“, das Sordes gelesen hat. Das war, bevor es verboten und verbrannt wurde. Prof. Arca hat durch die Elektroschocktherapie sein Gedächtnis verloren. Sordes befürchtet stark, dass er genauso werden wird wie Arca. Rose ist verunsichert. Sie versteckt ihr Tagebuch. Denn dieses Tagebuch enthält auch ihre eigenen geheimen Gedanken und Gefühle, und wer weiß schon, was die TRTU davon hielte?

|Mein Eindruck|

Rose Sobel denkt, sie wäre eine unbeteiligte Beobachterin, wenn sie einem Menschen ins Bewusstsein blickt. Aber das ist, wie wir durch Heisenbergs Unschärferelation wissen, eine Selbsttäuschung. Der Beobachter beeinflusst das zu Beobachtende und umgekehrt. Ganz besonders bei Menschen. So kommt Rose nicht umhin, von Sordes beeinflusst zu werden, und sich verbotene Fragen zu stellen. Fragen, die auch die klugen Ratgeber, die ihre Chefin empfiehlt, nicht beantworten: Warum haben alle so viel Angst?

Dass etwas mit ihrer eigenen Welt nicht in Ordnung sein könnte, geht ihr nur allmählich auf. Dass die TRTU ihren Patienten vielleicht völlig grundlos wegen „Verdrossenheit“ eingewiesen hat und ihn schließlich fertigmachen will, entwickelt sich nur allmählich zur schrecklichen Gewissheit. Ebenso wie die Erkenntnis, dass es keine unpolitische Psychiatrie mehr geben kann. Deshalb will sich Rose zur Kinderklinik versetzen lassen. Ob dort die Patienten weniger Angst haben werden?

Die Erzählung ist typisch für Le Guin: Sie zeigt die politische, ethische und zwischenmenschliche Verantwortung der Mitarbeiterin in der staatlichen Psychiatrie auf. Diese Verantwortung ist auf heutige Verhältnisse zu übertragen, falls es dazu kommt, dass in den USA ein Polizeistaat errichtet wird. Und wenn man den Patriot Act von 2001 mal genau durchliest, dann kann es sehr leicht dazu kommen. Ich liebe solche warnenden Geschichten. Sollen sie mich doch dafür einsperren und „therapieren“ …

_8) John Varley: Die Trägheit des Auges (The Persistence of Vision, 1977)_

Ende des 20. Jahrhunderts herrscht in den USA mal wieder Wirtschaftskrise, zumal der Raktor von Omaha in die Luft geflogen ist und eine verstrahlte Zone erzeugt hat, den China-Syndrom-Streifen. Unser Glückssucher, der sich von Chicago gen Kalifornien aufgemacht hat, passiert die Flüchtlingslager von Kansas City, die nun als „Geisterstädte“ tituliert werden. In der Gegend von Taos, New Mexico, lernt er zahlreiche experimentelle Kommunen kennen, wo man leicht eine kostenlose Mahlzeit bekommen kann. Von den militanten Frauenkommunen hält er sich klugerweise fern.

Auf dem Weg nach Westen stößt er mitten im Nirgendwo auf eine Mauer. So etwas hat er im Westen höchst selten gesehen, so dass er neugierig wird. Ein Navaho-Cowboy erzählt ihm, hier würden taube und blinde Kinder leben. Eisenbahnschienen führen um das ummauerte Anwesen herum, so dass er ihnen einfach zum Eingang folgen kann. Dieser ist offen und unbewacht, was er ebenfalls bemerkenswert findet. Gleich darauf erspäht er mehrere Wachhunde.

Um ein Haar hätte ihn die kleine Grubenbahn überfahren, die von einem stummen Fahrer gesteuert wird. Dieser entschuldigt sich überschwenglich und vergewissert sich, dass dem Besucher nichts passiert ist. Dieser versichert ihm, dass dem so ist. Der Fahrer schickt ihn zu einem Haus, in dem Licht brennt. Der Besucher bemerkt, wie schnell sich die blinden und tauben Bewohner der Kuppelgebäude bewegen. Sie tun dies aber nur auf Gehwegen, von denen jeder seine eigene Oberflächenbeschaffenheit aufweist. Unser Freund nimmt sich vor, niemals einen solchen Gehweg zu blockieren.

In dem erleuchteten Gebäude gibt es etwas zu essen. Er muss sich jedoch von vielen Bewohnern abtasten lassen. Sie sind alle freundlich zu ihm. Ein etwa 17-jähriges Mädchen, das sich weigert, wie die anderen Kleidung zu tragen, erweist sich als sprech- und sehfähig, was ihm erst einmal einen gelinden Schock versetzt. Sie nennt sich Rosa und wird zu seiner Führerin und engsten Vertrauten, schließlich auch zu seiner Geliebten.

