McIntyre, Vonda N. – Traumschlange, Die

_Preisgekrönte feministische Science-Fiction_

Feministische Science-Fiction, die nicht nur spannend, sondern auch einfühlsam erzählt ist.

_Handlung_

In ferner Zukunft, einige Jahre nach einem atomaren Holocaust, leben die Menschen in Stämmen in der Wüste oder zusammengedrängt in den Ruinen der Städte. Ärzte wandern von ihrem Zentrum aus, um zu helfen. Die junge Heilpraktikantin Schlange kuriert mit Hilfe von manipuliertem Schlangengift Verletzte und Todkranke, oft erfolgreich, machmal kommt sie auch zu spät. Sie kämpft gegen Fremdenangst und Ignoranz, dabei wird ihre Traumschlange getötet, mit der sie die Patienten beruhigt.

Doch die Heiler können die Traumschlangen, die von fremden Welten stammen, nicht selbst züchten, sondern müssen sie in der alten Stadt kaufen. Dort jedoch wird Schlange abgewiesen. Auf ihrer Reise adoptiert sie ein junges Mädchen, Melissa, das sehr unter erlittenen Verbrennungen leidet. Sie will Melissa zur Heilerin ausbilden und nimmt sie auf ihre Suche mit. Ein junger Mann verliebt sich in sie und folgt ihrer Spur.

In dem Relikt einer Bunkerfestung findet sie schließlich Traumschlangen in rauhen Mengen, doch deren Besitzer, ein gigantischer Albino, hasst alle Heiler und hält sich Leute als Sklaven, die vom Gift der Traumschlangen abhängig geworden sind. Er wirft Schlange und ihre Adoptivtochter in eine Grube voller Traumschlangen. Hier entdeckt sie das Geheimnis der Fremdwesen.

Beide geraten in Lebensgefahr, doch Schlange gelingt es zu entkommen und Melissa mit knapper Not zu retten. Zu guter Letzt taucht auch ihr junger Freund auf und gibt den beiden Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft zu dritt. Drei ist die magische Zahl in diesem Buch – auch Traumschlangen vermehren sich nur zu dritt.

_Fazit_

Das Buch ist nicht nur eine gelungene Synthese aus Science-Fiction- und Fantasy-Elementen, sondern zugleich eine einfühlsame Studie einer jungen Frau, die im Wesentlichen auf sich allein gestellt das Leben in einer lebensfeindlich gewordenen Welt meistert. Die Autorin macht weder den Fehler, eine problemlose Idylle zu schildern, noch zeigt sie die Heilerin als besser funktionerenden Mann. Vielmehr wird hier eine im Grunde realistische Geschichte im Fantasy-Gewand erzählt, und die Heldin bewältigt ihre Schwierigkeiten aus sich selbst heraus, durch Einsatz ihrer besonderen Fähigkeiten als Frau, als Mensch.

Zu der Zeit seiner Entstehung Anfang der siebziger Jahre dürfte die Schilderung von Ehegemeinschaften aus drei Mitglieder und von Dörfern, in der Familien aufgrund von Adoption zustande kommen, für einiges Aufsehen gesorgt haben. Auch die Themen Kindesmissbrauch und Vergewaltigung dürften hier zum ersten Mal in der SF aufgetaucht sein.

|Die Autorin|

Die 1948 geborene Autorin erhielt 1973 für die Novelle, die die Grundlage dieses Romans bildet, den „Nebula Award“, und für den 1978 erschienenen Roman die zwei wichtigsten Preise der Science-Fiction. Bei uns wurde sie mit dem „Starfarer“-Zyklus bekannt und der historischen Fantasy „Am Hofe des Sonnenkönigs“.

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