Kaes, Wolfgang – Feuermal, Das

Detektiv Max Maifeld, Spezialist für dubiose Fälle, erhält einen brisanten Auftrag: Er und sein Team sollen ein gestohlenes Bild ausfindig machen und dem anonymen Auftraggeber zurückbringen. Bei dem Gemälde, das er in Spanien aufspürt, handelt es sich vermutlich um ein bisher unbekanntes Frühwerk von Dalí. Bei der Übergabe stellt sich jedoch heraus, dass der vermeintliche Besitzer gar nicht der Auftraggeber war. Dieser wiederum scheint Max rund um die Uhr zu beobachten und ein persönliches Interesse zu verfolgen, das weit über die Bildbeschaffung hinausgeht.

Zur gleichen Zeit geschehen in der Köln-Bonner Gegend zwei spektakuläre Morde. Der eine Tote ist ein abgehalfterter Journalist, der andere ein alter Mann kurz vor dem Leberzirrhosentod. Das Kommissarenteam Josef Morian und Antonia Dix stellt bald eine Verbindung zwischen den Mordfällen und ihrem Freund Max her. Der Journalist recherchierte kurz vor seinem Tod über Max‘ Vergangenheit, der alte Mann arbeitete als Knecht für den Großunternehmer Franz Brandesser, dessen Sohn Walther einst aus unbekannten Gründen eine Operation für den damals dreijährigen Max bezahlte.

Allen Warnungen von Morian und Antonia zum Trotz stürzt sich Max in die Recherchen. Dabei führt ihn sein Weg zurück in das abgeschiedene Eifeldorf seiner Kindheit, wo ein dunkles Geheimnis seiner Familie ans Licht kommt. Sein Leben scheint noch enger mit dem Fremden verknüpft als befürchtet. Der einzige Hinweis auf den Mörder ist das Feuermal, das sein Gesicht entstellt. Fieberhaft ermitteln Morian und Antonia, um ihrem Freund zu helfen – denn auch er droht ein Opfer des Rachefeldzuges zu werden …

„Das Feuermal“ ist der vierte Fall von Kommissar Josef Morian und seiner Kollegin Antonia Dix und wie schon die vorherigen Bände ein überzeugender Thriller mit einem durchweg sympathischen Ermittler-Duo.

|Gelungene Charaktere|

Diesmal liegt der Fokus nicht auf Morian und Antonia, sondern auf ihrem gemeinsamen Freund Max Maifeld, der ihnen schon bei früheren Fällen als Privatdetektiv zur Seite gestanden hat und hier einmal von ihrer Hilfe profitiert. Seit ihm ein Schwerstkrimineller Rache geschworen hat, lebt der Ex-Journalist als Detektiv für schwierige Fälle untergetaucht in Köln-Mülheim. Zu seinem Team gehören sein gutmütiger Bruder Theo und der hünenhafte, durchtrainierte Schwarzamerikaner Hurl, den ein besonderes Flair umgibt. Der schweigsame Hurl ist ein ehemaliges Mitglied der Navy Seals, einer Eliteeinheit der US-Marine, bei der er zum perfekten Kämpfer ausgebildet wurde, ehe er sich lossagte und nun in Deutschland ein neues Leben begonnen hat. Auch wenn sein scheinbar völlig anspruchsloser Lebensstil Max immer wieder vor Rätsel stellt – denn Hurl kann dank fernöstlicher Meditationskünste beinah beliebig sowohl auf Schlaf als auch auf Nahrung verzichten -, ergänzen sich die beiden grundverschiedenen Charaktere großartig.

Ein perfektes Team bilden wiederum auch Josef Morian und Antonia Dix. Besonders positiv sticht hervor, dass die beiden trotz enger Zusammenarbeit und guter Freundschaft kein Liebespaar bilden, sondern eine Art Vater-Tochter-Verhältnis zueinander besitzen. Der schweigsame Morian, Ex-Amateurboxer und geschiedener Vater, hat fast sein gesamtes Leben auf die Ermittlungsarbeit ausgerichtet. Den Gegenpol zu ihm macht Antonia Dix aus, eine rassige Halb-Brasilianerin, die nichts mehr hasst als auf ihre Optik reduziert zu werden. Als Konsequenz trägt sie raspelkurze Haare und ein sportlich-militärisches Outfit, was zu ihrem burschikosen Auftreten passt.

