Kirstilä, Pentti – Klirrender Frost

Wie schafft man es, einen Mord zu begehen und dabei ungestraft davonzukommen? Eine sorgfältige Planung ist das eine, doch wer nichts dem Zufall überlassen will, macht es am besten so wie der Mörder in Pentti Kirstiläs Buch „Klirrender Frost“: Er wird verrückt.

Sakari Kaarto hat es im Leben weit gebracht. Mit seiner Druckerei hat er viel Geld verdient, die Kinder sind gesund, die Frau zufrieden. Und trotzdem macht ihm das Leben keinen Spaß mehr. Mit dem Geld weiß er nichts anzufangen, die Kinder sind längst aus dem Haus und die Ehe hat ihre besten Tage hinter sich.

Eines Tages beschließt Kaarto, verrückt zu werden und alle daran teilhaben zu lassen. Er beginnt, während der Arbeit zu trinken und bietet jedem ein Gläschen an. Er bedroht den Freund seiner Tochter, weil er glaubt, dieser sei hinter ihrem Geld her. Er beauftragt einen Verbrecher damit, in sein Büro einzubrechen und den Safe zu leeren. Und am Ende ersticht er vor den Augen seines Schwagers seine Frau. Er leugnet diese Tat auch gar nicht, doch es kommt, wie es kommen muss: Vor Gericht wird er freigesprochen, weil er zum Tatzeitpunkt unzurechnungsfähig war.

Drei Monate bleibt Kaarto in psychiatrischer Behandlung, dann wird er nach Hause entlassen. Wenig später findet man ihn erschossen an seinem Küchentisch sitzen. Alles deutet darauf hin, dass er sich selbst umgebracht hat, doch Kommissar Lauri Hanhivaara glaubt nicht daran. Winzige Details sprechen dafür, dass Kaarto nicht freiwillig aus dem Leben geschieden ist …

„Klirrender Frost“ ist der vierte Krimi mit Lauri Hanhivaara, einem nicht unbedingt alltäglichen Polizisten. Er tut sich vor allem durch seinen Humor und seine Beharrlichkeit hervor und dadurch, dass er gerne seinen eigenen Kopf durchsetzt. Hanhivaara ist zwar ziemlich verschroben, aber weit davon entfernt, ein Abklatsch des depressiven, skandinavischen Vorzeigeermittlers Wallander zu sein. Das wäre schon deshalb schwierig, weil die finnische Originalausgabe des Romans bereits in den Achtzigern erschien. Davon einmal abgesehen ist Kirstiläs Held lässiger, lockerer und vor allem humorvoller.

Sein Privatleben spielt eine angenehm geringe Rolle, so dass das Hauptaugenmerk auf der Handlung liegt. Diese ist ungewöhnlich für einen Krimi, denn die Geschichte beginnt mit einem langen Einblick in das Verrücktwerden des Sakari Kaarto. Hanhivaara tritt erst dann auf den Plan, als der Safe in Kaartos Büro geknackt wird, und rückt in den Vordergrund, als der Möchtegernverrückte schließlich stirbt. Der Mord an Kaartos Frau spielt nur eine marginale Rolle, obwohl er zuerst geschieht. Die Ermittlungsarbeit selbst bezieht sich hauptsächlich auf die Suche nach Kaartos Mörder. Eine so lange Vorgeschichte ist nicht gerade alltäglich, doch Kirstilä schafft es, sie spannend zu gestalten und viele Fragen aufzuwerfen. Wieso will Kaarto verrückt werden? Wird er Erfolg haben? Erfahren wir, wieso er seine Frau eigentlich umgebracht hat? Und hat er sich anschließend selbst umgebracht oder war es jemand anderer?

Dem schließt sich eine klassische Kriminalermittlung an. Alle möglichen Täter sind bekannt, doch natürlich leugnen sie. Nun liegt es an Hanhivaara, die Fehler in den Aussagen zu finden und den Bösewicht zu überführen. Diese Suche wird sehr geradlinig und ohne Abschweifungen dargelegt und gefällt durch ihre Einfachheit. Der finnische Autor schafft es, mit simplen Mitteln und ohne großes Brimborium eine Geschichte zu erzählen, die erst belletristisch und dann wie ein nüchterner Krimi anmutet.

Verbunden werden beide Teile des Buches durch den manchmal sarkastischen, manchmal einfach nur witzigen Schreibstil. Auch an dieser Stelle verzichtet Kirstilä auf Ballast. Er benutzt wenige, treffsichere Worte und verzichtet auf umfassende Darstellungen von Gefühlsleben und Gedankenwelt seiner Personen. Stattdessen bringt er Ereignisse und humorvolle Einschübe auf den Punkt, was eine schnelle, flüssige Lektüre ermöglicht.

Eigentlich ist es schade, dass Pentti Kirstilä so spät in Deutschland veröffentlicht wird, auch wenn seine Krimis zeitlos gut sind. Er bietet eine wesentlich leichtere, lustigere Alternative zu vielen anderen skandinavischen Autoren, und „Klirrender Frost“ tut sich vor allem durch seine spezielle Handlung hervor. Die ist zwar einfach, aber trotzdem sehr effektiv, wenn es darum geht, den Leser zu fesseln.

|Originaltitel: Jäähyväiset lasihevoselle
Aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara
ISBN-13: 978-89425-562-6
252 Seiten, Taschenbuch|
http://www.grafit.de

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