Lim, Nikki – Gizeh

_Cheops und der Pyramidenbau_

Einst in Ägypten … Der mächtige Pharaoh Cheops plante mit seine beiden Söhnen den Bau dreier mächtiger Bauwerke in der Stadt Gizeh. Er gilt in Ägypten als einer der besten Baumeister seiner Art und hat deswegen den Anspruch, die schönsten und prächtigsten Pyramiden aufzustellen. Nur die edelsten Materialien möchte er verwenden, um seine wertvollen Schätzte im Inneren des Bauwerks zu horten. Doch Cheops ist nicht der Einzige, der derartige Pläne verfolgt. Mehrere Konkurrenten buhlen um den Rang des besten Pyramidenbauers und versuchen mit unlauteren Mitteln und minderwertigen Baustoffen, Cheops‘ Arbeiter und Arbeiten zu manipulieren. Der Baumeister muss sich schließlich entscheiden, welchem Spieler er das größte Vertrauen schenkt, denn nur wer am schnellsten und sichersten baut und dazu den Schneid hat, seine Konkurrenten mit brüchigen Steinen und dem ekligen Skarabäus-Käfer zu stören, wird Cheops‘ Gunst erhalten und in Gizeh seine Pyramiden errichten.

_Ägypten einmal anders_

Dass in Ägypten zahlreiche schmierige Bauherren umherlaufen, wissen wir spätestens nach Asterix‘ Ausflug zu Königin Kleopatra. Dass man aber selber auch einmal in die Rolle einer solch hinterlistigen Miesmuschel schlüpfen wird, hätte man wohl nie gedacht, zumindest nicht vor der ersten Bekanntschaft mit dem immer noch recht frischen |Pegasus|-Spiel „Gizeh“, in dem der Pyramidenbau im alten Ägypten einmal ganz anders dargestellt wird. Bis zu sechs Spieler schlüpfen hier in die Rolle eines Baumeisters und müssen mit verschiedenen Bauplättchen, Schätzen und morschen Steinen genau drei Pyramiden und nach Möglichkeit auch noch die Sphinx errichten. Doch Obacht: Die Errichtung dieser Bauwerke wird nur dann mit Punkten bedacht, wenn man echte Pyramidenstücke einbringt. Sollte man hingegen die beschädigten Mauersteine verwenden, hagelt es am Ende auch Minuspunkte, die man eigentlich besser den Kontrahenten zuschiebt. Und sollte man dann doch einmal ein solches Mauerteil untergejubelt bekommen, besteht immer noch die Möglichkeit, die eigene Baustelle zu sabotieren und das Ganze rückgängig zu machen …

_Spielmaterial_

• 6 Gizeh-Spielbretter
• 15 negative Stein-Marken (jeweils 3 jeder Größe)
• 35 positive Stein-Marken (jeweils 7 jeder Größe)
• 9 Sabotage-Marken
• 6 Sphinx-Marken
• 12 Schatzmarken, je 3 pro Schatzart
• 6 Skarabäus-Marken
• 1 Stoffbeutel
• 1 Spielanleitung

Das Spielmaterial von „Gizeh“ ist recht schlicht und vorrangig zweckdienlich aufgebaut. Die verschiedenen Plättchen sind zwar klar strukturiert und funktionell, dafür aber jetzt auch nicht sonderlich spektakulär illustriert, was man aber generell für das gesamte Material sagen kann. Dafür sind die Plättchen recht stabil und nutzen auch bei mehrfachem Gebrauch nicht bzw. kaum ab. Nach schätzungsweise zwanzig Partien offenbaren die Spielmittel jedenfalls nur sehr geringe Gebrauchsspuren – und das ist letztendlich bei einem derart flotten Spiel auch wichtiger als die Zeichnungen auf den Baustellen und den Plättchen.

