Krökel, Charly – Erwischt

Während Comic-Superhelden wie „Hulk“ oder „Die Spinne“ im Kino auferstehen und „Illustrierte Klassiker“ eben Klassiker sind und bleiben, ist im |HolzheimerVerlag| ein neuer/alter Comic von Charly Krökel erschienen.

Charly Krökel, geboren 1960, ist seit 1987 als freier Künstler, Grafikdesigner und Illustrator tätig. Viele seiner Logos schmücken bekannte Firmen, seine Designs Bühnen oder CDs, wie zum Beispiel Carsten Papes „Große Jungs weinen nicht“.

Alt ist der Comic insofern, als er schon Ende der 80er entstand, damals aber keinen Verleger fand, da der Comicmarkt einerseits stagnierte, der Comic aber vielleicht auch damals aufgrund seiner Frivolität Ablehnung erfuhr. Er ist in diesem Sinne auch kein Mainstream-Comic, denn durch die Textkohäsion und geschlossene, romanhafte Handlung eher das, was man in den USA eine ‚Graphic Novel‘ nennt. Im Gegensatz zu heutigen Veröffentlichungen ist auch zu sehen, dass der Zeichenstil von damals, der doch mehr an den Stil diverser U-Comics erinnert, wesentlich verfeinert wurde.

Die Geschichte könnte das Leben selbst geschrieben haben. Zwei junge Paare, Horst und Vera sowie Kurt und Nicole, mit Kindern, Menschen wie du und ich, sind mit ihrem Leben unzufrieden. Sie sind mehr oder weniger erfolglos, unbefriedigt und schwelgen in der Vergangenheit. Horst hat ein Verhältnis mit Nicole und Vera mit Kurt, wovon ihre Partner jeweils nichts wissen. Doch durch einen dummen Zufall kommt alles bei einem gemeinsamen Essen auf den ‚Tisch‘. Die Partner werden offiziell ‚getauscht‘ und …

Erzählt wird diese Geschichte in sieben Kapiteln. In medias res wird der Leser durch das ‚Vorspiel‘ mittels eines Quickies ‚eingeführt‘, der nicht ohne Folgen bleibt, denn Nicole wird schwanger. Es folgen vier Kapitel, in denen die familiären bzw. zwischenmenschlichen Probleme von jedem Protagonisten erzählt werden. Das sechste Kapitel führt diese vier Personen zu einem gemeinsamen Essen an einen Tisch, wo auch die Wahrheit aufgedeckt wird und die Partner getauscht werden. Das letzte Kapitel zeigt, dass eigentlich alles beim Alten geblieben ist, der Reiz und Zauber des Neuen ist verflogen, Sehnsüchte und ungestilltes Sexualverlangen sind geblieben.

Der moralische Finger wird dabei nicht gehoben, auch wenn in diesem Fall gezeigt wird, dass eine moderne ‚Patchwork‘-Familie nicht unbedingt funktionieren muss. Die Kinder bleiben jedoch nicht ganz außen vor, denn neben Partnertausch wird auch ein ‚Rollentausch‘ vorgenommen, wobei sich Horst um den Haushalt kümmert und Nicole arbeiten geht. Somit wird auch das Rollenverhalten der Kinder aus dem Vorspiel gespiegelt (Sie: „Darf ich mitspielen?“; Er: „Nö, das geht nicht. Feuerwehrautos fahren, das können nur Männer.“)

Die Geschichte wird in einer ihr eigenen Tragik und Komik erzählt, welche die Handlung langsam vorantreibt und bei einem gemeinsamen Essen eskalieren lässt, wobei das Comicelement der Onomatopoetika („klonk“, „Autsch“, „Rabää“), das bis dahin doch mehr im Hintergrund blieb, verbal und farblich sinnvoll ausgeschöpft wird. Die Sprache ist sowohl den Erwachsenen als auch den Kindern angemessen, teils restringiert und teils vulgär. Klischees werden überzogen in eine Komik, die sich durch das ganze Werk zieht. Einfach wunderbar.

Obwohl es für diesen Comic keine eingeschränkte Altersfreigabe gibt, würde ich ihn ob einiger mehr als frivolen Darstellungen für Kinder nicht empfehlen. Es bleibt zu hoffen, dass Charly Krökel einen weiteren Comic auf den Markt bringt, denn ich habe lange nicht mehr so gelacht.
Mehr Informationen gibt es auch unter der Webseite http://www.erwischt-der-comic.de.

|64 Seiten, schwarzweiß
Paperback mit Farbcover
ISBN-13: 978-3-938297-61-2|

_[Martinus]http://www.my-lands.de/index.php?phantastische-dimensionen _

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