May, Brian / Moore, Patrick / Lintott, Chris – Bang! – Die ganze Geschichte des Universums

Die Entstehung des Universums leicht gemacht? Kein Problem: „Bang!“ soll es möglich machen, zumindest wenn es nach Patrick Moore, Chris Lintott und Brian May geht. Nanu, Brian May? Der Mann, der hinter einer der wichtigsten Rockbands aller Zeiten steht und den Sound von Queen über mehr als drei Dekaden zu einer wahrhaftig einzigartigen Erscheinung in der Musiklandschaft erkoren hat? Ja, richtig! May, seines Zeichens nicht bloß Gitarrist und Studiomensch, sondern nach seiner Laufbahn auch wieder als Wissenschaftler aktiv ließ sich von seinen beiden Gefährten dazu inspirieren, einen fundierten, aber auch für jedermann leicht nachvollziehbaren Bericht über die Historie des Weltalls zu erstellen, indem der promovierte Astrophysiker sein Wissen mit jenem von Lintott und Moore vereinen konnte. Herausgekommen ist eines der besten, sehr gründlich recherchierten Werke zu jenem Themenbereich und dazu ein Buch, welches den Urknall ebenso formelfrei definiert und erklärt als wäre es das kleine Einmaleins. Ein Kinderbuch also? Mitnichten …

May und seine Kollegen von der BBC („The Sky At Night“) starten ihre Dokumentation sinngemäß mit dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren und geben bereits hier einen sehr ausführlichen, aber auch ausgewogen dargestellten Einblick in die Ereignisse, die zur Entstehung des Lebens und des natürlichen Wachstums führten. Das Trio bemüht sich dabei von Anfang an, mit wissenschaftlich vereinfachter Sprache die Grundlagen nahezubringen, physikalische Einheiten in diesem Zusammenhang zu erklären, entscheidende Entwicklungen darzulegen und überdies mit vielen Skizzen, Bildern und illustrierten Erläuterungen das Basiswissen aufzustellen, auf dem die insgesamt sieben Kapitel von „Bang!“ schließlich aufbauen können. In der Folge begibt man sich auf eine sehr informative Zeitreise, die den Beginn des Lebens, geografische Eigenheiten, astronomische Phänomene, spezifische Eigenheiten der Milchstraße und ihrer möglichen Nachbargalaxien und schließlich auch die konzentrierte Erweckung unserer Erde in den Mittelpunkt rückt und dies alles in einer bemerkenswert aufgearbeiteten Chronologie wiedergibt. Die drei Autoren visualisieren dabei nicht nur Essenzielles, sondern gehen vor allem in der frühen Entstehungsgeschichte etwas mehr in die Tiefe und verfolgend diesbezüglich den kontinuierlichen Ansatz der permanenten Versinnbildlichung. Schwierig verständliche Besonderheiten werden in Relation zu zeitgemäßen Ereignissen gestellt, und vor allem die physikalisch zunächst nur sehr speziell erklärbaren Tatsachen erfahren durch ihren Bezug zur weltlichen Realität eine Anschaulichkeit, die man in vielen ähnlich gelagerten Büchern schmerzlich vermisst.

Natürlich darf man auf der anderen Seite nicht erwarten, dass „Bang!“ die Quintessenz zu dieser so umfangreichen Thematik ist. Hierzu fehlt es den drei Initiatoren nicht nur an Zeit und Raum in ihrer Darstellung, sondern folgerichtig auch an Tiefgang bei vielen Einzelheiten. Dies bedeutet keinesfalls, dass May, Moore und Lintott lediglich an der Oberfläche kratzen, doch da die Motivation hinter „Bang!“ vorrangig darin besteht, eine Summe aus Basiswissen und zusammengefassten wissenschaftlichen Thesen zu erstellen und diese universell nachvollziehbar zu machen, muss man sich natürlich auf das Wesentliche konzentrieren. Allerdings ist genau jener Ansatz das lobenswerte Element dieser Veröffentlichung, da es den womöglich bedeutsamsten Teil der Weltgeschichte bündelt, ihn zugänglich macht und ihn nicht als abschreckendes, ausschließlich für die Forschung relevantes Konstrukt zurücklässt. Dafür steckt nicht nur zu viel Detailliebe und Herzblut in der umfangreichen Präsentation (man beachte schließlich mal die reiche Bebilderung dieses Bandes), sondern auch eine Masse an Inhalt und fundierter Recherche, die für eine solche ‚Familienausgabe‘ absolut einzigartig ist – und wahrscheinlich auch erst einmal bleibt. „Bang!“ schließt ein (schwarzes) Loch im themenspezifischen Sachbuch-Segment mit hochtrabenden Ambitionen und einer absolut souveränen Verbundarbeit, die als Wissensgrundlage eigentlich einen angestammten Platz in jedem Haushalt finden sollte.

Dass „Die ganze Geschichte des Universums“ im KOSMOS-Verlag erscheint, bringt zuletzt noch ein kleines Schmunzeln – besser hätte es letztendlich ja gar nicht passen können. Doch dies nur als Anekdote zum Schluss …

Weitere Infos gibt es im Übrigen bei [www.bangubiverse.com]http://www.banguniverse.com .

|Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
ISBN-13: 978-3440111253|
[www.kosmos.de]http://www.kosmos.de

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