Leiber, Fritz / Mignola, Mike / Chaykin, Howard – Fafhrd und der Graue Mausling

Seit den 1930er Jahren bis zu seinem Tod schrieb Fritz Leiber Geschichten über das Diebes-Duo „Fafhrd und der Graue Mausling“, inzwischen ein Klassiker der Fantasy-Literatur, der oft zusammen mit Howards „Conan der Barbar“ genannt wird. Auf der Grundlage dieser Erzählungen schufen dann Mike Mignola und Howard Chaykin 1990 einen Comic, der inzwischen ebenfalls zum Klassiker geworden ist. Seit September 2007 sind die Abenteuer der beiden geselligen Diebe wieder auf Deutsch erhältlich.

Ich bin in einem langweiligen Vorort groß geworden. Zu den interessantesten Orten gehörte damals für mich eine kleine Leihbibliothek in der Nähe meiner Schule. An den freien Nachmittagen verbrachte ich dort oft meine Zeit, stöberte, blätterte und las. Im Laufe der Jahre schleppte ich in meinem Rucksack Unmengen von Büchern nach Hause und wieder zurück. Die freundlichen Bibliothekarinnen kannten bald mein Gesicht und sagten hallo, wenn ich mal wieder vorbeikam.

In der Leihbibliothek gab es zwei Abteilungen, eine für Kinder und eine für Erwachsene, säuberlich voneinander getrennt in unterschiedlichen Teilen des Gebäudes. Ich weiß nicht mehr, warum ich mich zu den Büchern der Erwachsenen verirrte, vielleicht war es nur ein Zufall. Vielleicht war ich aber auch neugierig oder die Bücher in der Kinderabteilung waren mir zu langweilig geworden. Ich ging umher und sah mich um. Die Regale in dem Erwachsenenbereich hatten auf den ersten Blick wenig Interessantes zu bieten: Lexika, Sachbücher, Frauenromane … Da gab es nicht viel, was die Begeisterung eines Grundschülers hätte wecken können. Bis ich die Comics entdeckte.

Ich war überrascht, dass auch Erwachsene Comics lasen. Neugierig setzte ich mich hin und sah die kleine, ziemlich unsortierte Sammlung durch. Die meisten Comics kamen mir fremd vor. Aus der Kinderabteilung kannte ich „Asterix“, „Isnogud“ und „Garfield“, aber das hier war etwas ganz anderes. Fasziniert begann ich zu stöbern. An ein Heft, das mir damals in die Hände fiel, erinnere ich mich noch genau. Es war ein großformatiger, sehr zerfledderter Fantasy-Comic, in dem es um zwei Freunde und jede Menge Zauberei ging. Mir gefielen die Zeichnungen, klar, kontrastreich und voller Details, deshalb nahm ich das Heft mit nach Hause.

Ich erinnere mich, dass dieser Comic damals enormen Eindruck auf mich gemacht hat. Die Story war irgendwie merkwürdig, aber nicht undurchschaubar, sondern eher verwinkelt und total phantastisch. Außerdem war sie düster und witzig zugleich, eine seltsame Mischung, die ich bis dato noch nie kennengelernt hatte. Trotz meiner Begeisterung vergaß ich den Comic bald wieder, wahrscheinlich, weil es in der Bibliothek nur ein Heft aus dieser Reihe gab und ich nicht weiterlesen konnte. Vielleicht war ich aber auch noch nicht alt genug, um mit dem Stoff etwas anfangen zu können.

Meine frühe Expedition in die Welt der Erwachsenencomics fiel mir letztes Jahr wieder ein, als ich sah, dass |Cross Cult| eben jenen Comic wieder herausgeben wollte, der mich damals so beeindruckt hatte. Ich hatte ihn über die Jahre ganz vergessen. Dieses Mal sollte ich jedoch kein zerfleddertes Heft in die Hände bekommen, sondern einen edlen Hardcover-Band, der nicht so schnell aus dem Leim ging und gut in der Hand lag. Und das Tollste: Es sollte eine Gesamtausgabe werden! Endlich würde ich die anderen Episoden kennenlernen.

Die Geschichte, die ich schon kannte, trug den Titel „Der heulende Turm“. Darin geht es um eine unheimliche Ruine und einen Zauberer, der den Tod fürchtet. Und der Titel des Comics? „Fafhrd und der Graue Mausling“, erfunden von Fritz Leiber, gezeichnet von Mike Mignola. Ich verschlang die fünf Kapitel des zweihundertseitigen Buches binnen einer kurzen Nacht. Zu meiner Freude musste ich feststellen, dass sich der Comic noch immer genauso anfühlte wie früher: verwinkelt, düster, witzig und absolut phantastisch. Danach dämmerte der Morgen. Ich legte das Buch beiseite und blinzelte ins anbrechende Tageslicht. Für einen kurzen Moment hatte ich mich wieder so gefühlt, als wäre ich ein Grundschüler und stünde zum ersten Mal in der Erwachsenenabteilung der kleinen Leihbibliothek. Dieses Mal nahm ich mir fest vor, „Fafhrd und den Grauen Mausling“ nicht wieder zu vergessen. Sie verdienen Besseres. Dieser Comic ist ein Portal in eine andere Welt, und ich kann sie jetzt betreten, wann immer ich will.

http://www.cross-cult.de

Siehe ergänzend dazu auch unsere Rezension zu [„Der unheilige Gral“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2340 (Die Abenteuer von Fafhrd und dem Grauen Mausling 1; Ausgabe 2004, |Edition Phantasia|).

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