Im Laufe der fünf Monate seines Aufenthaltes erlernt er die internationale Fingergebärdensprache, aber er merkt, dass die anderen noch zwei weitere Sprachen benutzen. Das eine ist die Kurzsprache, die mit Kürzeln arbeitet, die nur hier anerkannt sind. Die andere, viel schwieriger zu erlernende ist die Einfühlungssprache, die sich jedoch von Tag zu Tag ändert.

Als er sie schließlich entdeckt, ahnt er, dass er sie nicht wird völlig erlernen können. Denn dazu müsste er ja selbst blind und taub sein. Und dass die Sprache des Tatens auch den gesamten Körpers umfasst, versteht sich von selbst. Deshalb gehört auch die körperliche Liebe dazu.

Eines Tages erfährt er, welche Stellung er in der Kommune einnimmt. Er stellt aus Gedankenlosigkeit einen gefüllten Wassereimer auf einem der Gehwege ab und widmet sich seiner Aufgabe. Als ein Schmerzensschrei ertönt, dreht er sich um, nur um eine weinende und klagende Frau am Boden liegen zu sehen. Aus ihrem Schienbein, das sie sich am Eimer gestoßen hat, quillt bereits das Blut. Es ist die Frau, die ihn als Erste in der Kommune begrüßt hat. Nun tut es ihm doppelt leid, und er ist untröstlich. Doch Rosa informiert ihn, dass er sich einem Gericht der ganzen Kommune von 116 Mitgliedern stellen muss …

|Mein Eindruck|

Die vielfach ausgezeichnete Erzählung stellt dar, wie sich allein aus der Kommunikation eine utopische Gemeinschaft entwickeln lässt. Dass natürlich auch ökonomische, legale und soziale Randbedingungen erfüllt sein müssen, versteht sich von selbst, aber dass Außenseiter ihre eigene Art von Überlebensstrategie – in einer von Rezession und Gewalt gezeichneten Welt – entwickeln, schürt die Hoffnung, dass nicht alles am Menschen schlecht und zum Untergang verurteilt ist.

Der Besucher, ein 47-jähriger Bürohengst aus Chicago, findet in der Gemeinschaft der Taubblinden nicht nur sein Menschsein wieder, sondern auch eine Perspektive, wie er in der Außenwelt weiterleben kann. Er arbeitet als Schriftsteller, und dessen Job ist die Kommunikation.

Neben den drei Ebenen der Sprache, die die Taubblinden praktizieren, gibt es noch eine Ebene der Verbundenheit, die er nur durch die Zeichen +++ ausdrücken kann. Auf dieser Ebene findet mehr als Empathie statt, weniger als Telepathie. Aber es ist eine Ebene, erzählt ihm Rosa bei seiner Rückkehr, die es den Taubblinden (zu denen sie und die anderen Kinder nicht zählen) erlaubt hat, zu „verschwinden“. Wohin sind sie gegangen, will er wissen. Niemand wisse es, denn sie verschwanden beim +++en.

Es handelt sich also eindeutig um eine SF-Geschichte, nicht etwa um eine Taubblindenstudie, die in der Gegenwart angesiedelt ist. Für ihre Zeit um 1977/78 war die Geschichte wegweisend. Nicht nur wegen des Gruppensex und die Telepathie, die an das „Groken“ in Heinleins Roman „Fremder in einem fremden Land“ erinnert. Auch Homosexualität wird behandelt – und in der Geschichte praktiziert.

Wichtiger als diese Tabuthemen ist jedoch der durchdachte ökologische Entwurf für die Kommune und die Anklage gegen die Vernachlässigung bzw. Fehlbehandlung der Taubblinden – nicht nur in den USA.

_9) James Tiptree alias Alice Sheldon: Geteiltes Leid (Time-Sharing Angel, 1977)_

Die 19-jährige Jolyone Schram liebt die Natur und arbeitet in Los Angeles beim Rundfunksender. Dieser Sender ist neu, liegt auf einem hohen Berg und verfügt über die stärkste Sendeleistung der Stadt. Wahrscheinlich deshalb kann es an diesem zu dem ungewöhnlichen Ereignis kommen.

Erst hat Jolyone, die in einer Zahnfüllung einer Sender empfängt, eine schreckliche Vision: Die Erdoberfläche wird unter Massen von Menschen begraben. Als ein SF-Autor im Sender die finstere Zukunft der Menschheit ausmalt, hält Jolyone gerade ein Stromkabel in der Hand. Erschüttert fleht sie zu Gott, er möge all dies aufhalten. Eine unbekannte Stimme antwortet ihr auf ihrem gefüllten Zahn, dass das in Ordnung gehe.

