McCaffrey, Anne / Scarborough, Elizabeth Ann – Gesänge des Eisplaneten, Die

_Planetenabenteuer für Katzen-Freunde_

Ein wahrhaft ökologischer Science-Fiction-Roman, von zwei bekannten Autorinnen des Genres. Anne McCaffrey ist für ihre Pern-Romane bekannt, Elizabeth Ann Scarborough für ihren SF-Roman „The Healer’s War“. Die beiden Anns schrieben ihre Eisplanet-Trilogie in Irland, und so verwundert es nicht im Geringsten, dass Iren und irische Namen neben den Inuit (vulgo: Eskimo) eine Hauptrolle auf Petaybee spielen, dem Eisplaneten. Außerdem tauchen jede Menge Katzen auf, die Lieblingstiere Scarboroughs. Dieses Buch ist der Startband einer Trilogie.

_Handlung_

Bei einem Überfall von Terroristen wurden ihre Lungen verätzt: Seither gilt Major Yanaba Maddock als kampfunfähig. Folglich kommt sie sich etwas abgeschoben vor, als man sie auf den eisigen Kolonialplaneten Petaybee schickt. Dort erhält sie von einem Geheimdienstoberst einen Geheimauftrag: Sie soll herausfinden, was es mit verschwundenen Wissenschaftlern und verrückten Beobachtungsmeldungen auf sich hat. Von wegen Einhörner und so! Außerdem lassen sich Vorkommen kostbarer Metalle, die vom Weltall aus gesichtet wurden, nicht mehr orten. Und mutierte Wesen sollen im Landesinneren ihr Unwesen treiben. Es geht wahrlich nicht gesittet und mit rechten Dingen zu.

Zusammen mit Einheimischen wie der Schlittenfahrerin Bunny versucht Yana hinter das Geheimnis dieser unerklärlichen Phänomene zu kommen – und entdeckt plötzlich, dass sie wie durch ein Wunder zusehends gesundet und dass heilige Gesänge über den Planeten wehen, als würde ein Gott (wohl eher eine Göttin) die Menschen von Petaybee rufen: Der Planet lebt.

In einem zweiten Handlungsstrang wird das Schicksal einer beinahe verschollenen Geologenexpedition erzählt. Lediglich zwei Außenweltler und drei Einheimische überleben das Unglück. Natürlich untersucht die Erschließungsfirma, wie es dazu kommen konnte und ob einer der Einheimischen die Schuld daran trägt. Bei den physischen Untersuchungen stirbt eine der Schlittenführerinnen, was natürlich für böses Blut unter der Bevölkerung sorgt. Als einer beiden Außenweltler von Einhörnern und anderen Mutationen faselt, die er in einer Felshöhle fand, fällt auch sein Ansehen bei der Firma, nur um im Kurs beiden Einheimischen zu steigen: Diego hat bei Bunny, der Schlittenfahrerin, einen Stein im Brett.

Doch die unerklärlichen Vorkommnisse veranlassen die Company, mehr Soldaten auf den Planeten zu transportieren, um sich den Weg zu den versteckten Mineralvorkommen freizusprengen. Die wichtigsten Einheimischen wie Sean, der Genetiker, machen sich aus dem Staub: Die Company verdächtigt sie des Terrorismus – die gleiche Situation wie damals auf Bremer, als Yana verletzt wurde. Eins führt zum anderen, bis es zu mehreren Katastrophen kommt.

_Mein Eindruck_

Petaybee ist sozusagen der Planet gewordene Gaia-Mythos, wie er Mitte des 20. Jahrhunderts erfunden wurde: eine lebende Welt mit einem Bewusstsein. Interessant ist der durch die Außenweltler erzeugte Konflikt zwischen gewachsener und gemachter Welt (Petaybee wurde terraformiert). Dabei wird das Machen keineswegs rundheraus abgelehnt, denn praktisch alle Arten von Leben wurde entweder von der Erde eingeführt oder genetisch an die neuen Bedingungen angepasst. Dabei kam es zu verbotenen Züchtungen, für die u. a. Sean, der Genetiker, verantwortlich ist: die Katzen, Pumas und Einhörner dürften jedes Leserherz höher schlagen lassen.

Für Spannung und Interesse sorgt der Weg der Außenweltlerin Yanaba in das Herz der Gemeinschaft der Einheimischen von Kilcoole. Nachdem sie sich in Sean verliebt hat, führt er sie weiter ein und bringt sie dazu, der Gemeinschaft ein großes Geschenk zu machen: die Wahrheit über das Unglück, das ihr widerfuhr und bei dem etliche Dorfangehörige ebenfalls umkamen.

Dass Yana eigentlich für die Company spionieren soll, stellt sie erst zwischen die Fronten, führt dann aber dazu, dass sie sich aufgrund ihrer Erkenntnisse gegen die Company stellt, der Menschenleben egal sind, wenn es um ihren Profit geht. Kein Wunder, dass Yanas Weg sie direkt zwischen die Fronten führt, als es zu den Katastrophen kommt.

Leser, die auf Action und rationale Entscheidungen aus sind, dürften sich schon nach wenigen Seiten frustriert fühlen, denn es scheint nichts zu passieren. Das Gegenteil ist der Fall: Erkenntnisse en masse (siehe unten). Sie verändern Yana und so verändert sich ihre Position in der Geschichte: vom Opfer zum Täter. Es lohnt sich, ihren Weg zu verfolgen.

|Für wen eignet sich dieses Buch?|

Da die weit überwiegende Mehrheit der Figuren Frauen sind, dürften sich Leserinnen am ehesten davon angesprochen fühlen, was Yana auf Petaybee erlebt. Auch die Art ihrer Erlebnisse ist eher von emotionaler und intuitiver Erkenntnis bestimmt: eine besonders weibliche Erfahrung der Welt. Und nicht die schlechteste, denn dies führt dazu, dass Yana wesentlich mehr von der einheimischen Gemeinschaft hat, sich schnell einlebt und sogar Kontakt mit dem Bewusstsein des Planeten aufnimmt.

Aber auch ich habe dieses Buch wegen seiner Spannung und der interessanten Figuren genossen. Aber über die Liebe, mit der die Autorinnen die Katzen von „Tante Clodagh“ beschreiben, musste ich des Öfteren den Kopf schütteln. Der nächste Band ist sogar zwei Katzen gewidmet.

Einer der penetranten Mängel soll nicht verschwiegen werden: die schlechte, geradezu schlampige Korrekturarbeit, die sich u. a. in zahlreichen Druckfehlern (Drehern usw.) bemerkbar macht.

|Originaltitel: Powers that be, 1993
Aus dem US-Englischen übertragen von Ralph Tegtmeier|

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