Die Nebenfiguren um das Ermittler-Duo sind vor allem der Gerichtsmediziner Dr. Ernst Friedrich, wegen seines Aussehens heimlich „Fledermaus“ genannt, die arrogante Staatsanwältin Ulrike Strehle und Oberkommissar Ludger Beyer, der nie müde wird, Antonia auf schleimig-primitive Art Avancen zu machen. Sowohl Morian als auch Antonia sind sehr engagierte Ermittler, über deren Privatleben man nicht sehr viel erfährt, genug zwar, um ihren Charakter einzuschätzen und sich mit ihnen zu verbünden, aber nie so viel, dass es in der Handlung dominieren würde.

|Durchgängige Spannung|

Die Handlung setzt ein mit dem Mord an Journalist Pelzer und setzt somit direkt ein Ausrufezeichen. Längen gibt es bis zum Schluss keine, dafür sorgen schon allein die häufigen Schauplatzwechsel. Mal konzentriert sich die Handlung auf Antonia Dix, mal auf Josef Morian, der anfangs noch im Urlaub weilt, dann wieder auf Hurl oder auf Max, die ebenfalls teilweise unabhängig voneinander unterwegs sind. Über den Täter steht lange Zeit nur fest, dass er durch ein Feuermal gezeichnet ist, sich auf einem Rachefeldzug befindet und auf Max fixiert ist, mit dem ihn etwas zu verbinden scheint.

Große Teile spielen im Eifeldorf Roggenrath, einem abgeschiedenen Ort, in dem Max seiner Vergangenheit auf die Spur kommt. Das Oberdorf wird von der Unternehmerfamilie Brandesser dominiert, während im Unterdorf einst die ärmliche Arbeiterschicht lebte. Noch heute bilden die Bewohner eine verschworene Gemeinschaft, die sich den Ermittlungsarbeiten verschließt und Max feindselig gegenübersteht. Gezwungenermaßen muss er sich mit seinem verhassten Vater auseinandersetzen, dessen schlechter Ruf bis in die Gegenwart reicht und Max zum Verhängnis wird.

Mehrere Dorfbewohner scheinen in die Geschehnisse involviert zu sein. Zum einen entsteht die Spannung durch die Frage, was sie über den Mörder wissen, zum anderen durch die Geheimnisse, die Max nach und nach in seiner eigenen Familie aufdeckt. Wolfgang Kaes gelingt es, glaubwürdig die kleine, verschrobene Welt der Dorfbewohner aufzuzeigen, die sich gegen jeden äußeren Einfluss wehren und die düstere Vergangenheit abschotten.

|Nur kleine Schwächen|

Da die ersten drei Viertel so gelungen aufbereitet werden, stellt sich beim Leser automatisch eine hohe Erwartungshaltung an das Finale ein, die nicht ganz bestätigt werden kann. Im Vergleich zur vorherigen Handlung verläuft das Ende relativ unspektakulär. Offene Fragen werden zwar beantwortet, doch einen richtigen Showdown, wie man ihn lange Zeit vermutet, gibt es nicht.

Ein weiterer kleiner Makel sind die Ermittlungsarbeiten von Max bezüglich des Bildes, die zu einfach ablaufen. Die ursprüngliche Aufgabe, das Bild anhand eines Fotos zu finden und obendrein lückenlos alle Vorbesitzer aufzulisten, scheint beinah unlösbar; letztlich aber genügen Max und seinem Team die guten Kontakte in die Kunst- und Halbwelt, sodass sich die Mühe in Grenzen hält. Auch die Ermittlungsarbeiten von Morian und Antonia verlaufen verhältnismäßig unkompliziert dank ihrer Informanten, die trotz weniger Hinweise konkrete Feststellungen treffen. Gerade dort wünscht sich der Leser manchmal ein wenig mehr Finesse im Vorgehen.

_Als Fazit_ bleibt wieder einmal ein gelungener Band um das Ermittler-Trio Morian, Antonia Dix und Max Maifeld aus der Feder von Wolfgang Kaes. Der Thriller besticht durch Spannung, gelungene Hauptfiguren und eine unterhaltsame Handlung. Die Schwächen fallen sehr gering aus, sodass sich das Werk allen Krimi- und Thrillerfans empfiehlt, in der Hoffnung, dass Kommissar Morian bald im nächsten Fall ermitteln darf.

_Der Autor_ Wolfgang Kaes, geboren 1958 in der Eifel, arbeitete nach seinem Studium der Politikwissenschaft, Kulturanthropologie und Pädagogik viele Jahre lang als Journalist. Er schrieb unter anderem als Polizei- und Gerichtsreporter für den |Kölner Stadt-Anzeiger|, für den |Stern| und als Lokalchef der |Rhein-Zeitung| in Bonn. 2004 erschien sein erster Roman „Todfreunde“, 2005 der Nachfolger „Die Kette“, 2006 [„Herbstjagd“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2934 alle mit dem Ermittler Kommissar Morian. Mehr über ihn gibt es auf seiner Homepage http://www.wolfgang-kaes.de.

http://www.rowohlt.de

Schreibe einen Kommentar