Marx, André – Die drei ??? – Feuermond

Die berühmte Jugendserie feierte nicht nur unlängst ihr 25-jähriges Bestehen, im September 2005 erreichte sie ihren 125. Band. Sicherlich ein Grund zum Feiern, weswegen man André Marx ausschickte, nach Nummer 100 „Toteninsel“ einen weiteren Dreierband auf die Leserschaft loszulassen. Wieder erschien die Erstausgabe als Paket mit drei Büchern im Schuber und wieder ergeben die Covers des Triples ein zusammenhängendes Bild: ein Triptychon, wie man fachlich korrekt in der Malerei sagen würde. Mit Malerei liegt man hier auch sehr nah am Thema des Jubiläumsbandes. Denn nicht nur die Zahl drei ist innerhalb der Serie wichtig, auch ein ganz bestimmter Meister-Kunstdieb mischt wieder mit. Und nicht nur er.

_Zur Story_

Bob hauts von den Socken. Nein. Eher vom Fahrrad. Nach einem Kinobesuch spät dran, radelt der dritte Detektiv eilends nach Hause, als ihn die Explosion des alten, leer stehenden Verwaltungsgebäudes von Rocky Beach vom Drahtesel fegt. Ein Unfall? Unwahrscheinlich, denn bei den drei Fragezeichen trudelt am nächsten Morgen ein knapper Brief ein, der von Absicht kündet und weitere Informationen darüber verspricht. Allerdings stehen die schließlich mühsam am Treffpunkt erkämpften Informationshäppchen augenscheinlich damit nicht in Zusammenhang. Vielmehr stoßen die drei Detektive auf Hinweise auf ein mysteriöses Bild eines berühmten, französischen Malers. Ein Bild, dessen Existenz in der Fachwelt kontrovers diskutiert und vielerorts sogar angezweifelt wird: „Feuermond“. Dass dieses Bild wohl kein Mythos ist, erkennen Justus, Peter und Bob bereits daran, als dass sie bald auf alte Bekannte treffen.

Zunächst Britanny. Eben jene Britanny, welche Justus seinerzeit so arg gelinkt hatte (vgl. „Das Erbe des Meisterdiebes“). Und auch diesmal ist Messieur Victor Hugenay, der berüchtigte Gentleman-Kunstdieb, nicht weit. Unschwer zu ermitteln, dass dieser wegen des „Feuermond“-Bildes unter seinem Stein hervorgekrochen ist. Britanny gibt sich geläutert und zeigt sich kooperativ, was auch schließlich zum Erfolg führt. Es gelingt den drei Fragezeichen durch List, was noch niemandem – weder in Europa, noch in Amerika – gelang: Hugenay (gesprochen: „Üschänee“) kann dingfest gemacht werden und landet in Untersuchungshaft! Doch ist damit das letzte Wort gesprochen? Der gerissene Meisterdieb hat immer einen Kniff gefunden, sich dem Gesetz zu entziehen. Kann man Britanny wirklich trauen? Wo ist „Feuermond“? Die erste Schlacht ist gewonnen, doch der Krieg der Superhirne hat erst begonnen.

_Meinung_

Für ein solch rundes Jubiläum wie den 125. Band kann man gerne wieder einen der Lieblingsgegner (und sicher auch eine der Lieblingsfiguren der Fans) ausbuddeln. Victor Hugenay is back! Für alle, die es nicht wissen: Messieur geruhten schon öfter die mentalen Klingen mit den drei Fragezeichen – respektive hauptsächlich deren Vordenker Justus – zu kreuzen. Legendär sind die Fälle „Seltsamer Wecker“, „Super-Papagei“ und „Erbe des Meisterdiebs“. Letzterer beinhaltete eine harte Schlappe (die einzige in der ansonsten makellosen Historie der drei ???) – Grund dafür war – neben Hugenay – Britanny. Auch sie hat in dieser Geschichte ihre Auferstehung. Undurchsichtiger denn je. Hat sie sich geändert? Marx lässt den Leser zappeln und somit auch seine Protagonisten, die nicht recht wissen, in welche Schublade sie Britanny stecken sollen.