_Spielziel_

Bei „Gizeh“ geht es darum, drei Pyramiden zu bauen. Hört sich einfach an, ist es im Grunde genommen auch, denn wenn man möchte und die entsprechenden Plättchen auf der Hand hat, kann man das Spiel bereits nach drei Zügen beenden. Ob dies jedoch so sinnvoll ist und die zum Sieg erforderliche Punktzahl einbringt, steht auf einem anderen Blatt …

Nun, daher das Ziel etwas konkreter: Jeder Spieler muss beim Bau seiner Pyramiden möglichst viele Punkte sammeln, und dies gelingt nur dann, wenn man Bausteine mit großen Werten ins Fundament setzt und eine große Zahl ertragreicher Schätze in den Pyramiden versteckt. Gleichzeitig muss man aber auch Attacken und Intrigen der gegnerischen Spieler kontern und dabei möglicherweise auch unerwünschten Baustoffe von seiner Baustelle entfernen. So gilt es grundsätzlich, das Übel zu vertreiben und den Reichtum zu verbauen. Hört sich einfach an …

_Vorbereitungen_

Weil die Plättchen schon vorab ausgestanzt wurden, müssen vor der ersten Partie keine weiteren Vorbereitungen getroffen werden. Alle Plättchen werden in den Stoffsack gelegt, dieser kräftig durchgeschüttelt, und anschließend zieht jeder Spieler genau vier Plättchen, die er verdeckt vor sich ablegt (wobei ein regelmäßiger Blick auf diese Marken natürlich erlaubt ist). Anschließend nimmt man noch eines der sechs Spielbretter, auf denen die Baustellen für die Pyramiden und die Sphinx abgebildet sind, und schon kann das Spiel beginnen.

_Ein Spielzug_

In jedem Spielzug stehen dem Spieler genau zwei Möglichkeiten offen: Entweder spielt er eine seiner Handmarken aus oder er tauscht eine beliebige Menge dieser Marken gegen entsprechend viele neue aus. In beiden Fällen wird im Anschluss an die Aktion das Handkontingent wieder aufgefüllt, bis man im Besitz von genau vier Plättchen ist.

Sollte man sich dafür entscheiden, eine Marke auszuspielen, beginnt man entweder mit einem Stein oder mit dem untersten Fundament der Sphinx und legt das Plättchen dann auf die entsprechende Baustelle. Sinnvoll ist es hierbei, mit einem hohen Steinwert im positiven Bereich zu beginnen, denn für jedes Plättchen mit positivem Vorzeichen erhält man am Ende des Spiels den abgebildeten Punktewert, weshalb ein guter Zug der wäre, die positive Stein-Marke mit dem Wert 5 zu spielen. Ebenfalls ist es sinnvoll, eine entsprechende Marke mit negativem Vorzeichen auf eine Baustelle des Gegners zu legen, denn es ist immer erlaubt, sowohl auf dem eigenen als auch auf einem gegnerischen Spielbrett Marken auszuspielen.

Beim weiteren Bauvorhaben muss man allerdings einige grundlegende Bauregeln beachten. So ist es unabhängig vom Vorzeichen nur möglich, ein neues Plättchen auf einer Marke abzulegen, deren Wert höher ist als der dieses neuen Plättchens. Wenn nun beispielsweise ein Bauteil mit dem Wert +5 ausliegt, darf man darauf nur andere Steine mit Werten von höchstens 4 auslegen, wohlgemerkt + oder -. Wer hingegen einen Schatz ablegen möchte, darf dies nur dann tun, wenn die darunter liegende Marke genau den gleichen Wert hat, ebenfalls unabhängig vom Vorzeichen.

Dann kann man natürlich auch die Sphinx errichten, falls man im Besitz eines der wenigen Bauteile ist. Allerdings besteht auch hier eine Bauvorschrift, denn die Sphinx ist in einer vorgegebenen Reihenfolge aufzubauen und dabei auch ziemlich risikoreich, denn das Fundament alleine bringt am Ende satte fünf Minuspunkte.

Im Spiel enthalten sind auch zwei Einflussmarker, nämlich die Sabotage und der Skarabäus. Es besteht die Möglichkeit, eine Baustelle, auch die eigene, zu sabotieren. Hierzu legt man in einfach den zugehörigen Marker auf das oberste Plättchen dieser Baustelle und entfernt dieses. So kann man sowohl wertvolle Steine des Gegners als auch ungewünschte aus der eigenen Pyramide entfernen. Mit dem Skarabäus kann man indes den Weiterbau einer Pyramide zwischenzeitlich stoppen. Der ausgeschaltete Spieler hat jedoch die Möglichkeit, in einem seiner nächsten Züge den Skarabäus wieder aus dem Spiel zu nehmen, darf dann aber keine weiteren Aktionen mehr in diesem Zug durchführen.

Die andere Variante eines Spielzugs besteht darin, beliebig viele seiner vier Handmarken gegen neue aus dem Stoffbeutel zu tauschen, was natürlich gerade dann sinnvoll ist, wenn man mit dem eigenen Vorrat nicht zufrieden ist oder aber dringend einen Sabotage-Marker benötigt, weil man ein unerwünschtes Bauteil zerstören möchte.