Schon bald machen sich die ersten Anzeichen des Wirkens des Engels bemerkbar. Von jeder Familie, und sei sie noch so groß und verbreitet, bleibt nur das jüngste Kind bei Bewusstsein, alle anderen fallen in Tiefschlaf. Weltweite Panik! Doch nach ein paar Tagen verbreitet sich die Kunde von einem wieder erwachten Kind irgendwo in West-Virginia. Ein Mathegenie berechnet die Arithmetik: Wenn Mrs. McEvoy 26 Kinder hat, dann jedes davon nur etwa 14 Tage im Jahr wach sein (weil zweimal 26 genau 52 Wochen = 1 Jahr ergibt). Wer zwei Kinder hat, der kann sich an sechs Monaten Wachsein der Kinder erfreuen und so weiter. Dieser Effekt hat eine verblüffende Folge: Da nur das Wachsein als Lebenszeit zählt, können die Schläfer bis zu 3000 Jahre alt werden!

Die Welt verändert sich beträchtlich, das Wachstum kommt zu einem knirschenden Halt, Wirtschaften brechen fast zusammen, doch die Ressourcen bleiben erhalten. Die Ich-Erzählerin trifft eines Tages Jolyone im Park, und diese erzählt ihr alles. Endlich darf sich Jolyone auf die Zukunft freuen.

|Mein Eindruck|

Die Autorin Alice Sheldon hat die Erde schon viele Male untergehen lassen. Hier gewährt sie ihr wenigstens eine Gnadenfrist, eine Art Nothalt. Die Geschichte mit den Schläfern erinnert an die Romane von Nancy Kress, in denen eine Schläfer-Generation dem alten Homo sapiens Konkurrenz macht. Allerdings handelt es sich um Leute, die keinen Schlaf benötigen, also pro Tag acht Stunden mehr zur Verfügung haben. Auch daraus ergeben sich diverse Folgen.

_10) Dean R. Lambe: Tefé Lauswurz (Damn Shame, 1979)_

Die zwei amerikanischen Studienfreunde Albert und Frederick haben verschiedene Wege in der Medizin eingeschlagen. Al wurde Allgemeinarzt in Wisconsin, Fred ist in Kalifornien in die Krebsforschung gegangen. Nun meldet Fred in einem Brief den Durchbruch: Die Versuchsreihe mit dem Präparat AC337 führt zu sagenhaften Remissionen bei den Krebszellen! Das haut Al noch nicht vom Hocker. Erst als er zwei Patienten mit Krebs im Endstadium bekommt, wendet er sich an Fred. Die nicht ganz legal gelieferte Menge reicht aus, um eine vollständige Heilung zu bewirken.

Al ist hin und weg. Doch dann schreibt er Fred, dass seine Frau Ruth Brustkrebs im Anfangsstadium habe. Er brauche mehr von AC337. Fred schreibt seinen Lieferanten an, doch der muss passen: von dem pflanzlichen Grundstoff werde aus Brasilien nichts mehr geliefert, v. a. wegen der anti-amerikanischen Unruhen. Es gebe aber noch einen Arzt …

Leider ist auch dieser Arzt verstorben, erfährt Fred. Dr. Linhares habe sich umgebracht, als der große Amazones-Staudamm geflutet wurde – und damit auch das winzige Vorkommen des pflanzlichen Wunderstoffs von AC337 …

|Mein Eindruck|

Die Moral von der Geschicht‘ ist einfach: Die Menschheit opfert ihre Gesundheit dem Gott des Fortschritts. Ein soeben entdecktes Krebsheilmittel wird für immer unter den Fluten des Amazones-Stausees verschwinden. Die bittere Ironie dieser Erkenntnis wird konterkariert von der freundschaftlichen Verbindlichkeit, die sich im Schriftverkehr der beiden Freunde spiegelt. Dort scheint die Welt in Ordnung zu sein. Doch draußen, wo fremde Kräfte walten, ist sie es nicht. Eine Geschichte, die uns zur Warnung dienen sollte. Denn weiterhin werden Wälder vernichtet – und mit ihnen Heilmittel.

_11) Michael Swanwick: Der blinde Minotaurus (The Blind Minotaur, 1984)_

Der blinde Minotaurus ist ein Unsterblicher auf einer Menschenwelt in ferner Zukunft. Nachdem er seinen Freund, den Harlekin bei einer Gauklertruppe, in der Arena aufgrund einer Hormonmanipulation getötet hat, reißt er sich zur Selbstbestrafung die Augen heraus. Geblendet nimmt ihn seine Tochter Schafgarbe an der Hand. Doch wo ist ihre Mutter?