Bei Hugenay scheint der Fall ganz klar. Er ist ein Verbrecher, ein Bösewicht par exellance. Oder vielleicht doch nicht? Dass er einen Narren an Justus gefressen hat, ist bekannt. Wie immer dirigiert er die Ereignisse scheinbar nach seinen Gunsten und Belieben. Ob in Haft oder nicht. Fraglich bleibt bis zum Schluss, was seine Beweggründe sind, diese Spielchen zu treiben. Bis zum absoluten Finale ist der Leser ratloser als je zuvor, was seinen Charakter angeht. Natürlich darf eine solche Folge nicht ohne Rätsel und noch mehr undurchsichtige Typen auskommen. Ebensowenig dürfen bestimmte Figuren fehlen. Tante Mathilda und Onkel Titus gehören zur Grundausstattung, aber auch Inspector Cotta und Chauffeur Morton – samt Rolls Royce selbstverständlich – haben mal wieder ihr Schärflein beizutragen.

Als originelle Idee spielt diesmal die Zentrale der ??? eine vollkommen ungeahnte Rolle. Mehr sei hier darüber nicht verraten, als dass der gammelige Campinganhänger durchaus noch rüstig ist. An Ideenreichtum mangelt es André Marx jedenfalls nicht. Die drei Teile lesen sich sehr flüssig und mit einer guten Portion Humor. Zudem ist die Geschichte sprachlich sehr ausgefeilt, kaum ein Buch der drei Fragezeichen ist je ausschmückender verfasst worden. Die sehr bildhafte Schilderung ist erstklassiges Kopfkino. Allerdings ist Autor Marx spürbar kein wirklicher Waffenexperte: Das „Entsichern“ einer Pistole macht kein Geräusch – zumindest kein auf Entfernung wahrnehmbares – was er so lautmalerisch beschreibt, dürfte demnach der Hahn sein. Egal.

Dankbar muss man ihm sein, dass er der Verlockung widerstand, auch in diesem Jubiläumsband auf Deibel komm raus alle möglichen Figuren zu reanimieren. Er belässt beispielsweise Jelena, Skinny Norris und andere schön in der Mottenkiste und hält den Cast übersichtlich. Nichts gegen diese (Kult-)Figuren, doch der letzte, opulente Dreierband „Toteninsel“ war einfach nur gnadenlos damit überfrachtet. „Feuermond“ ist dagegen fast schon minimalistisch aufgezogen und hat nur wenige Szenen, die nicht ganz so überzeugend sind. Das Ausgangs-Szenario für den Showdown etwa. Das wirkt arg beigedengelt und allein vom Setup her eher minder glaubwürdig, ist dafür aber im Verlauf nichtsdestoweniger spannend und halbwegs schlüssig geworden.

_Fazit_

Alle drei separaten Teile vergehen wie im Flug. Die Geschichte ist, bis auf kleinere, zu vernachlässigende Macken, erfreulich intelligent und – in Sachen Hugenay und seiner Vergangenheit – höchst aufschlussreich. Der 14,90 Euro teure Dreierband ist nicht unbedingt für Einsteiger in die Serie gedacht, wenngleich auch solche damit einen recht lockeren Einstieg haben dürften. Einen gelungenen und eher actionreichen noch dazu – ein schon fast klassisch (und serientypisch) zu nennendes Rätsel gibt’s obendrauf. Natürlich ist der Fall wieder in sich abgeschlossen und eigenständig, doch stärker als üblich sind Bezüge auf frühere Begebenheiten zu finden. Diese zu kennen, ist hilfreich, jedoch für das generelle Verständnis nicht nötig. Sie sind andererseits diesmal jedoch auch etwas mehr als nur das Salz in der Fan-Suppe.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_
Die drei ??? ® – „Feuermond“-Band 125
Erzählt von André Marx
Franckh-Kosmos, Stuttgart – 09/2005
Das Rätsel der Meister (125-1)
Der Pfad der Täuschung (125-2)
Die Nacht der Schatten (125-3)
Drei Hardcover im Schuber, je 128 Seiten
ISBN: 3-440-10205-X

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