Ganz gleich, für welchen Zug man sich entscheidet: Am Ende einer jeden Runde muss jeder Spieler so viele Marken nachziehen, dass er wieder vier besitzt.

_Spielende_

Das Spiel ist sofort zu Ende, wenn ein Spieler alle Pyramiden gebaut hat – dies ist der Fall wenn die obersten Plättchen alle den Wert 1 haben – oder wenn die Marken aus dem Stoffbeutel aufgebraucht sind (was aber nur dann geschieht, wenn man mit vielen Spielern spielt). In der anschließenden Wertung werden Pluspunkte addiert und Minuspunkte subtrahiert. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt; bei Gleichstand siegt derjenige, der die meisten Schätze in seiner Pyramide versteckt hat.

_Meine Meinung_

„Gizeh“ gehört zu dieser Spiele-Spezies, die wegen ihres unscheinbaren Äußeren zunächst einmal nur wenig ansprechend sind, sich dann aber schon nach der ersten Spielrunde als ein echter Geheimtipp unter den etwas schnelleren Spielen etablieren und letztendlich auch vollkommen überzeugen. Dabei ist das Spielprinzip denkbar einfach. Man baut und sabotiert ohne Unterlass und muss mit jedem Zug wieder abwägen, ob man nun den Gegner ärgert oder den Bau der eigenen Pyramiden vorantreibt. Beides hat seine Vorzüge, doch beides birgt auch Gefahren in sich. So sind vor allem die wertvollen Stein-Marken der eigenen Pyramide stets gefährdet und ein beliebtes Ziel für feindliche Angriffe, wohingegen sie für den Fall, dass kein Spieler sie sabotiert und man sie bereits im nächsten Spielzug mit einem weiteren, aufgelegten Bauplättchen schützt, natürlich wertvolle Punkte für die Schlusswertung beisteuern.

Interessant ist dabei die sehr variable Spieldauer. „Gizeh“ kann im Extremfall bereits nach drei Runden zu Ende sein, nach zahlreichen Tauschphasen aber auch gut und gerne eine Dreiviertelstunde dauern. Weil man zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr unter die eigenen Pyramidenteile schauen darf, ist eine gute Auffassungsgabe gefragt, denn man muss schon einschätzen können, wann man das Spiel am besten beendet und wie die Punkte zu diesem Zeitpunkt aufgeteilt sind, doch auch in den letzten Schritten kann ein Gegner den Spielverlauf noch einmal völlig auf den Kopf stellen und den sicher geglaubten Sieg wieder umkehren.

Sicherlich ist hierbei auch immer eine Menge Glück im Spiel, denn beim Nachziehen der einzelnen Marken wird im Grunde genommen schon eine Vorentscheidung getroffen. Und dennoch: Man muss schon beständig reiflich überlegen, wohin mit seinen Marken oder ob man überhaupt an seinen Spielmaterialien festhält. Mancher Stein mag zum Beispiel einen Spitzenwert haben, doch ihn permanent in der Hoffnung aufzubewahren, ihn nach mehreren Sabotageakten doch noch einsetzen zu können, kann schnell nach hinten losgehen und kostet den Spieler im Endeffekt wertvolle Spielzüge bzw. die Chance, nützlichere Dinge zu sammeln.

Letztendlich bietet „Gizeh“ eine gut ausgewogene Mischung aus Taktik, Intuition sowie Glück und überzeugt gerade deswegen, weil der Charakter des Spiels sich in jedem Spiel wieder komplett verändern und der Verlauf vorab nie verallgemeinert werden kann. Wichtig hierbei ist als Letztes, dass man „Gizeh“ auch sehr gut mit zwei Leuten spielen kann, wobei ich aus persönlicher Erfahrung eine Runde mit mindestens vier Spielern als Optimallösung bezeichnen würde. Doch ganz gleich, was man daraus macht: Dieser abwechslungsreiche Pyramidenbau bringt über kurz oder lang eine Menge Spaß, bietet zudem einen schnellen Einstieg und kann wegen der prinzipiell sehr geringen Spieldauer zu jeder Gelegenheit auf den Tisch gebracht werden. Fazit: Eine wirklich gelungene und gut umgesetzte Spielidee!

http://www.pegasus.de

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