Er sitzt von nun an als Bettler am Straßenrand. Doch die Herrschaft der Adligen wankt. Vorbei sind die Zeit, da sie von allen als überlegen angesehen wurden, und seltsame Sekten und Rebellen gedeihen im entstehenden Chaos. Unter den Attacken junger Tunichtgute und seltsamen Sekten leidend, richtet sich der blinde Unsterbliche zum Protest auf. Er ruft die Bürger dazu, ihre Freiheit zu verteidigen. Im Hafenviertel erzählt er seiner Tochter und den anderen Bürgern der Stadt, was mit ihm geschah und wie es dazu gekommen konnte.

|Mein Eindruck|

Der Autor Michael Swanwick erzählt häufig Geschichten von Außenseitern. Hier schildert er in Rückblenden die Geschichte eines Unsterblichen, der in eine Art Umsturzbewegung gerät. Aus den Momentaufnahmen muss sich der Leser selbst ein Bild dessen zusammensetzen, was eigentlich passiert. Die Handlung verläuft aufgrund der Rückblenden auf zwei verschiedenen Zeit-Ebenen, und so heißt es aufpassen, auf welcher man sich gerade befindet.

Einer der wichtigsten Aspekte des Minotaurus ist seine sexuelle Potenz. Deshalb beglückt er auch in seinem sehenden Leben zahlreiche Frauen. Das eigentliche Rätsel besteht nun in dieser Hinsicht darin, wie es zur Zeugung seiner Tochter kommen konnte, wenn er doch, wie er sagt, stets „vorsichtig“ war. Könnte die Lady mit der Silbermaske, die ihm zweimal begegnet, die Mutter Schafgarbes sein?

Auch die Sache mit den Hormonen und Pheromonen bildet ein interessantes Element. Und für den Blinden ist das Riechen einer der wichtigsten Sinne geworden. So führt uns die Geschichte in zwei Welten, in die vor und die nach der Blendung der Hauptfigur.

_12) David Brin: Thor trifft Captain Amerika (Thor Meets Captain America, 1986)_

Man schreibt den Spätherbst des Jahres 1962, und noch immer wütet der Zweite Weltkrieg zwischen den Nazis und den Alliierten. Der Grund: anno ’44, kurz vor der Invasion der Normandie, als der Krieg bereits gewonnen schien, erschienen die Fremdweltler in Gestalt der nordischen Götter, der Asen. Der Gott der Stürme fegte die riesige Armada von der Oberfläche des Ärmelkanals. Thor zerschlug die vorgerückten Armeen der Russen, so dass sich in Israel-Iran das Zentrum des Widerstands bildete.

Doch es gibt seit 1952 einen Helfer auf Seiten der Alliierten, mit dem man nicht gerechnet hat: Loki, der Gott des Trugs. Er war es, der die Amis vor dem Einsatz der H-Bombe warnte, denn der Nukleare Winter würde auch sie vernichten. Nun haben die Amis in einer letzten verzweifelten Aktion ein Dutzend U-Boote ausgesandt, um die Asen in ihrem Zentrum anzugreifen, auf der schwedischen Insel Gotland. Vier sind davon noch übrig, und in einem davon sitzt Loki neben Captain Chris Turing, dem Leiter dieses Himmelfahrtskommandos. Sie haben eine zerlegte H-Bombe bei sich, um die Unsterblichen ins Jenseits zu blasen.

Doch die zusammengewürfelte Truppe des Kommandos wird entdeckt, und die Dinge entwickeln sich völlig anders als geplant. Hat Loki sie etwa verraten?

|Mein Eindruck|

Dieser Alternativgeschichtsentwurf ist an die Marvel-Comics angelehnt, deren Verfilmungen wir ironischerweise jetzt erst in den Kinos besichtigen dürfen – ein Vierteljahrhundert nach dieser Pastiche. Oder sollte ich sagen „Persiflage“? Denn weder Thor ist der aus den Comics, sondern ein echter Alien, der nicht mal ein Raumschiff brauchte, um zur Erde zu gelangen. Und wer ist der „Captain America“ des Titels? Natürlich Catain Chris Turing – ein Kerl, der von Dänen abstammt statt von echten Amis.

Allerdings ist das Szenario angemessen grimmig. Nazis überall, vor allem Totenkopf-SS, die dem Asen- wie dem Todeskult anhängt, und natürlich nordische Priester – für die Blutopferzeremonie. Aber diese Wichte haben bei den Asen, die sie gerufen haben, nichts mehr zu melden. Sie machen dementsprechend säuerliche Mienen zur Opferzeremonie.

