Keyes, Daniel – Kontakt radioaktiv

Atomunfälle scheinen schon seit Robert Heinleins Story „Blowups happen“ (1940) stets ein aktuelles Thema zu bleiben. Diesmal wird der Unfall persönlich. „Wer hat Angst vor Barney Stark?“ hieß das Buch 1971, als es im Nymphenburger Verlag zuerst in Deutschland erschien.

_Der Autor_

Der US-Autor Daniel Keyes, geboren 1927, wurde mit seinen preisgekrönten Romanen „Charly“ (Flowers for Algernon, 1959/1966) und „Kontakt radioaktiv“ (The Touch, 1968) bekannt. War schon „Charly“ (1968 verfilmt) schon eine bewegende Studie in künstlich verstärkten psychologischen Fähigkeiten und deren tragischer Verlust, so beschäftigen sich die späteren Romane „Die Leben des Billy Milligan“, „Die Enthüllung Claudias“ und „Die fünfte Sally“ stärker mit abnormen psychologischen Phänomenen.

_Handlung_

Hauptfigur Barney Stark – einen normaleren Namen gibt’s wohl nicht – bekommt ohne eigenes Verschulden eine Ladung radioaktive Strahlen ab und wird von nun an nicht nur mit den körperlichen Folgen der Verstrahlung behelligt, sondern er muß auch mit seiner sozialen Umwelt, den Leuten seiner Umgebung fertigwerden: Sie meiden ihn und lassen ihn spüren, wie sehr er sie anekelt.

Leider nutzt Keyes seine Chancen als Erzähler nicht, sondern ergeht sich in langen Deutungen und psychologischen Belanglosigkeiten, die es dem Leser schwermachen, dem Handlungsverlauf zu folgen. Barney flüchtet sich so etwa in sein Hobby, das Tonmodellieren, und seine schwangere Frau hastet hysterisch durch das Haus.

_Mein Eindruck_

Meine hohe Einschätzung des Autors trifft bei diesem Buch nicht zu. Hier springt Keyes auf einen Zug auf, nämlich den der Bücher, die die Folgen radioaktiver Verseuchung in grässlichsten Farben ausmalen. Natürlich ist das Buch auch noch lange nach Tschernobyl und Fukushima aktuell.

An Spannung bleibt in den fast 250 Seiten Text fast nichts übrig. Es wird dem einen oder anderen Leser daher unsäglich langatmig und langweilig erscheinen. Zum Thema Fallout gibt es Besseres, z. B. den Film „Silkwood“ mit Merryl Streep. Der ist wenigstens spannend, knallhart realistisch und engagiert.

Immerhin erschien „Kontakt radioaktiv“ in einer edlen Reihe, nämlich in der Bibliothek der SF-Literatur des Heyne Verlags. Daher hat es von einem Literaturwissenschaftler, dem bekannten Dr. Florian F. Marzin, ein kluges Nachwort mitbekommen.

|Taschenbuch: 249 Seiten
Aus dem US-Englischen übertragen von Helga u. Peter v. Tramin
ISBN-13: 978-3453009851|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de

_Daniel Keyes bei |Buchwurm.info|:_
[„Blumen für Algernon“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2592

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