Lawrence, David – Tödliches Dunkel

David Lawrence ist das Pseudonym eines bekannten britischen Drehbuchautors, unter dem er bereits drei Thriller mit Detective Stella Mooney veröffentlicht hat. „Tödliches Dunkel“ ist nun der vierte Fall der innerlich zerrissenen Hauptfigur und nimmt sie mit auf eine Reise, die zurück in ihre eigene Kindheit führt …

In einem Baum aufgeknüpft findet die Polizei die Leiche einer jungen Frau, der „Schmutziges Mädchen“ auf die Schulter geschrieben wurde. Stella und ihre Kollegen stehen vor einem doppelten Rätsel. Es gibt weder verwertbare Spuren zum Täter noch ist bekannt, wer das Mädchen ist. Niemand scheint es zu vermissen. Wenig später finden sie einen ersten Hinweis. Möglicherweise handelt es sich um eine Siebzehnjährige aus Harefield, der Armensiedlung, in der Stella aufgewachsen ist. Dorthin zurückzukehren, fällt ihr sehr schwer, und zu allem Überfluss begegnet sie ihrer Mutter, mit der sie seit Jahren keinen Kontakt hat.

Doch bevor die Tote richtig identifiziert werden kann, gibt es einen neuen Mord. Leonard Pigeon, ein enger Mitarbeiter des Abgeordneten Neil Morgan, wird halb enthauptet auf einer Parkbank aufgefunden. Auf seinem Arm steht „Dreckiger Feigling“ geschrieben. Das Polizeiteam rätselt erneut. Immerhin war Leonard eine Zeit lang eine lokale Berühmtheit, weil er anstatt einer Frau zu helfen, die gerade überfallen wurde, lieber wegrannte und die Polizei rief, was die Frau das Leben kostete. Ist der Mörder eine Art Rächer des Guten, der Menschen tötet, die in seinen Augen Sünder sind? Wieso scheint es Zusammenhänge zwischen dem toten Mädchen, Leonard Pigeon, Neil Morgan und der Harefield-Siedlung zu geben? Stella Mooney muss nicht nur in einem besonders verzwickten Fall ermitteln, sondern auch gegen ihren neuen Vorgesetzten ankämpfen und ihr Privatleben auf die Reihe kriegen. Keine leichte Aufgabe …

Eines von Lawrences größten Verdiensten in diesem Buch ist seine Darstellung der Polizisten als normale Menschen und nicht als Halbgötter in Grün. Stella und Co besitzen Schwächen und haben eben keinen vierundzwanzigstündigen Dauerantrieb bei der Suche nach den Gesetzesbrechern. Das merkt man alleine schon an den kleinen Bemerkungen und Witzchen, die der Autor in seine Geschichte einwebt. Sie beziehen sich zumeist auf die aktuellen Ermittlungen und reichen von lustig bis beinahe schon daneben. Lawrence schildert die Arbeit der Gesetzeshüter zynisch, was vor allem zum Charakter der Stella passt.

Stella ist eine Frau mit einer bewegten Vergangenheit, und trotz ihres Freundes fällt es ihr schwer, auszuspannen oder weniger negativ zu sein. Sie ist sehr nachdenklich, und es fällt dem Leser leicht, in ihre Gedankenwelt einzutauchen und die junge Frau zu verstehen. Doch Stella ist nicht die einzige Figur, der sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Lawrence führt von Anfang den Mörder ein, auch wenn erst nach einiger Zeit ersichtlich wird, was für eine Rolle er spielt. Er stellt seine Gefühlswelt sehr eindringlich dar und schafft es, seine Persönlichkeit so zu erklären, dass der Leser in gewissem Maße nachvollziehen kann, wieso er so handelt.

Die Handlung siedelt in sehr düsteren Gefilden. Zynismus, bedrückte Charaktere und ein Armenghetto voller Kriminalität – Lawrence bereitet seiner spannenden Erzählung einen guten Nährboden. Er benutzt verschiedene Handlungsstränge, die er am Ende auf verqueren Wegen zusammenführt und nimmt Erlebnisse in der Harefield-Siedlung, um das harte Leben der Menschen dort darzustellen. Dabei ist nicht jedes Ereignis immer gleich relevant für die Handlung. Lawrence nimmt sich die Zeit, auf diese Art und Weise beinahe schon Sozialkritik zu üben, ohne dass es zu aufdringlich oder zu langatmig wird. Im Gegenteil würzen diese Situationen die Geschichte sehr gut, was man vom Ende nicht gerade sagen kann. Dieses wirkt an den Haaren herbeigezogen. Die Geschichte, die erstklassig angefangen hat, flacht zusehends ab.

Das ist schade, denn mit einem besseren Ende wäre „Tödliches Dunkel“ eine unbeschränkte Empfehlung wert gewesen. So bleibt eine durchschnittliche Handlung mit überdurchschnittlichen Charakteren und einer ganz eigenen, düsteren Atmosphäre.

|Originaltitel: Down into Darkness
ISBN-13: 978-3-426-63975-7
511 Seiten, Taschenbuch|
http://www.knaur.de

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