Da die Lage sowieso aussichtslos ist, kommt es für Chris Turing auf einen guten Abgang an. Er überlegt sich, was es sein könnte, das die Asen so mächtig macht. Als er auf den Trichter kommt – dank eines kleinen Hinweises von Loki -, fällt ihm auch das einzige passende Gegenmittel ein, das dagegen hilft: Gelächter …

Entfernt man all diesen mythologischen Überbau, bleibt eine zentrale Szene übrig: Ein jüdischer KZ-Insasse, der den sicheren Tod schon vor Augen hat, lässt die Hose herunter und zeigt seinen Mörder den Hintern und ruft: „Kiss mir im Toches!“ Na, das nenn ich mal Todesverachtung.

_13) Kim Stanley Robinson: Der blinde Geometer (The Blind Geometer, 1987)_

Carlos Nevsky ist von Geburt an blind und hat sich mit seiner „Behinderung“ ausgezeichnet eingerichtet, ja, er ist sogar Professor für Geometrie an einer Washingtoner Universität geworden. Sein räumliches Vorstellungsvermögen ist ausgezeichnet. In letzter Zeit fällt ihm auf, dass sein Kollege Jeremy Blasingame ihn auffällig aushorcht, wie dieser glaubt. Dann tauchen Carlos‘ Ideen in dessen Veröffentlichungen auf – sicher kein Zufall, oder?

Carlos ist ein begieriger Leser alter Detektivgeschichten, insbesondere über Carrados, den blinden Detektiv. Was also lässt sich aus Jeremys Verhalten deduzieren? Dass er in jemandes Auftrag handelt? Carlos weiß, dass Jeremy mit dem militärischen Geheimdienst im Pentagon zu tun hat. Aber was hat das Pentagon, das sich ja vor allem für Waffen interessiert, mit n-dimensionaler Vervielfältigungsgeometrie am Hut?

Eines Tages gibt ihm Jeremy eine geometrische Zeichnung. Sie stamme von einer Frau, die gerade verhört werde. Alles gedruckte kopiert Carlos mit seinem Spezialkopierdrucker in Braille-Schrift. Die Zeichnung ist nichts besonderes, nur etwas Grundlegendes. Er besteht darauf, die Frau persönlich zu sprechen. Jeremy bringt sie und stellt sie als Mary Unser vor, eine angebliche Astronomin. Ihre Ausdrucksweise ist ungrammatisch. Ist das Absicht? Kann er ihr trauen? In einem unbeobachteten Augenblick, als Jeremy Trinkwasser holt, gibt Mary Carlos Signale per Handdruck. Was will sie ihm sagen?

Allmählich weiß Carlos, dass etwas nicht stimmt, und entdeckt zwei Abhörgeräte in seinem Büro. Er kauft sich selbst eine Wanze, die er in Jeremys Büro platziert. Dieser telefoniert mit einem Mann in Washington, der sich nie identifiziert. Um mehr herauszufinden, macht sich Carlos an Mary heran. Aber auch jetzt muss er sich fragen, ob sie verdrahtet ist. Erst während eines heftigen Gewitters, das alle Abhörgeräte außer Gefecht setzt, kann sie ihm die erstaunliche Wahrheit anvertrauen …

|Mein Eindruck|

Dieser Blinde ist so ziemlich das Gegenteil von der Blindenkolonie in John Varleys Erzählung „Die Trägheit des Auges“. Sogar dessen Heldin Helen Keller (1880-1968) wird als textbesessene Träumerin kritisiert, die viktorianische Wertvorstellungen nachhing. Dagegen nimmt sich Carlos Nevsky doch ziemlich modern aus. Wenn er auch eine eigene virtuelle Welt in seinem Kopf errichtet hat, so weiß er sich doch in der sogenannten Realität ausgezeichnet zu bewegen, denn auch davon hat er ein geometrisch exaktes Abbild in seinem Gedächtnis gespeichert.

Doch all dies gerät durcheinander, als ihm Jeremy eine Wahrheitsdroge verabreicht, die ihn dazu bringen soll, seine kühnsten Entwürfe offenzulegen. Das passiert zwar nicht, aber Carlos wankt dennoch völlig desorientiert durch Washingtons Straßen. Und dann ist da ja noch Mary, die ihn seelisch schwer aus dem Gleichgewicht bringt. Mir ihr zu schlafen, ist nicht schwer, doch kann er ihr auch sein Leben anvertrauen?

In einem dramatischen Showdown zeigt sie ihm, was sie drauf hat: Zwei Blinde gegen drei bewaffnete Männer – ob das wohl gut geht? (Denn dass auch sie blind sein muss, ahnen wir von Anfang an.)

_14) Bruce Sterling & Lewis Shiner: Mozart mit Spiegelbrille (Mozart In Mirrorshades, 1985)_

Die Zeitreisenden aus der Zukunft haben die Festung Hohensalzburg als Stützpunkt eingenommen, um von hier die Stadt Salzburg in den Griff zu bekommen. Rice, der Ingenieur, hat eine Ölraffinerie hingestellt, so dass nun Pipelines durch die Gassen bis ins Zeitportal führen – in die Zukunft. Im Gegenzug haben die Zeitreisenden den Einheimischen alle Segnungen amerikanischer Kultur zugutekommen lassen: Bars, Klubs, Elektronik, Drinks, Klamotten, Musik – einfach alles. Das 18. Jahrhundert wird nie mehr sein, wie es mal war. Sogar die Französische Revolution ist fast unblutig verlaufen, und Thomas Jefferson ist der erste Präsident der USA – von Zukunfts Gnaden.

Wolfgang Amadeus Mozart ist der spezielle Schützling Rices und übt schon mal, seine Art von Pop mit den Mitteln der Zukunft herzustellen. Parker wird sein Manager und sagt ihm eine große Zukunft voraus. Mozart schwärmt Rice von Maria Antonia alias Antoinette vor, der Tochter der Kaiserin Maria Theresia, die jetzt, nach der Revolution, wohl in Versailles ein bisschen sein könnte. Prompt macht sich Rice auf den Weg und verliebt sich in das Luxus-Hippie-Girl.

Doch zehn Tage später kommt ein Video-Anruf von Mozart: In Salzburg sei die Kacke am Dampfen, die Raffinerie unter Beschuss, die Trans Temporal Army verteidige die Festung, deren Kommandantin Sullivan unter Kuratel gestellt worden sei. Als sich Rice in panischer Hast auf den Weg von Versailles nach Salzburg macht, trickst ihn Marie Antoinette aus und so fällt er den Masonisten-Freischärlern in die Hände. Wird Rice es jemals zurück in die Zukunft schaffen?

|Mein Eindruck|

Auch diese Story über einen alternativen Geschichtsverlauf bringt richtig Schwung in die Lektüre. Da trifft das bekannte Inventar des ausgehenden 18. Jahrhunderts auf die modernen USA, abgesehen mal vom Zeitportal, und im fröhlichen Culture Clash entstehen skurrile Szenen. Diese Story nimmt Sophia Coppolas Film über Marie Antoinette schon um Jahre vorweg. Und Mozart wird zum Popstar der Zukunft, so wie er das ja schon zu seiner Zeit war.

Zeitparadoxa – was soll damit sein? Der Zeitverlauf, erfahren wir, hat sowieso zahlreiche Verzweigungen, wie ein Baum Äste. Deswegen mache die Kontamination DIESES 18. Jahrhunderts den vielen anderen 18. Jahrhunderten gar nichts aus. Klar soweit? Und man kann sogar zwischen verschiedenen Zeitzweigen wechseln. Daher auch das Auftauchen der Trans Temporal Army.

Im Grunde jedoch zeigen die Autoren anhand der Kulturinvasion der modernen USA, wie ja vielfach in den Achtzigern zu beobachten, verheerende Auswirkungen auf die lokale Kultur – auch im soziopolitischen Bereich. So entsteht etwa die Widerstandsbewegung der Freimaurer alias Masonistas, gegen die Thomas Jefferson schon wetterte. Und es gibt die Trans-Temporalarmee, die sich als eine Art Sechste Kolonne der Manager aus der Zukunft engagiert – und so Rices Hintern rettet. Insgesamt also ein richtiger Dumas’scher Abenteuerroman, auf wenige Seiten komprimiert.

_15) Karen Joy Fowler: Der Preis des Gesichts (Face Value, 1986)_

Der Alien-Forscher Taki und seine Frau, die Dichterin Hesper, sind auf die neu entdeckte Welt der Meine gekommen, um diese rätselhaften Wesen zu erforschen. Unter dem Doppelsternsystem ist es heiß und staubig, doch den insektenartigen Menen macht das nichts aus. Die fliegenden Wesen mit den Flügelzeichnungen, die wie Gesichter aussehen, leben in unterirdischen Tunnelsystemen, deren Mittelpunkt Taki noch nicht hat erreichen können. Das frustriert ihn. Die Art und Weise ihrer Kommunikation könnte Telepathie sein.

Ebenso frustriert ist er vom Verhalten seiner Frau. Sie weint der Erde hinterher, besonders ihrer längst verstorbenen Mutter, die sie sehr liebt. Sie schreibt kaum noch Gedichte, und auch lieben will sie sich nicht mehr lassen. Nach einem weiteren zudringlichen Besuch eines Mene-Schwarms verliert sie nicht nur die Beherrschung. Sie verliert buchstäblich den eigenen Verstand. Aus ihrem Mund sprechen nun die Mene: „Wir haben sie. Wir können verhandeln …“

|Mein Eindruck|

Mit in der SF seltener Feinfühligkeit stellt die amerikanische Autorin den Prozess dar, wie einer sensiblen Frau der Verstand geraubt wird. Das geht überhaupt nicht gewaltsam vor sich, sondern ganz sachte, fast unmerklich für Taki. Bis es auf einmal zu spät ist. Die Kommunikation verläuft in beide Richtungen, sagt er, deshalb müssen die Menschen für die Mene zugänglich sein.

Doch die Identität einer Frau scheint sich von der eines Mannes zu unterscheiden. Eine Frau wie Hesper stört es, wenn die Mene ihre Fotos, Gedichte, ihren Schmuck und ihre Kleider durchwühlen. Nicht so bei Taki, der gleichmütig hinnimmt, wenn Mene seine Bänder mitnehmen und bald wieder in den Staub fallen lassen. Ding für Ding, Stück für Stück nehmen die telepathischen Mene also die Identität Hespers an sich. Dadurch wird die Geschichte zu einer Demonstration über den Geschlechterunterschied, vor allem in psychologischer Hinsicht.

_16) Lucius Shepard: R & R (R & R, 1986) = [Life During Wartime]_

Diese mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Novelle bildet das Mittelstück von Shepards Roman „Das Leben im Krieg“ (Life During Wartime, 1987).

Es geht um kein triviales Thema, sondern quasi um „Apocalypse Now“ in Mittelamerika, im Dschungel Nicaraguas und El Salvadors, als die Reagan-Truppen die kommunistischen Sandinistas bekämpften. David Mingolla ist einer der amerikanischen Soldaten, Durchschnitt, er versucht, die Hölle des Krieges zu überleben. Seinesgleichen versucht mit Drogen vollgepumpt und im Direktkontakt mit ihrer Elektronik ihrer Waffen, gleichen sie eher Kampfmaschinen als Menschen. Die Grenzen zwischen Gut und Böse, zwischen Liebe und Haß und zwischen Mythos und Realität lösen sich auf – alles wird möglich, alles ist relativ.

Was von den Soldaten übrig bleibt, falls sie die sinnlosen Gefechte und Massaker an der Zivilbevölkerung überleben, sind leergebrannte Zombies. Sie werden nie mehr fähig sein, in ein normales bürgerliches Leben zurückzukehren, es sei denn, sie springen rechtzeitig ab und desertieren. Mingolla aber desertiert nicht, sondern schlägt sich durch. Bis er schließlich zu seinem Entsetzen herausfindet, dass der Krieg nur die Fortsetzung einer jahrhundertelangen Blutfehde zweier verfeindeter mittelamerikanischer Familien ist, zwar mit anderen Mitteln, aber immerhin: Die Weltmacht USA als Handlanger von Provinzfürsten mit privaten Rachegelüsten!

|Mein Eindruck|

Shepards Interesse gilt nicht so sehr den (waffen-) technischen, militärischen oder wirtschaftlich-sozialen Aspekten dieses speziellen Krieges, den er schon 1984 in seiner Story „Salvador“ verarbeitete. Es geht um die Psyche, die sich in diesem Hexenkessel verändert – bis zur Unkenntlichkeit. Hier findet der amerikanische Traum sein Ende: im Dschungel, im Drogenrausch, im Kampf mit einem Jaguar, unter dem Einfluss eines Voodoo-Magiers, kurz: im Herzen der Finsternis.

_17) Walter Jon Williams: Dinosaurier (Dinosaurs, 1987)_

Der irdische Botschafter Drill landet auf dem Planeten der Shar, um Friedensverhandlungen zu führen. Die Shar, mit denen er sich per Übersetzungsgerät verständigt, sind pelzige, dreibeinige Wesen mit großen Augen, spitzer Schnauze und einer komplexen Sozialstruktur. Ihre Präsidentin Gram begrüßt Drill. Der massige Zweibeiner mit seiner schwarzen Haut und dem langen Penis zwischen den Beinen hört auf seine zwei eingebauten Gehirne, das Metahirn im Beckenbereich und die Erinnerung im Kopf. Die Erinnerung sagt ihm, dass er sich diplomatisch verhalten soll.

Und bald stellt sich in den Verhandlungen heraus, dass die Shar bereits Millionen Opfer auf ihren Welten zu beklagen haben. Der Grund sind die Terraformerschiffe der „Menschen“, die nicht intelligent genug sind, um die Shar als intelligente Rasse zu identifizieren nund zu respektieren. Daher wurden sie als Schädlinge „exterminiert“.

Als die Präsidentin, die mehr Geduld als ihre Minister aufbringt, nachhakt, was denn diese Unterscheidung zwischen intelligent und nicht-intelligent zu bedeuten habe, antwortet ihr Drill in aller Unschuld, dass dies eine Folge der Spezialisierung sei. Nach acht Millionen Jahren habe sich die menschliche Rasse eben zwangsläufig in spezialisierte Unterspezies aufgespalten. Manche davon, wie die Terraformer, benötigen für ihre Tätigkeit nur einfach Instruktionen, andere, wie die Diplomaten, benötigten beispielsweise auch eine komplexe Erinnerung, also die gesammelten Erfahrungen der Menschheit.

All diese Erklärungen reichen nicht, um die Koalition der Präsidentin zusammenzuhalten. Ihre Regierung zerbricht, als Drill – wieder in aller Unschuld – berichtet, woher er die Koordinaten für die Shar-Welt habe. Na, von gefangenen Shar. Und was wurde aus denen? Sie wurden liquidiert, weil man den Garten brauchte, in dem sie untergebracht waren. Dieser erneute Beweis der ahnungslosen Grausamkeit der Menschen führt dazu, dass sich General Vang an die Macht putscht und den Menschen den Krieg erklärt …

|Mein Eindruck|

„Menschen“ ist in sieben Millionen Jahren ein sehr relativer Begriff geworden: Drill ist ein Abkömmling der Saurier, und zwar ein ganz besonders hässlicher. Dagegen sind die Shar ja richtig putzige Menschlein, mit denen wir uns identifizieren können. Drill jedoch hält sie für primitiv, weil sie noch an seltsame Dinge wie Moral glauben. Als ob dies im Laufe der Evolution irgendeine Rolle spielen würde. Sie sind wie einst die Saurier, zum Aussterben verurteilt. Was schon ziemlich ironisch ist.

Die eigentliche Kritik des Autors, der im Grunde keine Seite einnimmt, ist jedoch das, was den Shar so widerwärtig erscheint: die ahnungslose Grausamkeit der „Menschen“. Da diese keine Vorstellung mehr von Moral und Prinzipien haben, sondern vor allem durch Protein und Sex – Drills Metahirn quengelt regelmäßig danach – befriedigt werden, muss es etwas anderes sein, das das Verhalten der „Menschen“ steuert. Am Ende ihres letzten Zwiegesprächs erkennt Präsidentin Gram mit bitterer Trauer, um was es sich handelt: Instinkt und Reflex. So weit hat sich also die prächtige „Menschheit“ entwickelt!

_Die Übersetzungen_

Auf Seite 508ff. ist mehrfach von der iranischen Stadt „Tehran“ die Rede. Sie heißt bei uns Teheran. Man kann diese Schreibweise aber stehen lassen, weil es sich um eine alternative Welt handelt.

Auf der Seite 509 ist von dem „Gott der Trugs“ die Rede, aber gemeint ist Loki, also der „Gott des Trugs“!

Auf Seite 770 heißt es: „Die Welten auf beiden Seiten sind der Sicherheitspfand.“ Also, bei uns in der Schule war DAS Pfand immer sächlich, nicht männlich.

_Unterm Strich_

Diese Best-of-Auswahl wird ihrem Anspruch durchaus gerecht – was ja nicht selbstverständlich ist. Alle Texte sind durchweg top, ganz besonders die herausragenden Novellen von Robinson, Zelazny, Shepard, Martin und Miller. Alle anderen sind meist sehr bekannt und vielfach abgedruckt, ausgenommen die Stories von Fowler, Lambe und Masson, die man nur selten findet.

Zwei Aspekte fallen auf: Alle Erzählungen sind von nicht-technischen Themen charakterisiert, also meist psychologischer, soziologischer oder biologischer Natur. Das heißt, wenn nicht gerade wieder mal ein alternativer Geschichtsverlauf eine Rolle spielt, wie etwa bei Brin oder Williams. Durch dieses Übergewicht unterscheidet sich diese Auswahl von vielen, die man heute in den USA finden würde. Keine einzige Story von Bear, Benford oder Niven ist hier zu finden, Autoren, die für Hard SF stehen, also naturwissenschaftlich orientierte Science-Fiction.

Was betrüblich zu konstatieren ist, ist das Fehlen jeglicher Beiträge von Philip K. Dick und John Brunner, zwei im Heyne SF Programm nicht gerade unterrepräsentierten Autoren. Heyne hat fast das komplette Werk von Brunner veröffentlicht sowie einige der wichtigsten Arbeiten von Dick. Wieso fehlen sie hier? Vielleicht sind sie ja in „Ikarus 2002“ oder „Fernes Licht“ zu finden. Stay tuned.

Taschenbuch: 782 Seiten
Aus dem Englischen übertragen von diversen Übersetzern
ISBN-13: 978-3453179844|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de

_Wolfgang Jeschke (als Herausgeber) bei |Buchwurm.info| [Auszug]:_
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